Patchwork? Funktioniert nicht!

Ich bin seit fast 5 Jahren mit meinem "neuen" Mann zusammen, er lebt seit 4 Jahren bei mir im Haus. Ich habe drei Kinder, mittlerweile 19,17,15 Jahre alt. Er hat 2 Kinder, 21 und 19 Jahre alt.
Wir hatten/haben bezüglich der Kinder mehr Tiefs als Hochs, ich hab viel gelesen, mich viel beraten lassen, viel probiert, dass es allen gut geht.
Mein Fazit heute. Patchwork funktioniert nicht. Wenn nur ein einziger in diesem System es torpediert hat der Rest keine Chance.
Das hätte mir am Anfang geholfen, das so zu hören. Stattdessen so viele optimistisch positive Ratgeber, wie Patchwork gelingt. Wenn man das und das tut, passiert das und das, und alles ist gut.
Ja. Nein. NEIN! Wirklich nicht!
Ein neuer Partner ist eine Katastrophe für die Kinder. Natürlich! Ein wildfremder Mensch bricht in die Familie ein, die ohnehin mit Trennungssituation zu kämpfen hat. Die Mama ist glücklich und euphorisch und den Kindern fremd. Warum sollten sie (die Kinder) diese Euphorie teilen? Patchwork ist der sichtbare Ausdruck dafür, dass es die Familie nicht mehr gibt.
Wir haben uns im Laufe der Zeit zunehmend auseinander entwickelt, die Kinder und die Erwachsenen. Da ist viel Schmerz und Traurigkeit. Wäre es ohnehin so gekommen? Die Kinder sind ja schon groß und gehen ihrer Wege.
Ich würde gerne eure Erfahrungen hören, bitte keine guten Ratschläge, lieber Austausch.
LG! Annette

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Öhm nein, deine Aussage stimmt so pauschal nicht. Bei uns funktioniert es inzwischen! Am Anfang hatten wir auch Hochs und Tiefs, mehr Tiefs als Hochs und es wäre beinahe zerbrochen. Bei uns torpediert die KM ständig, seit 10 Jahren, seit Tag 1 und sie hört einfach nicht auf. Das EINZIGE was stimmen muss ist, dass beide Partner am gleichen Strang ziehen müssen. Man muss sich einig sein und dabei bleiben. Hätte es verschiedene Ansichten zum Leben im Patchwork gegeben, hätte es nicht geklappt. Sowas regelt man aber normalerweise vor einem Zusammenzug.

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ich kann das nicht bestätigen - aber ich mache auch eine Art Patchwork light, weil es außer meinem Sohn keine weiteren Kinder bei uns gibt. Aber: mein Sohn liebt meinen Mann. Ich habe den Kontakt vorsichtig zugelassen, als ich mir nach einem halben Jahr sicher war, dass dieser Mann bleiben wird, danach haben wir Schritt für Schritt mehr Zeit zu dritt verbracht und leben inzwischen hier als Familie. Mein Sohn ist immer neun Tage bei mir und fünf bei seinem Vater, sagt aber sehr klar, dass sein eigentliches Zuhause hier bei mir und meinem Partner ist. vielleicht haben wir einfach sehr viel Glück gehabt, das ist vermutlich so. Ich weiß nicht, wie leicht oder schwer es für mich gewesen wäre, ein oder mehrere weitere Kinder hier emotional "unterzubringen", trotzdem finde ich deine Absolutheit, dass es einfach gar nicht funktionieren kann, schwierig. dass ein neuer Partner eine Katastrophe für die Kinder sein muss, das stimmt so meiner Erfahrung nach nicht.

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Hallo,

auch ich kann deine Erfahrung nicht teilen.

Als unser Sohn 1 Jahr alt war verliebte sich mein Exmann in seine Praktikantin. Wir trennten uns ein halbes Jahr später. Ich hatte dann lange Zeit überhaupt keine Kapazitäten für einen Mann in meinem Leben mit Vollzeitjob, einem Kleinkind, einem Hund und mir. Wenn der Papa auf den Kleinen aufpasste ging ich mal mit meinen Freundinnen aus, flirtete und hatte auch mal meinen Spass.

Als mein "Großer" vier war lernte ich meinen jetzigen Mann kennen (Dating-Portal). Wir haben uns getroffen und er ist nie wieder gegangen. Nach drei Wochen suchten wir gemeinsam eine große Wohnung und nach vier Monaten beschlossen wir unsere Familie zu vergrößern. Mein großer Sohn fand es toll, mein Exmann auch (wir waren weiterhin befreundet). Ein Jahr später kam unser gemeinsamer Sohn zur Welt.

Als der Große 11 und der Kleine 5 war beschlossen wir unsere Familie zu vergrößeren und mittlerweile sind wir zu 6 (2 wundervolle Pflegekinder komplettieren unsere Familie).

Der Große ist mittlerweile 18 und lebt noch bei uns, er hat auch nicht vor auszuziehen. Natürlich gab es Hochs- und Tiefs und in der Pubertät auch Hahnenkämpfe vom Großen mit meinem Mann und auch seinem leiblichen Vater.
Und natürlich gibt es auch Streit zwischen den Geschwistern.

Aber alles im Rahmen und nie wirklich unter der Gürtellinie. Wir haben immer darauf geachtet, im Kontakt mit den Kindern zu sein und respektvoll mit ihnen umzugehen (das wünschen wir uns ja auch umgekehrt). Natürlich klappt das nicht immer, aber wir arbeiten stets daran.

Mein Mann und ich sind aber auch absolute Familienmenschen und lieben es unsere Freizeit mit unseren Kindern zu verbringen. Me-Time oder Paarzeit gibt es selten, aber wir achten darauf, uns nicht aus den Augen zu verlieren. Und genießen die Momente zu zweit dann umso mehr. Mein Mann pflegt an drei Abenden seine Hobbies (von zuhause, wenn die Kinder schlafen). Ich engagiere mich im Tierschutz und so haben wir dann auch noch drei Hunde mit mehr oder weniger ausgeprägtem Handicap.

Von außen betrachtet sind wir ein bunter Haufen, aber wir haben eine tolle Nachbarschaft und mittlerweile auch ein funktionierendes Netzwerk (keine Familie in der Nähe). Wir lieben es so! Mein Mann und ich spielen seit mittlweile 15 Jahren gemeinsam ein Online-Spiel, mittlerweile spielen auch die zwei großen Jungs mit.

Ich würde es immer wieder so machen.

Liebe Grüße
Delenn

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Das klingt sehr schön, beneidenswert!
Freu mich für euch!

Wir haben in der Euphorie die Kinder nicht genug mitgenommen. Plötzlich stand schon ein Karton im Haus, da hatte ich noch gar nicht mit den Kindern gesprochen. Viel zu schnell.

Und meine Kinder haben zu Anfang unserer Beziehung ihre Vater Familie verloren und sind teilweise bis heute traumatisiert. Ich bin seitdem allein sorgeberechtigt. Mein neuer Partner war anfangs bemüht, hat aber nach üblen Anfeindungen meiner Mittleren ziemlich schnell aufgegeben und sich zurück gezogen. Er hat seine eigenen Probleme, meinte er. Das habe ich mir anders vorgestellt und gewünscht, aber da steckt man nicht drin.

Ich bin jahrelang von einem zum anderen gelaufen und hab um Verständnis geworben, vergeblich. Zwei Menschen aus meiner Familie ertragen sich nicht und können nicht gemeinsam in einem Raum sein.

Ich hätte mich trennen müssen, damit es für eins meiner Kinder wieder gut wird. Dazu war und bin ich nicht bereit.
Sie ist mittlerweile ausgezogen, ist noch nicht volljährig.

So muss ich mich immer entscheiden, bei gemeinsamen Aktivitäten entweder den Mann oder das Kind auszuladen. Das weiß jeder und begleitet immer jede gemeinsame Zeit als permanente Dauerbelastung.

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Sie verzeiht mir das nicht.

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5 Kinder in der Pubertät und jeder einzelne mit unterschiedlichen Bedürfnissen und nebenbei noch Alltag, Trennungsschmerz und Liebesglück ist auch echt viel auf einmal. Arbeiten muss man ja auch noch.

Ich glaube da habt ihr euch überfordert.

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Zur Beruhigung. Auch ohne Patchwork kann es in der Pubertät zu Anfeindungen zwischen Kind und Elternteil kommen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das ist Dauerstress pur, da der Partner Loyalität verlangt, aber ebenso das Kind 100 Prozent trotz destruktiven Verhalten Rückhalt möchte.

Bei uns hat erst eine Familientherapie den Durchbruch geschafft.

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Vielen Dank! Tut gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind.
Das hab ich auch probiert mit der Familientherapie, aber dazu sind die zwei, die's am schwersten haben, nicht bereit gewesen.
Es gibt einen Erziehungsbeistand, das ist schon mal sehr gut!

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So pauschal kann man das nicht sagen. Ich denke, und habe auch selber die Erfahrung gemacht, dass wenn die Kinder noch klein sind es viel einfacher ist. Aber bei 5 Kindern in der Pupertät wäre glaub jeder gescheitert.

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Nach sechs Jahren Patchwork kann ich deinen Beitrag so wie du ihn geschrieben hast unterschreiben. Patchwork ist mit vielen Kompromissen verbunden die, wenn man brutal ehrlich zu sich selbst ist, zum Großteil nicht glücklich machen. Die Medien sind leider gespickt von zu vielen gut gemeinten Ratschlägen die wir, gutgläubig wie wir sind, natürlich versuchen umzusetzen; versuchen es den anderen Recht zu machen und dabei selbst auf der Strecke bleiben; von Redakteuren die selbst keine Kinder haben; von Buchauthoren die Patchwork selbst nur von Verwandten kennen.

Von Patchworkern denen es nicht gut geht liest man viel zu wenig (man sucht halt auch eher die Erfolgsgeschichten mit mitreisen und nicht die die Selbstzweifel nähren), denn die Wenigsten gestehen sich ein das sie nicht glücklich sind und noch weniger gehen damit an die Öffentlichkeit. Viele schreiben hier überwiegend positiv zum Thema Patchwork, aber da frage ich mich wirklich ob das die Wahrheit ist oder sie sich nicht etwas vormachen. In persönlichen Gesprächen erfährt man so viel und - oh Wunder - nach spätestens den ersten Sätzen hört man bereits die ersten Unzufriedenheitszeichen raus.

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Nach 22 Jahren Patchwork-Erfahrung schließe ich mich deiner Meinung an. Leider! Es gab gute Phasen.... aber viel mehr schlechte.....

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Hallo,

einige Freunde meiner Kinder leben in Patchwork und ich habe es langsam satt. Zum Glück wird in Kürze auch mein Kleiner die Kommunikation alleine übernehmen. Was ich alles schon erlebt habe:

1. Ständig ruft man beim falschen Elternteil an, weil man eigentlich Buch führen müsste über das Wechselmodell. Dort geht dann das Stiefelternteil ans Telefon und getroffene Verabredungen werden später vom Elternteil gecancelt. Wir lernen natürlich daraus.

2. Kind soll über uns zum anderen Elternteil wechseln (wurde mir nicht mitgeteilt), sieht an der Tür die Bonusmutter, dreht durch und verschanzt sich bei uns. Danke dafür.

3. Kindergeburtstag: Besuchskind weint die ganze Zeit, weil die Mutter mit neuem Mann und Bonuskindern einen Ausflug macht und auch noch so blöd war, mir das ausführlich beim Abgeben zu erzählen. Ich musste der Mutter dann hinterhertelefonieren, damit sie das Kind wieder abholt.

Meine Kinder hören so viele Probleme an, dass sie es verarbeiten müssen, indem sie es dann wieder mir erzählen. Es ist einfach schrecklich, was da teilweise passiert. Nicht alle Eltern sind feinfühlig genug, die Kinder immer passend aufzufangen. Das glauben sie vielleicht, weil das Kind zu Hause nichts sagt. Ich frage mich oft, ob ich wirklich alles für mich behalten soll?

Meine Topstory: Familie zieht in eine neue Wohnung, am Umzugstag erfahren die Kinder, dass sich die Eltern getrennt haben und der neue Freund der Mutter einzieht. Ganz ehrlich, mit dieser Frau kann ich nicht mal Smalltalk führen, mir kommt immer noch die Galle hoch.

Ich bin finanziell unabhängig, das war ich mein ganzes Leben und habe immer darauf geachtet, auch wenn es mitunter anstrengend war. Ich kann für mich und meine Kinder eine angemessene Wohnung finanzieren, ein neuer Mann würde nicht einziehen, seine Kinder erst recht nicht. Der Traum von der neuen Familie ist doch nur der von den Erwachsenen, die Trennung soll durch die neue Familie wieder geheilt werden.

Aus meiner Sicht heilt da leider gar nichts! Alleine die Aussicht, dass nach drei Jahren, in denen meine Kinder sich ihre Privatsphäre und mich ständig (man optimiert ja dann gerne das Wechselmodell = immer volles Haus) mit anderen teilen mussten, eine Trennung kommen könnte.... never! Haben wir bei den Freunden alles schon miterlebt, inzwischen gibt es neue Stiefgeschwister vom neuen Freund und wenn mir da schon der Kopf schwirrt...

Die Kinder haben oft keine Ruhe und keine Rückzugsmöglichkeit, wenn bei beiden Elternteilen irgendwelche Bonus"geschwister" warten, mit denen man vielleicht noch das Zimmer teilen muss wie im Ferienlager. Vielen Eltern ist das egal, Hauptsache sie können jede Nacht mit dem Neuen verbringen.

Ich finde, Erwachsene sollten da zurückstecken. Dafür sind sie erwachsen, dass sie ihre Bedürfnisse besser im Griff haben als Kinder. Der neue Partner kann doch oft zu Besuch sein, warum nicht auch mal ein paar Tage am Stück? Aber manchmal wollen die Kinder vielleicht am Sonntag morgen im Bett nur mit der Mama kuscheln und Zeit haben, sich zu öffnen und was zu erzählen.

Ich merke schon, ich habe mich in Rage geredet, sorry. Aber ich habe da schon so viel Egoismus erlebt und mir tun die Kinder einfach leid. Dass man manchmal eine Trennung nicht vermeiden kann, klar. Aber muss man direkt danach das große neue Programm auffahren? Und dann auch noch ohne ein paar Jahre zum Kennenlernen dazwischen? Aber ich unterschätze den Drang, alles mit dem Neuen zusammen machen zu wollen, nicht alleine wohnen zu können bzw. zu wollen. Schade nur für die Kinder, die da nicht mit entscheiden können.

VG