Was ist Überreizung?

Meine kleine 6 Wochen hat die letzten Tage immer wieder mal ziemliche Schreiphasen. :( Heute ne richtig lange Kolik :( Überall steht, man soll die Kleinen nicht überreizen. Aber was bedeutet das genau?

Wir sind gerade bei meiner Familie auf Besuch und jede/r liebt sie, schneidet Grimassen, hält ihr Patschhändchen, will sie tragen, will sie zum Lachen bringen… (sind insgesamt 3 Leute ausser mir und ihrem Papa hier). Alle sind sehr liebevoll und eher ruhig. Aber soll ich das irgendwie beschränken? Bis jetzt wurde sie am Tag jeweils einmal von Opa bzw Oma getragen. Jeweils ca 30-60min und sie wirkte echt happy. Ich finde den Kontakt zur Familie eigentlich sehr schön und bereichernd. Ansonsten haben sie nur mein Freund und ich (sie lässt sich ganz selten ablegen).

Ist das zu viel eurer Meinung nach? Ich war da eigentlich heute ganz froh drüber 😅

Ist spazieren gehen Überreizung? Sie baden? Zu viel singen? Den Uropa besuchen? (Da hat sie nur geschlafen…)

Wir sind extra am Land da es hier ruhiger und kühler ist als in der Stadtwohnung wo wir eigentlich leben. Wir fahren kaum Auto und sie geht auch nicht zum einkaufen mit. Sogar den Spaziergang haben wir heute wegen Bauchweh abgebrochen.

Ab wann gibt es zu viel Überreizung? Wie bemerke ich das? Was rechnet ihr zu Überreizung? Mich würden eure Meinungen interessieren! :)

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Bei uns kommen meist Überreizung und Übermüdung zusammen.
Genau die Beispiele, die du genannt hast. Allein andere Menschen sehen. Wenn sich 4 oder 6 Personen unterhalten ist das auch ein ganz anderer Input und ganz andere Lautstärke, als wenn mein Mann und ich uns beim Abendessen unterhalten.

Neue Umgebung kommt dazu. Dein Baby sieht ja alles. Zuhause kennt es sich einigermaßen aus, die Dinge sieht es jeden Tag, Abläufe wiederholen sich. Zu Besuch ist alles ganz anders. Räume, Gegenstände, Lichter, Akustik, Gerüche und natürlich Menschen.
Häufig können die Kinder tagsüber auch nicht so gut schlafen wenn alles so neu und aufregend ist und da kommt dann die Übermüdung dazu.
Außerdem, zumindest ist es bei mir leider zugegebenermaßen manchmal so, kann man sich in ungewohnter Umgebung auch ein bisschen weniger aufs Kind konzentrieren, übersieht dann manche Zeichen und dementsprechend unzufrieden wird das Kind.

Ob das ein Kind überreizt ist natürlich individuell. Meist muss man eine gewisse Überreizung auch in Kauf nehmen, da man ja Verwandte besuchen, Ausflüge machen, Gäste empfangen will und natürlich gehört das auch zur Entwicklung dazu dass das Kind neues kennenlernt. Das muss eben alles verarbeitet werden und manchmal findet man nicht ganz die Balance oder verpasst den Zeitpunkt ruhiger zu machen, nach Hause zu gehen etc. dann folgt eben Überreizung.

Bei uns äußert sich das meist darin, dass sie tagsüber oft quengelig ist, abends gereizt und letztendlich vollkommen fertig einschläft.

Als Erwachsener kann man ja auch überreizt sein. Wenn bei der Arbeit Chaos war, man auf Reisen ist o. Ä. ist man doch auch mal abends total fertig und will nichts mehr wissen, auch wenn vielleicht objektiv gesehen nichts verrücktes passiert ist.

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Achja, wenn ich das Gefühl hätte es "läuft aus dem Ruder" würde ich mein Kind solchen Situationen entziehen, also zum Beispiel ins Nebenzimmer schlafen legen, allein raus spazieren gehen, Heimfahren bzw. die beteiligten bitten das Kind mal eine halbe Stunde in Ruhe zu lassen und zu ignorieren.

Bisher war es aber für mich alles recht normal, eben was dazu gehört. Wenn die Schwiegereltern da sind ist halt ganz viel dutzi dutzi angesagt und unser Kind ist davon abends auch überreizt. Aber die machen eigentlich gar nichts wildes, deshalb lasse ich das zu und helfe meinem Kind einfach den Tag zu verarbeiten, abends wird dann viel gekuschelt und bis zum nächsten "Abenteuer" lassen wir dann erstmal ein paar Tage langweiligen, vorhersehbaren Alltag vergehen. Das Leben ist eben nicht nur ruhig und manche Tage sind anstrengend, auch wenn es schön ist und Spaß macht, so geht es uns großen ja auch.

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Das was du von deiner Familie beschreibst, klingt stark nach Überreizung. Versuchen das Baby zum Lachen zu bringen, Grimassen schneiden usw. finde ich bei einem sechs Wochen alten Baby absolut zu viel und würde ich persönlich konsequent unterbinden. So kleine Babys lachen auch noch nicht bewusst, diesen Quark kann man sich getrost schenken.

Kleine Babys überreizen von neuen Eindrücken, also andere Geräusche, andere Gerüche. Extra woanders hin fahren, ist zwar gut gemeint und kann man mit Babys natürlich auch machen, aber man sollte sich eben bewusst sein, dass es Babys trotz aller Idylle anstrengt.

Wahrscheinlich hat dein Baby auch keine Bauchschmerzen, sondern ist überreizt und übermüdet und findet nicht in den Schlaf und schreit deshalb.

Tut mir leid, aber es liest sich nicht so, als ob sich einer von euch wirklich gut mit dem Verhalten von Babys auskennt. Das ist nicht so tragisch und als Eltern wächst man da auch rein. Aber für den Anfang solltet ihr euch zumindest bewusst machen, dass alles Neue ein Baby anstrengt und darauf achten, dass es zwischendurch immer wieder zur Ruhe kommt und ohne duzi duzi schlafen und trinken kann.

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hi,

danke fuer deine meinung! obwohl ich deine aussage, dass wir uns nicht auskennen unsensibel und unnötig finde.

die kleine reagiert sehr gut auf gesichter und auch grimassen mit lachen, auch kinderärztin und hebamme meinten dass sie schon sehr früh ist mit der interaktion und diese im gewissen maße braucht. das lachen ist kein zufall. nur ist es eben nicht einfach, sofort die richtige balance zu finden.

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Na wenn du schon weißt, dass dein Kind das braucht, dann frage doch nicht nach Überreizung.

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Was ein Kind überreizt und wie schnell ist leider extrem individuell. Daher ist eine Ferndiagnose da natürlich schwierig.

Ich habe mich immer an einer Aussage meiner Hebamme orientiert. Ich hatte im Garten Wäsche aufgehängt und sie hat mir die Wahrnehmung der Kleinen so erklärt: Wir Erwachsene nehmen diese flatternde Wäsche nicht wahr. Wir wissen aus Erfahrung warum sie da hängt, dass sie sich im Wind bewegt. Das Baby nimmt jede kleinste Bewegung der Wäsche wahr. Die Farben. Das Flattern im Wind. Die Geräusche die dabei entsteheb. Ihm fehlt der Filter es auszublenden, die Erfahrung warum da Wäsche hängt.

Was sie damit sagen wollte ist dass Babys einfach alles sehen, hören und versuchen zu verarbeiten. Wir Großen nicht weil wir automatisch und unbewusst filtern.

Wenn jetzt noch Hitze, fremde Umgebung und wenig bekannte Menschen dazu kommen ist für so ein kleines Menschlein schnell das Linit erreicht. Und ja, der Kontakt zur Familie ist bereichernd aber ich würde da stärker dosieren und mich mit dem Kind mehr zurück ziehen. Die Schreiphasen die du schilderst wären Grund genug für mich den Input zu reduzieren.

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Genau das was du beschreibst ist Überreizung.

Manche Babys kommen mit Trubel eher zurecht wie andre.

Auch wenn dein Baby zunächst zufrieden wirkt, zeigt sich die Überreizung oft erst am Abend und nicht sofort.

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Ich habe 3 Kinder, und alle 3 reagieren Unterschiedlich auf Überreizung, bzw können sie die Reize Unterschiedlich gut „abblocken“.

Mein Sohn konnte als Baby alles ausblenden was es um ihn herum gab, meine letze (jetzt 3 Monate) ist sehr empfindlich.
Die ersten Tage/Wochen konnte sie kaum Besuch aushalten, auch wenn der ihn nicht auf dem Arm hatte.
Vielleicht weil wir schon 2 Wirbelwinde im Haus haben und das schon reichte 😎

Alle hatten allerdings gemeinsam, das sie versucht haben sich abzuwenden wenn sie überreizt waren. D.h. Augen zusammen kneifen , Kopf wegdrehen (wenn möglich) sich selbst „an den Haaren ziehen“ (= übermüdet) , das gleiche mit den Ohren.

Eine Vorrednerin nannte das Beispiel mit der Wäsche. An solchen Beispielen kann man sich gut orientieren finde ich.

Und dazu kommt noch das eine „Überreizung“ meiner Meinung nach auch nicht immer schwer Dramatisch ist. Manchmal gehört das zum Leben dazu, das haben wir ja auch schonmal, und dennoch war das erlebte sehr Positiv.

Da muss man schauen das man alles ein bisschen Verteilt 😊

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danke für deine liebe antwort! meine familie hat gut verstanden dass wir jetzt einfach weniger gemeinsame babyzeit pro tag haben. sie wollen ja auch dass es ihr so gut wie möglich geht. muss aber auch sagen, dass schon die ersten zwei tage viel geflüstert wurde usw.

was noch ist: da ich sehr viel milch habe trinkt sie oft sehr hastig (auch nach ausstreichen usw.) und hat deswegen definitiv leider oft bauchweh. das schreien hört nach einem bäuerchen oft abrupt auf und ihr gehts wieder ganz normal gut… ich glaub an manchen tagen kommt dann einfach alles zusammen - reize und der bauch - mehr brauchts dann nicht!

aber wir gehen auf jeden fall noch achtsamer mit ihr um und hoffen, dass es alles bald besser wird. 😊

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Ja das alles würde ich unter Überreizung verstehen.

Jetzt ist es ja Typsache. Unser Großer zB ist bis heute schnell überreizt und das war schon als Baby so. Er brauchte und braucht Nähe, Sicherheit und nicht zu viel Trubel. Diese Babys können gewisse Reize noch nicht filtern, erst recht nicht mit 6 Wochen.

Andere Babys interessiert das überhaupt nicht. Unseren zweiten Sohn hat es ungefähr nie interessiert, wer ihn wann wo auf dem Arm hatte. Der hat immer einfach gepennt.

Unsere Tochter nun ist wieder von der Sorte „schnell überreizt“. Heißt für mich, sie lebt bei und an mir und am Liebsten in der Trage. Von da aus kann sie in Sicherheit hier und da mal in die große Welt lunkern.

Du musst also einschätzen, was dein Baby für ein Typ ist. Wäre Trage was für dich? Vielleicht ist dein Baby dann abends ruhiger.