Wann ist es „Schreien lassen“?

    • (1) 10.08.19 - 19:37

      Hallo liebe Mamis,

      bisher bin ich nur stille Mitlesetin gewesen, habe nun aber eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Und diese wollte ich gerne einfach mal teilen.

      Unser kleines Menschlein ist nun 10 Wochen alt und i.d.R. reagieren wir immer möglichst frühzeitig auf Anzeichen seiner Bedürfnisse. Schreien haben wir daher mMn nicht oft - außer es gelingt uns mal nicht gleich das Richtige zu treffen oder das Bauchweh quält. Ich bin ein großer Fan vom begleitenden Weinen und auch mein Mann hält das so. Das heißt jedoch nicht, dass wir unseren Sohn nicht auch mal quengeln lassen - oft erzähle ich euch dann einfach mit ihm, wenn er etwas meckert und ich z.B. noch schnell die Spülmaschine einräume. Wenn die Brust nicht gleich frei ist (übertrieben gesagt), erkläre ich ihm auch, dass ich mich gerade fertig mache (Spuktuch holen, Brust freilegen) und gleich gehts los. Das „funktioniert“, denke ich auch schon sehr gut für uns und unser Murkl ist auch laut Hebamme ein ausgeglichenes Baby.

      Heute hatte ich allerdings die Situation, dass ich alleine mit ihm im KiWa spazieren war und er die letzten 30 Minuten anfing zu schreien. Momentan wacht er oft einfach auf und hat ohne vorherige Anzeichen (Schmatzen, Wälzen etc.) Hunger. Aber gut, das kenne ich mittlerweile. Leider gab es auf dem letzten Stück nach Hause (ich bin diesmal einen anderen Weg gegangen als sonst) wirklich keine Möglichkeit irgendwo zu stillen. (Nur Bürgersteig, Häusereinfahrten und Straße) Damit blieb mir nichts anderes übrig, als meinen Kleinen bis nach Hause schreien zu lassen, denn im stehen stillen bekomme ich einfach nicht hin... Ich habe ihn immer wieder auf den Arm genommen, denn da beruhigt er sich schnell - musste ihn dann aber wieder in den KiWa legen, da er das Köpfchen noch nicht sicher genug hält, sodass ich ihn mit nur einer Hand trage und mit der anderen den KiWa schiebe. Leider habe ich auch die Trage Zuhause gelassen... Ich habe versucht ruhig zu bleiben, ihm so Sicherheit zu geben und immer mit ihm erzählt, etwas gesungen. So wie wir es sonst auch machen. Leider hat er sich aber immer wieder ziemlich reingesteigert... mit ein paar Pausen haben wir es dann aber endlich Nachhause geschafft und es war dann auch gut. Nur diese Krokodilstränen 😔

      Ich weiß auch nicht, was ich so richtig von diesem Beitrag erhoffe... denn eigentlich denke ich mir, das sowas nun mal vorkommt. Trotzdem mache ich mir Gedanken, dass ich ihm diesen Stress angetan habe mit neuem Weg und die Trage nicht dabei... auf der anderen Seite kann man als Mama nicht an alles denken und es wird bestimmt nicht das letzte mal gewesen sein, dass mir sowas passiert und es werden nunmal auch Situationen kommen, da ist Sohnemann gestressten. Dennoch: Hättet ihr etwas anders gemacht? Was versteht ihr unter „Schreien lassen“?

      Freue mich auf den Erfahrungsaustausch und sage schonmal lieben Dank für eure Beiträge!

      P.S. Bitte entschuldigt etwaige Tippfehler. Das Handy hat manchmal ein Eigenleben 🙈

      • (2) 10.08.19 - 19:50

        Ich finde das hast du doch gut gemacht. Ich könnte mich auch manchmal ohrfeigen wenn ich was wichtiges vergessen habe. Schlussendlich wird er davon sicher keinen schaden tragen.

        Zu deiner frage... unter schreien lassen verstehe ich das nicht beachten der bedürfnisse des kindes und es allekine zu lassen wenn es weint. Das hast du nicht getan sondern immer wieder versichert das du da bist.

        Nächstes mal ist man schlauer und denkt an die dinge die man vergessen hat 🤷‍♀️ wir sind auch nur menschen.

        (3) 10.08.19 - 19:53

        Hey du,
        also ich handhabe das eigentlich genauso wie du: ich rede viel mit meiner Kleinen und versuche sie durch reden, „erklären“, singen etc. zu beruhigen bzw. ihr (mir 😆) zu erklären, warum ich gerade jetzt in dieser Sekunde und nicht sofort stillen 🤱🏼 oder dieses und jenes tun kann (auch, wenn ich da schon ziemlich schnell startbereit bin).

        Ich finde nicht, dass du etwas falsch gemacht hast. Manchmal gibt es halt leider Situationen, in denen man eben nicht sofort die Bedürfnisse der Kleinen befriedigen kann. Meistens nehme ich für uns unterwegs tatsächlich die Trage. Wenn ich aber doch mal den Kinderwagen nehme, habe ich die Trage immer dabei (zum Glück!). Vergessen kann man sie aber ja mal.
        Das Problem mit dem „schreien lassen“ haben wir jedoch öfters während der Autofahrt. Gerade, wenn es auf die Autobahn geht, muss man sich ja sehr auf den Verkehr konzentrieren und kann eben nicht mal eben schnell anhalten und trösten. Es bricht mir jedes mal das Herz, wenn es so kommt, dass sie dann schreit, aber ich rede dann beruhigend auf meine Kleine ein, singe ihr etwas vor und erkläre ihr, warum ich sie gerade nicht in den Arm nehmen und trösten kann (jaaaa, ich weiß, sie versteht es mit ihren 13 Wochen noch nicht, aber ich bilde es mir gerne ein 😉).

        Ich glaube, sie sind uns aber nicht lange böse (ich hoffe es zumindest) und froh, wenn wir sie dann endlich wieder in den Arm nehmen können.

        Ich wünsche dir alles Gute!

        LG

        ICH finde, du hast in dieser Situation das Bestmögliche getan, ggf hätte ich mich aber einfach auf den Bürgersteig gesetzt und das Baby gefüttert.

        Schreien lassen bedeutet für mich: Das Baby und seine Bedürfnisse absichtlich ignorieren, es komplett alleine zu lassen, nicht wiederkommen, bis das Baby vor Erschöpfung vom Schreien aufgibt/resigniert.

        Und für die Zukunft die Trage einfach im Kiwa lassen 😜, dann vergisst man sie nicht.

      • (5) 10.08.19 - 19:56

        Ach so: und richtig schreien lassen ist, wenn ich z.B. Zuhause das Zimmer verlassen und sie in ihrem Schreien alleine lassen würde (was ich natürlich nicht tue!).
        Ansonsten versucht man ja alles, um die Kleinen zu beruhigen.

        Nein das ist kein „Schreien lassen“ für mich. Wenn meine an der Kasse nen Koller kriegt und ich grade am einräumen und bezahlen bin, rede ich auch einfach ruhig mit ihr und streichle zwischendrin. Anders geht es dann nicht.

        Auch beim spazieren hat sie schon gebrüllt, da bin ich schnell heim (15 Minuten 🤷‍♀️). Du bist dabei, sprichst und streichelst.

        Schreien lassen ist für mich: Kind in sein Zimmer legen, gehen und das schreien ignorieren.

        Ich hätte also so wie du gehandelt 🤷‍♀️

      • Glaube mir, das wird nicht das letzte mal sein wo man irgendwas wichtiges vergisst🙈 seit meiner Schwangerschaft habe ich echt Probleme mir Dinge zu merken und bin furchtbar vergesslich.
        Die benannte Situation kennt wohl jeder und ich habe auch heute mal ein Kind was sich nur schwer beruhigen lässt im Kinderwagen. Früher bin ich sofort in Panik verfallen, jetzt kann ich besser damit umgehen und kenne die Knöpfe die ich drücken muss damit sich mein Kind schnell wieder runterfährt 😊
        Du solltest dir dennoch nicht zu doll den Kopf darüber zerbrechen.

        Schreien lassen ist für mich das, was mir meine Mutter und Schwiegermutter so über die damalige Zeit berichtet haben: Kind schreien lassen bis es zb einschläft weil man ja weiß, es ist satt und gewickelt. Mir hat es sicherlich nicht geschadet aber für mich kommt sowas nicht in Frage.
        Ich kann mir nicht vorstellen, dass Babys grundlos oder aus einer Laune heraus schreien.

        (8) 10.08.19 - 19:59

        Hallo!
        Mach dir nicht so einen Kopf!
        Du warst ja bei ihm und hast dein möglichstes getan. Manchmal gibt es einfach Situationen, da geht es einfach nicht anders.
        Wenn man zB im Auto fährt und das baby fängt an zu schreien kann man ja auch nicht viel machen (insb auf der Autobahn).
        Das ist ja nicht das typische schreien lassen von dem sich manche unverständlicherweise versprechen, dass davon das baby etwas lernt.
        Gerade beim ersten Kind ist das besonders hart. Bei der großen bin ich anfangs bei jedem mucks sofort gesprungen. Bei der kleinen geht das nicht, wenn zB die große gerade mit voller Windel am wickeltisch liegt.
        Man kann immer nur sein bestes geben.
        Lg

        Hallo,
        ich finde du hast das super gemacht und hast ihn begleitet so gut es möglich war.
        Ich verstehe unter schreien lassen, wenn man bewusst nicht auf das Kind reagiert über einen bestimmten Zeitraum. Es einfach alleine lässt mit seinem Bedürfnis was es hat. Das Kind also quasi ignoriert, obwohl es offensichtlich Unterstützung/Begleitung etc. braucht. Das weinen als erzieherische Maßnahme nutz( Beispiel schlafen).

        Natürlich kann man nicht immer sofort reagieren bzw. das Kind nehmen etc. Aber es kommt ja darauf an wie man sich dann Verhält.

        In deiner Situation fällt mir nur ein, wenn du nicht im stehen stillen kannst, kannst du dir ja das nächste mal etwas unter legen und dich auf den Boden setzen( je nachdem wie der Boden gerade ist). Versuchen ob es hilft dich anzulehnen irgendwo und dann zu stillen.
        Das sind aber nicht so tolle Lösungen.
        Vermutlich würd ich einfach üben im stehen zu stillen, über dem Bett😅.

        Liebe Grüße

        (10) 10.08.19 - 20:33

        Ich hatte für solche Notfälle dauerhaft einen RingSling im Kiwa. Nachdem ich den kleinen einmal 2km im Fliegergriff nch Hause geschleppt und den kiwa geschoben hab. Ich finde gut, wie du dich verhalten hast, aber trotzdem hätte mich so eine Situation mitgenommen. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die das Geschrei mal eben ignorieren können und wollen. Schreien lassen ist für mich, wenn man etwas an der Situation verbessern könnte (anhalten, hochnehmen, tragen, trösten), es aber aus Bequemlichkeit oder veralteten Erziehungsgedanken nicht tut.

        Dumm gelaufen, das nächste Mal hast du die Trage bestimmt wieder mit. Ich denke, solche Dinge muss man sich verzeihen. Unter schreien lassen verstehe ich, wenn man es absichtlich macht, als vermeintliche erzieherische Massnahme.

        (12) 10.08.19 - 23:18

        Es ist totaler Quatsch "Nicht-Schreien-Lassen" mit "das Baby darf niemals weinen und bekommt deshalb alles sofort, bei dem es weint bzw Mama hat sofort ein schlechtes Gewissen, wenn es mal weint" gleich zu setzen. NichtSchreienLassen bedeutet, das Kind nicht alleine mit seinem "Schmerz" zu lassen. Ab da, wo das Weinen emotional begleitet wird - durch Trösten mit Worten/Singen/Geruch etc- ist es kein Schreienlassen, sondern ein Kümmern. Du würdest Deinem Kind auch nicht das glitzernde Feuerzeug geben, wenn es das gerade zum Spielen will und wenn es dann weint bei der Verweigerung, würdest Du es immer noch nicht geben. Sondern eben Trösten und das reicht... Auch wenn das Baby das Ding 30 Min lang will...
        Ein Baby muss auch mal zurückstecken und kann nicht jeden Tag alles so bekommen, wie es das möchte... Spätestens ab dem 2.Kind geht das doch gar nicht mehr... Da hat das Baby vielleicht gerade Hunger, das 1. Kind sich aber vielleicht gerade die Knie aufgeschlagen und muss wundversorgrt werden... Oder Frau ist gerade mitten im Abholtrubel ohne die Ruhe zum Stillen... Etc pp... Oder Du musst halt mal für 2 Min aufs Klo... Da muss das Baby doch auch mal warten. Das ist doch völlig normal. Würde ein Baby von begleitetem Weinen einen Schaden bekommen, hätte es die Natur längst abgeschafft. Und JEDES Elternpaar kommt in den ersten Monaten in die Situation, dass das Kind weint und der Grund nicht auffindbar ist... Mehr als Trösten geht doch da auch nicht.. Und es wird die Situation kommen, dass das Trösten ne halbe Stunde oder länger dauert bzw dass das Baby weinend einschläft beim Trösten. Das ist ganz normal... Das passiert allen Eltern und NIEMAND muss sich deswegen irgendwelche Vorwürfe machen dem Kind oder seinem Urvertrauen zu schaden. Und es ist auch gesünder sich selbst als Eltern nicht zu überfordern und nichts Übermenschliches von sich selbst zu verlangen... Wie ZB dass das Baby nie oder maximal ne Minute weinen darf... Das ist total unrealistisch und setzt einen so unter Druck, dass der Burnout fast schon vor der Tür steht. Solange mein Sohn sich noch nicht fortbewegen konnte und auch noch nichts in dem Bereich lernen konnte, habe ich ihn NIE mit zur Toilette genommen. Er wurde dann immer in seinen sicheren Laufstall (Wohnzimmer, Küche oder Kinderzimmer) in der Nähe der jeweiligen Toilette abgelegt. Ich habe ihn immer mit Worten beruhigt, wenn er das doof fand. Trotzdem habe ich das durch gezogen, weil ich das für mich so wollte und da keine Schadensmöglichkeit bei ihm gesehen habe... Er wurde ja nicht schreien gelassen, sondern getröstet. Du darfst ruhig auch Dinge durchziehen, die Dir wichtig sind, Dein Kind aber erstmal doof findet und weint, wenn Du es dabei tröstet und begleitest... Du musst Dich nicht völlig dem "Willen" Deines Kindes unterordnen, soweit es um nichts Existenzielles geht, Du darfst ruhig auch noch Mensch mit Wünschen, Vorstellungen und Fehlern sein, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wie gesagt, wenn Weinen irgendeinen Schaden anrichten würde, hätte es die Natur abgeschafft... Ein Baby alleine zu lassen und ohne Begleitung weinen zu lassen, ist für viele Eltern unerträglich.. Da hat sich die Natur also etwas ausgedacht... Das sollte nicht so sein. Der Rest ist einfach das Leben.

        Viele liebe Grüße
        Sidney

        Huhu ;)
        Ich sehe sehr viel Ähnlichkeit zu mir. Ich möchte auch nicht das mein baby schreit. Bis zum letzten Schub war das auch nie ein Problem. Jetzt weint sie sich manchmal in den Schlaf. Auch das weinen begleitet och genau so wie du es tust. Es ist zwar schwer auszuhalten aber diese Situation als auch deine still/essensituation haben nichts mit schreien lassen zu tun. Du tust dein möglichstes. Manchmal müssen die Mäuse sich nach einer Situation bzw nach uns richten, dass werden sie überstehen. Du machst es toll. Du begleitest das weinen und lässt ihn nicht alleine. Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen mit zu sprechen. Du bist eine tolle Mutter!
        Ich hab schon den Horror vor der 1. Impfung da word sie ja auch weinen und vermutlich nicht nur kurz auf schreien.

        (14) 11.08.19 - 21:42

        ohh.. ich versteh dich total. Mir ging es genauso schlecht, als es bei uns mal vorkam, dass die Maus geschrien hat, wir aber unterwegs und sie hatte Hunger. Da war sie vielleicht 1, 5 Wochen alt und ich habe noch nicht in der Öffentlichkeit gestillt.
        Seit diesem Tag (auch wenn es nur 10 Minuten waren) tu ich das. Einfach, weil ich selbst auch dieses schreckliche Gefühl nicht mehr erleben will, dass ich eigentlich wusste, was sie braucht, ich es ihr aber nicht geben konnte in dem Moment.

        Damit meine ich jetzt nicht, dass du auf dem Bordstein stillen musst oder sowas.. (habe ich auch schon mal gemacht, wo ich wusste, die nächste Sitzmöglichkeit istnoch eht weit entfernt)..wenn es gar nicht anders geht, z.B beim Autofahren, fahr ich auch mal noch weiter und warte bis zum nächsten Parkplatz und halte nicht auf dem Seitenstreifen an.. und spreche mit ihr natürlich.

        Was ich damit sagen will: Du wirst mit der Zeit Mittel und Wege finden, wie du solche für dich unerträglichen Situationen irgendwie meistern kannst. Beispiel wäre, einfach anzulegen, bevor man los geht. Ich stille nämlich auch nicht gerne auf dem Bordstein ;)

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