Angespanntes Baby: Erkenntnis, dass sich sofort was ändern muss

Hey, ich bin leider ziemlich aufgelöst und auch irgendwie froh, Hilfe erhalten zu haben. Heute kam eine Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin. Sie verfolgt den Pikler-Ansatz. Durch Zufall bin ich auf sie gestoßen und habe einen Termin vereinbart. Sie beobachtete uns und schloss schnell darauf, dass ich sehr angespannt bin sobald unser 8 Monate altes Baby weint. Sie ist u.a. der Überzeugung, dass Babys nicht in die Sitzhaltung gehören/ in der Horizontalen getragen, sich mit Begleitung ausweinen müssen statt irgendwie abgelenkt oder bespaßt werden. All das haben wir vorher gemacht. Mit ihr kehrte hier unfassbar viel Ruhe ein, unser Sohn beruhigte sich schnell, selbst wenn es nicht den Nuckel gab. Viele Ressourcen hab ich von selbst nicht mitbekommen und ich mache mir Vorwürfe, dass sie schnell mitbekam, dass der Stress und die Anspannung in mein Baby geflossen sind! Wir werden nun unser Geld öfter noch dafür investieren, sie sieht definitiv noch bedarf darin, uns weiter zu begleiten. Ich achte zwar jetzt mehr auf meine Atmung aber ich muss mich echt zusammenreißen, nicht auszuspringen um mein Baby zu trösten. Ich bin einfach nicht so ausgeglichen, wie mein Baby es braucht und das passiert ja auch vielleicht nicht sofort. Habt ihr evtl weitere Tipps? Kaum war sie übrigens weg, gab es richtig viel Geschrei.. ist einfach neu, fürs Baby & für uns. Wir sollen alles auch nur ausschleichen und nicht radikal verändern, jedoch hab ich Angst, dass ich noch mehr Hilfe brauche, um Unterstützung zu erhalten. Eine Psychologin habe ich wenigstens schon.

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Wahnsinn! Womit sich heutzutage alles Geld verdienen lässt....😅

Ich glaube, dein ganzer Beitrag zeigt ziemlich dein Problem auf: Es muss sich jetzt SOFORT etwas ändern. Du machst dir sofort große Vorwürfe und willst gleich weitere Termine.

Da steckt schon wieder so viel Aktionismus und Unruhe drin, dass mir schon ganz schwindelig wird. Hast du während des Schreibens einmal innegehalten und kurz reflektiert?

Setze doch erstmal in Ruhe um, was die Pädagogin euch geraten hat.

Informiere dich über Kleinkind-Entwicklung und Kleinkind-Kommunikation, dann kannst du vielleicht besser einschätzen, was deinem Kleinen fehlt und was sein Weinen bedeutet.

Vielleicht hilft dir auch einmal kurz Augen zu machen, durchatmen und im Kopf bis 10 zählen oder ein Mantra aufsagen, bevor du aufspringst und sofort losläufst.

Babys/Kleinkinder müssen auch mal (begleitet natürlich!) weinen dürfen, wenn gerade alles doof ist. Das ist wichtig. Gefühle haben muss auch gelernt werden.

Liebe Grüße
Merveilleux

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Perfekte Antwort! :)

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Tolle, wertvolle Antwort! Ich unterschreibe jedes Wort!

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Erstmal tief durchatmen.
Ich weiß natürlich nicht, was genau deine Baustellen sind bzw. woher dein Stress kommt, aber es ist doch schon mal super, dass du dir Hilfe geholt hast. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung, sodass du dich ruhig erstmal entspannen kannst.
Der Pikler Ansatz ist noch dazu sehr liebevoll und kindorientiert, von daher denke ich bist auf einem guten Weg, dass es euch und eurem Baby bald besser geht.

So wertvoll und kindgerecht der Pikler Ansatz auch ist, würde ich dir allerdings trotzdem raten behalte immer deinen gesunden Menschenverstand und vor allem deine Intuition, wenn die Pädagogin dir Ratschläge gibt. Ich habe mich im Studium ausführlich mit dem Pikler Ansatz beschäftigt und er ist an einigen Stellen (meiner Meinung nach) zu strikt. Ein Baby nicht in der senkrechten tragen bis es diese Position selbst einnimmt, ja das hat Emmi Pikler geprädigt. Aber ist das wirklich sinnvoll und alltagstauglich? Kannst du das jeden einzelnen Tag umsetzen wohl möglich 10 Monate lang und vor allem ist es tatsächlich das, was dein Baby überfordert? Ich kenne praktisch kein Baby, dass nicht auch mal aufrecht getragen wurde.
Noch dazu lehnst du dich gegen die gängige ärztliche Meinung mit dem Pikler Ansatz. Laut Pikler darf das Baby in KEINE Position gebracht werden, die es noch nicht selbst einnehmen kann. Du darfst es also auch nicht täglich 2 Minuten auf den Bauch legen, damit es seine Muskeln trainieren kann, so wie es ja heute überall empfohlen wird.
Ich finde das mit der Bauchlage überhaupt nicht schlimm, ganz im Gegenteil, ich habe meine Tochter auch nicht in die Bauchlage gebracht und sie hat trotzdem vollkommen zeitgemäß von ganz allein angefangen ihr Köpfchen zu halten. Ich will dir damit nur verdeutlichen, dass der Pikler Ansatz, wenn man ihn streng befolgt, einen langen Rattenschwanz nach sich zieht. Das sollte man bedenken, wenn man sich auf pädagogische Unterstützung einlässt und immer wieder abgleichen, ob das jeweilige Detail wirklich in eurem Sinne ist.

Ich kann dir auf jeden Fall noch die Beratung bei der Diakonie, Caritas, etc. empfehlen. Die arbeiten sehr familienorientiert ohne einen dogmatischen Ansatz zu verfolgen und gehen wertschätzend auf Eltern und deren Probleme ein.

Alles Gute 🍀

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Offtopic: oh man, das mit dem horizontalen tragen 9-10 Monate lang klingt wirklich nach dogmatischen Quatsch. Alle Völker der Welt tragen ihre Babies im Tragetuch. Und spätestens mit 3-4 Monaten wollen die Kleinen was von der Welt sehen.

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Ich habe absolut keine Ahnung vom Pikler-Ansatz, frage mich aber, was verkehrt daran sein soll, sein Baby aus der Situation, die es zum Schreien gebracht hat, zu lösen und zu beruhigen? Warum sollte ich es, wenn auch begleitet, schreien lassen, obwohl es möglicherweise einen Weg hinaus gibt?

Evolutionär ist doch bestimmt nicht vorgesehen, dass ein Baby beim Schreien begleitet wird, sondern, dass Mama herausfindet, warum es schreit und es beruhigt. Oder?

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Laut ihr war alles befriedigt, also Sättigung, Windel etc.. sie müssen auch wohl viel Frust manchmal loswerden durch die Reize... da soll man dann begleiten. Auch bei Frust wenn sie ein Spielzeug nicht erreichen können.. dann will man helfen, aber soll man auch nicht unbedingt. Ich mach eher einen Mix daraus, der Ansatz ist wirklich etwas strikt

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Auch bei Frust wenn sie ein Spielzeug nicht erreichen können.. dann will man helfen, aber soll man auch nicht unbedingt.

Natürlich soll dein Kind sich auch motivieren und alleine etwas erreichen können.

Und du kannst dein Kind darin Unterstützen in genau so einer Situation mit Sätzen wie : du bist heute aber wit gekommen, fällst hast du es geschafft oder du bist so ein Entdecker was du schon alles ins Visier nimmst.

Du musst deinem Baby, Kleinkind etc. Nichts hinterher tragen um seine Bedürfnisse zu erfüllen.

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Hey du,

Ich bin gerade etwas schockiert über die Antworten hier! 🤨
Erstmal Hut ab und toll, dass ihr euch professionelle Hilfe geholt habt! Dazu gehört echt viel, das können sich andere vielleicht gar nicht vorstellen. Es ist ganz schön hart, sich einzugestehen, dass man jemand "externes" braucht und es alleine nicht schafft.
Daher erst mal Hut ab für deinen Mut, du hast das Richtige getan!

Festzustellen, dass man Fehler gemacht hat, ist natürlich nicht schön und schnell macht man sich Vorwürfe, das kann ich gut nachvollziehen! Aber eins sag ich dir, keine Mama und kein Papa der Welt ist perfekt! Und ihr wart immerhin reflektiert genug, um festzustellen, dass ihr Hilfe braucht! Wir alle machen Fehler und wenn es um unsere Kinder geht, machen wir uns auch schnell Vorwürfe, denn wir sind ja für ihr Wohl und Gedeihen verantwortlich!

Weitere Tipps habe ich leider nicht, außer nochmal zu sagen, dass ihr den ersten großen Schritt in die richtige Richtung gemacht habt! Gehe mit dir selbst nicht so hart ins Gericht! Es war sehr verantwortungsvoll, dir jemand mit ins Boot zu holen. Es ist immer einfacher, Situationen und Zusammenhänge zu erkennen, in welchen man nicht selbst steckt, das ist ganz normal!

LG und alles Gute 💚🍀
Hanna

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Singen beruhigt dich und das Baby in stressigen Situationen. Versuche das mal eine Zeit lang

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Natürlich etwas ruhiges

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"TNT" von ACDC 🤣

War natürlich ein Spaß

Ich habe ein spezielles Lied, das summe ich immer... Wir haben eine spieluhr davon und das kennt er aus dem bauch schon... Sobald das angesummt wird beruhigt er sich komplett. Das ist so schön zu sehen....

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Das mit dem schlechten Gewissen kann ich absolut verstehen, das machen viele wenn nicht sogar alle Eltern durch. Erst recht beim ersten Kind will man ja alles richtig machen. Auf diesem Weg gibt es unendlich viele Möglichkeiten.

Kinder verzeihen viel und ihr müsst einfach versuchen auf die Bedürfnisse ein zu gehen.

Mir hat es viel geholfen zu lesen wie die Kindliche Entwicklung in dem und dem Monat ist und was es durch macht. Es hilft auch ds Kind besser zu verstehen wenn man sich auch immer wieder vor Augen hält das es auch nicht denkt wie du und dein Mann sondern alles lernt.

Was ist stürzen, klemmen, lachen, weinen, drehen, Angst, woher kommt das und wie bewaltige ich das.

Nehm dein Kind in den Arm, die brauchen oft einfach Nähe für das Bonding, und sag ihm das du es verstehst und helfen willst du da bist für dein Baby.

Wenn es weit kann es ja auch viele Ursachen haben.

Mein Sohn zum Beispiel hat viele Entwicklungen viel zu früh durch gemacht. Und dann kamen auch noch die Zähne mit denen er mit 11 Monaten durch war... Ich habe ihn nie herum gereicht in der Familie weil er sonst abends nur schrie.

Manche Babys habe ganz feine Sensoren für Veranstaltungen und brauchen mehr Sicherheit.

Du gibst schon dein bestes und machst das sicher gut als Mutter ❤️

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Es ist gut, dass ihr euch Hilfe geholt habt und das sie euch auch wirklich helfen kann... Es braucht dich jedoch nicht schockieren, dass ihr Fehler gemacht habt... Ihr braucht auch kein schlechtes Gewissen haben.

Mir hat es immer geholfen zu wissen, dass die Erziehung der Kinder niemals perfekt sein wird... Man macht unweigerlich Fehler aus denen man lernt... Auch im Umgang mit Kindern... Du kannst dihh an soooo viele Konzepte klammern... Du wirst Fehler machen und das ist absolut in Ordnung.

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Darf ich fragen, weshalb ihr genau Hilfe geholt habt? Bist du überfordert oder schreit dein Baby besonders viel?

Es interessiert mich, weil ich auch schon darüber nachgedacht Habe eine Beraterin zu holen.

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Hey, ja klar. Ich habe einen online Kurs geguckt, den meine (spätere) Beraterin angeleitet hat. Ich habe gemerkt, dass ich vieles nicht so einfach umsetzen kann mit meinem Kleinen und kam mal wieder ins Zweifeln, ob ich nicht doch einiges ,,falsch“ mach.

Er war selbst beim Trinken angespannt, schien unter Stress zu stehen, konnte sich sehr selten allein beschäftigen. Mein Partner und ich haben gemerkt, dass wir uns bald in einem hamsterrad drehen werden, weil wir nur noch entertaint haben. Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass babytränen nicht schlimm sind. Wir waren immer total verspannt, wenn er weinte. Also ich hab im Endeffekt gewusst, dass irgendetwas falsch läuft, doch ich brauchte dafür nochmal eine Bestätigung.

Ich hatte nie Geschwister, keine schöne Kindheit und durch Corona hatte man nie Austausch mit anderen Müttern...Das war im Endeffekt der Grund: Unsicherheit und der Wille, die Situation zu verbessern. Keine schöne Kindheit ist ja nicht für jeden ein Grund, einen Experten zu suchen, jedoch ist es bei mir so, dass ich noch heute belastet bin. Und das merkt so ein Baby mit hoher Wahrscheinlichkeit.

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Danke fur deine Antwort!
Finde ich gut, dass du dir Hilfe geholt hast!

Wünsche eurer Familie alles gute 😇

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Ich persönlich sehe nichts schlimmes darin, sein Kind sofort zu trösten. Ich nehme meinen Sohn sofort auf den Arm, streichle ihn und rede ihm gut zu. Bleibe selber aber meistens ruhig. Babies haben nun mal viele Gründe zu weinen, das gehört auch mal dazu.