Handlungsmöglichkeit für Kind, was gegen neue Patchworkfamilie ist?

    • (1) 19.01.18 - 16:55

      Hallo!

      Ich habe ein Patenkind, dessen Eltern sich vor einiger Zeit getrennt haben und nun beide neue Partner haben. Das Mädchen kommt damit überhaupt nicht zurecht. Ich weiß kaum, was ich ihr sagen kann. Sie sucht bei mir Unterstützung gegen die Partnerschaften beider Elternteile und ich bin nicht neutral. Ich stehe innerlich auf der Seite meines Patenkindes.

      Nun frage ich mich, wie weit Eltern ihrem Kind und seinen Befindlichkeiten entgegen kommen und ggf. zurück stecken und warten sollten, bevor z. B. geheiratet oder zusammen gezogen wird. Ich habe im nahen Umfeld keine Patchworkfamilien als Bespiele. Das Mädchen ist erst 11 und mir fällt es schwer, bei ihr für Verständnis für die Entscheidung der Elternteile zu werben. Sie hat Angst, nirgendwo mehr hin zu gehören. Beide Elternteile sind der Meinung sie stellt sich zu sehr an.

      Vielleicht könnt ihr mir hier ein wenig erzählen, wie eure Kinder den Prozess der Bildung von Patchworkfamilien erlebt und mitgemacht haben und in wie weit Ihr Rücksicht bei Entscheidungen auf die Kinder genommen habt.

      LG Judith

      • Wie lange sind die Eltern schon getrennt? Und seit wann gibt es die neuen Partner?
        Wann soll denn zusammen gezogen bzw geheiratet werden?
        In partnerschaftliche Entscheidungen würde ich meine Kinder nicht einbeziehen, da das meine Sache ist. Ich würde aber Rücksicht nehmen, indem ich einen neuen Partner nicht zu früh mitbringe und auch dann erstmal eine gewisse Zeit Kennenlernen voraussetzen würde. Aber machen kann das Kind nichts, ich denke mal es ist bei ihr wahrscheinlich jetzt auch nochmal deutlich geworden, dass Mama und Papa definitiv nicht mehr zusammen kommen und das macht ihr wahrscheinlich ein wenig Angst.
        Vielleicht könnte sie mal zur Familienberatung gehen und mit Menschen reden, die sich mit sowas auskennen und die nicht mit ihr verwandt oder befreundet sind. Das hat meiner Tochter geholfen.

        • Der Vater ist vor einem guten halben Jahr ausgezogen, die Partnerin gibt es aber als Bekannte schon länger. Den Freund der Mutter kennt mein Patenkind seit zwei Monaten.
          Ich glaube, dass es eine große Rolle spielt, dass das Mädchen jetzt oft bei den Großeltern untergebracht wird an den Wochenenden und die Erwachsenen sehr mit sich beschäftigt sind. Ich habe es schon angesprochen bei beiden Elternteilen, aber sie sind der Meinung, dass es mich nichts angeht. Ich würde mich auch zurück ziehen, wenn das Mädel nicht so unglücklich wäre. Ich weiß nicht weiter... Danke aber für den Hinweis mit der Beratung.

          • Okay, das ist dann natürlich alles noch recht frisch. Da sollten die Eltern natürlich deutlich mehr Rücksicht auf das Mädchen nehmen. Sie muss ja die Trennung noch verdauen und die Eltern sollten viel Zeit mit ihr verbringen statt sie dauernd abzugeben. Ein neuer Partner sollte nie wichtiger als das Kind sein.
            Die Familienberatung kann dann auch mit den Eltern reden, wenn das Mädchen das möchte. Dass sie vielleicht mal verstehen, was sie fühlt und dass das Verhalten der Eltern so nicht in Ordnung ist.

      Wenn du merkst, dass du voreingenommen bist, dass du das Kind nicht positiv in der Richtung unterstützen kannst, dass sie die neuen Partner annehmen kann, dann solltest du dich etwas zurückziehen oder zumindest dieses Thema nicht zulassen.

      Es steht dir nicht zu die Entscheidung der Eltern ihr gegenüber zu bewerten.

      Schön für sie wäre jemanden zu haben, der ihr Hilft mit dieser Situation klarzukommen. Ich finde es sehr traurig, wenn die Eltern meinen Sie würde sich anstellen.

      Vielleicht kannst du an dem Punkt helfen, mal mit den Eltern reden, wie man es für sich einfacher macht. Ihr einfach zuhören.
      Aber auf keinen Fall ihr auch noch erklären, dass ihre Eltern gerade falsch handeln.


      ich selber habe kein Kind, das in eine Patchworksituation kam, aber mein Mann hat eine Tochter. Mit drei haben sichj ihre Eltern getrennt, ein halbes jahr später sind wir zusammen gekommen. Ihr Mutter hatte dann widerum ein halbes jahr nach unserem Zusammenkommen einen neuen Partner.

      Damals war das KInd total positiv und war den neuen Partnern und der neuen Situation gegenüber seltsamerweise volllkommen augfgeschlossen.

      Nun 14 Jahre später stellt sich raus, dass einiges nicht so einfach für sie war und sie sich nicht getraut hatte etwas zu sagen.
      daher sage ich heute, dass man, auch wenn das Kind sehr offen ist, auf jeden Fall sehr viel Zeit mit dem Kind alleine verbringen sollte.

      • Hallo! Danke für die Antwort! Bisher ist es mir gut gelungen, nach außen hin neutral zu sein und habe dem Mädchen gegenüber auch nicht die Entscheidung der Eltern kritisiert oder so.
        Ich merke aber eben, dass es mir schwer fällt, weil sie in meinen Augen die Gefühle des Kindes so herunter spielen und nur mit sich selbst beschäftigt scheinen.
        Bei der Geschichte wird mir sehr klar, wie groß die Macht von uns Erwachsenen ist und wie ohnmächtig sich Kinder fühlen können. Sie haben ja keine Wahl. Ich hoffe halt, dass das Kind nicht depressiv wird. Sie ist mir halt zu traurig und mir fällt nichts ein, wie ich ihr wirklich helfen kann. 😢

        • Du kannst helfen, indem du den Eltern klar machst, wie ernst die Lage ist.

          Natürlich haben Erwachsene das Recht auf einen neuen Partner, eine neue Liebe. Sie müssen aber unbedingt dem Kind klarmachen lernen, dass es eben gerade NICHT verloren ist, NICHT zu Oma abgeschoben wird, weil die Eltern grad furchtbar frisch verliebt sind etc.
          Beides muss nebeneinander bestehen können.

          Wenn eine Trennung gut klappt, kann das Kind bei der Sache so weiterleben, dass es dann ZWEI Bezugspunkte hat, die dem Kind Zuwendung, Aufmerksamkeit und Input geben können.
          Im Idealfall halt.
          Es sollte klar sein, dass ALLE Eltern, die sich trennen, darauf hinarbeiten. Damit sie so nah wie möglich an dieses Ideal herankommen.

          Vielleicht kannst du den Eltern das irgendwie klarmachen. Sie haben eine Verantwortung für das Wohl ihrer Tochter. Alle BEIDE.

          • Danke für deine Worte! Ich sehe das genauso! Meine Angst ist nur, dass die Eltern dem Mädchen den Kontakt zu mir verbieten, wenn ich ihnen mit meinen Worten zu nahe trete.
            Das ganze ist so ein sensibles Thema.

            Mir geht es aber vor allem um die angemessene Reaktion dem Kind gegenüber. Ich merke, wie es ihr hilft, einfach nur reden oder weinen zu können und zu hören, dass sie traurig sein DARF. Ich hoffe, dass die neuen Partner ein Herz für sie haben und sie tatsächlich zusätzliche liebe Menschen erlebt.

            Liebe Grüße Judith

            • Hallo Judith
              Die Reaktion der Eltern, dass es Dich nichts angeht, finde ich ziemlich schräg. Du mischst dich ja nicht in ihre Beziehungen ein. Aber wenn sie Dich gewählt haben als Bezugsperson fürs Kind, dann finde ich es richtig und wichtig, dass Du dem Kind hilfst, seine Interessen gegenüber den Eltern zu verteidigen. Ich verstehe nicht, weshalb das Kind bei den Grosseltern parkiert wird. Wenn man sich als getrennte Eltern abwechselt, hat man doch eh jedes 2. Wochenende komplett kinderfrei?! Wobei: Mein Ex hat das am Anfang auch oft gemacht. Da war wohl auch anderes wichiger, unser Sohn war aber noch kleiner und hat das nicht wirklich kapiert. Ansonsten kannst Du das Mädchen nur bestärken, klar und deutlich ihre Wünsche zu kommunizieren. Das ist nicht einfach, aber mit 11 ist das machbar/lernbar.
              Alles Gute, Ks

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