Kind und neuer Freund

Darf der neue Partner beim Stiefkind mit bestimmen?

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    • (1) 05.01.18 - 19:36
      Inaktiv

      Hallo ihr Lieben,

      Kurze Vorgeschichte ; ich bin seit März 2017 vom Kindsvater getrennt, er interessiert sich nicht mehr für meine Kleine (2 Jahre) und sie hat dementsprechend auch leider keinen Kontakt mehr zu ihm.

      Seit 4 Monaten bin ich nun in einer neuen Beziehung. Jetzt treten die ersten Schwierigkeiten im Zusammenleben auf. Er sagt, er liebt meine Kleine als wäre es seine Eigene (er hat keine Kinder). Er geht ziemlich in dieser Vaterrolle auf, jedoch möchte er jetzt auch mitbestimmen was zum Beispiel die Erziehung meiner Tochter angeht.

      Ich bin allerdings der Meinung, dass er da noch nicht großartig reinzureden hat. Er darf natürlich gerne seine Meinung kundtun, trotzdem finde ich nicht dass er da nach 4 Monaten Beziehung schon großes Mitsprachrecht hat. Hinzu kommt eben, dass wir oft anderer Meinung sind, was Erziehung angeht.

      Kleines Beispiel, meine Tochter malt mit den Wasserfarben, spielt rum und nimmt den Pinsel in den Mund. Ich finde das jetzt nicht dramatisch, sage ihr dass man das lieber nicht tut und animiere sie, weiterzumalen. Er hingegen regt sich auf, ermahnt sie. Als sie nicht sofort aufhört, wird er etwas bestimmter, nimmt ihr den Pinsel und die Farben weg und dreht sie mit ihrem Stuhl in die andere Richtung. Ich fand das total übertrieben...

      Sie kann manchmal wirklich unausstehlich sein, wie halt so viele 2jährige Kinder. Ich bin Vorschullehrerin, kenne mich also bestens mit den Trotzphasen aus :-) mir macht das also alles nicht soviel aus wie ihm. Ich reagiere eben meist anders, beschränke mich auf ein paar wichtige Regeln (Sachen bei denen sie sich verletzen könnte sind Tabu etc.)


      Meine Frage nun : wie handhabt ihr das mit neuen Partnern? Haben sie sofort Mitspracherecht und dürfen mitbestimmen wie das „Stiefkind“ erzogen wird?

      LG

      • Nach vier Monaten würden meine Kinder meinen neuen Partner noch nicht einmal kennen.

        In Deinem Fall scheint das aber dahingehend von Vorteil zu sein, dass Du schon merkst, dass er offenbar eine relativ strikte Art (freundlich formuliert) zu haben scheint. Wasserfarben sind nicht lecker, aber auch nicht gefährlich. Da muss man ein Kind nicht sanktionieren. Und er schon gar nicht.

        Mein Partner (5 Jahre Beziehung) darf schon sagen, wenn mein Sohn ihm gegenüber zu weit geht und er sich irgendwelche Verhaltensweisen verbittet, die ihn direkt betreffen. Meinen Erziehungsstil insgesamt bespreche ich auch ab und zu mit ihm. Allerdings habe ich im Endeffekt das letzte Wort und bei dem, was Dein Partner getan hätte, wäre er ziemlich Karussell gefahren in den nächsten Minuten.

        • (3) 05.01.18 - 20:08

          Hallo,

          Danke für deine Antwort!
          Ich möchte etwas präzisieren, ich kenne den Mann schon seit 10 Jahren. Wir hatten vor 10 Jahren eine Freundschaft, und einen gemeinsamen Freundeskreis. Jetzt haben wir uns durch Zufall wiedergetroffen. Wir haben seit 6 Monaten wieder miteinander zu tun, seit 4 Monaten zusammen. Meine Kleine hab ich ihm sofort vorgestellt, um zu schauen ob es klappen könnte.


          Wenn sie ihn nicht gemocht hätte, wäre das eh nichts geworden.

          • "Wenn sie ihn nicht gemocht hätte, wäre das eh nichts geworden."

            Wenn er so weiter macht, wird das aber auch nichts. Wie hast Du denn reagiert, als er sie so behandelt hat? Und noch wichtiger, was sagt er dazu, wenn Du ihm sagst, dass Du die Reaktion übertrieben fandest?

            Es ist halt recht häufig, dass Menschen ohne Kinder meinen, man müsse härter und strenger erziehen, als Menschen mit Kindern das tun. Klar, da fehlt der wichtigste Faktor: Liebe. Deshalb scheitern auch etliche Patchworkfamilien, weil die eigenen Kinder anders behandelt werden und sich "mehr erlauben dürfen" als die Kinder des Partners.

            • (5) 05.01.18 - 21:08

              Ich war oben gerade dabei, Wäsche einzuräumen. Als er mir das erzählt hat nachher, habe ich ihm gesagt dass das absolut nicht nötig war sie so zu bestrafen.

              Ich habe ihm ziemlich deutlich gemacht dass er einfach keine Ahnung davon hat. Naja, jetzt sagt er mir die Kleine wird mir irgendwann auf der Nase rumtanzen...

              Wir haben wohl echt zu verschiedenen Ansichten...

              • Das klingt jetzt aber auch schon nach verhärteten Fronten. Du kannst ihm nämlich umgekehrt auch nicht einfach so hinklatschen, er hätte keine Ahnung davon (auch wenns vielleicht wahr ist). ;-) Und ja, er übertreibt natürlich. Dein Kind wird Dir nur bedingt auf der Nase herumtanzen, nämlich so weit wie es Euch als Mutter und Tochter gut tut.

                Eine Idee zum weiteren Verlauf: Lass ihn nicht mehr mit der Kleinen alleine, benutz ihn nach vier Monaten vielleicht noch nicht als Babysitter, wenn er dafür offenbar zu wenig Verständnis und Einblick hat. Vor Allem nicht, wenn Du befürchten musst, er sanktioniert in Deiner Abwesenheit zu heftig, weil ihm die Geduld fehlt.
                Such lieber Informationen zur modernen, liebe- und respektvollen Erziehung (die Deine Methode unterstützen) zusammen und diskutier das ungezwungen mit ihm. Lässt er sich darauf ein, erkennt Deinen Standpunkt an, ist es gut. Bleibt er stur bei seiner Meinung, solltest Du entsprechende Konsequenzen ziehen.

              • Nach 4 Monaten Beziehung solltest du ihm eigentlich nichtig gar nicht mit dem Kind alleine lassen, sondern dich selber darum kümmern.
                Lässt du ihm mit ihr alleine, so überträgst du ihm die Verantwortung aber auch zum Teil die bestimmungsrechte.

                Würde ich mit irgendeinem Kind alleine, so würde ich mit dem Kind nach meiner Art umgehen. Weil ICH dann Verantwortung dafür habe wenn etwas passiert. Sol ange er ihr einfach nur die Pinsel wegnimmt und den Stuhl umdreht-es sind ja ganz normale erziehungsmassnahmen-ist doch alles OK. Hätte ich (als Frau und Mutter) auch gemacht. Wasserfarben sind NICHT zum Essen gedacht.

                Wie gesagt, wisst du nicht dass er sich einmischt, mach alles selber!

                K

      Ich würde das etwas detaillierter aufdröseln.

      Wenn man irgendwann mit einem neuen Partner zusammen zieht, bleibt es nicht aus, dass dieser im Alltag mit erzieht und natürlich auch auf seine Person bezogen Grenzen setzt. Da ich aber aus egal welchem Partner nie einen "Papa" basteln würde, bleiben Erziehungsentscheidungen auch meine. Darüber kann man gerne sprechen, aber die letzten Worte sind im Zweifelsfall meine.

      Nach 4 Monaten sollte niemand sich schon "väterlich" aufspielen. Natürlich hat ein Erwachsener, der gerade die Aufsicht über eine 2jährige hat, das Recht "zu bestimmen". Aber in meinen Augen sollte er sich tunlichst aus der Erziehung raus halten. Nicht nur, weil es generell nicht sein Job ist, sondern weil er nach vier Monaten einfach noch niemand von Bedeutung im Familiengefüge ist.
      Ich würde an dieser Stelle ernsthaft überlegen, wie viel Raum ich ihm bereits einräume zu einem Zeitpunkt, an dem man doch gar nicht wirklich sagen kann, ob eine Beziehung Bestand haben wird.

      Natürlich kann man Dinge zu dritt unternehmen, aber mir ginge dieses Familiending nach so kurzer Zeit erheblich zu weit. Deshalb würde ich ihn da auch ausbremsen.

      LG

      Hallo!

      Also mein Sohn ist mittlerweile 9 Jahre alt, die Tochter meines Sohnes ist 4. Wir sind seit ca. 10 Monaten zusammen und die jeweiligen Kinder haben wir beim 3 oder 4. Treffen kennengelernt - uns war es wichtig zu sehen, ob generell die Chemie stimmt. Natürlich waren wir für die Kinder erst nur Freunde ;-) Aber ganz ehrlich, wie kann man testen ob eine Beziehung klappen würde, wenn man einen wichtigen Bestandteil des Lebens (die Kinder!!!) erst nach Monaten miteinbezieht??? Abgesehen davon, dass ich gar keine Möglichkeit hätte, ständig alleine mit ihm Zeit zu verbringen...

      Aber zum Thema Erziehung:
      Wenn seine Tochter sich daneben benimmt oder auch mein Sohn, dann klärt das im Bedarfsfall auch der Nichtelternteil.
      Generell sind wir beide aber recht entspannt und haben die selbe Einstellung und falls nicht, wird es ohne die Kinder besprochen und es muss irgendwo ne Lösung her. Bei generellen Sachen sage ich meine Meinung, aber dass muss er dann mitbseinee Ex klären.

      Viele Grüße, Jenny

      • "Aber ganz ehrlich, wie kann man testen ob eine Beziehung klappen würde, wenn man einen wichtigen Bestandteil des Lebens (die Kinder!!!) erst nach Monaten miteinbezieht???"

        Weil es vernünftiger ist, erst einmal zu schauen, ob der neue Partner generell der Mensch ist, mit dem man eine Beziehung führen will. Unabhängig von den Kindern.

        • Viele Eigenschaften zeigen sich aber nicht, wenn man zu zweit Dates hat und nur mit sich selbst beschäftigt. Das hat nichts mit dem echten Leben zu tun...

          Hm ich finde, das kommt auch immer auf die jeweiligen Situationen an.
          Mein jetziger Mann und ich haben uns online kennengelernt, uns trennten über 200 KM.
          Er lebt mit seinen zwei Söhnen im Wechselmodell, sie sind jeweils im Wechsel von Mi Abend bis Sa Abend und dann von Mi Abend bis So Abend bei ihm (bzw. uns). Also waren sie immer mindestens einen Tag am Wochenende da.
          Und wie das bei Berufstätigen so ist, kann man solche Touren eigentlich auch nur an den Wochenenden durchziehen.

          Ich habe daher schon beim dritten Besuch die Jungs kennengelernt. Nicht als seine Freundin - das war ich zu dem Zeitpunkt auch noch lange nicht - sondern als eine Freundin.
          Selbstverständlich war ich dann auch von Anfang an bei den Familienausflügen dabei. Erst mehr so als „stiller Teilnehmer“ und je mehr wir uns kennenlernten halt auch als aktiver Part.

          Ich fand die Variante auch eigentlich ganz gut. So konnte ich - als Patchwork-Neuling - von Anfang an feststellen ob ich da hereinwachsen können würde. Und meinPartner konnte so a) sehen ob ich mich mit den Kindern verstehen würde und b) wie seine Jungs auf mich reagieren.

          Ich finde, wenn man (ja wie lang eigentlich, wenn 4 Monate zu früh sind..?) ein halbes Jahr..? ein Jahr..? zusammen ist, sich aufeinander einstellt, andere Dinge hintenan stellt usw. und dann erst den ganz neuen Mann kennenlernen muss, nämlich den Vater, es ganz schön schade wäre, wenn man dann erst merkt „ups Patchwork liegt mir ja gar nicht“.

          Aber das muss natürlich letztlich jeder selber für sich entscheiden.

          • "Mein jetziger Mann und ich haben uns online kennengelernt, uns trennten über 200 KM."

            Mein Partner und ich lernten uns ebenfalls online kennen und wir haben ebenfalls eine räumliche Trennung von 200km. Trotzdem hat er meine Kinder erst sehr viele Monate später kennengelernt, das kriegt man schon hin, wenn man das will. Ja, ein halbes Jahr bei einer Fernbeziehung, in der man sich nur an den Wochenenden sieht ist durchaus angemessen.

            • Der Wille versetzt Berge, das stimmt so weit..
              Aber was, wenn die Berge einfach zu groß sind..?
              Mein Mann (inzwischen wir beide) haben einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 700 Kopf Vieh..wir gönnen uns 10 Tage Urlaub im Jahr, Wochenenden eigentlich keine.
              Er konnte zu unserer Kennenlernzeit wegen des Betriebes sowieso nur mal sporadisch weg, an den Wochenenden wegen der Jungs gar nicht.
              Ich selber saß mit 5 Pferden, 2 Katzen, 4 Hunden, 20 Hühnern und 2 Kühen dann auf meiner Scholle. Habe an den Wochenenden Tiersitter aus dem Freundes- und Familienkreis „engagiert“. Außerhalb der Wochenenden wäre das wegen deren Berufstätigkeit nichts geworden.

              Also waren wir zwei Menschen mit aufwendigem Anhang und eigentlich hätte so richtig gar keiner den anderen besuchen können.
              Ich an den Wochenenden zu ihm war die einzig mögliche Variante...und da waren die Jungs bei ihm.

              Vielleicht wart/seid ihr beide „normal“ berufstätig und hattet/habt außer deinen/euren Kindern keinen weiteren Anhang. Vielleicht konntet ihr auf jeweiligen Urlaub zurück greifen weil ihr beide Urlaub nehmen konntet..?
              Fakt in unserem Fall ist: hätten wir es nicht gemacht, wie wir es gemacht haben, dann wäre daraus nichts geworden, egal wie groß der Wille.

              Und es war gut so. Ich komme mit seinen Söhnen gut aus, wir sind verheiratet, haben ein gemeinsames Kind und die Halbgeschwister hängen arg aneinander. Dein Weg hat für euch super funktioniert und unser Weg für uns ebenso.
              Pauschal kann man also nicht sagen, dass nach 4 Monaten die Kinder mit neuem Partner zusammenbringen zu früh wäre. Andere - positive - Beispiele widerlegen das ja.
              Herzliche Grüße

              • Leider scheint es aber eben weniger viele positive als viele negative Beispiele zu geben. Das meine ich ja, hier gilt, Ausnahmen bestätigen die Regel. Nur weil es Dir anders erging heisst das nicht, das ist der richtige Weg für die Allgemeinheit.

                Wenn man sich im eigenen Umfeld und hier im Forum umschaut, kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass sich Patchwork meistens eben nicht so einfach gestaltet, wie gedacht und die Hauptursache häufig ist, dass die Frau dem Partner entweder zu kurz oder zu blind verliebt auf den Pelz geschaut hat. Oder umgekehrt.

                Dazu kommt noch, dass Beziehungen gerne am Alltagsstress zerbrechen und auch das ein Faktor ist, den man nicht vernachlässigen darf. Schaltet man von "frisch verliebt" zu rasch auf "Happy Family mit allem drum und dran" fehlt oft ein wichtiger Teil der Festigung einer Paarbeziehung.

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