Meine Mama will mich nicht mehr

    • (1) 17.06.19 - 08:34

      Hallo zusammen,

      bevor ich mit irgendwas anfange, muss ich sagen, dass ich unsicher bin, ob dieses Forum das Richtige dafür ist, und das tut mir unendlich leid, aber ich bin am Ende und brauche Hilfe.

      Ich bin 17 Jahre alt und es gibt in letzter Zeit sehr viele Familienprobleme bei mir Zuhause. Mein ganzes Leben lang habe ich bei meinen Großeltern gewohnt, da meine alleinerziehende Mama immer vollzeit berufstätig war, um mir und meiner Schwester alles zu ermöglichen. Um meine Großeltern habe ich mich immer gekümmert und ich habe meinen Opa immer gepflegt (er litt an Pflegestufe 4 Demenz). Vor 3 Monaten ist er jedoch gestorben und seitdem geht alles den Bach runter.

      Seit mehreren Jahren bin ich schwerst depressiv, jedoch habe ich mich wirklich stark gebessert sodass ich versuche, das Beste aus allem zu machen. Leider bin ich aber psychisch nicht so belastbar wie ich es im Moment gebrauchen könnte. Nach dem Tod meines Opas wollte meine Oma umziehen und es stand die ganze Zeit fest, dass ich weiter bei ihr wohnen würde, um mich um sie zu kümmern, da es ihr immer schlechter geht und sie es auch nicht schafft alleine einkaufen zu gehen. Einen Tag vorm Umzug hat sie jedoch mir den Mietvertrag der neuen Wohnung vorgelegt, wo drin stand, dass nur eine Person in die Wohnung ziehen würde. Erklärt hat sie dies damit dass ich ihr all die Jahre lang die schrecklichsten Dinge angetan hätte und sie endlich etwas für sich tun wollte. Nie habe ich meiner Oma jemals etwas Böses gewollt oder überhaupt getan, natürlich hat man sich mal gestritten und die Türen geknallt aber meine Oma und ich hatten eigentlich immer ein wirklich tolles Verhältnis zueinander.

      Seitdem wohne ich bei meiner Mutter und meinem Stiefvater, was auch wirklich kein Problem ist, da ich meine Eltern über alles liebe. Ich helfe im Haushalt und auch wenn der Platz zu wünschen übrig lässt, passe ich mich gut an und tue alles was ich kann, um meine Eltern zu entlasten. Zu meinen Eltern: Mein Stiefvater ist Frührentner aber versucht die ganze Zeit Arbeit zu finden und erledigt kleinere Jobs, wie bsp. Rasenmähen etc. Meine Mama hat vor ein paar Monaten ihren Beruf verloren, da ihre Firma ihr Fehler versucht hat unterzuschieven, sie im Endeffekt aber gekündigt wurde. Ich habe gute Noten in der Schule aber wegen meinen Depressionen musste ich dieses Jahr abbrechen, habe aber schon einen Schulplatz für das kommende Schuljahr.

      Zudem muss ich sagen dass mein Freund bei uns wohnt, er aber Teil der Familie geworden ist und meine Eltern ihn lieben wie einen Sohn. Sein Vater ist gewalttätig und mein Freund hat es Zuhause nicht mehr ausgehalten, was der Grund dafür war, dass er zu uns gezogen ist.

      Aber seit meine Mama ihren Job verloren hat, geht alles den Bach runter. Sie hat angefangen zu trinken (nicht im Sinne von dauerhaft betrunken aber sie konsumiert jeden Tag ein wenig Alkohol), sie kriegt nichts mehr auf die Reihe und meint wir sind asozial, aber wir essen morgens und abends alle zusammen, schauen zusammen Filme, gehen zusammen einkaufen und all das, was man sich von einer normalen Familie denken würde. Ich schätze aber wegen der engen Wohnung und weil viel im Moment rumsteht fühlt sie sich, als wären wir asozial. Sie fühlt sich, als hätte meine Oma sie verstoßen, weil es die schlimmste Zeit ist um mich nicht mehr zu wollen. Meine Eltern sind schon auf Wohnungssuche aber wegen mangelndem Geld können wir noch nicht sofort umziehen. Meine Mama bleibt nun teilweise tagelang weg, ist nicht erreichbar und kommt dann wieder als sei nichts gewesen, obwohl wir alle uns extreme Sorgen machen.

      Nun ist es so, dass meine Mutter und mein Stiefvater sich viel streiten, weil meine Mama im Selbstmitleid versinkt und meine Oma und Onkel (welcher meiner Oma mit allem was unfair war gerne geholfen hat) auch noch in Schutz nimmt, weil Familie für sie das Heiligste ist. Es passiert sehr oft dass meine Mama weint, sie kann nicht mehr mit meiner Oma reden oder sie sehen, das einzige was meine Oma interessiert sind Sparbücher die meine Mutter hat. Meine Oma hat seit allem was passiert ist nicht einmal gefragt wie es uns geht und ob alles okay ist, es ist ihr einfach wirklich egal und das zerstört meine Mama. Ich bin einfach nur unheimlich sauer auf meine Oma und verabscheue sie und meinen Onkel, weil es alles wirklich eine ganz linke und ekelhafte Nummer war, wo wir an der Nase rumgeführt wurden und von vorne bis hinten verarscht wurden. Meine Mama hat sich während sie berufstätig war noch um meinen Opa gekümmert und ist selbst nach 12h Schichten noch von der Arbeit direkt gekommen um Geld zu bringen, einzukaufen oder sonst irgendwas. Aber alle tun so, als wäre das nie passiert und meine Oma stellt sich als Opfer da.

      Nun ist es so dass meine Eltern viel streiten. Meine Mama versinkt wirklich in Selbstmitleid und mein Vater ist genau so sauer wie ich, weil meine Mama immer alles getan hat was in ihrer Macht stand und sie jetzt weggeworfen wurde wie ein Stück Müll seit sie keine Arbeit mehr hat. Zudem erlaubt meine Schwester, die von nichts eine Ahnung hat, ein Urteil über die ganze Sache und erpresst meine Mutter regelrecht, sich bei meiner Oma zu entschuldigen. Meine Oma ruft permanent an wegen den Sparbüchern (welche leer sind und das weiß sie) und meine Schwester ruft unsere Mama an nur um immer weiter auf sie einzureden und sie schlecht zu machen. Meinem Vater und mir ist gestern deswegen der Kragen geplatzt, als wir überhört haben, dass meine Schwester gesagt hat "dass sie das Geheule leid ist" und "meine Mutter eh alles falsch gemacht hat".

      Es tut mir wirklich leid für diesen ewig langen Text, aber ohne Kontext versteht man die jetzige Situation falsch. Meine Mutter spielt nun seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, mich und meinen Freund abzugeben, weil sie mit dem Druck nicht klarkommt obwohl alles soweit okay ist. Und sie liebt uns beide, so ist es nicht. Wir sind nicht arm, wir haben jeden Abend warmes Essen auf dem Tisch und können die Rechnungen bezahlen. Wir können auch alles kaufen was wir brauchen also in Sachen Kleidung und Schulsachen. Mein Vater redet öfter mit mir und sagt mir dass ich nicht weinen brauche, weil es wieder alles gut werden wird und das weiß ich, aber selbst er weint in letzter Zeit viel und heute morgen haben sich meine Eltern wieder gestritten. Als meine Mutter ihn dann zur Arbeit gebracht hat hat er mich weinend angerufen und gesagt ich soll bloß nicht auf meine Mutter hören und dass wir bleiben sollen. Ich bin jetzt zwischen zwei Stühlen und weiß nicht, was ich tun soll, weil einerseits fühl ich mich wie eine riesige Hürde für meine Mama, aber ich will bei meinen Eltern bleiben. Ich hoffe dass sich alles wieder einrenkt aber ich weiß nichtmal mehr, wie ich mit meiner Mama umgehen soll. Ich tue wirklich viel im Haushalt aber alles was ich höre ist dass nichts gut genug ist und die komplette Wohnung aussieht wie bei Messis.

      Also meine Oma wollte mich nicht mehr, und meine Mama will mich jetzt auch nicht mehr und ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Kann meine Mama mich einfach so abgeben? Gibt es irgendwas, womit ich sie überreden könnte, das nicht zutun? Ich will auch nicht zum Jugendamt weil ich den Sinn darin nicht sehe, das einzige Problem das existiert ist die Mentalität meiner Mutter momentan.

      Ich würde mich freuen, wenn irgendwer von euch einen Rat hat.

      Liebe Grüße und wirklich vielen Dank,

      MissC00ki3

      • Hallo MissC00ki3,


        so wie es für mich aussieht gibt es bei euch mehrer Baustellen. Das du schwer depressiv bist ist nur eine Baustelle davon. Aber genau diese Baustelle solltest und in Angriff nehmen. All das andere was du geschrieben hast verstärkt nur noch deine depressive Stimmung. Ich weiß nicht ob du deshalb in Behandlung bist und vielleicht sogar eine Therapie machst. Wenn nicht solltest du dir überlegen ob eine Therapie dir helfen kann. Ich würde es auch als günstig ansehen wenn du es schaffst eine eigene Wohnung zu nehmen.

        Das du nicht zum Jugendamt möchtest kann ich verstehen. Ich weiß aber nicht ob du allein aus dieser Situation heraus kommst. Vielleicht erkundigst du dich ob es in eurer Gegend Beratungsstellen gibt an die du dich wenden kannst.

        So wie ich es lese fühlst du dich für alle verantwortlich. Das ist auch ein sehr guter Charakterzug. Du bist aber nicht für alle verantwortlich. Konzentriere dich erst mal auf deine eigenen Baustellen. Wenn du wieder zu zu kräften gekommen bist, dann kannst du dich viel besser um die anderen kümmern. Jetzt aber stehst du an erster Stelle.

        Versuche auch eine vertraute Person zu finden mit der du dich über alles austauschen kannst damit du mal alles los wirst.


        Freundliche Grüße

        blaue-Rose

        Erstmal viel Kraft. Kümmer Dich um Dich selbst.

        Bist du in Therapie? Ansonsten wende dich umgehend an deinen Hausarzt oder wenn Du Dir unsicher bist ruf hier an: https://www.nummergegenkummer.de/

        Deine Mutter ist mit allem überfordert und braucht dringend Hilfe von aussen. Diese Konflikte könnt ihr nicht in der Familie lösen. Ihr seit alle zusammen in einer Abwärtsspirale.

        Überleg von zu Hause auszuziehen, Du bist bald alt genug.

        Habe keine Angst vor dem Jugendamt!
        Auch ich habe in Deinem Alter dort Hilfe gesucht und auch bekommen,es war für die ganze Familie sehr hilfreich auch für meine Eltern.
        Bitte lasse Dich zumindest beraten!
        Rufe da einfach an,die sind wirklich freundlich

      • (5) 18.06.19 - 10:47

        Hallo.

        Wie hier schon geschrieben, sind da mehrere Baustellen. Du solltest wirklich erstmal DEINE Baustelle in den Griff bekommen, dann kannst du auch Hilfe anbieten. Ihr dreht euch alle im Kreis.

        Hol dir Hilfe, versuche mit deinem Freund eine eigene Wohnung zu beziehen und nehmt erstmal davon Abstand. Wenn du die Kraft selbst hast, dann kannst du deine Hilfe anbieten. Aber momentan brauchst du selbst Hilfe.

        Alles, alles Gute.

        LG

        Okay, ich hab jetzt alles gelesen und das Gefühl, man müsste einen ganzen Tag lang nur mit Dir reden, um jedes Detail so einordnen zu können, dass man adäquat helfen kann.

        Mein Rat: Geh auf jeden Fall zum Jugendamt und schildere Deine ganze Situation! Noch bist Du 17 Jahre alt und hast dieses Privileg!!! Ich habe schon öfter mit dem Jugendamt zusammen gearbeitet und glaube mir, das ist keine schreckliche Behörde, vor der man Angst haben muss. DIE HELFEN EUCH!

        Du brauchst wegen der Depressionen (die in Deiner Situation nicht nur verständlich, sondern auch logisch sind) unbedingt ärztliche Hilfe. Alleine schaffst Du das nicht.

        Wenn Du die Depression nicht behandeln lässt, schaffst Du auch alles andere nicht. Keine Schule, Ausbildung. Kein Kümmern um andere. Usw. Kein eigenständiges Leben.

        Hol Dir Hilfe von außen. Den ersten Schritt hast Du ja gemacht. Du hast hierher geschrieben. Super #pro

        Und jetzt Jugendamt und Arzt. Und dann jeden einzelnen weiteren Schritt nach und nach. Du kannst das alles schaffen. Du kannst alle Deine Träume erfüllen. Aber nur in einer gewissen Reihenfolge.

        Am Ende hast Du ein harmonisches Verhältnis zu Deinen Familienangehörigen, eine schöne Wohnung, eine gute Arbeit und eine eigene Familie. Aber für den Weg dahin brauchst Du Hilfe und Kraft, und die kannst Du bekommen. Nimm sie an!!!

        Ich wünsch Dir all die Kraft, die Du brauchst!

        Liebe Grüße von Franka

        P.S. Und denke immer daran (einer meiner Lieblingssprüche), dass es nicht darauf ankommt, mit einem perfekten Kartenblatt zur Welt zu kommen, sondern mit schlechten Karten sehr gut spielen zu können!

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