Strittige Schreibweisen - Diskussion gewünscht :)

Hallo ihr Lieben,

immer wieder werden Namen vorgeschlagen, bei denen manche schreiben "aber bitte nicht in dieser Schreibweise, da völlig falsch!" oä.
Ich sehe das als wichtige Hinweise, man will ja schließlich nichts unbedacht falsch machen. Trotzdem hab ich manchmal Fragezeichen, warum denn nur die Schreibweise so falsch sein soll und bin nachhaltig verunsichert deswegen.

Das Beispiel das mich beschäftigt: Isabell.


Ja Isabel ist die spanische und Isabelle die französische Form von Elisabeth. Isabell wäre also der eingedeutschte Name aus dem spanischen oder französischen. Aber genauso wie die Italiener diesen Namen als Isabella in ihre Sprache integriert haben ist es doch normal, dass er in Deutschland auch angepasst wird, oder? Im Englischen heißt es dann Isobel. Und Isabell wird so ja auch oft und häufig geschrieben (Quelle z.B. beliebte-vornamen.de), nicht nur von mir persönlich.

Ist das nicht so, als wenn man Victoria (aus dem Lateinischen) in Deutschland auch Viktoria schreibt?
Oder als passt man den Namen Rebekka der internationalen Schreibweise Rebecca an?

Wisst ihr was ich meine? Ist es wirklich ein Hinweis auf ein ungebildetes Elternhaus, den Namen Isabell zu schreiben, statt eine ausländische (vielleicht ursprünglichere) Form zu wählen?

Freue mich auf eure Meinungen!

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Ich finde du hast ein total unpassendes Beispiel für das Thema gewählt. Es gibt Namen, bei denen ich auch sage, dass eine Schreibweise bildungsfern erscheint, aber absolut nicht bei Isabell. Wenn du jetzt Ysabell schreiben würdest, dann ja! Aber bei Isabell, Isabel oder Isabelle sehe ich keine Bildungsunterschiede, sondern einfach verschiedene kulturelle Schreibweisen und ich sehe in diesem Fall Isabell als die gängigste Schreibweise in Deutschland, weshalb ich dazu raten würde.

Für mich sind "bildungsferne Schreibweisen" wirklich was ganz anderes. Da geht es eher um Schreibweisen, die wie eine Eigenkreation wirken und man denkt, die Eltern wüssen nicht, wie man den Namen eigentlich schreibt. Oder man ändert einfach ein i oder j in ein y ab...das ist auch so ein Klassiker.

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Geht ja denk ich darum dass man die mainstream Schreibweise nimmt damit nicht so viel erklärungsbedarf ist, à la "nee so wird mein name nicht geschrieben"
Isabell wär für mich z.b. die "richtige" Schreibweise, kann jeder aber auch anders sehen.

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Mich stört die " falsche" Schreibweise eigentlich nur, wenn es eine Schreibweise ist, die einfach so falsch aussieht, dass ich denke, da hat jemand geschrieben wie gehört .

Bspw

Josepf

Flohrentine


Ansonsten ist es mir egal ob jemand
Phillip
Philip
Filip

Geschrieben wird, weil Eltern eine bestimmte Schreibweise eines Landes schön finden.

Bearbeitet von Elise22
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oder es soll extra außergewöhnlich werden und man wählt deshalb bewusst Flohrentine. das macht dem kind später viele probleme.

Grundsätzlich gibt es aber, wie bei Philipp, Philip, Filip, etc gute Gründe, warum diese schreibweise gewählt wurde (wenn man zb selbst oder die nahen vorfahren aus dem land kommen und man es wegen der Abstammung so wählt)

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Ich hoffe, niemand nennt sein Kind "Flohrentine". Da gäbe es später so viele Möglichkeiten zum Ärgern. Das Erste, was mir bei der Schreibweise einfällt ist, dass "renting a Floh", also einen Floh mieten. Wenn das ein Mitschüler zusammenbekommt, der es nicht gut mit der Betreffenden meint, kann er sie monatelang damit ärgern. Aber auch so etwas wie "der Floh rennt hinter Tine her" etc.

Ich würde schon aufpassen, dass sich ein Name nicht zum Ärgern anbietet!

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Das einzige, was mich über ein "das wird für das Kind später nervig sein" hinaus stört, sind falsche Akzente. Hatte mal kurz mit einem Andrè zu tun, das war irgendwie schwer auszuhalten.

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Ja, ich muss mich auch immer beherrschen, meine Kollegin Michellé nicht so auszusprechen, wie ich es mit meinen Französischkenntnissen eigentlich tun würde...

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Ich finde alternative Schreibweisen oft nervig (sich irgendwie von anderen abheben wollen) oder auch einfach unschön zu lesen. Z.B. Fynn, Emyl, Mattheo etc.
Vor allem die Kinder tun mir leid, die ihr lebenslang darauf hinweisen und buchstabieren müssen 😐

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Hi,

ich finde auch, dass manche da viel zu intolerant sind und nicht, dass eine ausländische Schreibweise per se etwas schlechtes ist. Klar, es kann einfacher für das Kind sein, wenn es die Schreibweise bekommt, die hierzulande dominiert. Ich finde aber, das ist noch kein Argument, gegen andere Schreibweisen so pauschal zu stänkern, wie es hier manchmal getan wird. Zumal es keine Garantie ist, dass man nie wird buchstabieren müssen, weil das Gegenüber vielleicht eine andere Schreibweise eher kennt (ich denke da, neben deinem Beispiel mit I.sabel/I.sabelle/I.sabell zB an M.aja/M.aya).

Es gibt häufig gute Gründe für von der Norm abweichende Schreibweisen wie zB eine sonst falsche Aussprache in einer anderen Sprache, mit der das Kind auch in Berührung kommen wird, etwa weil man selbst aus dem Ausland kommt und dahin noch über Familie etc. Verbindungen hat. Das ist etwa bei dem Namen der Fall, den mein Mann und ich unserem Kind geben wollen. Die in Deutschland geläufige Schreibweise würde auf Spanisch, meiner Muttersprache, ganz anders ausgesprochen werden als auf deutsch. Man muss sie also etwas anpassen, damit sie auf beiden Sprachen funktioniert. Das muss für das Kind noch lange nichts Schlechtes sein, nur weil manche Leute „ihre“ Schreibweise für die einzig richtige halten. Mehr Flexibilität wäre da einfach wünschenswert :)

Nur dann, wenn es wirklich absurd wird und Aussprache und Schriftbild gar nicht zusammenpassen, sehe ich unkonventionelle Schreibweisen kritisch und ja, dann kann es auch bildungsfern wirken.

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Du wirfst hier zwei Dinge durcheinander, die meiner Meinung nach wichtig zu unterscheiden sind.

Das eine sind NAMENSVARIANTEN.
Also verschiedene Namen, die zwar den gleichen Ursprung haben, aber unterschiedlich ausgesprochen und geschrieben werden.
Die spanische Emilia, die französische Émilie, die englische Emily und die deutsche Emilie sind vier völlig verschiedene Namen, die alle anders geschrieben und die auch unterschiedlich ausgesprochen werden.
Das passiert durch die Übertragung von Namen aus einem Sprachraum in den anderen unter Angleichung an die dortigen Sprachbedingungen.
So wurde Elischeva zu Elisabet.

Isabel ist in der Hinsicht wirklich spannend, weil es über eine "normale" Namensvariante (Elisabet in Spanien, Elisabete in Portugal) hinausgeht.
Auf jeden Fall bekam auch die spanische Isabel Namensvarianten, die anders ausgesprochen und geschrieben wurden.
Im Portugiesischen ist nur die Aussprache anders. Lateinisiert wurde ein A ergänzt – Isabella. Im Französischen Isabelle (Aussprache und Schreibweise leicht verschieden). Im Schottisch-Gälischen wurde Iseabail daraus …

So entstand auch Isobel, nämlich als anglisierte Schreibweise von Iseabail, wobei auch die Aussprache dann etwas angeglichen wurde. Es ist also nicht einfach nur eine andere Schreibweise von Isabel, sondern eine andere Variante.


Das zweite ist ALTERNATIVE SCHREIBWEISEN.
Also zwei Namen, die gleich ausgesprochen, aber unterschiedlich geschrieben werden.
Im Französischen zum Beispiel Emilie und Émilie, oder auch Emily und Emely. Clara und Klara, Ester und Esther …
Es ergibt Sinn, dass man einen ausländischen Namen an die Rechtschreib- und Ausspracheregeln der eigenen Sprache anpasst. Wenn also die deutsche Sprache kein Trema kennt, ergibt es Sinn, die Schreibweise zu Noel zu verändern. Oder, wenn man die englische Aussprache von Milo oder Leo wünscht, Mailo oder Lio zu schreiben. Mateo und Matteo passen sich an die Sprachregeln der jeweiligen Sprache an. Raffaella würde im Spanischen ganz anders ausgesprochen, also gibt es dort Rafaela ...

In diesem Sinne ist Isabel in Deutschland schon die eingedeutschte Schreibweise zu Isabelle - denn die spanische Variante wird eigentlich etwas anders ausgesprochen als die Französische.
Ein zweites L zu ergänzen, ergibt nach deutschen Rechtschreib- und Ausspracheregeln nicht wirklich Sinn, man braucht es nicht.


Ein dritter Punkt wäre noch VERÄNDERTE AUSSPRACHE bei gleicher Schreibweise.
Also Isabel, die in Deutschland in der Regel so ausgesprochen wird wie Isabelle; Hannah, die in Deutschland in der Regel ausgesprochen wird wie Hanna o. ä.
Was teilweise einfach an den Aussprachemöglichkeiten einer Sprache liegt, teilweise auch einfach "falsch" ist, was manchmal "richtig" wurde (wer beschwert sich noch über Charlotte?), teilweise immer noch als falsch empfunden wird (LI-am)


Sicher ist manches in dieser Hinsicht auch eine Sache der Gewohnheit.
Mir geht es so, dass bei Isabell bei mir sofort der Alarm "falsch!" losgeht, einhergehend mit den entsprechenden Vorurteilen.


Die Statistik ist auch noch ein interessanter Punkt.
Da kommt es nämlich sehr auf den Zeitraum und die Stichprobe an. Vornamen.blog kommt zum Ergebnis, dass Isabel die häufigste Schreibweise ist, gefolgt von Isabelle.
Auch wenn man bei Knud Bielefeld die Verteilung mit den Zahlen aus seinem Blog (2010 bis 2023) ausrechnet, kommt man zu leicht anderen Zahlen, bei denen vor allem Isabelle gewinnt. Isabell dagegen verliert.
Seine Statistik auf der Homepage stammt wohl aus den Jahren 2010 bis 2018 oder 21 (wenn man es mit den anderen Statistiken vergleicht).
Wenn man dann aber bedenkt, dass die meisten Namensträgern aus den 1990ern stammen, würde sich das Bild noch einmal deutlich verschieben.
Anekdotische Evidenz: Ich kenne aus den 1990er Jahren und früher nur Isabelles. Aus den späteren Jahren auch Isabels. Isabells sind mir noch nie begegnet.

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Eine Schreibweise wäre für mich falsch, wenn der Name in keiner Sprache so geschrieben wird. Isabell ist mir persönlich noch nie begegnet und ist tatsächlich eine Schreibweise, die ich extrem unattraktiv finde - einfach weil sie meinem Sprachgefühl widerspricht. Isabelle oder Isabel, fertig 😁Wenn man ein weiches S möchte, wäre es wohl Isabelle.

Rebecca ist latinisiert, Rebekka ist griechisch. Es geht auch Rebekah - der sieht für deutsche Augen allerdings sehr seltsam aus. Insofern stehen die alle parallel nebeneinander. Bei Viktoria ist es ja ähnlich - in zahlreichen Sprachen schreibt man die Varianten mit K. Alle haben ihre Berechtigung.

Gut möglich, dass wir in 100 Jahren Isabell als die deutsche Variante empfinden. Stand jetzt wäre sie das für mich nicht, es wirkt auf mich nach wie vor ausgedacht, vereinfacht oder unwissend. Wirklich falsch ist ein Name für mich also dann, wenn die Schreibweise in keiner Sprache etabliert ist. Es gibt auch genug Varianten, die ich einfach nicht schön finde, die aber trotzdem richtig sind. Und es gibt Quatsch wie Emyl und Co. :-D

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Ich mag den Namen Isabel.

Die einzige Form die ich optisch unvollständig finde ist Isabell.
Finde entweder Isabel oder Isabelle vollständig.