Kindstod

Plötzlicher Kindstod: Diagnose, Ursachen, Prävention

Für die Eltern ist es traumatisch, wenn ihr scheinbar vollkommen gesunder Säugling einfach so stirbt. Meistens passiert es im Schlaf und ohne irgendwelche Vorzeichen. Das Kind hört einfach auf zu atmen. Werden bei der Autopsie dafür keine konkreten Ursachen gefunden, spricht man vom plötzlichen Kindstod, auch als SIDS („Sudden Infant Death Syndrom") oder Krippentod bekannt.

Der plötzliche Kindstod ist keine Krankheit, aber auch keine eindeutige Diagnose. Vielmehr bezeichnet er all jene Todesfälle von Säuglingen, für die es keine Erklärung gibt. Am häufigsten sterben Kinder im Alter zwischen zwei und vier Monaten am plötzlichen Kindstod. Grundsätzlich tragen alle Babys im ersten Lebensjahr und bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs das Risiko, am plötzlichen Kindstod zu sterben, die meisten – von den glücklicherweise insgesamt wenigen Kindern - trifft es aber im ersten halben Jahr. Ärzte haben mittlerweile festgestellt, dass einige Kinder mehr gefährdet sind als andere. Studien zum Plötzlichen Kindstod haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Fallzahlen durch Aufklärung und Präventionsmaßnahmen deutlich gesunken sind. Waren es bis 1990 deutschlandweit noch 1.300 Todesfälle im Jahr, ist die Zahl laut Statistischem Bundesamt danach beträchtlich gesunken: 2011 waren es noch 147, im Jahr 2015 "nur" noch 127 Fälle – allerdings ist im gleichen Zeitraum auch die Gesamtzahl an Lebendgeburten gesunken. Für die betroffenen Eltern ist dies jedoch kaum ein Trost, denn der Schock sitzt tief und die Frage „Warum?" führt nicht selten zu quälenden Schuldgefühlen.

Ursachen und Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod

Lange Zeit konnten sich die Mediziner das Phänomen plötzlicher Kindstod nicht erklären. Und auch heute kann in einem solchen Fall keine eindeutige Diagnose gestellt werden. Studien zu möglichen Ursachen und Risiken haben jedoch in den letzten Jahrzehnten neue Erkenntnisse geliefert. Weil Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) fast immer im Schlaf auftritt, gehen die Ärzte davon aus, dass eine Atemstörung im Schlaf für den Tod verantwortlich ist. Eine Kombination aus äußeren und inneren Einflüssen führe dazu, dass das Kind durch die Atemschwäche zu wenig Sauerstoff bekomme und die Kohlendioxid-Konzentration im Blut ansteige. Das Kind erstickt vermutlich, weil es noch nicht dazu in der Lage ist, durch Aufwachen auf die Atemnot zu reagieren. Was diese konkret verursacht, darüber gibt es keinen klaren Konsens. Ein im ersten Lebensjahr noch nicht festgestellter Defekt im Stammhirn wird genauso als Ursache angeführt wie Störungen bei der Blutdruckregulierung. Über die äußeren Risikofaktoren, die in Verbindung mit dem plötzlichen Kindstod in großer Häufigkeit festgestellt wurden, sind sich jedoch fast alle Forscher einig:

  • Die Schlafposition: Babys, die in Bauchlage schlafen, sind gefährdet, weil in dieser Position ihr Hustenreflex beeinträchtigt ist. Deswegen wird für den Schlaf von Säuglingen dringend zur Rückenlage geraten, und das am besten im eigenen Bettchen und im Schlafsack, ohne Mütze, Kissen, Decken und andere Dinge, die das Kind sich über den Kopf ziehen könnte.
  • Wenn die Mutter raucht oder andere Drogen zu sich nimmt, erhöht sie damit das Risiko ihres Kindes, einen plötzlichen Kindstod zu erleiden. Das Rauchen gilt nicht nur während der Schwangerschaft als gefährlich, sondern auch danach. Das Kind sollte nach Möglichkeit überhaupt nicht mit Zigarettenrauch in Berührung kommen.
  • Kinder, die nicht gestillt werden, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko.

Weitere Risikofaktoren, die Eltern jedoch nicht beeinflussen können, sind:

  • Frühgeburten (bis zur 37. Woche)
  • Geburtsgewicht von unter 2500 g
  • Zwillings- und Mehrlingsgeburten
  • Kinder, deren Geschwister bereits an SIDS gestorben sind
  • Was beim plötzlichen Kindstod die Häufigkeit der Fälle bei Jungen und Mädchen betrifft, scheinen Jungs mit einem Anteil von 60 Prozent gefährdeter zu sein als Mädchen.

Studienergebnisse der letzten Jahre

Eine große von der Universität Münster koordinierte bundesweite Studie über mögliche Risikofaktoren und Präventionsmöglichkeiten aus dem Jahr 2003 hatte bisherige Erkenntnisse nachhaltig bestätigt und teilweise ergänzt. Wie die an der Studie beteiligten Wissenschaftler herausgefunden haben, ist das Risiko, am Plötzlichen Kindstod zu sterben, wenn ein Baby oder Kleinkind zum Schlafen auf den Bauch gelegt wird, über acht mal so groß. Wie Studienkoordinatorin Dr. Mechtild Vennemann betonte, sollten die Babys allerdings auch nicht auf die Seite gelegt werden. Die Seitenlage ist insofern ein Risiko, als das Kind bei dieser instabilen Lage leicht auf den Bauch rollen kann.

Im Februar 2009 kamen Wissenschaftler im Rahmen einer Niederländischen in "Pediatrics" veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass z.B. neben der Bauchlage auch das Schlafen bei den Eltern in deren Bett einen weiteren Risikofaktor darstellt. Schläft der Säugling im Bett der Eltern, bestehe ein größerer Risiko der Überhitzung, die als eine Ursache für den Plötzlichen Kindstod gilt.

2017 brachte eine US-Studie, die in "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde, eine weitere neue Erkenntnis über die mögliche Ursache des Plötzlichen Kindstods: Die Forscher fanden heraus, dass etwa ein Drittel der Säuglinge, die im ersten Lebensjahr am Plötzlichen Kindstod sterben, einen erhöhten Serotonin-Spiegel im Blut hatten. Serotonin ist ein wichtiger Botenstoff, der im Gehirn u.a. an dem Ort wirkt, wo die Atmung reguliert wird. Laut aezteblatt.de könnten Störungen an dieser Stelle plausibel erklären, warum gesunde Säuglinge ohne auffällige Vorkommnisse nachts in ihren Bettchen sterben. Außerdem könnte diese Erkenntnis ein Schritt in Richtung Früherkennung von Babys mit SIDS-Risiken führen - möglicherweise durch einen Bluttest, in dem der erhöhte Serotonin-Spiegel nachgewiesen würde.

Dem plötzlichen Kindstod vorbeugen

Auch wenn es sich bei den möglichen Ursachen für den frühen Krippentod hauptsächlich um Hypothesen handelt, zeigt der Rückgang der Todesfälle deutlich, dass die empfohlenen Präventionsmaßnahmen Erfolg haben. Eltern können also durch einfache Vorsichtsmaßnahmen dazu beitragen, das Kindstod-Risiko zu senken. Schaffe für dein Kind eine rauchfreie Umgebung, lasse das Baby bei einer Raumtemperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius in deinem Schlafzimmer schlafen, um seine Atmung im Schlaf beobachten zu können. Achte aber auch darauf, dass das Kind nicht bei dir im Bett und nicht auf dem Bauch schläft, sondern in seinem eigenen Bettchen – und das am besten in Rückenlage auf einer luftdurchlässigen Matratze. Es ist wichtig, dass es das Kind nicht zu warm hat. Stelle sein Bettchen also nicht neben die Heizung und verzichte auf Wärmekissen oder Wärmflaschen. Ein Schlafanzug als Bekleidung reicht vollkommen aus. An der Stirn oder im Nacken deines Babys erkennst du am besten, wie warm ihm gerade ist.

Neben der richtigen Schlafumgebung und der Rückenlage empfehlen Experten Müttern außerdem, ihr Kind so lange wie möglich, mindestens aber die ersten sechs Monate, zu stillen. Das Stillen sorgt nicht nur für eine intensive Nähe, die dem Kind guttut, die Muttermilch liefert dem Säugling außerdem wichtige Abwehrstoffe. Eltern sollten auch das Schlafverhalten ihres Kindes beobachten. Sind längere Atempausen feststellbar, eine allzu starke Blässe oder blaue Lippen? Dann suche deinen Kinderarzt auf. Das gilt auch für andere Auffälligkeiten oder wenn es länger als drei Tage Fieber oder Schnupfen hat. Beim Kinderarzt hast du natürlich auch die Möglichkeit, Fragen zum plötzlichen Kindstod zu stellen.

So legen Sie Ihr Kind sicher schlafen

Mit dem Verlust umgehen

Unabhängig davon, ob es sich um den plötzlichen Kindstod handelt oder in welchem Alter das Kind ist – der Verlust des eigenen Kindes ist für die betroffenen Eltern ein furchtbarer Schlag, der nur schwer zu verarbeiten ist. Weil jeder Mensch anders mit Trauer umgeht, gibt es dagegen kein allgemeingültiges Rezept. Vielen Paaren hilft es jedoch, auch bei Sternenkindern und sehr früh verstorbenen Säuglingen die Erinnerung an das geliebte Kind aufrecht zu erhalten und es weiterhin als Teil ihres Lebens zu betrachten. Kann man die Trauer nicht mit Freunden und Verwandten teilen, weil diese das Kind vielleicht kaum kennengelernt haben, kann eine professionelle Trauerbegleitung oder der Austausch mit anderen betroffenen Eltern helfen.


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