Hilflosigkeit gegenüber einem Teenager

    • (1) 04.07.19 - 21:32

      Hallo,
      Ich muss mich kurz vorstellen und die grundsituation erklären damit das ganze einen Sinn ergibt. Ich bin die Stiefmutter zweier Kinder. Tochter 15 und Sohn 10. Die Tochter lebt seit 2017 bei uns und der Sohn seit 2018. beide kommen aus keinem guten Elternhaus (mütterlicherseits). Ich selbst bin 33 und der Papa 47. wir sind bereits seit 11 Jahre zusammen und ich kenne die Kinder von klein auf. Im Jahr 2017 holten wir die Tochter zu uns weil es bei der Mutter immer wieder Konflikte mit Handgreiflichkeiten gegeben hat zwischen Tochter und Mutter. Handgreiflichkeiten von beiden Seiten. Wir nahmen sie auf und brachten sie zum verarbeiten Ihrer Probleme zum Psychologen. Schon nach sehr kurzer Zeit sagte mir der Psychologe er habe das Gefühl das sie im was Vorspielen würde und das sie von lügen überzeugt sei. Ich holte sie aus der Hilfe raus weil ich damals dachte er wolle sie einfach nicht behandeln. Es war dann alles gut bis ihr Bruder zu uns kam. Sie fing immer öfter an auf ihren kleinen Bruder los zu gehen. Die zwei konnten nie recht gut miteinander. Aber inzwischen knallt es alle 5 Minuten. Sie ist ein Mensch in ihrer Welt gibt es nur eins. Nur sie. Und wie es allen anderen geht ist ihr eigentlich egal. Gestern ist sie erstmal wieder auf ihren Bruder los und anschließend auf mich. Das ganze ist so eskaliert das ich wirklich alle Kraft gebraucht habe das mir nicht die Hand ausgerutscht ist. Ich weiß nicht was ich mit ihr noch machen soll. Sie hat mir schon sehr viele Sorgen gemacht nur wie sie gestern auf mich los ist war echt beängstigend. Ich habe diesen Hass gesehen. Diese Empathielosigkeit in ihren Augen. Sie hat nie auf Aufmerksamkeit bei uns Verzichten müssen. Manchmal musste sie mal eine halbe stunde warten aber sie hat immer Aufmerksamkeit und Hilfe erhalten. Natürlich sind wir aufgrund von bestimmten Vorfällen die es schon gegeben hat manchmal etwas strenger aber nur materiellen Dingen gegenüber Handy, Taschengeld etc. Aber nie auf emotionaler Ebene. Der Vater weiß inzwischen auch nicht mehr weiter und die Mutter erklärte uns das sie bereits so sei seit dem der Sohn auf der Welt war. Wenn der Vater da ist hält sie sich zurück aber sobald er aus dem Haus zur Arbeit geht funkt es. Habt ihr einen Rat?

      • (2) 04.07.19 - 23:26

        Normalerweise bin ich die Letzte, die sagt, dass man ein Kind aus einer Situation rausnehmen soll, aber hier würde ich wirklich mit dem Jugendamt Kontakt aufnehmen, ob eine Unterbringung des Mädchens in einer Wohngruppe nicht besser bzw. möglich wäre. Die Mutter gab auf, der Psychologe glaubte ihr nicht, sie geht auf ihren Bruder los und sie geht eiskalt auf Dich los. Wie lange wollt ihr hier noch zusehen? Bis es eskaliert und ihr euch gegenseitig an die Gurgel geht? Bei dem Mädchen ist ganz offensichtlich einiges schiefgelaufen über viele Jahre, das kannst Du nicht mehr hinbiegen, der Vater offensichtlich auch nicht. Ich sehe die letzte Möglichkeit wirklich in einer Wohngruppe, die von Fachleuten geleitet wird, die sich mit diesen Problemen auskennen; auch im Interesse des Mädchens, welches ja irgendwie mal einen Schulabschluss samt Ausbildung hinkriegen soll. LG Moni

        • (3) 05.07.19 - 06:33

          Ja darüber haben wir uns auch schon Gedanken gemacht. Die Mutter hat sie nicht aufgegeben. Die Tochter hat damals ihre Mutter angezeigt wenn Kindesmisshandlung. Wir haben ihr damals geglaubt und haben sie unterstützt. Sie wurde gerichtlich sowie auf ihren eigenen Wunsch hin zu uns gegeben. Später als wir dann auch den Sohn gerichtlich zu bekommen haben. Folgeverfahren von amtswegen hat sie ihre Maske fallen gelassen. Nicht die Mutter war die die geschlagen hat natürlich auch aber als Verteidigung gegen ihre Tochter. Ich denke aber auch das das Jugendamt ins Boot zu holen die beste Alternative ist. Auch schon für den kleinen der in der Zwischenzeit echt Angst vor ihr hat.

          • (4) 05.07.19 - 08:58

            Ich überlege mir meine Antworten hier meistens schon, bevor ich sie abschicke und ich sehe wirklich dringenden Handlungsbedarf, dass das Mädel in eine Wohngruppe kommt. Dann ist sie aus allem raus, was sie offenbar aggressiv macht (nach ihrer Sicht) und der Kleine muss nicht auch noch mehr Schaden erleiden. Glaubs mir, kleinere Geschwister leiden SEHR darunter, wenn sich ein Geschwister so aufführt. Nicht zuletzt bist Du ja auch noch wer, der beanspruchen kann, dass endlich mal Ruhe einkehrt. Mach bald einen Termin. LG Moni

            • (5) 05.07.19 - 18:22

              Ich habe heute mit dem Jugendamt gesprochen und gleich für Montag einen Termin bekommen. Das Jugendamt hat u.a. auch noch eine Befürchtung geäußert die mir so gar nicht bewusst war. Sie kann ihren kleinen Bruder ernsthaft körperliche verletzen. Ich könnte nur noch heulen. Der Gedanke sie ernsthaft weg zu geben zerreißt mir das Herz. Aber das Jugendamt meint das es notfalls das beste wäre. Ich habe heute ebenfalls nochmal mit ihrem ehemaligen behandelten Arzt gesprochen. Er erklärte mir seine Äußerungen von damals. Es ging nicht darum das er sie nicht behandeln wollte. Er konnte deutlich sehen das wenn er bestimmte Fragen stellt das sie lügen würde. Sie habe viel um ihre Persönlichkeit drum rum gesprochen und wenn es über sie ging stellt sie sich als perfekt, unfehlbar und für das einzigste auf der Welt dar. Wenn sie über ihren Bruder sprach kam der Hass die Verachtung und als er sie mal fragte was ihr an ihrem Bruder wichtig sei sagte sie „ nichts“ er hat sich in meine perfekt Welt gedrängt und am liebsten wäre mir er würde nicht existieren. Ich war geschockt. Ich mache mir Vorwürfe das ich die Behandlung abgebrochen habe. Aber ich glaubte ihr damals und dachte nicht im Traum daran das eine damals 13 Jahre altes Mädchen solche Schauergeschichten erfindet. Ich hielt die Mutter damals für schuldig und schob es darauf das sie mit insgesamt vier Kindern einfach überfordert sei und deswegen mit ihrer Tochter so oft aneinander geraten ist. Auch der Sohn wollte immer von der Mutter weg zu uns. Das unterstützte meine falschen Vermutungen noch. Ich bin echt auf das Gespräch am Montag gespannt.

              • (6) 05.07.19 - 23:30

                Ich wollte es so krass nicht schreiben, aber ich habe schon auch befürchtet, dass sie den Kleinen einmal verletzen kann mit ihren fehlgesteuerten Gefühlen. DerJA-Mitarbeiter hat immerhin auch seine Erfahrungen. Es ist nicht schön, eingestehen zu müssen, dass man am Ende ist mit seinem Latein, aber es ist absolut keine Schande in eurem Fall. Immerhin habt ihr ja einen Haufen Probleme frei Haus mitgeliefert bekommen, das Mädel ist ja nicht bei euch aufgewachsen. Wie geschrieben, es ist ja auch für sie eine Chance, dass noch was aus ihr wird. Sie wird es als Abschieben ansehen, aber was nicht mehr geht, geht nicht mehr. Bei euch kriegt sie die Kurve eher nicht. LG Moni

      (7) 06.07.19 - 10:37

      Wenn der Junge 10 ist und du seit 11 Jahren mit seinem Vater zusammen bist, dann muss die Trennung ja während der Schwangerschaft erfolgt sein. Das war sicher keine leichte Zeit für die KM und die damals 4jährige Tochter, zumal du ja relativ zeitnah auf der Bühne erschienen bist nach der Trennung.
      Vielleicht hat die Tochter ihre Wut darüber, dass sich der Vater vom Acker gemacht hat, auf den kleinen Bruder projeziert?
      Keine Ahnung, aber vielleicht kann man da ja ansetzen und die Sache aufarbeiten?

      • (8) 06.07.19 - 19:49

        Die Eltern haben sich bereits kurz nach der Geburt der Tochter getrennt. Der Sohn war ein einmaliger Vorfall in einer ausgenutzten Situation. Wir haben bereits mehrfach versucht mit ihr zu reden. Dann ändert es sich solange bis sie wieder mal was bekommen hat was sie will und wenn sie nichts will flipt sie jedesmal aus. In vielen Gesprächen hat sie sehr deutlich gesagt das ihr Gefühle und Wohlergehen anderer Menschen auch außerhalb der Familie vollkommen egal sind. Es muss immer um sie gehen. Und nur das ist ihr wichtig. z.b. wenn jemand weint stellt sie sich offen hin und lacht. Egal warum er weint. Ich denke das ist nicht normal

    (10) 12.07.19 - 15:45

    Könnte der Psychologe nicht doch eine Hilfe sein. Jetzt sind 2 Jahre her....

    Ihr habt den Jungen zu Euch geholt, jetzt muss sie wieder teilen. Und genau das kann sie ja nicht. Sie ist also wieder an dem Punkt, der ihr schon mal zum Verhängnis wurde. Und du bist jetzt langsam an der Stelle der Mutter, die dann auch nicht mehr konnte.

    Also mach es besser und hol und bestehe auf die professionelle Hilfe.

    Schau du hast es ja schon gemerkt: Es ist ein Muster: Sie ist die einzige, die ihrer Meinung nach zählt. Bei euch war sie die Einzige. Daher ging es recht gut.
    Jetzt ist der Kleine auch da. Und sie ist keinen einzigen Schritt weiter gekommen in den Jahren bei euch.
    Wieder die Angst zurück zu stehen. Wieder die Unfähigkeit, andere Bedürfnisse zu respektieren.

    Selbst wenn ihr den Buben wieder wegschickt oder das Mädchen in eine WG bringt - sie wird die Grundproblematik ja mitnehmen, da sie diese noch nicht aufgearbeitet hat.

    Vlt. testet sie aber auch "nur" die Verbindung zu euch. Liebt ihr sie auch noch, wenn der Bruder da ist? Auch wenn sie "böse" ist? Oder schickt ihr sie dann weg... dann wäre ein "Abschieben" von der Grossen jetzt sehr schlimm. Es würde ihr zeigen, dass sie eben WIRKLICH zu kurz kommt.

    Naja, das sind alles so Leihenpsychologische Ansätze. Gib nichts darauf, wenn es für dich nicht möglich klingt und frag den, der sowas gelernt hat: Den Jugendpsychologen oder Jugendpsychiater.

    • (11) 13.07.19 - 16:03

      Wir hatten diese Woche ein Gespräch mit dem Jugendamt und holen uns jetzt Professionale Hilfe. Sie muss eine Therapie machen. Aber sie bleibt bei uns. Wir gehen beide Kinder zusammen in die Therapie. Damit beide lernen das beide gleich wichtig sind und keiner besser oder schlechter ist wie der andere. Sie weg zu geben wäre überhaupt nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne des Vaters. Sie ist und bleibt meine Prinzessin egal wie sie sich benimmt und ich glaub das muss sie lernen. Es wird ein harter Weg für uns. Aber wir schaffen das als Familie. Auch wenn ihr das nicht gefällt. Sie muss lernen das es auf der Welt nicht nur sie gibt. Wir halten wirklich viel auf die Therapie. Es wäre so schade um sie. Sie ist so ein hübsches intelligentes Mädchen. Es wäre wirklich schade um sie.

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