Stillen - unsere Erfolgsgeschichte

    • (1) 23.10.16 - 10:48

      Hallo zusammen. Ich möchte gern von uns berichten, um anderen Mamas Mut zu machen.

      Schon vor Geburt hatte ich den Willen, den Kleinen unbedingt zu stillen, da es für die Bindung super ist und MuMi sowieso das beste ist. Aber das Hauptargument war für mich, dass ich dieses Flaschen machen ziemlich umständlich finden würde und es mir die Flexibilität unterwegs nehmen würde. Soweit so gut.

      Unser Sohn kam auf die Welt. Diagnose: Speiseröhrenfehlbildung, keine Verbindung zum Magen.

      Ich begann zu pumpen und hatte Glück, dass das KH die guten Pumpen hatte und Personal, was mich gut unterstützte.

      OP am dritten Lebenstag, wo eine Magensonde gelegt wurde.

      Ich pumpte natürlich weiter, der Milcheinschuss kam, ohne das Baby jemals an der Brust gehabt zu haben. Er lag ja auch vollkommen verkabelt auf der Intensiv. Wir gaben ihm einen nippelähnlichen Schnuller, damit er mal was im Mund hat. Die Magensonde lag dann also, die ersten wenigen Milliliter, die er darüber bekam, waren meine gute MuMi. Auch an den folgenden Tagen hab ich die MuMi Becher auf der Intensivstation abgeliefert.

      Der Kleine wurde langsam kräftiger und durfte auf die normale Kinderstation, wir quartierten uns mit ein. Inzwischen gaben wir ihm auch eigenständig die Milch über die Sonde.

      Ich rechnete nach: in den letzen 2 Wochen verbrachte ich 48 Stunden an der Pumpe!
      An Lebenstag 13 dann die Untersuchung: OP erfolgreich, er darf schlucken. Die Sonde blieb natürlich. Ihn an der Brust anzulegen war keine Option, da das KH überwachen musste, wieviel ml er trinkt. Ein Kampf. Sollte pro Mahlzeit 60ml trinken, war aber was Schluck-Muskulatur anbelangt auf dem Stand eines Neugeborenen. Bäuerchen danach - funktionierte nicht. Er spuckte. Besonders mit den NUK-Flaschen. Okay, dann AVENT, ist ja brustähnlicher. Ein Kampf, 20ml in 30 min. Ich recherchiere, es gab noch MAM-Flaschen mit "Ventil" im Boden, die ich kaufte. Eine kleine Besserung, floss es ja nun etwas leichter in ihn rein. Dennoch schaffte er nie alles und es dauerte ewig, der Rest wurde über die Sonde gegeben.
      Ich pumpte wieder mal. Dann meinte mein Partner, der Kleine sieht hungrig aus, leg doch mal an. Die Brust war durch den Abpumpvorgang der anderen bereits stimuliert, und tatsächlich wusste er, was zu tun ist und trank etwa 3 min. Ich war überglücklich.

      Dennoch ging es weiter mit Flaschen und Sonde zu definierten Zeiten. Er kam mir vor wie eine Stopfgans, er meldete sich ja nie, wenn er Hunger hatte. So konnte das nicht weitergehen. Ich überredete die Ärzte, von diesem Essensplan (60ml alle 5h) abzuweichen. Ich beobachtet mein Baby und gab ihm je nach Anzeichen eine Flasche, auch wenn es nur 25ml waren und nach 1,5h wieder 20ml. Wir kamen so auf unsere Solltrinkmenge in 24h. Und das ohne Sonde. Es war verdammt kräftezehrend aber ich war glücklich und bot ihm ab und zu auch zusätzlich die Brust an, aber mit mäßigem Erfolg, denn aus der Flasche lief es nun mal leichter. Egal, wir wollten ja irgendwann heim und er musste zunehmen. Dabei nahm er 2 Tage lang ab, ist ja auch verständlich, da das Trinken anstrengend war. Die Logopädin stattete uns einen Besuch ab und war mit seinem trink-schluck-Verhalten zufrieden. Dann nahm er wenige Gramm zu, die Magensonde, die ja immernoch als Backuplösung da war, aber die letzen 3 Tage nicht benötigt wurde, wurde entfernt.

      Wir kauften eine weitere MAM-Flasche, Vaporisator, Flaschenwärmer und versorgten eine gute elektronische Pumpe für daheim sowie eine BabyWaage. 3 Wochen nach Geburt verließen wir die Klinik mit einem 3kg Baby was sich aller 2-3stunden meldet und ein Fläschchen MuMi bekommt. Die Menge entschieden wir nach Gefühl und machten bei Bedarf noch mehr warm, denn wegkippen wollten wir das gute Zeug auch nicht.

      Die Schwestern des KH waren sich sicher, daheim, in Ruhe, klappt das mit stillen. Und sie sollten recht behalten.

      Wir haben viel kuscheln nachgeholt, ich hab 6 mal am Tag gepumpt und mein Partner hat auch mal die Flasche gegeben. Und ich hab immer mal wieder angelegt. Da trank er vorerst nur, wenn ich den Milchfluss entsprechend vorbereitet hatte und auch nicht lang. Den Rest gab es eben per Flasche.

      Natürlich wogen wir ihn, pro Woche nahm er etwa 230g zu. Meine Hebamme kontaktierte ich, wie man ihn zum häufigeren Brusttrinken animieren kann. Sie meinte, zunächst auf Avent-Flasche (damit er sich mehr anstrengen muss) wechseln. Das kam mir unlogisch vor und ich machte mein eigenes Ding und kontaktierte eine Stillberaterin der la leche liga. Wenn er Hunger hatte, wieder und wieder die Brust anbieten und sonst halt Flasche. Es ging natürlich nicht von heut auf morgen. Aber Stück für Stück haben wir komplette Brustmahlzeiten eingeführt. Ich pumpte trotzdem noch. Hatte immer einen Vorrat für 24h im Kühlschrank. Die schwierigste und letze Flaschenmahlzeit war die in der Nacht, weil er entweder zu müde zum Trinken war oder sich schon in Rage geschrien hatte. Ich lag lang wach neben ihm, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Aber es hat funktioniert. Ich wollte nachts keine Flasche mehr warm machen, ließ ihn 10min auf meiner Brust schreien und er entschied sich, doch zu saugen.

      An Tag 40 der Meilenstein: 24h lang keine Flasche. Juhu.

      Aber damit war es noch nicht getan. Dadurch, dass ich ja immernoch zusätzlich etwas gepumpt hatte, herrschte ein Milch-Ungleichgewicht. Meine rechte Brust gab viel zu viel und zu leicht Milch. Er musste nur mit den Lippen rankommen und es tröpfelte raus. Er natürlich verwirrt, rechts so, links so. Brüllte die Brust an, wenns zu viel war. Wir hatten StillMahlzeiten von 1,5h, besonders nachts. Er schleckte die erste halbe Stunde nur ohne zu saugen. Wir hatten beide viel Geduld miteinander! Bergauf-Trinken war hier ein guter Tipp der Stillberaterin. Ich pumpte nun nicht mehr, strich das was zu viel war aus und nach ein paar Tagen hat sich alles reguliert. Der Kleine war inzwischen 7 Wochen alt und wog 4kg.

      Ich nahm mein Umfeld wieder wahr, war flexibler, was das Weggehen mit ihm anbelangt. Ging zur BabyMassage.

      Ich habe ihn gestillt. Im Familienzimmer des ShoppingCenters, auf dem Rastplatz im Wald, muss mir keine Gedanken mehr unterwegs machen, wann er denn wieder Hunger haben könnte.

      Ich bin sehr glücklich darüber und auch für die Unterstützung meines Partners in diesen Wochen, damit der Kleine und ich zueinander finden konnten.

      Was ich mit dem Beitrag mitteilen möchte, hört auf euch und eure Intuition und noch wichtiger auf euer Baby. Selbst wenn der Weg hart erscheint - es funktioniert.

      • Hallo, Respekt, da habt ihr toll durchgehalten! Ich stille meinen Sohn seit über acht Monaten völlig problemlos, und ich glaube nicht, dass ich das so durchgezogen hätte wie du, das finde ich toll.
        Bei uns stand kurz vor der Geburt genau diese Fehlbildung im Raum, was sich glücklicherweise nicht bewahrheitet hat. Alles Gute.

        Hallo endless2210,
        was für eine wunderbare Geschichte! Danke fürs Teilen.
        Liebe Grüße
        Christina

        (4) 24.10.16 - 20:00

        Wooow das ist so toll, dass du so viel Kraft und Wille aufbringen konntest und das sogar nach einem so schwierigen Start! Du bist toll! Ich hoffe, dass hier Muttis inspiriert werden.

        Alles Liebe für dich und deine Familie.

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