Warum Patchworkfamilien scheitern

Hallo Forumsgemeinde, guten Morgen.

Ich lese hier immer wieder von den Schwierigkeiten in Patchworkfamilien, die dekoriert sind mit Frust und Fragezeichen in Herz und Seele der Schreiber/innen.
Komme selbst aus solch einer Konstellation (ich, w, ein Kind; Partner 2 Kinder), die mich sehr viel Kraft und Nerven geraubt hat und ich habe für mich mal Bilanz gezogen, warum das Konstrukt "Patchwork" scheitern kann (nicht muss).

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwei Systeme aufeinanderprallen, wenn sich ein Paar, das jeweils eigene Kinder von anderen Partnern hat, findet. Das Paar, verwoben in Verliebtheit und Hoffnung, irgendwo mal ankommen zu dürfen, checkt sich leider nur oberflächlich ab, und geht davon aus: "Du hast Kinder, ich hab' Kinder - wir wissen beide, wie das so ist, also wird es wohl passen, und wir finden uns sympathisch."

Aber leider läuft das in der Regel nicht so einfach: Im Alltag zeigt sich, wie unterschiedlich die beiden Systeme, die da aufeinanderprallen, sind.

In meinem Fall war/ist es so: Ich bin seit fast 13 Jahren mit meiner Tochter (14) alleinerziehend. Wir sind ein hervorragend eingespieltes Team. Ich bin von jeher sehr straight in meiner Erziehung, klar in den Ansagen, deutlich in den Regeln. Ich habe mich nie selbst aus den Augen verloren, sondern habe mich weiterentwickelt, auch beruflich, habe meine Hobbys, die ich IMMER gepflegt habe. Und ich habe dafür gesorgt, dass es mir gut geht. Ich vertrete die Meinung, dass auch Mütter Rechte haben, nicht nur Pflichten, und die Kombination aus Konsequenz, Klarheit, Liebe und Nestwärme haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin: Eine ziemlich zufriedene AE-Mama mit einer Teenagerin, die unkompliziert und fröhlich ist. Die Schikanen ihres Vaters weiß ich gut zu erkennen und auch abzuwehren. Unser Raum, in dem wir leben, ist also safe.

Und in dem Raum ist auch seit längerem Platz für einen Partner.

Dann lernt man jemanden kennen, der diesen typischen WOW-Effekt auslöst: Toller Mann. Gebildet, interessanter Gesprächspartner, ähnliche Hobbys, ähnliche Lebensgeschichte, und und und...I like! #verliebt

"Mann hat zwei Kinder - wird schon klappen." Ich gebe zu: Ich bin auch in diese Falle getappt. Denn man redet sich ja alles schön :-) Das kleinste Kind ist zwei Jahre - "kein Problem", denke ich, "denn ich hab' das ja alles schon durch." Das größere lebt weit weg, hier hat man also kaum Bezugspunkte. "Ah, relativ frisch von der Kindsmutter getrennt? "Ja, wird schon gehen" - denke ich.

Und plötzlich hat man einen Sack voll Themen und Probleme auf dem Tisch, mit denen frau eigentlich nichts am Hut hat: Da ist die Kindsmutter, die über das Kind Druck und Macht ausübt. Sie bestimmt, er springt.
Da ist das kleine Kind, das out of control ist, weder richtig schläft, noch isst, und quasi 24 Stunden die Bude rockt. An Schlaf nicht zu denken. Nach Umgangswochenenden kommt hier ein völlig fertiger Mann an, legt sich in mein Bett und muss erst mal wieder aufgepäppelt werden.
Er ist der Mann, mit dem man zwar diverse Hobbys und Ideen teilt, der aber einfach noch nicht aufgeräumt hat und eigentlich auch nicht der Typ dazu ist.
Dem es schwer fällt, sich abzugrenzen. Dem es schwer fällt, auch sich selbst mal konstruktiv in den Mittelpunkt zu setzen und den Anspruch erhebt, dass es ihm einfach mal gut gehen darf. So dreht sich also alles um das Kind, das nicht mal dem Vater erlaubt, auf einer langen Autofahrt eine Pause zu machen. "Weiterfahren", wird da gebrüllt, verbunden mit einer Plärrtirade. Und der Vater fährt weiter. Sie brüllt - er springt.
Nicht meine Welt.

Was will ich damit sagen?

Ich denke, dass Patchworkfamilien daran scheitern, dass die Systeme, die da aufeinanderprallen, höchstwahrscheinlich zu unterschiedlich sind.

Und sie sind unterschiedlich, weil sie unter verschiedenen Stilen entwickelt wurden. Weil jeder andere Vorstellungen vom Leben und vom Thema "Familie" hat. Du kannst Dich völlig im Elternsein verlieren, oder Du kannst Dir Ziele und Anker setzen, an denen Du Dich orientierst, um geschmeidig durch das Abenteuer "Elternschaft" zu kommen. Ich hatte mich von Anfang an für Letzteres entschieden, ohne irgendwelche Ratgeber gelesen zu haben. Ich habe eine schöne Zeit mit meiner Tochter, egal, ob sie 2, 3, 8 oder jetzt 14 war/ist.

Es reicht also nicht, nur abzuchecken, wie sympathisch man sich findet und welche Hobbys man miteinander teilt und ob man sich anziehend findet.

Denn der Alltag deckt ganz schnell auf, ob man auch beim Thema "Lebenswerte", "Lebensgestaltung", "Vorstellung von Beziehung", "Vorstellung von Erziehung", "Bedeutung von Beziehung" usw. an einem Strang zieht. Und für mich gehört einfach auch dazu, in der Lage zu sein, sich zu positionieren, Grenzen zu stecken und aufzuräumen, damit unter anderem die Tentakeln des Expartners kein Gift in die noch frische Beziehung einbringen können.

Meiner Meinung nach scheitern Patchworkfamilien daran, dass

a) keine Klarheit mit den Expartnern geschaffen wurde
b) zu früh nach einer Trennung wieder eine Beziehung angesteuert wird, auf der Suche nach Zuneigung oder Bestätigung
c) Altlasten nicht aufgeräumt wurden
d) verschiedene Lebens- und Erziehungsstile aufeinanderprallen
e) die Ideen, wie man ein Leben als Familie führen will, zu weit auseinandergehen
f) nicht das Mindset gepflegt wird, dass es einem als Mama/Papa einfach auch gut gehen darf
g) und stattdessen denkt, dass man alles, einfach alles, dem Nachwuchs und dem Expartner recht machen muss.
h)keine Bereitschaft/Fähigkeit, Grenzen zu setzen, um auch sich selbst als Elternteil vor Überlastung zu schützen.

Das ist meine ganz persönliche Einschätzung und wer mag, kann mit mir hier darüber plaudern.

Schönen Sonntag wünscht

Magnolia #winke

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Sehr schön geschrieben. Ich möchte das erweitern und anmerken, dass nicht nur Patchwork daran scheitert, sondern auch Beziehungen ohne Kinder oder aber ganze, vermeintlich intakte Familien.

Um es auf meinen Punkt zu bringen: Kommunikation und Verständnis ist für mich das A. und O.

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Hallo Sonne (schöner Name), danke für Dein Feedback.

Ja, Kommunikation ist wichtig. Und Verständnis für den anderen, aber auch für sich selbst.
Man/frau darf sich nämlich selbst eingestehen, nicht jeden Zirkus mitzumachen, in den man da als neuer Partner geschleppt wird.

Mein Leitspruch: Nicht mein Zoo - nicht meine Affen.

Es geht für mich auch darum, die Verantwortung für verstrickte/schwierige Situationen auch durchaus beim Partner zu lassen und nicht alles blindlings mitzutragen.

Diese Erkenntnis fiel mir jüngst wie Schuppen von den Augen: Man schlittert immer wahnsinnig schnell in die Problemsümpfe anderer, weil man denkt, dass man als Partner alles mittragen muss. Aber unterm Strich wird der Sumpf nicht kleiner, sondern immer größer?! Weil sich nichts ändert, sondern weil jetzt einfach eine weitere Person dazu gekommen ist, die im Sumpf mitrudert und versucht, den anderen, der sich da selbst reingebracht hat, rauszuschieben.

Ich oute mich eine Frau, die zwar nachvollziehen kann, warum die Situation bei meinem Freund so verquert ist, wie sie ist. Ich gebe auch Impulse, höre zu, mache Vorschläge.
Aber ich halte mich inzwischen von diesem Problemsumpf, den er da hegt und pflegt, systematisch fern. Weil ich inzwischen erkannt habe, dass er ihn einfach so haben will, wie er ihn hat. ;-)

Ja, ich habe Verständnis dafür, dass es so ist, wie es ist. Aber es ist nicht meins. Und deshalb lasse ich ihn da auch alleine rudern, denn egal, ob ich helfe, mich reinknie, hinstehe, mache und tue: Es ändert sich nichts, weil unsere Vorstellungen von Erziehung, Familie führen, Partnerschaft führen, sehr weit auseinander gehen. ;-)

Da spare ich mir meine Energie für die richtig schönen Sachen im Leben.

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Ich denke du bringst es auf den Punkt.

Allerdings fällt mir schon auf, dass du von deinem super erzogenen Kind sprichst, während die Kinder des Partners überzogen sind und plärren...

Hier sehe ich einen großen Punkt woran es noch scheitert: der eine Partner ist der Meinung, dass seine Art und Weise die einzig richtige ist und der Rest....

Aber auch ich sehe das als Thema bei mir: ich mag nicht mehr viele Kompromisse eingehen. Ich habe mein Leben - eine Woche mit und eine Kind und mit Kind läuft sie nach meinen Vorstellungen. Wird schwierig da jemanden zu finden der mitspielt, aber eben auch kein „Kuscher“ ist...

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Hi Nele, wie du schon schreibst: Jede/r hat seine Vorstellungen vom Leben, von Familie, von Erziehung, auch von Lebensqualität. Und zu Lebensqualität gehört für mich eben dazu, Stressattacken keine Chance zu geben, schon gar nicht durch Expartner, zum Beispiel. Die Methode, die ich für mein Leben mit Kind gefunden habe, funktioniert halt für uns sehr, sehr gut.
Mein Freund lebt ein Leben mit Kind, das einfach nichts für mich ist: Keine Rhythmen, keine Strukturen, Kind macht Regeln und er richtet sich danach. Und kurioserweise schwappt dieses ganze Chaos ja dann auch in mein eigenes Leben, denn Strukturen entwickeln sich leider nicht mit dem Überschreiten meiner Türschwelle, sondern da geht das HickHack ja gerade weiter.

Durch die Begegnung mit meinem Freund ist mir bewusst geworden, dass ich die vergangenen 14 Jahre als Mama einen coolen Job gemacht habe; weil ich so geblieben bin, wie ich bin: Authentisch, straight, herzlich, aber auch konsequent.

Das Schema muss nicht für alle funktionieren. Aber das Schema anderer muss eben auch nicht für mich funktionieren. Und da man die Wahl hat...ist es einem selbst überlassen, ob man eher Stress erleidet und gefrustet von der Patchworksituation ist, oder ob man nach diversen Gesprächen und Hinweisen den Partner einfach weiter in seinem Sumpf strampeln lässt.

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Eine wirklich interessante und nützliche Diskussion.

Ich kann hier noch die Perspektive der kinderlosen Partnerin eines Wochenendvaters einbringen.

Ein Mann mit Kind war sicherlich nicht meine bevorzugte Option, aber auch kein Hinderungsgrund.
Aber ich habe meinen Partner ganz klar nicht wegen, sondern trotz seines Kindes genommen.
Weil er ein ganz toller Mann ist.

Aber ich gebe zu, die Situation massiv unterschätzt zu haben.
Nämlich dahingehend, dass es eine Exfrau gibt, die sich ständig durch ihre Attacken über das Kind einmischt. Und selbiges ständig als Druckmittel einsetzt.

Und natürlich massgeblich Einfluss auf das Kind hat und dieses auch erzieht.
Ständig wird mit Entzug des Kindes gedroht, sobald mein Mann nicht so springt, wie sie will.

Ich könnte hier sehr zahlreiche Situationen schildern. Aber es geht ja eher um Lösungen.

1. Mein Mann steht bedingungslos hinter mir und der Beziehung. Er hat sich schlichtweg nicht erpressen lassen, bis hin zur völligen Eskalation. Wenn du nicht..., dann siehst du dein Kind nie wieder! Den Druck hat er hart zurückgespielt und sich dahingehend positioniert, dass er gesagt hat, das es dann eben so ist. Damit hat er ihr das einzige Druckmittel genommen, was sie hat. Anwalt eingeschaltet und Umgang trotzdem durchgesetzt.

2. Reden ist Gold. Wir besprechen alles. Auch wie es uns geht mit der Situation und wie wir damit umgehen. Das aufgehetzte Kind war natürlich ein Problem, da kamen Aussagen wie, Mama sagt, ihr müsst aber machen was ich will! Den Zahn haben wir ihr sehr liebevoll zwar, aber konsequent gezogen.
3. die vielleicht wichtigste Regel, die mein Mann sehr hart auch durch Gespräche mit mir lernen musste.
Das Andere anders sein lassen.
Als 14Tage Umgangsvater kann man Dinge in der Erziehung nicht grundlegend ändern. Man kann Leitplanken setzen für gewisse Regeln, aber mehr nicht.

Bei uns gab es das Beispiel Tischmanieren, die mir sehr wichtig sind. Das Kind konnte mit 9 Jahren nicht mit Besteck essen, hat mit den Fingern alles ineinander gemanscht, mit den Fingern gegessen und ist mit den Schmierhänden dauernd aufgesprungen. Das gibt es bei uns nicht. Muss aber jedes Mal aufs neue geklärt werden.
Ist halt so. Zuhause macht sie das so, ergo werden wir das nicht ändern.
Ebenso viele andere Dinge. Da kann man durch Vorbildfunktion etwas anderes vorleben, aber mehr nicht.

Zudem finde ich hier manchmal Äusserungen befremdlich, dass man sich als neue Partnerin komplett den Wünschen der KM und des Kindes unterzuordnen hat. Das sehe ich komplett anders.

Das sind so meine 50cent zu dem Thema
Vielleicht für den einen oder anderen hilfreich

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Liebe Morganelefay.

Herzlichen Dank für Deinen schönen Beitrag! Ich gehe mit Dir d'accord, dass man als neue Partnerin auch Rechte hat, und nicht nur Pflichten. Ich habe mich eh schon damit gerechnet, dass ich für meinen Post verurteilt werde, weil ich ganz klar artikuliere, dass ich nicht alles prickelnd finde, was in unserer Konstellation abläuft. Dazu stehe ich. Ich positioniere mich sehr klar und ziehe aber auch meine Konsequenzen, wenn es mir too much wird.
Mir ist wichtig, dass mein Bereich mit meiner Tochter nicht in Schieflage gerät, durch die Patchwork-Konstellation, weil ich viele Jahre dafür gebraucht habe, diese Ruhe und diesen Flow hier reinzubringen. Das lasse ich mir nicht zerstören, weder von einer Ex, noch von einem völlig unkontrollierten Kleinstkind. Deshalb haben wir im Moment die Regelung, dass mein Freund zwar zu uns kommt, aber eben immer ohne sein Kind, bis da mal Struktur und Rhythmus reinkommen. Er bemüht sich sehr darum; die KM torpediert es allerdings regelmäßig und haut alles kaputt, was er mühsam mit der Tochter aufbaut #augen

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Das klingt anstrengend, ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Gute, dass ihr einen Modus findet der funktioniert.

Ich persönlich lese hier gerne im AE Forum, da kann man zwar manchmal nur noch staunen, was es da für Meinungen gibt, aber es hilft mir zu verstehen, dass Menschen tatsächlich so eine Meinung haben. Habe das bislang nicht für möglich gehalten.

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Toller Post und absolut richtige Ansichten. Ich habe vor einiger Zeit eine vierjährige Beziehung zu einem Wochenendvater mit zwei kleinen Kindern (6 und 9 Jahre zum Schluss) beendet.
Ich selber habe zwei Kinder 16 und 13, die unkompliziert und umgänglich sind. Kommen in der Schule klar, beherrschen Tischmanieren, sind sozialverträglich. Ich finde trotz Job noch Zeit für Reisen und Hobbys und pflege einen vernünftigen Umgang zum Kindsvater.
Mein Ex-Freund hat auch wenig erzogen, war Sklave seiner älteren Tochter und Tischmanieren waren sowohl für Mütter und Vater nicht so wichtig. Einmal die Woche wurden die Kids vom Vater im Haus der Mutter betreut. Bin natürlich davon ausgegangen, dass dies eine Übergangsregelung ist, stellte sich aber als nicht abänderbarer Dauerzustand heraus. Nach und nach habe ich immer mehr gemerkt, wie mich dieser Zustand genervt hat. WEs und Urlaube mit seinen Kindern habe ich als ziemlich anstrengend empfunden. Fazit aus der ganzen Sache: Der nächste Mann hat erwachsene Kinder. Männer mit kleinen Kindern kommen für mich nicht mehr als Partner infrage. Ähnliche Probleme habe ich übrigens auch von anderen Frauen aus meinem Umfeld mitbekommen, die in solchen Konstellationen gelebt haben.

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Liebe Sille!

Herzlichen Dank für Deine Zeilen, die mich sehr gefreut haben, weil ich daraus entnehme, dass auch Du eine Alleinerziehende bist, die ihr Leben mit Kids locker rockt :-) Ich habe das, was Du schreibst, von Anfang an so gemacht: Trotz Vollzeitjob noch Hobbys und Kontakte gepflegt und es war möglich, weil ich meine Tochter einfach überall mit hinnehmen konnte, ohne mich zu blamieren. Ich habe mich an ihre Rhythmen gehalten (schlafen usw), schaffte es dadurch, mir auch Zeitfenster zu schaffen, in denen ich mir was Gutes tun kann. Ich habe jedes Lebensalter von ihr in sehr schöner Erinnerung. Ich konnte immer überall mit ihr hin, sie hat Manieren gelernt, ist ein Sonnenschein, hat Ideen und ist heute eine Persönlichkeit, die weiß, was sie will, und die ihren Sport und die Schule im Griff hat.
Das Leben, das wir führen, ist sehr, sehr schön!

Und ich wundere mich immer, wieso es andere Leute mit Kind so stressig haben?! Ich beobachte, dass mein Freund zu uns kommt, um förmlich aufzutanken, weil er schon auch merkt, dass die Art, wie wir leben, sehr angenehm ist. Ich weiß, dass er das auch gerne hätte, aber mit der Konstellation, aus der er kommt, ist es nicht möglich, da permanent jemand dazwischen grätscht, und das kleine Kind wird als Druckmittel benutzt.

Mir tut das schon irgendwie alles Leid, weil er wirklich ein toller Mann ist. Ich habe aber auch gelernt, dass ich mich nicht in diesen Sumpf ziehen lasse; ich habe sein Drama nicht verursacht. Mit dieser sehr gesunden Einstellung schafft man/frau es ganz gut, eine liebevolle Distanz zu wahren.

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> Es reicht also nicht, nur abzuchecken, wie sympathisch man sich findet und welche
> Hobbys man miteinander teilt und ob man sich anziehend findet.
> Denn der Alltag deckt ganz schnell auf, ob man auch beim Thema "Lebenswerte",
> Lebensgestaltung", "Vorstellung von Beziehung", "Vorstellung von Erziehung",
> "Bedeutung von Beziehung" usw. an einem Strang zieht. Und für mich gehört
> einfach auch dazu, in der Lage zu sein, sich zu positionieren, Grenzen zu stecken
> und aufzuräumen"

Du hast recht, das sind ganz elementare Bereiche, die gerade im Umgang mit Kindern offenbar werden und in denen man grundsätzliche zusammenpassen bzw. -wachsen muss, damit die Partnerschaft funktionieren kann.

Aus der Sicht deines Mannes ist es so, dass er mit dir jemand kennenlernt, der ein ganz anderes, souveräneres Erziehungsmodell lebt. Das ist auch eine große Chance, wenn er bereit und in der Lage ist, das zu reflektieren und sein bisheriges Modell zu überdenken.

Vielleicht wurde sein jetziger Stil sehr von seiner Ex geprägt, und er ist froh, bei dir zu sehen und zu lernen, dass es auch ganz anders gehen kann?

Gerade eine neue Beziehung gibt einem die Möglichkeit, einen neuen Blick auf die eigenen Kindern und seinen Umgang damit zu werfen, und bietet die Gelegenheit, mit schlechten Gewohnheiten zu brechen.

Aber auch zu erkennen, was gut ist und das zu behalten - ich wünsche euch, dass euch das gelingt!

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Ich danke Dir für Deine herzlichen Worte! Liebe Grüße!

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Guten morgen!

Der Thread ist zqar achon ein paar Tage alt, aber auch ich möchte gerne etwas dazu beisteuern.

In großen Teilen hast du Recht! Aber mMn nicht in allen.

Ich spreche heute als Mutter, die den Vater verließ, weil die Erziehungs- und Beziehungsvorstellungen nach 12 Jahren Beziehung sich so unterschieden haben, dass ein "zusammen" nicht mwhr dür mich ging.
Ich spreche als schwangere Mutti im Patchwork, die die Schwierigkeiten ebenfalls sehr gut kennt.
Und ich spreche als Pädagogin und nehme berufliche Erfahrungswerte mit ins Gericht.

Was mir in deinem Beitrag sofort auffällt, ist folgendes. Deine Trennung vom KV ist ewig her. Du hattest viel Zeit, einen gehbaren Weg für dich, deine Tochter und den KV zu finden und einzulaufen. Egal wer wen damals verließ, die Emotionen sind vergessen und ihr habt es geschafft, ein gemeinsam zu entwickeln.

Dein Partner iat kurz getrennt. Die Emotionen sind präsent, aud beiden Seiten. Egal wer wen verließ, da sind sicherlich noch Emotionen wie Schuldgefühl, Liebe, Trauer, Wut, Unverständnis und so weiter bei jedem aufeinander treffen präsent.

Ich kann dir sagen, ich verließ damals meinen Mann, der mit uns nichts anzufangen wusste. Ich war verheiratet alleinerziehend. Alleine im schwimmbad, zoo, Spielplatz und co. Neben Job, Srudium und Haushalt, musste ich ihm Grenzen setzen im Umgang mit den Kindern, in deren Beisein Spiele ab 18 gezockt wurden und in denen man Diskussionen mit 2 jährigen mit "mach doch was du willst" beendete.

Kaum war ich weg, wollte er sich um 180 Grad drehen. Für mich war's zu spät. Als er das erkannte kam Hass, Wut, Verachtung. Wir konnten nur noch über das Gericht Regelungen treffen. Selbst JA, Caritas und co kamen an der stelle nicht weiter. 2 Jahre lang.

Ich gehöre zu den Muttis, die sen Umgang mir Papa als absolut wichtig und notwendig erachten, aber gewisse Grundvoraussetzungen einfach habe. Spiele ab 18 gibt es nicht für 5, 7 oder 10 Jährige! Wenn mit Feuerwerk oder Werkzeugen gespielt wied, dann einzig und alleine unter Aufsicht.

Ich als Mutter habe nicht nur Rechte, ich habe auch Pflichten. Der Umgang mit dem Vater ist zu fördern,. Es geht dabei nicht um mich! Mittlerweile, dass dauerte aber gute 3 Jahre, ist der Kontakt entspannt. Papa war auf Mamas Hochzeit, alle gemeinsam waren im Heide-park über Nacht, Papa kann Silvester und Weihnachten auch bei Mama verbringen und bei Umgang immer rein kommen, Kaffee trinken.

Als Stiefmutter sehe ich aber, wie andere Mütter das Handhaben. Ich sehe wie die swit 2013 getrennt lebende Mutter manipuliert, weil sie bis heute Gefühle für meinen Mann hegt. Der Umgang ist auf dem Minimum. Das Kind instrumwntalisiert. Er kannte seine Rechte nicht, rutschte ab, musste sich neu positionieren, aus der Scheiße ziehen. Er wollte sich von Mama trennen, aber nicht vom Kind. Er kämpfte übers JA, leider nicht übers Gericht. Noch vor wenigen Tagen sagte die KM, sie werde niemals vergessen, was er ihr angetan hat.

Und dann kommt sie Pädagogin. Die sagt, hey, du hattest viele Jahre um deinen Weg zu auszutrampeln. Er muss sich noch finden, die Schuldgefühle los werden, den Hass überwinden!

Und dann kommt dazu, dass jedes Kind auch einen anderen Charakter hat. Vieles ist Erziehung, aber bei weitem nicht alles!
Ich habe 2 Kinder. Abstand 1,5 Jahre. Und sie sind wie Tag und Nacht.

Das eine ruhig, introvertiert, entspannt. Tut was man sagt und liebt sich und die Welt. Das andere, vom gleich Vater, ist laut, extrovertiert, muss im Mittelpunkt stehen und das letzte Wort haben. Grundsätzlich. Es kann sich selbst nicht leiden, fehlendes Selbstbewusstsein wird damit übertönt.

Ich gebe dir Recht, dass Erziehung, sich seine Grenzen setzen, richtig und wichtig ist. Was mir aber fehlt ist die Berücksichtigung unterschiedlicher Charaktere! Toll, das deine Tochter so lieb und folgsam ist! Ehrlich! Ich hab auch so eine! Herrlich! Das andere diskutiert und hinterfragt alles! Wirklich alles! Regeln sind zum Brechen da, oder? Dabei bin ich mir sicher, beide gleich zu erziehen und zu behandeln! Die Regeln sind die gleichen! Und Diskussion werden schnell unterbunden.

Seine Tochter ist gerade klein. Er muss jetzt schon Grenzen setzen. Aber das eine 2 jährige 100 % anstrengender und fordernder ist als eine 14 jährige liegt schon alleine in der Sache begründet. Meine waren mit 2 und 3 anders anstrengend, als jetzt mit 11 und 10.

Ich berate und höre meinem Mann zu, wenn es um seine Tochter geht. Ich mag mich aber nicht einmischen!

Trotzdem haben auch wir noch manchmal Schwierigkeiten. Meine sind nun mal nicht seine und seine ist nicht meine. Das zu akzeptieren und trotzdem alle gerexht zu behandeln, ist eben die Herausforderung.

Lg

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Hey, guten Morgen!
Danke für Deine Zeilen, die ich aufmerksam gelesen habe.

Und nichts andere schreibe ich ja in meinem Eingangspost: Es treffen unterschiedliche Systeme aufeinander.

Die sind geprägt von unterschiedlichen Zeitverläufen, unterschiedlichen Geschichten, unterschiedlichen Herangehensweisen, unterschiedlichen Erfahrungen und vielem mehr.

Ja, meine Trennung ist schon über 12 Jahre her. Ja, mit meinem Kind lief und läuft es immer entspannt und sehr harmonisch. Ja, ich kann mich gut abgrenzen. Und ja: Mir sind Klarheit und Ordnung bei Konflikten wichtig. Zwei Tage nach meiner Scheidung bin ich zum Standesamt und nahm wieder meinen Mädchennamen an. Wenn getrennt, dann richtig, so meine Einstellung.

Das ist mein System.

Und ja, es ist schwierig, mir vorzustellen, dass ein Kind den ganzen Tag die Bude rockt und die Eltern bis zur Erschöpfung treibt, denn ich hatte das nie.

Und jetzt?

Ich kann nichts dafür, dass die Trennung von meinem Partner frisch ist und die beiden sich nicht einig sind in Sachen Kindererziehung. Und dass die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut und dass das Kind die Nächte und die Tage durchfeiert. Das ist deren System.

Nichts anderes habe ich in meinem Post geschrieben: Das ist einer der Gründe, warum Patchworkfamilien scheitern können, nicht müssen.

Zu viele Probleme auf einem zu kleinen Tisch.

Zu einem wahren Gelingen einer Patchworkfamilie gehört dazu, dass jeder eben erst mal seinen Kram aufräumt, bevor er sich in was Neues begibt,, sich positioniert und für Klarheit sorgt. Denn: Ordnung sorgt nun mal für Harmonie. Auch in einer Patchworkfamilie.

Frohen Sonntag :-)

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Erstmal Danke für eine konstruktive Unterhaltung. Gibt es nicht ganz so oft bei urbia, ohne das jemand ausfällig oder persönlich wird.

Z.T. stimme ich dir zu. Das 2 Systeme aufeinanderprallen und man erst mit der Zeit erkennen kann, ob sie miteinander harmonieren können...oder auch nicht!

Ich verstehe deinen Beitrag aber so, dass wir selbst bestimmen, wie genau unser System aussieht. Und an der Stelle bin ich nur bedingt deiner Meinung.

Ich kann mir aktuell nicht aussuchen, ob ich keine, kleine oder große Kinder habe. Ich kann mir aktuell nicht die Eigenheiten des Alters aussuchen. Ich kann auch nicht vorher den Charakter meines Kindes bestimmen und nicht immer entscheiden, von welchen Menschen mein Kind begleitet und geprägt werden kann. Bei Kleinkindern eher, bei Schulkindern nicht mehr. Der Umgang prägt aber jedes Individuum, ob man will oder nicht!

Am Ende sind wir der gleichen Meinung, keine Frage. Nur blicke ich anders ins System. Jedes System ist bedingt veränderbar.

Bleiben wir bei deinem Beispiel. Der Mann kann festlegen, dass er sich konsequenter seinem Kind gegenüber stellt und damit eine kleine Veränderung bewirken. Aber den Charakter des Kindes und den Umgang der Mutter mit ihm oder dem Kind, kann er eben nur bedingt beeinflussen.

Es sind also meiner Meinung nach nicht nur die Systeme, die nicht kompatibel sind! Es ist jeder für sich daran beteiligt, Kompromisse zu machen, Lösungen zu finden und Verständnis für das System des anderen aufzubauen, aber auch unterstützend bei Entscheidungen und Veränderungen beizustehen.

Patchwork ist bereits dann gescheitert, wenn eine der Parteien nicht offen ist, die Andersartigkeit des anderen Systems hinzunehmen, zu akzeptieren und trotzdem daran zu arbeiten, eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln.

Nicht umsonst heißt es, Patchwork benötigt 4-5 Jahre, bevor es funktionieren kann!

Ich lebe fast 4 Jahre in Patchwork und ich kenne die Tücken, Probleme, Schwierigkeiten, aber auch die Chancen die es bietet.

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