Kleine Windelkunde

Welche Windel für kleine Wichte?

Etwa fünftausendmal wird ein Baby gewickelt, bis es trocken ist. Einweg- oder Stoff-Windeln, das ist hier die Frage. Womit wird ein Baby weniger wund? Was ist besser für die Umwelt? urbia gibt dir einen Überblick.

Autor: Ute Kallenbach
Seitenanfang

Fünftausendmal Wickeln

Windelkunde Teaser
Foto: © iStock, StockPlanets

Ein Baby wird ungefähr fünftausendmal gewickelt, bis es trocken ist. Eltern verbringen mit ihrem Kind rund 200 Stunden am Wickeltisch und füllen entweder die Mülltonne oder die Waschmaschine. Sie können Wegwerf-Windeln oder Stoffwindeln kaufen, Windeldienste oder Windelleasing in Anspruch nehmen. Jede Wickeltechnik hat ihre Vor- und Nachteile.

Einweg-Windeln sind unschlagbar praktisch, Stoffwindeln sind dagegen zwar auch nicht billig, aber deutlich preiswerter. Zumindest, wenn man sie selbst wäscht. Unter ökologischen Aspekten halten sich beide die Waage, hohe Müllberge stehen gegen Wasser-, Waschmittel- und Energieverbrauch. Ausschlaggebend für die Wahl der Wickeltechnik sollten persönliche Vorlieben sein und die Frage, ob jemand eher mehr Zeit oder mehr Kosten aufwenden möchte. Zu bedenken sind:

  • Handhabung
  • Saugvermögen
  • Passform
  • Hautverträglichkeit

aber auch

  • Schadstoffbelastung
  • Kosten
  • Umweltverträglichkeit

Nicht nur das Wohlbefinden des Babys spielt eine Rolle, auch die Kraftreserven der Eltern sind ein wichtiger Entscheidungsfaktor.

Einwegwindeln sind einfach praktisch

Sie bestehen aus einer saugfähigen Einlage und sind außen mit einer wasserundurchlässigen Folie versehen. Die Windeln enthalten gelatineartige Quellkörper, die sich beim Einnässen in ein Gel verwandeln und Flüssigkeit binden. Die Babyhaut bleibt dadurch lange trocken.

Einwegwindeln gibt es in verschiedenen Größen – je nach Körpergewicht des Kindes. Sie sind schnell und leicht anzulegen. Wiederverschließbare Klettbänder ermöglichen schnelles Überprüfen, ob da wirklich was in der Windel ist. Die Passform ist je nach Hersteller etwas unterschiedlich, deshalb sollte man verschiedene Marken ausprobieren.
(Probepackungen bekommt man bei Hebammen, im Krankenhaus, beim Hersteller oder online per Gutschein-Code – das reicht zumindest, um den Sitz zu testen.

Höschenwindeln gibt es in jedem Supermarkt oder im Drogeriemarkt. Wer das Schleppen der Windelpakete leid ist, kann sie sogar über das Internet bestellen.

Vorteile von Höschenwindeln:

  • einfach und schnell anzulegen
  • leicht zu beschaffen
  • schnell zu entsorgen
  • besonders dicht und hygienisch
  • hohes Saugvermögen
  • gute Hautverträglichkeit

Nachteile von Höschenwindeln:

  • viel Müll
  • hohe Kosten
  • Schlepperei beim Einkauf
  • Kinder werden eventuell später trocken, weil sie die Feuchtigkeit nicht so spüren

Mit Stoffwindeln lässt sich sparen – unter bestimmten Umständen

Manchen Eltern sind Einweg-Windeln unsympathisch. Sie greifen lieber zum Wickelsystem mit Stoff. Neben den traditionellen Mullwindeln gibt es eine große Auswahl moderner Varianten der Stoffwindel - von der italienischen Bindewindel bis zum Kalifornischen Baumwollhöschen.

Baumwollwickelsysteme sind Baukastensysteme: Ein Saugkern aus Baumwolle wird kombiniert mit einer wasserdichten Überhose aus Wolle oder Microfaser. Der Saugkern kann verstärkt werden durch die Einlage von Moltontüchern oder Vlieswindeln zum Wegwerfen. Statt der Überhosen kann auch Wickelfolie verwendet werden, die waschbar ist.

Die Sicherheit einer Naturwindel ist stark abhängig von der Geschicklichkeit der Eltern. Die Saugfähigkeit ist sehr unterschiedlich je nach verwendetem Material. Viele Eltern verwenden nur während der ersten Monate Stoffwindeln. Wenn das Baby auf dem Wickeltisch nicht mehr still halten will, steigen viele um auf Plastikwindeln.

Für Unentschlossene gibt es die Möglichkeit, Test-Sets anzufordern oder durch ein Windelleasing das Wickeln mit Stoffwindeln auszuprobieren und dabei die hohen Anschaffungskosten zu umgehen.

Die einzelnen Baumwollwickelsysteme sind sehr gut beschrieben (inklusive Forum und Expertenmeinungen) auf der Homepage von www.naturwindeln.de.

Eltern, die den Arbeitsaufwand bei Stoffwindeln scheuen, können sich von einem Windeldienst einmal pro Woche saubere Stoffwindeln bringen lassen und die verschmutzten abgeben. Windeln und Überhosen können auch geliehen werden.

Naturwindeln erhält man im Naturtextilienversand, Bioläden und Drogeriemärkten.

Vorteile von Stoffwindeln:

  • wenig Müll
  • Kinder werden eventuell früher sauber, weil sie die Feuchtigkeit eher spüren
  • Kosteneinsparung (wenn man die Windeln selbst wäscht)

Nachteile von Stoffwindeln

  • umständlich zu handhaben
  • nicht so auslaufsicher
  • hoher Arbeitsaufwand durch Waschen und Trocknen
  • Beschaffung schwieriger
  • hohe Anschaffungskosten

Keine Windel ist wirklich umweltfreundlich

Welches Wickelsystem umweltfreundlicher ist, konnten auch Experten bisher nicht eindeutig belegen. Ein schlechtes Gewissen wegen Einwegwindeln hält aber selbst das Umweltbundesamt für nicht gerechtfertigt. Die Plastikwindeln wurden in den vergangenen Jahren immer schadstoffärmer und auch umweltfreundlicher.

Aber auch Stoffwindeln sind nicht ganz öko-unschuldig. Beim Baumwollanbau werden oft Pestizide eingesetzt, das Waschen verschmutzt Abwasser und verbraucht Strom. Wird im Wäschetrockner getrocknet, ist die Umweltbelastung noch größer. Ökö-Test fand teilweise auch optische Aufheller und PVC in Stoffwindelsystemen.

Wenn das Baby wund wird

Fast jeder Säugling wird einmal wund. Das muss nicht an der Windel liegen. Von einer Windeldermatitis spricht man, wenn die Haut im Windelbereich gerötet ist oder auch kleine Bläschen auftreten. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist, den Kinderpo trocken und sauber zu halten, also entsprechend häufig zu wickeln. Auch freies Strampeln bei Licht und Luft beugt vor.

Bei Windeldermatitis hilft meist eine zinkoxydhaltige Salbe. Bessert sich der Zustand nicht nach zwei bis drei Tagen, handelt es sich wahrscheinlich um eine Pilzinfektion. Diese muss vom Arzt behandelt werden.

Was das Wundwerden angeht, haben beide Wickelsysteme ihre Vor- und Nachteile: In Einwegwindeln bleibt die Haut des Babys viel trockener. Das ist hautschonend, denn bei der Vermischung von Urin und Stuhl entsteht das hautreizende Ammoniak. Dafür kommt aber bei Einwegwindeln kaum Luft an den Po. Stoffwindeln lassen mehr Luft an den Babypo, aber leider auch Nässe.

Wundsein kann viele Ursachen haben:

  • Ernährung der stillenden Mutter
  • Ernährung des Kindes
  • Pflegefehler
  • Waschmittelrückstände in der Stoffwindel
  • Bestandteile von Wegwerfwindeln
  • Pilzinfektion
  • ein neuer Zahn

Was hilft gegen den wunden Po?

Womit werden Babys schneller trocken?

Die Experten streiten sich darüber, ob man auf das Trockenwerden Einfluss nehmen kann. Möglicherweise werden Kinder schneller trocken, wenn sie mit Stoff gewickelt werden. Denn in einer nassen Windel fühlen sie sich schneller unwohl als in den saugstarken Wegwerfwindeln. Wenn sie selbst bemerken, dass etwas an den Beinen herunterläuft, finden sie eher den Weg zu Töpfchen oder Toilette.

Ein Opa schrieb Windel-Geschichte

Bis in die siebziger Jahre hatten Mütter keine Wahl: Windeln waren aus Stoff und machten viel Arbeit durch Waschen, Trocknen und Legen. Bis zur Erfindung der Waschmaschine mussten sie mühselig im Waschkessel oder auf dem Herd gekocht werden.

Die erste Höschenwindel kam 1961 in USA auf den Markt und zwölf Jahre später bei uns. Erfinder war ein Großvater namens Vic Mills, der für seinen Enkel eine Alternative zu den Stoffwindeln suchte. Zufällig war er Mitarbeiter des Unternehmens Procter + Gamble. Die "Pampers" wurden zum Verkaufsschlager und der Name zum Programm: "to pamper" bedeutet "verwöhnen".

Foren zum Thema