Sicher gebunden?

Hallo ihr Lieben,

Ich brauche mal euren Rat, da mich dieses Thema richtig beschäftigt.

Mein Sohn ist am 6. 1 Jahr alt geworden. Durch Corona konnten wir natürlich nicht mit der ganzen Familie feiern. Deshalb war ich gestern bei meiner Mutter. Meine Mutter lebt mit meinem Bruder, dessen Frau und deren 2 Kindern (8w+9w) in einem Haushalt. Ich habe noch eine Schwester, die einen 2 jährigen Sohn hat, aber gestern nicht vor Ort war.

Da mein kleiner noch der jüngste in der Familie ist, ist er natürlich auch das Nesthäckchen. Des Wetter war schön und wir waren nur im Garten.

Mein Sohn tut sich schon seitdem er 6 oder 7 Monate alt ist, sehr schwer mit "fremden" Leuten. Am Anfang fremdelt er extrem und sucht nur meine Nähe. Erst wenn er die Sicherheit hat, dass ihm "kein Schaden droht", taut er auf und entspannt sich.

Das Fremdeln ist für mich kein emotionales Fremdeln. Er weint nicht oder schreit sich weg. Er möchte die Situation erstmal von meinem Arm aus beobachten. Mein Körperkontakt gibt ihn Sicherheit, bis er warm wird mit der Situation.

Gestern hatte ich auch Kuchen mitgebracht, den ich im Auto hatte. Mit Kind und Wickeltasche, musste ich zweimal gehen um alle Sachen aus dem Auto zuholen. Da mein Sohn so gute 10 min brauchte um in der Situation warm zu werden, habe ich etwas gewartet, bevor ich ihn für ein paar Minuten mit meiner Mutter allein ließ, um den Kuchen zuholen.

In dieser Situation schaute er mir zwar hinterher, weinte aber nicht und ließ sich auch auf ein Spiel mit meiner Mutter ein. Als ich den Raum wieder betrat, wollte er aber sofort wieder auf meinen Arm und erst ein paar Minuten später konnte meine Mutter wieder mit ihm weiterspielen.

Das Verhalten meines Sohnes stört mich nicht, da ich selber es als sichere Bindung erklären würde. Aber meine lieben Anverwandten haben gestern und auch im Vorfeld mehrfach betont, dass dieses Verhalten nicht normal ist.

Bei uns zuhause ist es so, dass ich eher abgeschrieben bin, sobald der Papa da ist. Zu mir kommt mein Kind nur, wenn er getröstet werden will oder auch wenn er Hunger hat oder emotionale Nähe brauch.

Ich muss dazu sagen, dass ich selber kein Urvertrauen, aufgrund einer schwierigen Geburt mit Wochenlanger Trennung, zu meiner Mutter aufbauen konnte. Hinzu kommt noch, dass ich meine Anverwandten nur alle paar Wochen sehe.

Mir wurde auch mehrfach gesagt, dass meinem Neffen und meinen Nichten nie gefremdelt hätten und das kann ich bestätigen. Leider besteht bei einem Neffen ein Autismus Verdacht und bei den anderen beiden eine Bindungstraumatic.

Mein Sohn ist vom Charakter her anders als seine Cousin und Cousinen. Er ist leiser, sensibler und laut meiner Mutter jetzt schon teilweise besser erzogen als die Großen. Er weiß Nein heißt Nein, bleibt ruhig am Tisch sitzen und schreit nicht laut rum.

Da ich selber mit Depressionen zu kämpfen habe, bin jetzt total verunsichert über das Verhalten meines Sohnes und ob meine Verwandten recht haben, was das Fremdeln angeht.

Ich habe von Anfang an auf jeden Laut meines Kindes reagiert und versuche eine Bedürfnisdorientierte Erziehung umzusetzen. Von Anfang an benutze ich auch die Zwergensprache um die Kommunikation mit meinem Sohn zu erleichtern, was auch gut funktioniert. Er wird feinfühlig umsorgt und bekommt auch die Liebe, die er braucht. Seine Umwelt darf er erkunden, Ich greife nur ein, wenn ihm eine Gefahr droht oder er eine Grenze gegenüber Dritten überschreitet.

Was meint ihr, ist mein Kind sicher gebunden oder sollte ich noch an meinem Erziehungskonzept pfeilen? Ich bin gerade total unsicher, dank meiner Familie und möchte natürlich nicht, dass mein Kind einen emotionalen Schaden weg bekommt und später evtl. auch mit psychischen Problemen zu kämpfen hat.

Vielen Dank
Eure Willothewisp

1

Manche Kinder fremdeln nicht, andere ein bisschen, wieder andere sehr stark. Das ist kein Zeichen für eine gute oder schlechte Bindung. Das ist vom Charakter des Kindes abhängig und gehört zu einer normalen Entwicklung dazu. Das Baby lernt, dass es nicht eins ist mit seiner Bezugsperson und lernt sich als Individuum verstehen. Das kann Angst machen.
Also nicht so viele Gedanken daran verschwenden und mehr Selbstbewusstsein als Mama bitte!

3

Danke dir für deine Antwort,

Das ich mir zu viele Gedanken mache, sieht man schon an der Uhrzeit zu der ich den Post erstellt habe. 😉

Ich möchte meinen Sohn gerne mit meinen Werten so liebevoll und fürsorglich großziehen wie es geht. Auch damit er seine Eltern als sicheren Hafen sieht, an die er sich wenden kann, wenn er Probleme hat. Er soll ein selbstständiger und gesunder Mann werden, damit er im Leben klar kommt.

Ich bin wirklich leicht zu verunsichern, vor allem wenn ich diese Dinge bei jedem Aufeinander treffen höre.

Ich muss da wohl mehr an mir selber arbeiten und meiner Erziehung mehr vertrauen.

5

Nur mal so: ich denke es ist sehr wichtig, dass man sich auch als Eltern Fehler zugesteht. Kein Mensch kann immer und in jeder Situation das Richtige machen. Das ist einfach unrealistisch. Wenn man aber diesen Anspruch an sich stellt und ihm nie gerecht werden kann, dann führt das bereits mittelfristig zu echten Problemen. Also sollte man trotz allem verständlichen Streben danach die perfekte Mama zu sein, auch liebevoll zu sich selbst sein und sich Fehler zugestehen und auch verzeihen. Dadurch wird dein Sohn auch nicht sofort einen psychischen Schaden nehmen. Eher anders rum. Was glaubst du wie viel Druck auf ihm lastet, wenn er seine Mama nicht als menschliches Wesen mit Fehlern kennenlernen kann? Dann wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit selber Schwierigkeiten damit bekommen Fehler zu machen. Soll heißen, man darf auch mal sauer sein oder traurig oder genervt. Man muss auch Grenzen setzen, auch wenn das Kind die gerade total doof findet. Kinder müssen lernen mit Frust umzugehen, generell mit allen ihren Emotionen. Man darf nicht den Fehler machen und hinter allem eine Gefahr für die psychische Gesundheit zu sehen.

Also ja, es ist wichtig seinem Kind einen liebevollen Hafen zu bieten, aber man sollte auch authentisch bleiben und sein Kind an allen menschlichen Emotionen teilhaben lassen.

weitere Kommentare laden
2

Es klingt wirklich, als würdest du das ganze Thema sehr "zerdenken". Du hast ein Trauma weil Du als Baby zu lange von Deiner Mutter getrennt warst. Sicher gibt es das. Es gibt aber auch tausende Babys die auf der Intensiv lagen, um ihr Leben gekämpft haben... Und dennoch eine gute Bindung haben...
Für mich klingt es alles recht weit her geholt. Du schreibst, Dein Kind ist das jüngste und NATÜRLICH das Nesthäkchen. Warum ist das natürlich? Weil Du als Mama das so willst? Glaubst Du, Deinem Baby ist dieser Umstand bewusst?
Mein Sohn ist 9 Monate, ebenfalls das letzte Kind in unserer Generation und wird von allen genau so liebevoll aufgenommen in der Familie wie alle anderen 11 Kinder unserer Geschwister. Noch nie wurde er als Nesthäkchen bezeichnet. Ich glaube wirklich, das Du an Deiner Einstellung arbeiten solltest. Nur wenn Du Ruhe und Sicherheit ausstrahlt kannst Du Deinem Baby auch das Gefühl vermitteln das es in Sicherheit ist... Auch auf dem Arm der Oma.

4

Danke für deine Antwort.

Ich habe nicht nur wegen meiner eigenen Geburt (Zwillingsschwangerschaft, Notkaiserschnitt, Reanimation wegen extremen Sauerstoffmangel und 3 monatige Trennung in einem anderen Krankenhaus von der Mutter) selber eine kaputte Bindung. Bei uns spielen noch sehr viele andere Faktoren z. B. Suchtprobleme des Stiefvaters, 2 favorisierte Stiefgeschwister, meine Mutter konnte eher eine Bindung zum Zwilling aufbauen, früher Tod der Großmutter, die Bindungsperson nr 1 bei mir war etc eine große Rolle, warum ich kein Urvertrauen zu meiner Mutter aufbauen konnte. Dies würde hier aber den Rahmen sprengen. 😉

Als Nesthäckchen wird mein Sohn von meiner kompletten Familie bezeichnet, auch dass er anders ist als die anderen 3 Enkelkinder. Er ist sehr sensibel, das stimmt schon. Mich stört es nicht groß, da er so das kriegt in der Familie, was ich nicht als Kind bekommen habe.

Mich stören dann eher die Aussagen, die bei wirklich jedem aufeinander treffen folgen. Z.B. beim Fremdeln: da wirst du noch Spaß im Kiga kriegen, oder: Das ist aber nicht gut, wenn er so fremdelt, sicher das er gesund ist, oder: Mein Gott hast du ihn verwöhnt, der wird nie ohne dich nie klar kommen.

Ich verwöhne mein Kind nicht materiell. Das kann ich finanziell gar nicht. Er hat jetzt zu Geburtstag ein Bobbycar bekommen, mehr könnte ich nicht. Klamotten kaufe ich gebraucht oder bei k*k.

Liebe kriegt er soviel wie er braucht und ich denke nur weil man seinem Kind Liebe und Aufmerksamkeit schenkt, verwöhnt man es nicht oder?

Mich verunsichern diese Aussagen wirklich, weil ich dann an mir selber Zweifel. Deswegen wollte ich wissen, ob ich wirklich so sehr verwöhne.

9

Ich würde es nicht verwöhnen nennen... Ich denke eher das Du Dazu neigst Deine eigenen Probleme auf Dein Kind zu übertragen. Ich lasse meine Kinder auch nicht in einer Umgebung alleine, in der sie sich nicht wohl fühlen. Aber wenn wir bei Oma sind (die wir anfangs wegen Corona auch sehr wenig gesehen haben), dann strahle ich aus das die Oma mindestens genauso kompetent in der Versorgung meines Kindes ist wie ich. Und als es notwendig war ihn mal 1h dort allein zu lassen hat das wunderbar geklappt und zwar auch, weil wir ihm alle die Sicherheit vermitteln konnten das es OK ist. Er muss jetzt leider mit 1 Jahr in die Kita weil ich arbeiten gehen muss und ich werde ihn dort in dem vollen Selbstbewusstsein abgeben das wir beide das schaffen!
Versuch mal, Deinem Kind zu liebe Deine Vergangenheit ruhen zu lassen. Du bist nicht Deine Mutter und Dein Kind bist nicht Du! Du bist eine selbstbewusste Frau die weiß was sie will und das auch ausstrahlt! Dann kann Dein Kind auch merken das es mal in Ordnung ist nicht immer unmittelbar an Dir zu kleben.

8

Hey!
Abgesehen davon, dass du sicherlich mehr auf deine Intuition vertrauen kannst (du scheint doch ganz viel richtig zu machen!): das Verhalten deines Sohnes erscheint mir komplett normal. Er ist gerade mal ein Jahr alt und natürlich muss er erstmal schauen, wenn er irgendwo ankommt. Und dass er wieder zu dir will, wenn du wiederkommst ist doch völlig ok. Lass dir nicht reinreden, du machst das bestimmt alles gut 😊

LG
Lena

10

Du machst alles richtig. Gib Deinem Sohn die Nähe, die er braucht.
Meine Tochter ist 3 und fremdelte extrem. Sie ist bis heute sehr schüchtern bei fremden und braucht auch, bis sie warm wird.
Sie ist aber ansonsten ein total zufriedenes, sehr cleveres Mädchen. Ich war auch so als Kind und heute mangelt es mir ganz und gar nicht an Selbstvertrauen.
Wenn Dein Sohn sich auf den Vater einlässt, ist das doch schon mal gut.
Lass die anderen reden- Du kannst nichts dafür, dass er so fremdelt und ändern kannst Du schonmal gar nichts. Außer ihm eben die Nähe geben, damit er für zukünftige Situationen weiß, Mama ist da.

11

Einige Kinder fremdeln in dem Alter, andere nicht. Ich denke, das sind halt grundlegende Charakterzüge, die man nach und nach bei seinen Kindern erkennt. Unsere Tochter ist z.B. wesentlich extrovertierter, als ich es je war.

12

Huhu,

Ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und er hat mich an mich selbst als Kind erinnert.

Ich habe das was dein Sohn macht noch mit 3 oder 4 Jahren gemacht. Wenn meine Eltern irgendwo mit mir hin sind, saß ich die erste Zeit auch auf m schoß. Mich durfte niemand angucken oder ansprechen. Am besten haben mich alle ignoriert. Ich konnte mir so das ganze erst mal ansehen und dann bin ich aufgetaut und hab dann auch mit so ziemlich jedem Blödsinn gemacht.

Ich finde das was du schreibst hört sich völlig richtig an. Gib deinem kleinen die Sicherheit. Und nur weil die anderen Kinder in der Familie anders sind, heißt dass doch nicht dass du was falsch machst. Dein kleiner ist eben sensibler.

Ich musste das auch erst lernen. Die Kinder um mich rum sind auch alle deutlich entspannter als mein zwerg. Mein kleiner ist sehr sensibel auf Lärm. Inzwischen höre ich da drüber weg.
Obwohl mir das durch meine Psyche in dem Bereich schwer fällt.

Lass dich nicht verunsichern. Du machst das richtig. Hör auf dein mutterherz.

Viele Grüße
Coco und zwerg (7 Monate)