Baby-Led-Weaning und Nährstoffe

    • (1) 03.07.12 - 12:36

      Hallo liebe Experten!

      Darf man noch Fragen stellen? Ich versuchs einfach mal. :p

      Mein Mann und ich möchten unseren Sohn (6 Monate alt) nach dem Baby-Led-Weaning-Prinzip (BLW) ernähren. Wir haben seit 2 Wochen angefangen ihm immer mal wieder etwas anzubieten. Weiche Birne (die liebt er!) am Stück, gekochte Kartoffel, Brotkante, gekochte Pastinake, gekochte Karotte. Alles entweder am Stück, oder in "pommesgroßen Streifen". Er hat sehr viel Freude daran alles selbst zu ertasten und zu erschmecken, ab und zu schnullt er auch schon soviel ab, dass er kleine Stückchen schluckt, was ihm keinerlei Probleme bereitet. Er wird dazu natürlich noch hauptsächlich mit (Pre-)Milch ernährt, soviel er möchte und wann er möchte.

      Nun hatten wir am vergangenen Donnerstag die U5 und die (Vertretungs-)Kinderärztin reagierte ziemlich ungehalten darauf. Er würde nicht genügend Nährstoffe bekommen (vorallem Eisen) und wir sollten ihn hinlegen in den Maxicosi und ihm sofort Gemüse-Kartoffel-Fleischbrei füttern, er würde sonst ja auch nicht lernen wie man vom Löffel isst und er könne so ja auch gar nichts abbekommen, weil er noch keine Zähne hat.

      Natürlich haben wir uns vorher informiert, bevor wir mit BLW angefangen haben, haben entsprechende Bücher gelesen und andere BLW-Eltern befragt und auch geschaut, was z.B. die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu sagt. Dort heißt es überall, dass im ersten Lebensjahr so oder so Milch (Muttermilch, oder eben Pre) der Hauptbestandteil der Ernährung ist (allein vom Kaloriengehalt her) und dass die Kinder damit alles bekommen was sie brauchen.

      Nun hat diese Ärztin mich aber doch verunsichert. Einerseits fühlt es sich für mich so richtig an, ihn "alleine" essen zu lassen was er möchte, andereseits hab ich trotzdem die Sorge, dass ihm was fehlen könnte.

      Ich muss dazu sagen, dass er vom Gewicht her völlig im Rahmen ist (68cm groß und er wiegt 7600g) und wir seinen Speiseplan immer mehr erweitern, also soll auch bald weiteres Gemüse (Kürbis, etc.) und Fleisch dazukommen. Zu jeder Mahlzeit bieten wir ihm Wasser an, was er aber noch größtenteils ablehnt.

      Was sagen Sie als Experten dazu? Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen, vielen Dank!

      #winke
      Jezebelle

      • Hallo liebe Jezebelle, herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Schön, dass Ihr Kind so gut gedeiht und die Beikosteinführung allen Spaß macht. Das ist ganz wichtig, um ein gutes Essveralten zu lernen. Ich halte mich in der Regel an die Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung (www.fke-do.de). Hier erarbeiten Wissenschaftler Empfehlungen zur Beikosteinführung. Kinder nach der 17. Woche bis spätestens zum 6. Monat sollten Beikost bekommen. Die Milch bleibt auch nach wie vor die wichtigste Nährstoffquelle, aber manche Nährstoffe kommen dann auch aus der Breimahlzeit, wie z.B. das Eisen. Außerdem ist es ganz wichtig, die Mundmotorik zu lernen, denn diese ist in diesem Alter am lernfähigsten. So weiß man aus Erfahrungen, dass Kinder in diesem Alter ganz viel lernen sollen und auch müssen. Ich habe mich auch mit dem BLW Konzept etwas befasst und finde beide Verfahrensweisen gut. Ich würde einfach alles miteinander kombinieren, denn gerade wenn die Kleinen noch nicht so weit sind, kann es sein, dass sie nur über BLW etwas zu wenig Beikost bekommen. Also warum nicht alles kombinieren. Ruhig einen Mittagsbrei mit Fleisch geben, aber danach Obst oder Gemüse in Stückchen aus der Hand, ebenfalls zwischendurch. Morgens eine Milchflasche und ein Stückchen Brot dazu. Ich finde, die eine Verfahrensweise schließt die andere nicht aus und so wird das Kind gut versorgt und kann den richtigen Essgenuss proben. Alles Gute Deine Ursula

        • Hallo Ursula!

          Vielen Dank für Deine Antwort!
          Ich bin beim Breithema halt zwiegespalten, denn einerseits bekommt man so "schnell viel Nahrung in das Kind" und damit wohl auch die zusätzlichen Nährstoffe, aber der Löffelfüttergedanke stört mich daran so sehr. Laut eben jenen BLW-Büchern und der ein oder anderen Studie, schiebt man dem Kind damit das Essen einfach zu weit nach hinten in den Mund, sie haben keine Chance ihn mit der Zunge hin und herzubewegen usw, sondern sind nahezu gezwungen es kommentarlos zu schlucken. Überall in meinem Umfeld sehe ich Babies, die weinen und schreien und sich mit Händen und Füßen wehren, wenn die Mutter eine Breimahlzeit geben will. (Natürlich nicht immer, aber es kommt halt vor) Auch mein Sohn geht auf volle Abwehr, wenn ich ihm mit einem Löffel (zum Beispiel für Lefax o.Ä.) zu nahe komme, er schiebt ihn mit den Händchen weg. Einige würden da vielleicht sagen "dann ist er noch nicht Beikostreif", aber wenn er es selbst in die Hand nehmen kann, dann isst er.

          Die große Frage ist daher einfach: Fehlt ihm wirklich etwas, wenn ich ihm keinen Brei gebe?

          Liebe Grüße
          Jezebelle

          >>Ich halte mich in der Regel an die Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung (www.fke-do.de). Hier erarbeiten Wissenschaftler Empfehlungen zur Beikosteinführung.<<

          Sollte man meinen, ja....
          Zweifeln erlaubt!

          Zitat:
          "Man könnte diese Fehler der Studie als das Ergebnis von Leichtfertigkeit und Wichtigtuerei abtun, wäre das FKE in Dortmund nicht ein einflussreiches Institut für Fragen der Kinderernährung. Seinen Einschätzungen folgen Kinderärzte und Erziehungsratgeber. Die für die Studie verantwortliche Forscherin Mathilde Kersting ist Mitglied der Nationalen Stillkommission – einer Institution, die die Aufgabe hat, das Stillen zu fördern. Und wenn in deren Reihen die Empfehlung ausgesprochen wird, Babys nicht allzu lange mit der Mutterbrust abzuspeisen – so hat das in der öffentlichen Wahrnehmung Gewicht.

          Kritiker des Dortmunder FKE beklagen immer wieder, das Institut sei von der Nahrungsmittelindustrie abhängig. Tatsächlich wird als Geldgeber der aktuellen Studie die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft genannt (CMA, “Fleisch ist ein Stück Lebenskraft”). Hipp und Nestlé lieferten die gepriesenen “fleischreichen Gläschen”.

          Nach Angaben der Firma Hipp werden mit fleischhaltigen Gläschen in Deutschland pro Jahr 94 Millionen Euro umgesetzt. Allein Hipp verarbeitet jährlich 2200 Tonnen Fleisch. Doch 2006 bekam der Fleischabsatz in Babygläschen einen Dämpfer, denn in Deutschland wurde eine EU-Richtlinie umgesetzt, die den Fleisch-Mindestanteil in Fleischgläschen von zwölf auf acht Prozent senkte. Daraufhin wurde das Dortmunder FKE aktiv und untersuchte, ob das nicht zu einem Eisenmangel führe. Das Ergebnis der Studie: negativ. Dennoch, so erfuhr die WELT aus Kreisen der Universität Bonn, wollte die FKE-Forscherin Mathilde Kersting diese Studie als Beleg für ihr Plädoyer heranziehen, man solle “möglichst fleischreiche Gläschen” beifüttern."

          http://www.drfischeronline.com/218/gestillten-babys-droht-kein-eisenmangel/

      Hallo,

      lass dich von der Ärztin nicht verunsichern. viele Ärzte haben von Säuglingsernährung keine Ahnung und ganz besonders nicht vom BLW. sie hören eher darauf, was die Babynahrungsindustrie ihnen vorbetet.

      Dein Kind weiß was es braucht und holt sich es. Gewicht spielt im übrigen eine eher untergeordnete Rolle. wichtig ist das Verhalten des Kindes. ist es agil und fit ist doch alles ok.

      lg

      • @Liebespaar1998

        Danke für deine Antwort!

        Es war in dem Falle unserer U5 ja auch die Vertretungsärztin (meine Kinderärztin war leider selber krank) und die scheint mir etwas antiquiert in ihren Ansichten zu sein. Sie meinte auch, wenn er nicht durchschläft, oder wenn er in Bauchlage spielen soll (er hasst die Bauchlage), dann soll ich ihn eben schreien lassen. Da war bei mir der Ofen ja erstrecht schon aus!

        Wie oben schon gesagt, ich hoffe nur einfach, dass er so alles bekommt was er braucht, denn ich will umhimmelswillen nicht, dass er nen Mangel an irgendwas hat.

        Und was sein Verhalten betrifft: Er ist ein waches, Kerlchen (schläft am Tag nicht viel), beobachtet alles und ist sehr neugierig, schaut sich stundenlang seine Spielzeuge an und gibt sie von einer Hand in die andere, dreht und wendet sie nach allen Seiten. Er ist ein bißchen faul. :) Er kann sich auf beide Seiten drehen, also Rücken>Bauch und Bauch>Rücken, aber warum drehen wenn man auch auf der Seite liegen kann. ^^ Seit neuestem versucht er sich vorwärts zu robben, schafft auch schon so 5cm.

        Mit liebem Gruß
        Jezebelle

    #winke

    Es gibt noch nicht viel Wissenschaftliches zu BLW - viele wissen nicht mal, um was es sich dabei handelt.

    Wie Du aber sicher weißt basiert die Methode des BLW auf den Empfehlungen der WHO:
    http://whqlibdoc.who.int/paho/2003/a85622.pdf

    Interessant ist die Studie "Baby knows best!" der Universität Nottingham:
    http://bmjopen.bmj.com/content/2/1/e000298.abstract?sid=62b01b32-2e28-4999-8d1d-01ee9193a8a0

    Wir machen auch BLW. Wenn ich das Gefühl hätte, dass mein Kind kränklich aussehen oder ihm vielleicht irgendwelche Nährstoffe fehlen könnten (z.B. Müdigkeit o.ä.), dann würde ich einfach direkt einen Test z.B. der Eisenwerte veranlassen.

    Vielleicht interessiert Dich ja auch der Artikel, den ich Frau Knorrek verlinkt habe. Dabei geht es zwar um Stillkinder, aber es ist doch interessant, was da beim FKE so alles läuft.... ;-)

    LG Sabrina

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