Kennt sich jemand mit Baby-Umgang in traditionellen Kulturen aus?

Hallo ihr Lieben,

vielleicht war jemand ja mal länger in Afrika o.ä. oder hat entsprechende Bücher gelesen, denn mich würden mal einige Fragen brennend interessieren, wie sich die Mütter in traditionelleren Kulturen mit Baby verhalten. Wir haben hier ja schon so viel verlernt und müssen alles nachlesen ;-) Dass häufiges Stillen und Tragetücher gut sind, weiß ich mittlerweile ;-) aber einige Details fänd ich echt interessant.

Ich war auch mal einige Zeit in Afrika unterwegs und die Babys/Kinder weinen dort einfach fast gar nicht!!! Nur damals habe ich noch nicht so richtig darauf geachtet... Aalso, hier wären meine Fragen:

- Wie klappt das mit dem häufigen Stillen? Die Mütter haben doch gar keine Zeit sich hinzusetzen dafür. Haben sie die Babys von Anfang an im Tragetuch, aufrecht, und stillen sie einfach beim laufen/arbeiten?
- Werden die Babys von Anfang an getragen oder bleibt die Mama mit dem Neugeborenen die ersten Wochen im Wochenbett und sie liegen fast nur?
- Wie wird eigentlich mit Trotzphasen umgegangen bzw. gibt es diese dort in dem Maße wie bei uns?

Das wär erstmal das Wichtigste :-D Vielleicht kennt sich ja jemand aus, wär super klasse!! #freu

Liebe Grüße,
Sylke

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Hallo..
ich war 6 monate in südafrika im jahre 2000 und habe dort mit behinderten und strassenkindern gearbeitet.
ein kind ist erstmal kaum war wert, solange es nicht mithelfen kann oder verkauft (wenn es heiratet) wird. daher wird auf säuglinge kaum rücksicht genommen...sie sind halt da, aber man muss sich auch nicht besonders darum kümmern. daher deine frage mit der trotzzeit....es ist ihnen egal und wenn das kind meint bocken zu müssen, dass wird es halt zu hause gelassen. man kann auch alleine gehen. das interessiert keine mutter.
zumal es immer so viele kinder in einem dorf gibt, dass denen nie langweilig ist und ich kaum ein kind gesehen habe, dass so wie unsere kinder in einer trotzphase war.
hier muss man ja nur einmal die stadt hoch und runter gehen und hat gleich 3 von den trotzkindern entdeckt....:-D
zum stillen kann ich dir soviel sagen, dass sich darüber auch keine gedanken gemacht wird. wenn das kind mal wach ist und weint, dann wird es ruck zuck an die brust angelegt (egal wo unbd egal wann oder wer dabei ist). es achtet niemand darauf. es ist einfach normal. und wenn es satt ist kommt es wieder auf den rrücken. fertig ohne schnick und schnack:-)
zum tragetuch kann ich dir vollgendes sagen:
das tragetuch wurde dazu benutzt, damit die frauen arbeiten können. arbeit ist frauensache und viele männer trinken den ganzen tag alkohol und arbeiten nichts.
so wie wir heute das tragetuch anwenden ist es eigentlich nicht im sinne des erfinders.
die babys werden ausschließlich auf den rücken getragen (nicht wie bei uns vor der brust), das kommt daher, dass die frauen sich bei der arbeit zu 80% bücken müssen und so sitzt das baby nicht auf deinen po in dem tuch, sondern liegt auf den rücken der mutter und ist durch das tuch praktisch nur fixiert, damit es nicht herunter fällt.
es dient dazu, dass die mama beide hände frei hat, aber es wirken bei dem baby kaum kräfte auf die wirbelsäule....so ist das tragetuch zu verstehen und nicht als ich trage mein kind von a nach b und habe meine hände frei oder muss den sperrigen kinderwagen mitnehmen.

so, ich hoffe ich konnte dir ein bisschen was erzählen....
wenn du noch fragen hast, kanns du dich gerne bei mir melden.

LG katha
p.s. ich bin kein gegner von tragetüchern oder bauchtragen...habe selbst eine bauchtrage, aber benutze sie sehr selten.....;-)

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Hallo Sylke,

möchte mal kurz ein wenig was zu dem sagen, was meine Vorschreiberin geschrieben hat...;-)

Es stimmt, dass in Kulturen, in denen die Frauen hauptsächlich gebückt arbeiten (z.B. auf dem Feld), das Tragen nicht mit dem in unserer Kultur zu vergleichen ist. In dem Fall ist es tatsächlich so, dass die Kleinen eher auf dem Rücken der Mutter liegen und dort lediglich mit Hilfe des Tuches fixiert werden. Wobei z.B. der Weg zum Feld oder auch der Gang zum Markt ebenfalls mit der Rückentrage gemeistert wird - ohne dass die Kleinen runterfallen oder zu wenig gestützt wären.;-)

Es gibt allerdings auch andere Kulturen, z.B. die verschiedensten Indianerstämme in den Regenwäldern. Dort ist die gängigste Trageweise die Hüfttrage. Die Kleinen sitzen von Beginn an (allerdings kann ich Dir leider nichts zumWochenbett sagen...) in einer Hüftschlinge auf der Hüfte der Mutter, die i.d.R. lediglich einen Lendenschurz trägt, sodass die Kleinen stillen können, wie sie möchten. Und das machen sie auch - teilweise im 15min.-Takt. Die Hüfttrage ist weltweit gesehen übrigens die am häufigsten genutzte Trageweise. Unsere Bauchtrageweisen sind wirklich ein Zeichen von Luxus - Frauen, die arbeiten müssen, wären damit zu sehr behindert. Allerdings ist die Hüfttrage auch aus physiologischer Sicht die beste Variante (Stichwort Hüftentwicklung, Spreizwinkel usw.).

Hinzu kommt, dass traditionelle Kulturen häufig in einem ganz anderen sozialen Umfeld leben als wir. Dort leben noch richtige Großfamilien bzw. Dörfer so eng zusammen, dass eine Kinderbetreuung ganz selbstverständlich nebenbei laufen kann. Bei manchen Stämmen ist es sogar so, dass die Frau, die gerade das Baby auf dem Arm hat, es auch stillt (wenn sie denn selbst überhaupt Milch hat natürlich;-)).

Der enge Körperkontakt ist zumindest bei vielen Ureinwohnern ganz selbstverständlich - sowohl tags als auch nachts. Aber das ganze läuft mehr so nebenbei, sodass die Kinder keine übergeordnete Rolle erhalten und den ganzen Tag betüddelt werden, sondern sie sind halt immer dabei. Wenn sie Hunger haben, werden sie halt gestillt, wenn sie weinen auf den Arm genommen, wenn sie im Weg sind an die Schwester oder sonst wen weitergegeben und wenn sie alt genug sind, ziehen sie mit den anderen Kindern des Dorfes durch die Gegend und es wird darauf vertraut, dass sie ihre Grenzen schon kennen.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" etwas für Dich wäre. Den Schreibstil mag ich nicht so wirklich und die Ansichten der Autorin kann ich auch nicht komplett teilen (sind mir teilweise zu drastisch, da wir nun mal nicht mehr im Urwald leben, sondern unsere Kinder mit einer ganz anderen Art von Gefahren groß werden müssen), aber es wird sehr schön das Leben eines Indianderstammes und deren Umgang mit ihren Kindern beschrieben.

Viele Grüße, Alex

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hallo...
zu deinen indianerstämmen kann ich nichts sagen... ich habe ja auch nichts schlecht reden wollen.
wollte einfach nur meine erfahrungen mitteilen und das habe ich gemacht!

LG katha