Herpesinfektion

Wie gefährlich ist Herpes für mein Baby?

Das Schicksal des schwer am Herpesvirus erkrankten Babys John S. berührte tausende Menschen. Eltern von Säuglingen sind seither verunsichert und fragen sich, ob Herpes auch ihrem Kind gefährlich werden könnte. Wir haben die wichtigsten Infos über den Virus zusammengestellt.

Autor: Heike Byn
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Hirnentzündung nach Herpesinfektion: Baby John kämpfte um sein Leben

Seit sich der Säugling John S. kurz nach der Geburt mit dem Herpesvirus infizierte und an einer gefährlichen Hirnentzündung erkrankte, kämpfte er ums Überleben. Sein Vater postete im Mai 2016 ein Foto seines kranken Sohnes auf Facebook, um damit andere Eltern vor den schwerwiegenden Folgen einer Herpesinfektion zu warnen. Beim kleinen John hatte eine Ansteckung mit dem Herpesvirus 1 zu einem besonders schweren, wenn auch seltenen Krankheitsverlauf geführt. Während die meisten Erwachsenen durch diesen Virustyp meist nur unter den typischen Lippenbläschen leiden, ist das Immunsystem von Neugeborenen und Säuglingen noch nicht stark genug, um gegen die Viren anzukämpfen. Wie der kleine John zeigen sie dann Symptome, die denen einer Grippe ähneln: Blässe, Teilnahmslosigkeit, Krampfanfälle, Fieber. Baby John wurde auf der Kinder-Intensivstation im Krankenhaus zwar wochenlang mit verschiedenen Medikamenten behandelt, doch der Herpes hatte bereits großen Schaden in seinem Körper angerichtet. 

Herpesviren: Wir stecken uns schon als Kinder an

Die meisten Menschen stecken sich schon als Kind mit dem Herpesvirus Typ 1 an, der danach ein Leben lang in den Nervenknoten des Körpers verbleibt. Weltweit tragen bis zu 90 Prozent aller Erwachsenen Herpesviren in sich; bei den Kindern hat sich schon mehr als die Hälfte mit den Viren angesteckt. Eine Erstinfektion verläuft dabei meist als fieberhafte sogenannte Mundfäule, oft sogar ohne jegliche Symptome. Nach dieser ersten Infektion kann es jederzeit wieder wegen einer Abwehrschwäche durch Stress, Hormonschwankungen oder grippalen Infekten zur Entstehung von Lippenbläschen kommen. Herpes ist jedoch nur während der ersten Infektion oder einem neuen Auftreten von Lippenbläschen oder anderen Anzeichen ansteckend – nicht während der symptomlosen Ruhephasen.

Welche Typen von Herpesviren gibt es?

Es gibt zwei verschiedene Virustypen: Am meisten verbreitet ist der Auslöser von Lippenherpes, Herpesvirus 1, der durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen wird. Etwa 80 Prozent der Deutschen haben nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Internisten Antikörper gegen diese Virusform gebildet, sodass ihnen das Virus nichts anhaben kann. Der zweite Typ heißt Herpesvirus 2, wird durch Sex übertragen und verursacht meist eine Infektion mit Genitalherpes. Gegen diese Herpesform haben nur etwa 20 bis 30 Prozent der Deutschen Antikörper entwickelt.


Wie kann sich mein Baby mit Herpesviren anstecken?

Die Herpesviren werden über Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen – über die Schleimhäute und den Speichel beim Küssen, gemeinsamen Trinken aus einem Glas oder gemeinsamen Berühren von Spielzeug, das vorher mit infiziertem Speichel in Kontakt bekommen ist. Anstecken können die Eltern, nahe Bezugspersonen, aber auch das Personal in der Geburtsklinik.

In den ersten zwei bis sechs Lebenswochen ist eine Übertragung von Herpesviren für Säuglinge besonders gefährlich. Weil sie in der Zeit nur über ein sehr schwaches Immunsystem verfügen, können sich die Erreger ungehindert im Babykörper ausbreiten und innere Organe oder das Gehirn befallen.

Herpesinfektion während Schwangerschaft und Entbindung eher selten

Wie und wo sich Baby John mit dem Herpesvirus angesteckt hat, wissen seine Eltern nicht. Grundsätzlich ist schon eine Ansteckung vor der Geburt möglich, zum Beispiel wenn die Fruchtblase platzt und das Virus zuvor über die Scheide aufgestiegen ist. Während eine Ansteckung mit dem Herpesvirus Typ 1 während der Schwangerschaft kein großes Risiko für das wachsende Baby bedeutet, ist der Herpesvirus Typ 2 sehr wohl eine Gefahr für das Ungeborene. Gelangt der Erreger über den Mutterkuchen zum Ungeborenen, kann er Störungen in der Entwicklung oder sogar eine Fehlgeburt verursachen.

Häufiger – wenngleich dank der guten Schwangerenvorsorge hierzulande immer noch selten – ist eine Ansteckung des Neugeborenen im Geburtskanal mit Herpesviren. Besteht ein Verdacht auf Herpes bei der Mutter, wird auch gleich das Neugeborene vorsorglich behandelt. Schwangeren, die kurz vor der Entbindung unter einer genitalen Herpeserkrankung leiden, wird meist eine Geburt per Kaiserschnitt empfohlen.

Ich habe Herpes, was muss ich im Umgang mit dem Baby beachten?

Kinderärzte raten: Wenn Eltern, Geschwister oder andere nahe Bezugspersonen Lippenherpes haben, sollten sie beim Umgang mit Neugeborenen und Babys einen Mundschutz tragen und sich gut die Hände waschen sowie desinfizieren. Besonders wichtig, auch wenn es schwerfällt: Bei Lippenbläschen das Baby nicht knuddeln, küssen oder seinen Schnuller ablecken. Denn die Herpes-Viren werden beim Kontakt mit den Bläschen oder mit dem Speichel weitergegeben. Außerdem dürfen Essgeschirr und -besteck sowie Waschlappen oder Handtücher, die mit dem Lippenherpes in Berührung gekommen sind, nicht mit Kindern geteilt werden. Sonst können Viren auf das Kind übertragen werden.

Können Mütter Herpes auch beim Stillen übertragen?

Hat eine Mutter Lippenbläschen, darf sie ihr Kind nur dann stillen, wenn sie einen Mundschutz trägt und sich die Hände desinfiziert. Wenn sie dazu auch Hautbläschen auf der Brust hat, sollte sie aufs Stillen verzichten, bis die Bläschen verkrustet und abgeheilt sind. Die Muttermilch muss sie in der Zeit abpumpen und wegschütten.

Woran erkenne ich, dass mein Baby Herpes hat?

Die meisten Menschen tragen das Virus in sich und haben dagegen Antikörper gebildet, deshalb verfügen Neugeborene auch über eine Art Nestschutz, der sie vor einer Infektion schützt. Dennoch kommt es vor, dass Herpesviren Babys krank machen: Sie bekommen dann eine sogenannte Mundfäule mit entzündeten und schmerzhaften Bläschen auf der Mundschleimhaut. Die Bläschen können auch auf Rücken oder Stirn auftauchen. In seltenen Fällen nimmt eine Herpesinfektion einen schweren Verlauf. Dann breiten sich die Viren über das Blut im ganzen Körper aus und befallen die inneren Organe oder das Gehirn – die Folgen sind dann eine Blutvergiftung oder Hirnentzündung.

Wie kann ich Herpesviren vorbeugen und Symptome behandeln?

Eine prophylaktische Impfung gegen Herpes gibt es noch nicht. Bei Lippenbläschen durch Herpes-Viren vom Typ 1 ist es gut, exzessive Sonnenbäder oder Stress zu vermeiden. Beim ersten Anzeichen von Kribbeln, Juckreiz, Brennen oder Spannen am besten sofort eine antivirale Lippencreme auftragen. Das lindert die Beschwerden und verhindert oft sogar den Ausbruch der Bläschen. Eine genitale Herpesinfektion behandelt man mit einem Virustatikum in Tablettenform. Gegen Schmerzen, die durch den Herpes entstehen, können Betroffene Schmerzmittel einnehmen.

Weitere Infos

Detaillierte Informationen zu Ansteckung, Symptomen und Krankheitsverläufen bei Herpes-Infektionen bietet die Website der Kinder- und Jugendärzte im Netz.

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