Patchwork-Familie —> Trennung wegen Suchterkrankung?

    • (1) 26.07.19 - 12:04

      Hallo,
      ich lebe seit zwei Jahren mit meinem Partner zusammen. Mein Sohn aus der Ehe wechselt momentan wöchentlich zwischen mir und dem leiblichen Vater, im Winter wird sein Lebensmittelpunkt komplett bei mir sein. Er hat grundsätzlich eine sehr gute Beziehung zum „Herzpapa“, aber zwischen uns gibt es oft Diskussionen, was die Erziehung betrifft. Bis jetzt aber nicht in dem Ausmaß, dass ich eine Trennung als optimale Lösung dafür angesehen habe.
      Seit letztem Herbst sind wir nun zu viert. Leider kriegt mein Partner trotz (meiner Meinung nach) sehr viel Empathie meinerseits es nicht auf die Reihe seine Vergangenheit und die wahrscheinlich daraus resultierenden Probleme wie psychische Erkrankung und Sucht so in Angriff zu nehmen, dass ein dauerhaftes gesundes Familienleben möglich ist.
      Ich bin mittlerweile ziemlich verzweifelt, selbst wenn ich meine Bedürfnisse hinten an stelle und alles gewissermaßen „abpuffern“ kann, weiß ich, dass diese Konstellation weder dem Großen, noch dem Kleinen gut tut.
      Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und die Familie wieder ins Lot gebracht? Oder ist eine Trennung, die mir unglaublich schwer fällt, unausweichlich?

      • (2) 26.07.19 - 12:07

        Ich glaube es ist schwierig zu beurteilen wenn man nicht genau weiß um welche psychischen Probleme es geht und wie die Suchterkrankung aussieht. Meiner Meinung nach wäre hier eine Drogensucht anders zu bewerten als beispielsweise eine Anorexie oder Spielsucht oder oder oder.

        • (3) 26.07.19 - 12:37

          Ja, ich hätte es konkreter formulieren sollen, aber es ist nicht so leicht das zu verbalisieren, weil es unangenehm ist, das über einen Menschen Preis zu geben, der einem viel Bedeutet.
          Diagnostiziert sind Antriebsstörungen und eine mittlere bis schwere Depressionen. U.a. durch fehlende Fähigkeit der Stressbewältigung und der Aspekt bedingt dann die Drogensucht.

      (4) 26.07.19 - 12:16

      Psychische Erkrankung und Sucht klingen mir nicht nach Dingen, die man durch abpuffern löst.
      Du schreibst leider nicht welche Erkrankung und welche Sucht, aber es ist eigentlich auch egal welche. Er braucht Therapie, nur wenn er Sucht und Erkankung im Griff hat kann aus Euch was werden. Solange die sucht ihn im Griff hat hat sich auch Dich im Griff und damit Dein Kind. Mach Dir das klar. Mach ihm das klar. Viele brauchen "die Pistole auf der Brust" um sich einer Therapie zu stellen. Wenn er das nicht machen will, dann pack die Koffer, das bist Du Deinen Kindern schuldig. Du hast die Verantwortung was für ein Leben ihnen vorgelebt wird.

    • (5) 26.07.19 - 13:02

      eine Bedürfnisse hinten an zu stellen und seine Probleme abzupuffern bedeutet, dass du mittel- langfristig selbst krank wirst. Außerdem kann man, wenn einem die Probleme weggepuffert werden auch keine Selbstmotivation entwickeln um sich aus dem Sumpf rauszuschaffen.

      Mein Rat: Such dir Hilfe z.B. bei der Drogenberatung oder der Selbsthilfe für Angehörige von Suchtkranken. Kümmere dich um dich und um deine Kinder. Er muß den Arsch selbst hochbekommen um seine Probleme in den Griff zu kriegen. Tut er das nicht bleibt als sinnvollste Lösung auf jeden Fall die (räumliche) Trennung. Auch um des Seelenheil der Kinder solltest du da ganz schnell eine Entscheidung treffen.

      (6) 26.07.19 - 13:03

      Hallo, ich persönlich bin der Meinung das ein Mensch der unter solchen Problemen dringend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss. Wer er dies aus irgendeinem Grund nicht tut, wäre es für mich ganz klar ein zumindest räumlicher Trennungsgrund zum Wohle meiner Kinder. Wenn du dann nach einer räumlichen Trennung genug Kraft hast ihn zu unterstützen auf seinem langen Weg dann wäre das für ihn toll. Ich bin mit einer psychisch kranken Mutter groß geworden. Depressionen und eine sehr ausgeprägte Angststörung. Nicht schön.

    • (7) 27.07.19 - 06:00

      Du kannst nicht dauerhaft alles "abpuffern". Dann haben deine Kinder eines Tages zwei kranke Elternteile.

      Psychische Erkrankungen und Sucht sind schwerwiegende Probleme und es ist immer abzuwägen, wie viel Hilfe und Unterstützung man selbst geben kann und sollte ohne sich selbst oder die Familie damit über Gebühr zu belasten.

      Dein Partner braucht professionelle Hilfe, du vielleicht zumindest auch eine Beratung und Unterstützung. Ich glaube, man kann gemeinsam derartige Probleme meistern und auch eine Zeitlang schwierige Phasen überstehen. Dafür braucht es aber den aktiven Genesungswillen des Betroffenen, sonst leidet auf Dauer die gesamte Familie.

      Ein erster Schritt wäre vielleicht Unterstützung für dich zu suchen. Mithilfe dieser Unterstützung findest Du hoffentlich die Kraft und auch die Klarsicht, die du brauchst, um eine Entscheidung zu treffen.

      es gibt etwas, das nennt sich "CO-Abhängig" - und das scheint bei dir der fall zu sein, da du es ihm "recht einfach" machst..
      suche du dir bitte erstmal selber hilfe für dich und deine kinder und dann schaue, wie du weiterhin deinen partner unterstützen kannst. es ist echt nicht leicht, mit so einem elternteil aufzuwachsen, der so labil ist...

      alles gute für euch 🍀

      • Ja, das wird mir leider auch immer bewusster. Ich bin da „vorbelastet“ und hab mit meinem „abpuffern“ wirklich nicht zur Verbesserung beigetragen.
        Ich habe mich mittlerweile vorerst räumlich distanziert. Es mir geht dadurch besser, aber das kommt noch nicht wirklich an. Ich werde in eine Gruppe für Angehörige von Suchtkranken gehen. Wie es ausschaut, ist er leider total abgestürzt...

    (10) 28.07.19 - 22:33

    Guten Abend,

    Als ich deinen Text so gelesen habe, habe ich voll und ganz mit dir gefühlt. Mein Mann nimmt zwar keine Drogen aber er ist Borderliner.
    Er hatte eine schlimme Kindheit hinter sich, sein Vater schwerer Alkoholiker und im Suff schlug er ihn windelweich und die Mutter schlug ständige, egal was war. Dann ging er 12 Jahre zum Bund mit Auslandseinsätze.
    Ich brachte vor 4 Jahren meinen Sohn aus erster Ehe mit in die Beziehung. Vor 2,5 Jahren haben wir meine Cousine in Dauerpflege bei uns aufgenommen und zum perfekten Glück haben wir letztes Jahr Zwillinge bekommen.
    Von Anfang an herrschte hier ein richtig rauer Ton den Kindern gegenüber, wie beim Bund. Dazu kommt noch hinzu das er der Meinung ist, dass man einem Kind einmal was sagt und dann muss das sitzen. Wobei sich es schon um einiges verbessert hat. Ganz so schlimm wie damals ist es nicht mehr aber für meinen Geschmack immer noch zu rau. Doch leider sieht er nicht das Problem bei sich sondern bei den Kindern und wir hängen sehr oft deswegen in den Haaren. Obwohl er auch sehr viele gute Eigenschaften hat und sein Herz am rechten Fleck, habe ich jetzt im Urlaub über Trennung nachgedacht. Denn eine Therapie will er nicht machen weil wie gesagt, denkt er, sind die Kinder das Problem und ich bin mit meinen Kindern voll und ganz ausgelastet, ich kann ihm nicht mehr weiter helfen. Das Pflegekind bringt auch noch sehr viele Probleme mit, die ich alleine bewältigen muss, dann die Zwillinge ( eins ist schon anstrengend aber der Doppelpack halt das doppelte ) dann auch noch mein Sohn.
    Ich weiß genau wie du, nicht was ich machen soll.
    Wünsche dir für dich das du deinen Weg finden wirst und egal welchen du gehen wirst, alles gut wird.

    • (11) 02.08.19 - 03:46

      Ich erkenne viel wieder. Angefangen mit dem Ansatz, dass man einmal was sagt und der Einstellung, dass Kinder „Hören“ müssen. Auch er hat sich wie dein Partner „gebessert“ aber dieser Prozess ist so langsam, dass alle anderen trotzdem leiden und das geht ja nicht! Und Therapie ist auch bei uns ein rotes Tuch. Alles, wo man nicht frei entscheiden kann, laut ihm „weggesperrt“ ist, kommt nicht in Frage 🙄

      Du hast es auch nicht einfach mit den ganzen Beschriebenen Umständen. Weiterhin viel Kraft!

(12) 30.07.19 - 11:55

Du kannst einen Mann, der drogenabhängig ist und psychische Probleme hat, und der beides nicht therapiert, nicht 2 Kindern zumuten. Punkt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  • (13) 02.08.19 - 03:49

    Mag sein, dass ich nicht nachgedacht habe, als ich die Beziehung eingegangen bin. Aber viele Dinge kamen erst mit der Zeit.
    Man sollte eher davon reden, dass man ihn den Kindern nicht zumuten kann.
    Ich finde dein Kommentar liest sich als Schuldzuweisung an mich und das ist nicht korrekt!

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