Fremdeln

Hallo,

Ich sitze gerade im Wartezimmer meines FA, warte auf meine SS-VU und fühle mich echt mies weil mein Sohn im Moment bei Oma ist und so weinte, als ich ging.
Mein Sohn ist ziemlich genau 12 Monate alt, ein „richtiges“ Corona-Baby denn bis er ca 6 Monate alt war lebten wir ja quasi im Lockdown und saßen 24h/7 Tage die Woche aufeinander. Es gab keinen Anlass, ihn mal bei Oma & Opa alleine zu lassen und so haben wir uns einfach bisher gegenseitig besucht. Mein Sohn musste bisher nie außerhalb schlafen und erst seit ca August verbringt er alle 4 Wochen 2h alleine bei Oma wenn ich meine VU habe.

In diesen 2h blutet mir aber regelmäßig das Herz. Er weint immer (auch zu Hause) sofort, wenn ich den Raum verlasse und sei es nur für die Toilette. Er will nur bei Papa oder mir sein, Betreuung durch Oma & Opa ist schwierig und prinzipiell weint er die erste Zeit. Oma ist super geduldig, lässt ihm Zeit und überschüttet ihn nicht mit Versuchen, ihn zu beruhigen denn zu viel Gewusel, (ungewolltes) Geknuddel o.ä. macht ihn nur noch nervöser. Opa ist da ein bisschen anders, eigentlich auch liebevoll aber er geht prinzipiell schon mit der Einstellung auf ihn zu dass Junior ja sowieso gleich weint. „Empfindlich“ und „Heulsuse“ fällt da öfter mal.
Generell ist der Kleine einfach sehr sensibel, ja. Für ihn ist jeder „fremd“, den er nicht täglich sieht. Außer von mir und meinem Mann möchte er von niemandem angefasst werden, was ich prinzipiell ja auch i.O. finde. Er soll nicht knuddeln oder gestreichelt werden, wenn er das nicht möchte und es müssen eben auch Oma & Opa lernen, dass Junior eigene Grenzen setzt und diese zu respektieren sind.

Aber was mir einfach zu schaffen macht ist, dass ich ihn für Arzttermine zu Oma geben MUSS und wir ihn ja auch schlecht zur Geburt mitnehmen können. Wir brauchen ihre Hilfe und sind froh darum, aber Junior fällt die Trennung jedes Mal sehr schwer. Ich verabschiede mich von ihm, sage dass ich natürlich wieder komme, gebe ihm seine gewohnten Spielsachen usw. mit, aber keinerlei Ablenkung hilft. Er weint jedes Mal lange und herzzerreißend wenn ich weg bin.

Wenn mein Mann übrigens zu Hause mit ihm alleine ist, ihn ins Bett bringt usw. vermisst er mich gar nicht. Das klappt Problemlos.

Habt ihr vielleicht auch so sensible oder anhängliche Kinder? Wie habt ihr sie an Fremdbetreuung gewöhnt? Mit Geschwisterchen wird das ja nicht gerade einfacher für ihn. Wegen Corona hatten wir aber keine Anlässe, ihn schon früher mal zu den Großeltern zu geben und wir sehen uns aufgrund der Distanz (ca 30min Fahrt einfach) auch nur ca alle 2 Wochen für einen Nachmittag oder eben wenn Oma während meiner Arzttermine aufpasst. Andere Kinder im Familien-oder Bekanntenkreis haben wir nicht, er ist bei Treffen immer das einzige Kind unter Erwachsenen.

Mach ich mir zu viele Gedanken? Ist das eben einfach Teil seiner Persönlichkeit, so anhänglich zu sein? Ehrlich gesagt kann ich dieses ganze „der ist zu sensibel“, „er weint doch sowieso“ usw. auch nicht mehr hören. Wir packen ihn nicht in Watte, solange es Corona erlaubt war er immer mit unter Menschen und saß nicht sein 1. Lebensjahr isoliert zu Hause. Bis vor Kurzem gingen wir regelmäßig zur Krabbelgruppe, er ist auch interessiert an anderen Kindern, beobachtet Liebend gerne andere Menschen und ist An sich super aufgeweckt und mobil - aber eben auch schüchtern und braucht körperliche Distanz zu allen, die nicht Mama & Papa sind.

Ich weiß auch gar nicht, was ich jetzt genau hören will. Aber es tat gut, sich das mal von der Seele zu schreiben.

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Hallo! Ich habe auch so ein Exemplar. Mein großer ist 3 Jahre und ein absolutes Mama
Und Papa Kind. Er ist einfach am
Liebsten bei uns. Aber es geht nun mal nicht immer und so müssen und haben wir das gelernt. Und glaube mir Großeltern sind ein absoluter Mehrwert für die Kinder. Wir haben wöchentlich einen oma Tag. An diesem Tag holt die oma ihn aus der Kita ab und verbringt den Nachmittag mit ihm. Meine Freundin hat ein auch Kinder in dem Alter meiner Kinder und auch dort verbringen wir oft Zeit. Am besten klappt es bei uns wenn er direkt aus der Kita abgeholt wird. Wichtig ist für dich ob er sich beruhigen lässt. Sag ihm immer wieder wie toll es bei oma ist und versichere ihm das du ihn wieder holst. Ansonsten ist Trennungsschmerz ja auch ein Stück normal. Halte die Abschiede kurz und gehe dann. Omas kennen und wissen wie sie in solchen Situationen handeln müssen. Und ganz wichtig vertraue der Oma und lass los. Kinder merken sofort wenn Mama unsicher ist.

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Es beruhigt mich, dass nicht nur unser Kind scheinbar so anhänglich ist. Bei manchen Kommentaren aus unserem Umfeld könnte man wirklich meinen, der Kleine sei viel zu sensibel und geradezu verwöhnt 🤦🏼‍♀️

Oma (meiner Schwiegermutter) vertraue ich zu 100%. Ich weiß, dass er dort sicher ist, altersgerecht betreut wird, gefüttert, geknuddelt, gewickelt und verwöhnt wird. Sobald er sich beruhigt hat, gehts ihm ja auch gut bei den Großeltern.
Natürlich erzähle ich ihm immer, wohin wir fahren, wieso und dass es bei Oma ganz toll ist. Abschiede halte ich kurz und erkläre ihm auch, dass ich ja bald wieder da bin. Oma macht das auch toll, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen von seinem Weinen. Nur mir zerreißt es jedes Mal das Herz, mag auch den SS-Hormonen geschuldet sein dass es mir aktuell SO nah geht.

Mein Mann und ich haben heute über die Regelmäßigkeit der Oma-Zeit gesprochen und werden mit Oma überlegen, wie wir das häufiger tun könnten. Eine gute Bindung ist uns sehr wichtig, er soll neben uns noch andere Bezugspersonen haben mit denen er sich wohl fühlt. Wir hoffen, bis zum Geburtstermin zum Sommerbeginn hat er verstanden, dass wir immer wieder kommen und kann so weit loslassen, dass ich Oma nicht unter Wehen ständig frage wie es ihm geht 😅

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Kann die Oma ihn nicht jede Woche 2 h nehmen? Vielleicht gewöhnt er sich dann besser. Alle 4 Wochen ist halt auch echt lang. Was sagt sie denn, weint er die ganze Zeit?

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Ja, Oma hätte theoretisch immer Zeit weil die Hausfrau ist und ihre 2 Jungs schon erwachsen sind. Wenn sie nicht gerade eigene Termine hat, passt sie gerne auf.

Bisher haben wir es eben so gehandhabt, dass mein Mann und ich jeweils abends oder Wochenends die Betreuung alleine übernommen haben wenn der andere unterwegs war mit Freunden oder für ein bisschen „Me-Time“. Wir kamen gut klar damit und ich hätte irgendwie ein schlechtes Gefühl, wenn ich das Kind bzw die Kinder bei Oma lasse damit ich shoppen gehen kann.

Ich weiß, das klingt total blöd. Ist ja nicht jeder egoistisch, nur weil das Kind mal für Essen gehen, einen Friseurtermin o.ä. bei Oma bleibt. Für mich fällt solche Zeit irgendwie unter „Luxus“ und Oma muss nicht ran nur weil ich zum Friseur will. Ich bin schon sehr dankbar, dass sie ihn mir während meiner Arzttermine abnimmt. Vielleicht bin ich da aber auch einfach zu „bescheiden“? 🤷🏼‍♀️

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Oh sorry, hab die letzte Frage vergessen.
Nein, er weint nicht die ganze Zeit. Er braucht je nach Tagesform ca 30min bis er sich beruhigt und sich daran gewöhnt hat. Dann klappt es aber meist gut, er hat seinen Spaß (ein bisschen Narrenfreiheit gehört ja dazu 😄), isst/snackt gemeinsam mit Oma die ihm immer sein Lieblingsobst vorbereitet, usw.

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Ich würde ihn 1-2 mal pro Woche 1-2, Stunden von der Oma betreuen lassen, damit er sich daran gewöhnt. Vier Wochen sind zu lang. Gerade während der Geburt muss das ganze vielleicht länger und kurzfristig klappen. Wenn das zweite Baby da ist, wirst du mich dankbar sein, wenn eins der Kinder mal ein paar Stunden zur Oma kann.

Ich habe deine Antwort weiter unten gelesen, dass ihr die Oma bisher als Babysitter nicht regelmäßig braucht und euer Kind gut alleine betreut. Aber für ihn wird es leichter sein, wenn die Betreuung regelmäßig stattfindet anstatt nur einmal im Monat.

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Ja, da hast du wohl recht. Mein Mann und ich wollen mit Oma sprechen und die Oma-Zeit regelmäßiger stattfinden lassen. Vielleicht lasse ich ihn bei den Großeltern und gehe einkaufen o.ä., irgendwas wird sich finden abseits meiner Arzttermine. Wir hoffen, bis zum ET klappt das ohne großes Drama.

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Hey ☺️ Mein Kleiner ist auch einer von der „sensiblen“ Sorte und sehr mama und papa fixiert. Wenn wir die Großeltern besuchen braucht er meistens bis zu 3 Tage um sich an sie zu gewöhnen wenn er sie vorher ein paar Wochen nicht gesehen hat, daher kann ich den anderen nur zustimmen: macht was regelmäßiges aus. 1-2 mal die Woche für ein paar Stunden. Und als doppelten Bonus hätten Du und dein Mann etwas Zeit zu zweit und da braucht man auch gar kein schlechtes Gewissen zu haben! 😉