Ist Jungsein heute wirklich so?

    • (1) 24.05.18 - 20:01

      Hallo,

      aufgrund akuter Krankschreibung hab ich gerade ganz viel Zeit zum Seriengucken:-D. Habe nun "Tote Mädchen lügen nicht" für mich entdeckt und kann nicht aufhören zu gucken... Staffel 1.

      Die Inhalte der Serie beschäftigen mich sehr, weil ich es wirklich krass finde, wie das Leben von Jugendlichen dargestellt wird und mit was sie sich so herumschlagen. Ich meinte dann zu meiner Tochter, dass seien sicher auch eher amerikanische Verhältnisse (sie hat die Serie schon gesehen), was sie aber vehement abstritt - das sei hier schon auch so, viele der geschilderten Probleme kenne sie auch von sich und anderen.

      Nun ist sie auf einer echt guten Schule, auf der mehr Wert auf soziales Miteinander gelegt wird als auf anderen, in denen eher Leistungsorientierung im Vordergrund steht und ich konnte das kaum glauben. Dann fielen mir aber Whatsapp-Stories und Instagram-Posts ein, die sie mir gezeigt oder von denen sie erzählt hat und ich dachte mir, vielleicht ist es wirklich so - schwer, jung zu sein - heutzutage...

      Ich meine , viele der geschilderten Probleme in der Serie sind mir auch noch in Erinnerung, aber dieser immense Druck, dazugehören zu wollen und müssen irgendwie nicht. Klar wollte ich auch "dazugehören", aber vordergründig ging es doch darum, bestimmten Leuten zu gefallen, nicht der ganzen Schule?

      Und dieses Gefühl der totalen Einsamkeit der Hauptfigur kann ich nur ganz schwer nachvollziehen, zumal sie ja kein typisches Mobbingopfer ist, sie ist ja eigentlich ganz normal. In meiner Jugend gab es auch Leute die gemobbt wiurden, allerdings in meiner Wahrnehmung nie so brutal wie es heutzutage oft ist (ok, ich war ja nicht betroffen, für die Gemobbten war es vermutlich genauso schrecklich).

      Und dann diese hilflosen Eltern, die von nix einen Plan haben, was ihre Kinder betrifft - war das auch immer so? Ich muss zugeben, ich kann manche Probleme meiner Tochter oder Sachen, über die sie sich tierisch aufregt, mitunter auch echt nicht nachvollziehen, weil ich es einfach nicht verstehe. Insbesondere, warum man Leuten gefallen will, die man selbst saudoof findet (wie diese Clique von Jungs in der Serie).

      In der Serie haben ja alle Charaktere mehr oder weniger massive Probleme, sind unglücklich - und zwar unabhängig vom Elternhaus, die sozial verwahrlosten reichen Kids ebenso wie die materiell Benachteiligten, aber auch die aus "heilen" Familien mit netten Eltern... Solche Geschichten kenne ich auch in echt, hab aber gerade keine Idee, was man als Eltern von Teenagern überhaupt noch tun kann, wenn der Einfluss immer mehr schwindet.

      Und ich finde es echt traurig, dass die Kids diese Zeit, in der das Leben vor einem liegt, sie jung und hübsch und gesund sind, offenbar so wenig genießen können, weil sie so belastet, unzufrieden und unglücklich sind.

      Wobei, glücklich war ich zwischen 14 und 20 jetzt auch nicht gerade... Aber ich war wirklich immer überzeugt davon, dass das richtige gute Leben ja erst noch kommt... Wobei ich mit Anfang 20 auch vier Leute kannte, die sich das Leben genommen haben. Also war es früher auch nicht anders - oder besser?

      Was sind eure Erfahrungen, eigene - oder mit euren Kids?

      • Hallo snowwhite1974

        durch meine Tochter habe ich die Serie "Tote Mädchen lügen nicht" auch geschaut. Ich kann aus meiner Sicht nur sagen, es sind nicht nur typische amerikanische Verhältnisse, sondern auch bei uns. Ich würde mal behaupten, dass es in der heutigen Zeit viel schlimmer ist, als noch in meiner Jugend. Ich habe auch schon viel gehört und gesehen. Ich nenne mal ein Beispiel (wurde mir vor kurzem erzählt). Die Oma hatte zu ihrer Enkelin gesagt; Kind was hast du für einen Po. Vielleicht hat sich die Oma nichts dabei gedacht, aber dieses Mädchen leidet nun an Magersucht 😔 Mobbing erfahre ich in der Schule meiner Tochter auch sehr oft und es geht auch mal bis unter die Gürtellinie. Es gibt so viele verschiedene Arten von Mobbing. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in meiner Zeit so schlimm war. Ich persönlich möchte heute kein Teenager mehr sein und es macht mich traurig, wenn man weiß wie viele Mädchen wohl darunter leiden (vereinzelt wohl auch Jungs). Meine Mama hatte wohl früher nicht jedes "mimimi" Wort ernst genommen, da hieß es noch, quatsch typisch Kinder 😂 Heute selbst als Mama einer 14 Jährigen Tochter, muss ich leider erstmal die noch so kleine Anmerkung ernst nehmen. Traurig aber das ist die Realität. Natürlich kann man die Kinder nicht vor allen Dingen schützen, aber das Gefühl geben, egal was ist und passiert, ich bin da und höre immer zu 😉

        Hallo,

        ich war als Teenager sehr glücklich. Ich wuchs behütet auf, hatte viele Freunde, viel Spaß und ein sorgenfreies Teenagerleben. Nun habe ich ebenfalls 2 Söhne in der Pubertät. Auch sie sind glücklich. Sie haben ganz normale Teenager-Probleme wie ich sie damals auch hatte. Beide haben viele Freunde, sind beliebt, oft draußen unterwegs und die einzige Sorge, die sie haben ist, ob morgens das Haar liegt oder wie sie mit möglichst wenig Aufwand durch den nächsten Test kommen. Ich habe meine Kinder noch nie gestresst von der Schule kommen sehen. Dazugehören und jedem gefallen wollen ist normal in dem Alter. Das war früher so und ist heute genauso. Vergleiche ich meine Pubertät vor 25 Jahren mit der meiner Kids jetzt, sehe ich keinen Unterschied.

        LG

        Hallo
        Ich habe vor einer Ewigkeit das Buch gelesen. Inwiefern die Sendung abweicht weiß ich jetzt nicht.
        Um ehrlich zu sein, ich würde diese Jahre jetzt auch nicht unbedingt nochmal durchmachen wollen. Ob es schlimmer als früher ist? Ich denke nicht unbedingt. Aber es ist anders und Probleme verlagern sich wohl mit jeder Generation etwas (zB. die sozialen Medien).
        Nach meiner Empfindung ist es eine sehr sensible Zeit. Man ist auf der einen Seite quasi erwachsen, und dementsprechend sehen die Ansprüche aus, auf der anderen Seite aber ist man doch noch sehr jung und wird gleichzeitig teilweise gefühlt wie ein Kleinkind behandelt. Man steckt in einer Findungsphase und der Gruppenzwang ist auf seinem Höhepunkt. Oft geht es denke ich auch weniger ums „gefallen“, sondern ums nicht auffallen und der Angst vor Spott.
        Meine Tochter ist und war schon immer sehr ruhig, nicht sonderlich selbstbewusst und generell eher introvertiert. In ihrer Jugend war das wirklich am schlimmsten. Dann kam in ihre Klasse ein älteres Mädel die den Laden bis zum Abschluss ordentlich aufmischte. Ich würde es nicht mobben nenne, aber sie hatte schon eine sehr spezielle (um es nett auszudrücken) Art. Meiner Tochter zB. erklärte sie so mal vor versammelter Mannschaft sie sollte doch lieber mal dies und jenes anziehen, sich so und schminken, aus diesem und jenem Grund. Für meine Tochter war das wirklich der absolute Weltuntergang. Ihre Freundinnen waren immer da und sagten da auch gleich was. Doch trotzdem hat es sie extrem getroffen.
        Bei ihr kann ich wirklich sagen, seitdem sie aus dem System Schule raus ist, ist sichtlich aufgeblüht und mehr sie selbst. Das gleich beobachte ich bei einigen vielen ehemaligen Mitschülern. Allerdings ist das natürlich auch Typsache. Ich kenne auch ein paar Menschen die auch die Jugend durch eine ganz gefestigte Persönlichkeit hatten und sich nicht aus der Ruhe bringen ließen, einfach ihr Ding machten.
        Ich habe die Teenie Jahre übrigens in den USA durchlebt. Ich würde nicht unbedingt sagen es ist dort groß anders. Die Gegebenheiten sind teilweise einfach anders und dadurch ergeben sich ein paar Unterschiede (Alkohol zB.).

        LG

      • (5) 25.05.18 - 10:33

        Hallo,

        ich kenne die Serie nicht, aber ich denke, dass die Jugendlichen früher auch nicht glücklicher oder unglücklicher waren als heute.

        Mein Mann ist z.B. in den 80ern massiv gemobbt worden, und ist dadurch bis heute gezeichnet. Dafür hat sich damals kein Lehrer wirklich interessiert und seine Eltern haben es als "normal unter Kindern/Jugendlichen" abgetan.
        Das läuft heute besser, weil die Schulen und die meisten Eltern sensibler reagieren.
        Was heute anders ist, ist dass Mobber ihre Opfer besser per Whats App nach Hause verfolgen können.

        Bei mir in der Schule gab es auch irgendwelche Jugendlichen, die auf anderen herum gehackt haben, weil die die falsche Kleidung trugen, die falschen Hobbies hatten, nicht geschminkt waren, mit den falschen Leuten herum hingen etc.
        Natürlich haben die Opfer darunter gelitten, und es gab nicht wenige, die versucht, haben, sich anzupassen, um zu der coolen Clique dazu zu gehören.

        Die Jugend ist nunmal eine Übergangsphase, wo man kein Kind mehr, aber auch noch kein Erwachsener ist und versucht, sich selbst zu definieren. Das war schon immer eine Phase der Unsicherheit und des Unzufriedenseins mit sich und anderen.

        Ich war als Jugendliche auch oft unglücklich, obwohl es, objektiv betrachtet, keinen Grund dafür gab.

        Ich denke auch, dass die heutige Erziehung dafür sorgt, dass mehr Kinder und Jugendliche schlechter mit Kritik, mit Rückschlägen und mit blöden Bemerkungen Gleichaltriger umgehen können. In Watte gepackt zu werden und nichts selbst regeln zu müssen, macht nun einmal nicht selbstbewusst.
        Ich kenne z.B. eine Jugendliche mit Helikopter-Mutter, die kaum mit Gleichaltrigen klar kommt, sich in Manga-Welten flüchtet und sich daraus merkwürdige Gründe ableitet, warum ihr Leben so blöd ist. Letztendlich ist aber der Grund, dass sie keinerlei Selbstbewusstsein hat, weil Mama die Ausbildung eines solchen erfolgreich unterbunden hat.
        Andere Jugendliche mit normalen Eltern, die ich kenne, haben mal Phasen, wo sie gefrustet sind, aber grundlegend unzufrieden sind sie nicht.

        LG

        Heike

        Ich glaube heute ist es etwas einfacher zB zu mobben, da die ganzen sozialen Medien missbraucht werden und eine gewisse Anonymität des Internets die Hemmschwelle senkt.
        Eltern, Großeltern und Lehrer hatten früher glaube ich mehr Einfluss auf Schüler als heute, haben mehr Respekt bekommen...

        Dennoch finde ich die Serie etwas zu dramatisch.

      • Hallo, was erwartest du denn von einer kaputten Gesellschaft? Wir leben im Zeitalter wo Familie nicht mehr im Vordergrund stehen. Babys kommen schon in die Krippe damit Mama und Papa arbeiten gehen können weil sie ein Haus kaufen wollen. Ehen werden geschieden. Handys und PC Spiele lassen die Kinder vereinsamen. Eltern leben den Kindern das Leben vor. Es ist doch kein zusammenhalt mehr da wie früher. Meint ihr unsere Eltern oder Großeltern waren immer glücklich? Sicher nicht aber sie rauften sich wieder zusammen.

        • Ach weißt du selbst meine Oma wurde von einer Mitschülerin massiv fertig gemacht. Und sie wurde im Jahr 1925 geboren.
          Wahrscheinlich litt das Mädchen unter prügelnden Eltern, der Vater hat die Mutter verklärt oder sie hatten kaum zu essen. Jede zeit ist auf ihre Art grausam. Ich bin mir nicht sicher ob ich einen werteverfall von damals zu heute erkennen kann...

      Ich bin in der 5 u 6 Klasse extrem heftig gemocht wurden. Ich wurde psychisch fertig gemacht, Leute die mich mochten, haben sich nicht offen getraut dies zuzugeben. Auch die ParallelKlassen wurden gegen mich aufgehetzt. Es hat mir den Spaß an der Schule für immer versaut u ich hatte lange arge Probleme und Ängste bezüglich Schule. Ich frage mich heute manchmal wie ich das überlebt habe.
      Das ist 15 Jahre her...vielleecht ist dies auch keine angemessene Zeitspanne, ich bin 1989 geboren.
      Es war früher nicht besser als heute, ich denke vieles verklärt sich im Rückblick.

    Ich weiß nur, dass meine Oma (86) bei jeder Kleinigkeit sagt: "Nicht, dass ihn (meinen Sohn) die Kinder da auslachen..." - und ich mir immer denk: "Nö, eigentlich lachen Kinder heute überhaupt niemanden mehr aus wegen irgendwas."

    Ich bin Lehrerin an einer Realschule in sehr ländlichem Raum, ok. Und ich bin wirklich immer mal wieder überrascht, wie lieb und nett und offen unsere Kinder echt miteinander umgehen. Da gibt es wirklich viele, die einen offensichtlichen Spleen haben. Aber da es heute ja so viele Leute gibt, die ihren "Vogel", den ja wohl jeder hat, ganz offen ausleben, scheint das nicht mehr so das Problem zu sein.

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