Wie Grenzen setzen? Wie viel Erziehung ist mit 13 Monaten notwendig? Und wie mit unterschiedlicher Meinung des Papas umgehen?

Hallo zusammen,

erstmal eine Grundfrage: Ab wann habt oder ab wann setzt ihr euren kleinen Grenzen? Ich bin davon ja gar kein Fan und würde lieber nur mit logischen Konsequenzen sowie Verständnis arbeiten.

Allerdings ist mein 13 Monate altes Kind noch nicht so weit, dass er das versteht. Und so gibt es Situationen, wo ich nicht weiß, was ich tun soll.

Mein Mann hat bspw absolut kein Verständnis dafür, dass unser Sohn seinen Becher und Essen (meist wenn er satt ist, oft auch so) auf den Boden schmeißt. Das macht er nun schon ein halbes Jahr. Bisher haben wir darauf nicht reagiert und auch nichts aufgehoben. Die Hoffnung war, dass das dann irgendwann langweilig wird und er alleine aufhört. Das ist leider nicht der Fall und weil er immer bewusster wird, schimpft mein Mann ihn schon fast in einem sauren Ton. Ich würde es ihn lieber immer wieder und wieder höflich erklären. Aber mein Mann sagt, er muss so lernen was richtig und falsch ist. So hat er das damals auch gelernt. Ich dagegen war als Kind nicht so pflegeleicht wie mein Mann und habe auf Schimpfen mit Trotz reagiert. Deshalb denkt er, es sei gut und ich möchte das in der Erziehung vermeiden.

Und dann gibt es noch die Situationen, wenn das Kind wirklich etwas nicht machen darf oder soll. bspw mit meiner Bluetooth Box spielen, die sonst kaputt geht. Wie handle ich in einer solchen Situation? Sagen, dass er das nicht darf, abnehmen und - sobald er weint - ihn aus der Situation nehmen und mit einem anderen Spielzeug ablenken oder lieber trösten und ihn dabei helfen, seinen Frust durchzustehen?

Wie macht ihr das? Und habt ihr versucht eure Partner von eurer Methode zu überzeugen oder lasst ihr die einfach erziehen, wie sie wollen und ihr erzieht, wie ihr wollt? (Zweiteres wäre hier mein Favorit, aber ich kann einfach nicht zugucken, wie mein Sohn geschimpft wird, obwohl er noch gar nicht weiß, dass das "falsch" ist und mein Mann gar nicht erst versucht, ihm das zu erklären... Auch wenn es ein Baby bzw noch nicht laufendes Kleinkind ist)

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Schwierige Frage … mein kleiner ist noch 3 Monate .. aber nicht mehr lange dann erwartet uns dieses Verhalten höchstwahrscheinlich auch.. ich würde eine Mischung aus beidem machen denke ich. Also selbst wenn ich der Meinung bin er versteht es noch nicht so ganz … Wird er es dann aber spätestens lernen. Ich würde bestimmt und trotzdem freundlich mein Kind bitten es zu unterlassen … hört er nicht auf sind die Gegenständen oder Spielsachen etc. dann einfach mal weg. Ich denke das dieses Verständnis dann irgendwann kommen wird.. natürlich sollte man alle Vorgänge kommunikativ begleiten. Schimpfen ist für mich auch in Ordnung so lange es nicht in so einem schlimmen Ton oder aggressiv ist . Man kann auch in einem angemessenen Ton schimpfen und es mit der Mimik und Gestik begleiten und verstärken.

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Also mein Mann schimpft nicht laut oder besojdees böse. Der Ton ist für mich allerdings weniger "ich bin streng", sondern mehr "du hast was falsch gemacht". Dass er die Dinge dabei auch kommunizieren muss, muss ich ihm noch klar machen. "Das macht man nicht" ist einfach ohne Kontext. Mein Mann muss das, aber genau wie das Kind, erstmal lernen S:

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In den von dir genannten Situationen reagieren wir (fast 14 Monate) so:

- Essensutensilien werden kommentarlos aufgehoben und wieder hingelegt. Ich muss dazu aber sagen, dass sie nur noch den Löffel und die Gabel herunterwirft. Der Teller wird nicht geworfen, der Becher auch nicht. Anfangs wurde der geworfen und irgendwann hatten wir den Dreh raus im Vorfeld zu erkennen, dass sie die Sachen werfen wollte und haben es zuerst erklärt "Lass den Teller stehen, den brauchst du!" und wenn sie es doch geworfen hat vor dem zweiten mal einfach recht bestimmt "Nein!" gesagt. Das versteht sie und lässt es halt.
- Wenn sie satt ist (dann steht sie auf oder zuppelt am Lätzchen rum), lassen wir sie aufstehen und rumcruisen. Was sollen wir sie länger als 15 Minuten am Esstisch festhalten, wenn sie Bewegungsdrang hat? Ich finde 15 Minuten für das Alter schon sehr gut. Dann rennt sie bisschen rum und geht spielen und wir können noch weiter in Ruhe essen.
- Wenn sie an Geräte ran geht, an die sie nicht darf, haben wir sie, wenn möglich, weggestellt. Wenn das nicht geht und wir es nach der obigen Methode mehrfach versucht haben (und sie daher weiß, dass sie es nicht soll!) dann nehmen wir ihr die Sachen weg. Es geht bei uns hierbei v.a. um Sachen wie z.B. unsere Brillen oder mein Diabetes-Kit. Also Dinge die für uns notwendig sind und nicht kaputt gehen dürfen.
- Sachen wegnehmen und in Abhängigkeit der täglichen Verfassung auch manches "Nein!" sorgt natürlich für Heulanfälle und Schmollmünder. ABER: Sie schreit nicht wütend, sondern schmollt. Dann wird sie getröstet (auf den Arm genommen), ihr es noch einmal erklärt und nach 10 Sekunden ist alles wieder in Ordnung. Ablenken mit Spielzeug tun wir gar nicht, weil das meistens gar nicht notwendig wäre, weil sie sich da gar nicht so reinsteigert.

Wir sind uns eigentlich immer einig und regulieren uns dabei gegenseitig und sind den Argumenten des anderen zugänglich und probieren aus. Ich denke wir haben für uns einen ganz guten Mittelweg gefunden, denn sie versteht ein freundliches "Nein, das sollst du nicht." auch auf die Distanz und in fremden Umgebungen. Wir kommen im Wesentlichen ohne Schrei- und Trotzanfälle durch den Tag, nehmen aber vieles auch locker. Der Boden sieht nach dem Essen halt aus wie sonstetwas, aber dann wird es weggewischt. Die nervigen "Unfälle" passieren bei uns nur, weil einer von uns Eltern nicht schnell genug geschaltet hat. Das können wir dem Kind nicht ankreiden, sondern ziehen uns gegenseitig mit unserer Langsamheit auf. Ein typisches Fail ist z.B. das Wasser auf den Tisch zu stellen, fast in Reichweite des Kindes und danach sich wegzudrehen. Dann ist klar, dass der Becher ausgekippt wird. Das ist aber 100 % unsere Schuld.

Ihr könntet euch beide unabhängig voneinander informieren und beide loslösen von dem Gedanken wie ihr erzogen wurdet und euch stattdessen auf sachlicher Ebene austauschen. Das würde einiges an Konfliktpotential herausnehmen. Sollte das nicht möglich sein, würde ich sagen, dass jeder von euch sein Ding machen soll und derjenige, der näher dran ist am Kind das Sagen hat und der andere anwesende Elternteil das mitzutragen hat. Du bist halt im Vorteil, weil du dann in 50 % der Fälle plus die Zeit, die du alleine mit Kind bist, erklären kannst, sodass dein Kind weiß, was es darf und was nicht. Und das Verständnis erwarte ich von meiner 13 Monate alten Tochter: Sie weiß was sie nicht darf. Sie macht es aber (verstohlen) oft dennoch. ;-)

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Kurz gesagt: Das was du vorhast klingt für mich so, als ob du dir monatelang den Mund fusselig reden willst und dein Kind weiß, dass es egal ist, ob es sich dran hält oder nicht, weil es keine Konsequenzen spürt. Das was dein Freund vor hat klingt, als ob euer Kind einfach nur verschreckt würde. Kombiniert das doch einfach. Erst erklären, dann Konsequenzen ziehen. ;-)

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Hallo!

Ich schließe mich hier an.

Unsere Tochter (fast ein Jahr alt) findet z.B. das Katzenfutter sehr spannend...

Wir nehmen es dann weg, wenn sie darauf zu krabbelt und erklären ihr, dass das nicht für sie ist, sondern für die Katzen.

Wenn sie mal was in die Finger kriegt, was sie nicht haben darf, dann nehmen wir es ihr weg. Wenn sie dann weint, trösten wir sie und erklären ihr, dass wir es nicht böse meinen, sie damit aber nicht spielen darf, weil XY.

Allein das Sprechen lenkt sie meistens schon wieder ab und dann ist es auch gut.

Liebe Grüße,
Uschi

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Unsere Tochter ist auch 13 Mte alt.

Sehr früh schon, weil sie so früh mobil war, haben wir ein klares Stopp oder nein oder igitt gerufen oder gesagt, wenn sie etwa tun wollte, was definitiv verboten oder gefährlich war. (auf den Tisch krabbeln, auf die Couch, Steckdosen trotz Schutz, Mülleimer, Toilette etc).
Sie hat das wirklich verstanden und hört heute darauf bzw macht es absolut gar nicht.
Natürlich, wenn wir mal Stopp rufen und sie das aber unbedingt will, wird sie wütend und weint. 🤷🏻‍♀️ Ich lasse sie dann in Ruhe ihren Frust rauslassen und dann ist es wieder gut.

Zu deinem Partner. Wir haben es umgekehrt. Ich lasse sie nahezu alles machen. Mein Mann findet das teilweise furchtbar. Ich sage immer, dass ich froh bin, wenn das Kind ruhig ist und eben dann damit Beschäftigung findet. Dann ist mir alles Recht.

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Hallo,

Grenzen setze ich einerseits, wenn es um das körperliche Wohlergehen meines Sohnes geht. Er hatte zum Beispiel eine Zeit lang die Mode auf dem Sofa wild zu hüpfen, das durfte er nicht. Ich habe ihn dann immer vom Sofa genommen und gesagt, dass er das nicht darf. Oder mich mit ihm auf das Sofa gesetzt und ein Buch geholt und erklärt, dass wir auf dem Sofa lesen können, aber nicht hüpfen. Ob er das damals verstanden hat, weiß ich nicht. Mittlerweile macht er es aber nicht mehr.

Andererseits setze ich Grenzen, wenn es für mich unnötige Arbeit bedeutet. Wenn mein Sohn zum Beispiel sein Essen nimmt und vom Tisch wirft (also anfängt damit zu spielen), dann hebe ich es auf und sage, dass er mir seinen Teller geben soll, wenn er keinen Hunger hat, aber nicht damit spielen soll. Manchmal nehme ich ihn auch aus dem Stuhl und sage, dass er es wieder aufheben soll und " versorgen" soll. Das macht er eigentlich immer sehr brav. Er fängt aber auch immer erst an mit dem Essen zu spielen, wenn er satt ist.

Schimpfen bringt meiner Meinung nach nicht sehr viel. Bezweifle dass die Kleinen das auch wirklich verstehen.
Ich versuche es ihm immer zu veranschaulichen und Alternativen zu bieten. Natürlich akzeptiert er das alles nicht immer ohne zu weinen, dann nehme ich ihn in den Arm, lass ihn wütend sein, gebe ihm aber nicht was er will. Nach einer Minute ist eh alles wieder vergessen.

Bei einer Sache kann ich dann doch wütend werden und schimpfen - wenn er mich beißt. Das kann mitunter richtig weh tun, da kann ich dann schon schärfer werden. Hat bisher aber auch nicht wirklich was gebracht.

Mein Mann ist da eigentlich ziemlich gleich eingestellt.

Liebe Grüße

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Bring deinem Kind das Fertig Handzeichen bei. (Arme überkreuzen) meine fast 14 monate alte Tochter macht es seit gestern. Sie wedelt zwar eher mit den armen, aber so weiß ich, dass sie fertig ist mit essen. Schmeißt sie trotzdem was, sag ich nein, heb es auf, fliegt es nochmal, ist das essen beendet.

Ansonsten, entweder konsequent nein sagen oder alles außer Reichweite räumen...

LG

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Unsere Tochter ist drei, ich habe noch nie geschimpft. Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen langsamer oder gar nicht lernen, wenn man sie ausschimpft. Was macht ihr denn, wenn das Kind nicht folgt? Lauter schimpfen?

Die Situation am Esstisch ist ein Klassiker. Stellt weniger hin, und wenn es nicht geht, macht das Essen halt geführt.

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Bei grundsätzlichen Dingen haben wir von Anfang an versucht unserer Tochter Grenzen zu setzen. Natürlich mit dem Wissen im Hinterkopf, dass sie es einfach noch nicht besser weiß.
Essen runterwerfen durfte sie von Anfang an nicht. Da haben wir beiden versucht ihre Hand in dem Moment des des Werfens zu nehmen und zu sagen, dass das Essen auf dem Risch liegen bleibt, damit sie es noch essen kann. Das ganze wurde ein paar Mal wiederholt und wenn es nicht besser wurde, war das Essen kommentarlos weg. Dies war aber immer ohne zu schimpfen. Wenn die Utensielien auf dem Boden landen, lassen wir sie kurz liegen. In der Hoffnung, dass sie merkt, dass sie das ja braucht. Nur beim Teller bzw Brett reagiere ich sofort. Den soll sie nicht hochheben. Außer um ihn mir zu geben. Aber das sehe ich sofort, welche Absicht dahinter steckt. Meine Tochter ist jetzt 17 Monate und wirft Essen gar nicht runter (außer wir sind bei meinen Eltern, da will sie das den Hunden geben ) und das Besteck und der Trinkbecher landen nur noch selten auf dem Boden.
Die Bluetooth Box würde ich an deiner Stelle so hinstellen, dass dein Kind nicht rankommt. So kann man die Situation am ehesten vermeiden. Ansonsten versuche ich meiner Tochter eine Alternative anzubieten. Egal ob sie weint oder nicht. Das heißt ich tausche die Box gegen ein Buch aus, sodass ihr mit Glück gar nicht so richtig auffällt, dass ihr was weggenommen wurde. Falls es nicht klappt, muss sie eben weinen. Ich bin da, aber es gibt nun mal Dinge, die Kinder nicht dürfen. Bei uns war es die Musikanlage. Eine Zeit lang war sie das ständig bei. Das darf sie nicht, lässt sich aber nicht wegräumen. Wir haben nein, das geht kaputt gesagt und sie da weggetragen, wenn sie nicht drauf reagiert hat (was meistens der Fall war ) das waren ein paar lange und anstrengende Wochen. Aber es hat sich gelohnt. Mittlerweile geht sie fast gar nicht mehr dahin. Wenn doch sage ich nur gucken und normalerweise ist das dann auch in Ordnung.
Ich habe mich deutlich mehr mit Erziehung beschäftigt als mein Mann. Wenn ich was gelesen habe, das ich gerne umsetzen möchte, habe ich es ihm erklärt und wir gaben gemeinsam entschieden, ob wir das umsetzen oder nicht. Wir versuchen darauf zu achten das Wort nein nicht zu oft zu benutzen. Nicht 20 mal nein sagen u d das Kind macht trotzdem weiter. Da sind wir Konsequent. Meistens nehmen wir sie dann da weg, wenn sie nicht auf das nein reagiert. Außerdem versuchen wir das Wort nicht zu vermeiden. Das überhören Kinder sehr leicht. Daher wollen wir es möglichst wenig benutzen. Klappt in der Regel auch sehr gut. In seltenen Fällen schimpfen wir auch mal mit ihr. Aber das kommt nicht täglich vor. Erklärt werden Dinge kurz und knapp. Alles andere verfehlt in dem Alter den Zweck.
Ob du und dein Mann in den entscheidenden Situationen gleich reagieren müsst, weiß ich nicht. Ich denke es ist wichtig, dass die Regeln die gleichen sind. Euer Kind kann nicht verstehen, warum Papa schimpft, wenn er es täglich bei Mama machen darf. Das schürt Unsicherheit. Regeln und Grenzen sind meiner Meinung nach wichtig. Sie machen die Welt berechenbar. Das gibt Sicherheit. Und das auch schon mit 13 Monaten. Man muss nur Bedenken, dass sie das alles nicht machen um einen zu ärgern, sondern es einfach nicht besser wissen