Meine Tochter - Deine Tochter...zwei Welten prallen aufeinander

    • (1) 16.09.18 - 11:39

      Hallo Forumsgemeinde.

      Ich bitte um Rat zu folgender Situation: Ich bin seit fast 13 Jahren mit meiner Tochter alleinerziehend; sie wird bald 14. Ich habe alle Höhen und Tiefen quasi allein gemeistert und bin stolz, auf das, was ich alles so gewuppt habe. Und ich bin stolz auf mein Mädel; wir haben einfach ein tolles Leben miteinander, auf ganzer Linie.
      Ich hatte hier vor ein paar Monaten schon mal geschrieben, dass es Schwierigkeiten mit ihrem Papa gibt, der noch eine weitere Tochter mit einer anderen Frau hat. Meine Tochter will inzwischen so gut wie keinen Kontakt mehr mit ihrem Vater und ihrer Halbschwester, weil diese ziemlich verzogen und echt mega-anstrengend ist. Mein Exmann bevorzugt die Kleine gegenüber unserer Tochter sehr, und alles Reden hat in der Vergangenheit nichts genutzt: Die Kleine ist der Star, kann tun und lassen, was sie will, während die Große, die ein absolut unkomplizierter, fröhlicher Teenager ist, wie das Aschenputtel behandelt wird. Beispiel: Meine Tochter durfte das letzte Stück Kuchen bei meinem Exmann nur essen, wenn sie das ganze erste Stockwerk des Hauses saugt, was sie anstandslos gemacht hat. Er hat es ihr mit großer Geste serviert, als wäre es ein Goldhaufen, sie begann zu essen. Da kam die Kleine und behauptete, meine Tochter dürfe das Kuchenstück nicht alleine essen. Sie verlangte die Hälfte, rief den Papa dazu und er nahm meiner Tochter den Kuchen ganz weg, um ihn der Kleinen zu geben.

      Meine Tochter kommt inzwischen mit diesen Ungerechtigkeiten klar, nimmt sich aber das Recht heraus, sich zurück zu ziehen. Vermittelnde Gespräche, auch mit den Pateneltern und Großeltern und meinem Exmann, haben nichts gebracht. Er beharrt auf seiner Meinung: Die Große müsse sich mit der Kleinen arrangieren, um jeden Preis. Die Kleine habe Welpenschutz. Meine Tochter sagt klipp und klar, sie habe ihren Papa an die Halbschwester verloren.

      Das zur Vorgeschichte. Nun zur aktuellen Geschichte.

      Ich habe einen neuen Mann kennengelernt. Wir verstehen uns wirklich prima, funken in vielen Bereichen auf einer Wellenlänge und die Beziehung fühlt sich gut an. Meine Tochter kommt mit meinem neuen Partner sehr gut aus und mag ihn auch sehr.

      Er ist getrennt lebend und hat zwei Kinder aus zwei Beziehungen. Der größere Sohn lebt weiter weg und er erzählt so gut wie nie etwas von ihm.
      Die Kleine ist 2 und sein absoluter Star. Sie ist mehrmals pro Woche auch zum Übernachten bei ihm und auch jedes Wochenende (zum Übernachten). Seine Noch-Frau will das so. Das heißt also, dass sie sein Leben taktet, über die Kleine. Angeblich braucht sie ihn aus beruflichen Gründen für das Hüten, wobei ich mir nicht erklären kann, warum das auch immer wochenends sein muss (ihr Beruf hat nichts mit Wochenendarbeiten zu tun), aber egal.

      Die Kleine ist schon süß und sie hängt an mir und meiner Tochter, aber sie ist in meinen Augen "out of control": Gemeinsames Essen ist quasi unmöglich, Unterhaltungen auch, denn sie quängelt und nervt in einer Tour, schmeißt das Essen in der Gegend rum, tritt gegen den Tisch, pendelt zwischen Stuhl und Papas Schoß usw. usw. Sie verlangt dauernd was Neues, isst und trinkt nichts leer, steht auf, rennt weg, kommt zurück.

      Äh...sorry...ich war auch allein erziehend mit Zweijähriger, aber so ein Affentheater hatten wir nie.

      Die Kleine geht ins Bett, wann sie will, vor 21.30 ist eigentlich keine Ruhe, und gegen 4.30 Uhr ist die Nacht dann auch wieder rum. Sie schläft natürlich im Ehebett. Also wochenendes gibt es prinzipiell keine Zeit für uns als Paar.

      Die Aussage von meinem Freund dazu: Die Mutter habe keine feste Struktur. Und die Zeit, die er mit der Kleinen verbringt, reiche nicht aus, um einen Rhythmus reinzubringen. Und zudem werde er immer ganz weich, wenn sie ihn mit so großen Augen ansehe.

      Gestern abend ist das Essen bei uns ziemlich eskaliert; ich hatte gekocht für alle und faktisch war das Essen dann für alle kalt, weil die Kleine so einen Terror gemacht hat. Ich hatte extra früh eingeladen, dass es nicht so spät wird für die Kleine, aber ich habe das Essen dann abgebrochen und gesagt, es sei besser, wenn sie jetzt gehen.
      Denn wenn ich mich einmische und Grenzen ziehe, greift mein Freund gleich ein.

      Wir haben gestern abend dann noch länger telefoniert und ich sagte, dass ich diese Zustände halt auf Dauer nicht mittragen werde. Ich werde es meiner Tochter nicht zumuten, wieder so einen Kleinkinder-Krieg mitzumachen, nur weil ich die Beziehung möchte und den Mann gut finde.
      Er meinte dann, dass es halt für die Kleine nicht leicht sei, wegen Trennung und so - aber sorry...meine Tochter hat auch eine Trennung erlebt und ich hatte sie trotzdem im Griff.

      Mein Freund räumte ein, dass er es nicht schaffe, konsequent zu sein. Ihn stresse das alle selbst und er müsse eine Lösung finden.

      Meine Ansage lautete, dass ich nicht bereit bin, dieses Chaos, was er und seine Frau da mit der Kleinen veranstalten, in mein Familiensystem zu lassen. Ich habe diese ganzen Probleme mit mangelnder Struktur nicht - im Gegenteil. Ich habe meine Tochter auch gut erzogen, ohne Druck und Zwang.

      Meine Tochter hat heute morgen beim Frühstück von sich aus nochmal den gestrigen Abend aufgerufen und mir klar gesagt, dass sie die Kleine zwar mag, aber dieses ewige Theater beim Essen möchte sie nicht mehr.

      Tja...und nun?

      Im Moment habe ich gar keine Lust, meinen Freund zu sehen, egal ob mit oder ohne Kind.
      Ich werde jetzt was Nettes mit meiner Tochter unternehmen und die Ruhe genießen.

      Gleichzeitig frage ich mich, ob ich mit meinen 46 Lenzen einfach nur zu alt bin für ein Kleinkind?!

      Ich danke für konstruktive Impulse.

      • Huhu

        Du siehst das zu hart. Das kind ist 2; kennt dich kaum. Es hat gerade erst eine Trennung erlitten.

        Die lütte braucht zeit, geduld und struktur. Jedes kind ist anders. Eins ist wild eins ist brav. Vielleicht war deines einfach ruhiger. Mit 2 konnte ein kind bei mir wunderbar ins Restaurant das nächste war wie das beschriebene Kind. Es lernte das ganze mit 3.5 Jahren

        • Nein, sie sieht das nicht zu hart, denn es ist nicht ihr Kind...
          Klar, sind sie alle anders - aber letztendlich muss sie (Mutter) für sich entscheiden, ob sie das möchte - denn sie hat ihr eigenes Leben, das nicht rund läuft....

          Sie sieht das nicht zu hart. Ein Mann, der für seine Ex immer einspringt, aber nicht versteht, dass er kein Spaßclown gür das Kind ist, sondern seine Tochter zu erziehen hat.

          Wenn ein Kleinkind sich so unmöglich aufführt, dass ein normales Essen nicht möglich ist und die Erziehungsverantwortlicher sich drückt, dann läuft was schief.

          LG

      Hallo,
      ich kann dich absolut vertehen, dieses fremdgesteuert sein ist so anstrengend... #cool

      Ich kann dir nur raten, für dich zu denken, für dich und dein Kind - was euch gut tut....
      Sich derartig für andere zu verbiegen führt letztendlich dazu, dass du nicht das lebst, was du möchtest - klar gesagt.
      Klar, besteht das Leben immer auch aus Kompromissen - aber alles hat Grenzen...

      Wenn du keine Lust hast, deinen Freund zu sehen, sag ihm das genaus so, was er damit macht, ist dann seine Entscheidung... Entscheide du für euch zwei...

      lg Tanja

      • Hallo Tanja, danke für Deine Antworten.

        Genau das habe ich heute gemacht: Für mich und meine Tochter entschieden. Wir sind spontan in unsere Cabrio gesessen und haben Freunde besucht, die auf einem Oldtimertreffen zu Gast waren.
        Der eigentlich Plan war, dass ich heute mittag mit meinem Freund eine Runde Motorrad fahre, nachdem er seine Tochter zur Mutter gebracht hat, aber wir wären dann erst gegen 15 Uhr losgekommen, und ab 12 Uhr war ich hier schon mit allen Aufgaben fertig, auch meine Tochter. Wieso dann rumhocken...Ja, es ist wichtig, sich nicht selbst aus den Augen zu verlieren. Für die Probleme in deren Beziehung/Ehe kann ich nichts.

        • Eben....

          Ich war selbst lange AE und weiß, wovon ich rede... #blume
          Finde deinen Weg, mit deinem Kind....

          Alles Gute... #klee :-)

          • Liebe Hummelinchen, ich bin seit 12 Jahren AE. Und ich habe MEGAviel gewuppt. Ich bin immer meinen Weg gegangen mit meiner Tochter. Und habe mir eigentlich auch immer jemanden gewünscht, der mit uns geht. Aber das, was jetzt gerade stattfindet, fühlt sich eher wie ein Rückschritt an. Ich habe selbst genug zu wurschteln, und kriege jetzt noch eine Packung on top drauf?! Nein...danke...

    (9) 16.09.18 - 20:43

    Hallo, ich bin so alt wie du und mein Kind ist 12. Glücklicherweise hat mein neuer Mann kein Kleinkind, ich würde die Krise kriegen. Vielleicht liegt es doch an deinem Alter.

    Macken im Parkett vom Lego und frühes Aufstehen am Wochenende sind so gar nicht mehr meins.

    Das Alter der Tochter deines Freundes habe ich bei meinem Kind als das anstrengendste empfunden, es ist mir nicht gelungen, es auszulasten trotz Spielplatz und Müttertreff täglich.

    Das wird zwar wieder besser, aber bis dahin ist es hart. Das muss weder an der Trennung, noch an schlechter Erziehung liegen, manche Kinder sind halt einfach so.

    Am Wochenende kommt mein 3-jähriges Patenkind zu Besuch, da freue ich mich schon, weiß aber genau, dass ich es anstrengend finden werde.

    • Danke für Deinen Zuspruch.

      Ich habe das Gefühl, dass ich einfach zu sehr an die Komfortzone mit meiner Tochter gewöhnt bin. Wir haben irgendwie ein sehr cooles, harmonisches Leben und obwohl sie mitten in der Pubertät ist, läuft alles echt prima, bis auf die Sache mit ihrem Papa und der Halbschwester.
      Aber sie braucht dann eben genau diesen Raum bei mir, um wieder zur Ruhe zu kommen und sich geliebt und sicher zu fühlen.
      Und jetzt setze ich ihr ein Kleinstkind vor mit einer sehr schwierigen Elternbeziehung und Trennungssituation im Hintergrund?! Das geht nicht...und ich selbst merke eben auch, dass ich so gar keine Lust mehr auf durchwachte Nächte und vollgesch... Windeln habe. Und vor allem habe ich so gar keine Lust auf eine überpräsente Ex, die via Kind den Noch-Mann steuert. Und der lässt sich halt auch alles bieten.

      Sorry...ich denke, ich bin raus. Ist zwar schade. Aber das bringt ja nichts...

      • (11) 16.09.18 - 21:06

        Wieso vollgesch... Windeln???

        Ich habe 2 Stiefsöhne aus 1. Ehe und ich habe da noch nie Windeln gewechselt oder eine Flasche gemacht, hat alles mein Ex übernommen. Was hast du damit zu tun?

        Wenn er das nicht hinkriegt, kann ich fast verstehen, dass die Ex noch kontrolliert.

        Ich würde mich aus der Kindererziehung und -pflege komplett ´raushalten.

        Ich denke auch, da musst du deine Prioritäten setzen und schauen was dir wichtiger ist: der Mann oder deine Tochter. Vielleicht findest du ja noch einen "ungebrauchten" Mann. Das ist schwer, aber nicht ganz unmöglich.

        Viel Glück und alles Gute

Meine Tochter ist 3,75 und macht leider beim Essen auch oft so ein trara. Sie ist kein Trennungskind, wir sind nicht inkonsequent, und trotzdem steht sie dauernd auf, will doch was anderes etc. Es nervt wahnsinnig. Ich will damit nur sagen, dass es oft auch aufs Temperament des Kindes ankommt und nicht nur auf erziehung. Vielleicht hattest du mit deiner Tochter einfach auch „Glück“. Ich seh es jetzt selbst- meine zweite Tochter ist schon als Baby wesentlich entspannter und unkomplizierter als die erste. Hilft dir jetzt nicht mit deinem Problem, wirft aber vielleicht nochmal nen anderen Blick auf die Situation.

  • Danke...dieser Impuls hilft mir wirklich...

    • hallo,

      ich würde da auch einhaken wollen. mein großer war ein sehr agiles kerlchen. sehr sehr liebenswürdig, aber eben auch sehr trotzig und sicherlich für außenstehende sehr anstrengend.
      gleiche eltern, zweites kind, sehr viel entspannter und chilliger. der trotzt auch, aber weil er so ein sonnges ge,üt hat, kriegt er sich auch schnell wieder ein. trotzdem ist er eben immer noch 2,5 jahre alt und noc ein halbes baby mitunter. braucht viel zeit mit mama/papa und steht auf grund seines alters automatisch hier und da mal mehr im mittelpunkt.

      ich find es voll ok und auch verständlich, wenn du sagst, das willst du nicht mehr.
      da gibt es nix zu kritteln. das ist dann eben deine entscheidung, wiel dein leben.

      ich wollte nur noch einmal anmerken, dass es für deinen partner sicherlich auch nicht gerade eonfach ist. da ist er getrennt, die ex diktiert, wie und wann er das kind sieht und was er tun soll. die situationist auch für ihn neu. um sich gegen seine ex zu wehren, braucht er vielleicht noch zeit bzw. auch rückendeckung? wahrscheinlich spielt auch ein schlechtes gewissen dem kind ggü. mit rein, weil es eben trennungsknd ist.
      wie gesagt, ich find es absolut ok, wenn du dazu nein sagst, aber wenn ihr zusammen bleibt, würde ich auch für ein wenig mehr verständnis deinerseits plädieren. er hat nun einmal ein kleinkind und ist nicht wie du schon 12 jahre alleine und daran gewachsen. er steht da am anfang. er braucht eine partnerin, die ihn UND sein kind annehmen kann.

      zu deiner tochter: sie tut mir sehr leid so einen bescheuerten vater zu haben. gsd hat sie dich als starke mutter, die ihr zeit wie wichtig und geliebt sie ist.
      aber: das kind deines freundes ist nicht ihre schwester und dein partner nicht ihr vater. wenn er sich hauptsächlich um sein kind kümmert ist das ja nur normal. und auch ein stiefgeschwisterchen mit seinem bedarf an mittelpunkt oder auch nicht kann bereichernd sein. vielleicht gerade weil deine tochter sich zurückziehen kann wann und wie sie will. vielleicht solltet ihr schauen, dass der papa mehr zeit mit dem kleinkind alleine verbringt.

      lg

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