Das Gefühl z.Z. komplett zu versagen

Meine Tochter ist 11 monate und z.Z. weine ich jeden Abend. Den ganzen Tag über quietscht und brüllt sie und haut mich wenn ich näher komme. Nun steht sie nachts auch wieder auf und hüpft ewig im Bett rum.

Egal was ich mache es wird gefühlt schlimmer. Sie will nicht mal bei mir schlafen. Mittlerweile bin ich so fertig sobald sie schläft weine ich. Dieses hauen und schreien ist wirklich schlimm. Nun kann ich dagegen aber eben nicht mehr machen als ihr im ruhigen Ton zu sagen, dass man das nicht macht.

Hat jemand solche Phasen durch?.Habt ihr Tipps? Fühle mich wie eine schlechte Mutter

1

Du bist keine schlechte Mutter. Dein Baby entwickelt nun seinen ganz eigenen Kopf und präsentiert das nach außen. Das ist ganz normal zum 1. Geburtstag hin. Da stecken wir momentan auch drin.

Von Jammern über ewig selbst beschäftigen über Klammeraffe über trotzig das Essen herum werfen über nicht essen, nicht im Stuhl sitzen etc pp...
Unsere versteht immer mehr, was wir sagen und kann selbst eine Reaktion sozusagen hervorrufen.

2

Ich habe gerade festgestellt, dass wir bei diesem Sprung anscheinend einfach Glück gehabt haben, denn das Kind wurde bei uns einfach nur leicht zu handhaben. Was mir aber auffällt ist:

"Den ganzen Tag über quietscht und brüllt sie und haut mich wenn ich näher komme."

Was passiert, wenn du sie quietschen und brüllen lässt? Ich kenne das Ausmaß von quietschen und brüllen nicht bzw. lassen sich diese Begriffe auf vieles anwenden (von .. bis) und es käme auch für mich auf das Ausmaß an, aber wenn ich an meine Tochter denke, dann ist sie durch die Wohnung gerannt und hat vor sich hin gemeckert. Das war laut, aber nicht so, dass ich der Nachbarn wegen eingegriffen hätte. Wenn sie unzufrieden war/ist und deswegen Sachen herumgeworfen oder mich gehauen hat (kam aber auch nur zweimal in einem Wutanfall vor, da hätte sie auch auf das Kissen geschlagen, aber ich stand halt da), hat es hier gereicht einmal streng "Nein!"/"Aua!" (je nachdem was sie anstellt) zu sagen und sie anschließend zu trösten, weil sie deswegen unglücklich war, weil Mama/Papa kurz nicht freundlich waren. Ich kenne eure Situation natürlich nicht, aber es scheint mir, als ob du viele kleine Kämpfe austrägst, die es sich meiner Meinung nach nicht lohnen, weil sie zu viel Energie kosten und ihr beide am Ende unglücklich und gestresst seid.
Wir sind hier zwei total unterschiedliche Typen: Während ich es toll finde, dass das Kind einen eigenen Kopf entwickelt(hat), hat es meinen Freund richtig gestresst, dass sie nicht mehr so leicht zu handhaben war, wie vorher und auch gezeigt hat, dass sie sauer/unglücklich war. Er hat es regelrecht als Ablehnung seiner Person empfunden, wollte das Kind ja auch nicht unglücklich machen und war wirklich in einem Zwiespalt. Seitdem er sich belesen hat, dass das Kind einfach eigenständig wird, hierbei austesten muss was geht und hierbei "liebevoll geführt" werden muss (das klingt für mich, als würden wir das Kind schlagen. Dem ist nicht so. Wir haben tatsächlich wenig Regeln, die sich vor allem auf Sicherheitsaspekte des Kindes und des Hundes beziehen, sind bei der Umsetzung aber konsequent und wohl auch recht streng.) - und das nichts mit ihm zu tun hat, klappt es besser und er ist auf einmal der geduldigste Papa der Welt. Seit dem gibt er auch keine genervten Äußerungen mehr ab, wenn er nachts aufsteht (macht von Beginn an er, weil ich das Kind nicht höre), sondern erträgt ihre Wut mit stoischer Gelassenheit. Denn ändern lässt sich daran halt nichts und das Kind funktioniert in ihrem eigenen Schema.
Er hat, als ich ihn eben gefragt habe, warum wir den Sprung nicht gemerkt haben, noch eingeworfen, dass wir das Kind ganz viel selbst haben machen lassen. Konkret hat er gesagt, dass wir täglich auf dem Spielplatz oder im Park waren und sie dort einfach frei gelaufen ist, während wir wie die Deppen hinterher getrottet sind. Unzufriedenheitsatacken gab es natürlich auch, wenn wir sie aus dem Schaukelbereich anderer Kinder tragen musste oder im Laden, nachdem sie gekrabbelt ist, wieder in den Wagen setzen wollten, aber bei ersterem hat kurz wegtragen und woanders absetzen (Ablenkung) geholfen und bei zweiterem sind wir auch kurz mit ihr auf dem Arm spazieren gegangen, bis sie vergessen hat, dass sie eben noch frei war und sie sich wieder hat festschnallen lassen.

3

Mit Versagen hat das alles meiner Meinung nach gar nichts zu tun. Man ist häufig ja nur selbst gestresst und reagiert dann gestresst und angefasst. Das ist normal und menschlich. Die 100% ideale Erziehung gibt es nicht. Dafür haben wir alle zu viele "Aussetzer". :-)

4

Kinder lieben ihre Eltern. Sie können gar nicht anders. Das ist quasi ein Überlebenstrieb. Deine Tochter hat dich auch lieb und du beziehst ihren Frust über alles mögliche auf dich.

Beispiel Schlafen: Sie will nicht schlafen. Das ist normal in dem Alter und für sie ist das frustrierend, dass sie trotzdem schlafen muss. Darüber ist sie sauer und sie lässt ihren Frust an dir aus. Das hat nichts mit Ablehnung dir gegenüber zu tun. Es bedeutet doch sogar das Gegenteil. Gerade die Menschen, bei denen wir wissen, dass sie uns so nehmen wie wir sind, bei denen benehmen wir uns manchmal richtig eklig.

Und nun zum Thema Hauen: Auch dieses Verhalten ist Normal. Viele Kinder machen das, weil sie so sauer sind und nicht wissen wohin mit ihrer Wut. In deiner Beschreibung klingt mir persönlich deine Gegenreaktion jedoch zu soft. Bei meinen Kindern mache ich es so: Ich halte ihre Händchen fest, schaue meinem Kind ganz ernst ins Gesicht und sage in aller Deutlichkeit "WIR hauen uns nicht". Das sage ich immer wieder bis ich sehe, dass es angekommen ist und dann nehme ich mein Kind in den Arm und tröste es. Wut, Trauer und Frust gehören nun mal zum Leben dazu und Kinder müssen Methoden lernen damit umzugehen. Für mich ist das beste Mittel über Gefühle zu reden.
Kinder in diesem Alter können schon sehr viel verstehen, aber sie können es noch nicht sagen. Deshalb leihe ich meinem Kind meine Worte und sage: Du bist traurig, dass du jetzt schlafen musst. Das kann ich verstehen. Es war wirklich ein schöner Tag. Aber jetzt ist es Abend und alle Kinder gehen ins Bett und dann haben wir morgen wieder einen schönen Tag.

Es gibt wirklich wenig gute Tipps von denen ich so 100% überzeugt bin wie vom Worte Leihen. Es ist so schön, wenn dein Kind dadurch lernt seine Gefühle zu verbalisieren und es hilft auch mir als Mutter nochmal klar zu kriegen, dass es nichts mit mir zu tun hat.

Mach dir keine Sorge. Ihr werdet das ganz wunderbar hinkriegen und mit der Zeit wird es besser. Dann kommen neue Herausforderungen. ;-)

5

Eins noch: Du schreibst, dass sie den ganzen Tag quietscht und brüllt.
Kann es sein, dass sie frustriert ist, weil sie gern schon laufen können möchte? Bei meinen Kindern war das immer eine schwierige Phase und wurde schlagartig besser als der neue Meilenstein erreicht war.

Auch da kannst du ihr Worte leihen. "Oh du bist traurig, dass das noch nicht klappt. Keine Angst ... das kommt ganz bald."
Nimm das nicht persönlich und lass dich auch dann nicht hauen. Nimm ihren Frust einfach nur wahr und akzeptiere ihn als wichtigen Antrieb für ihre weitere Entwicklung. Sei da für sie, tröste sie, lenk sie mal von ihrem Frust ab in dem du etwas mit ihr machst, was sie schon kann und lob sie dafür ganz ausführlich. Aber ganz wegwischen kann man ihren Ärger nicht, sondern man muss ihn aushalten.

6

Es ist nur teilweise ketzerisch: Was ist denn, wenn dein Kind gar nicht traurig ist? Finde die Annahme, dass das Elternteil "weiß", was das Kind fühlen muss, wenig zielführend. Erst einmal sieht man nur, dass es weint, aber es ist nicht eindeutig, warum es weint und ich finde es anmaßend dem Kind seine eigenen potenziellen Gefühle in der Situation zuzuschreiben.

weiteren Kommentar laden