Grosser, starker Freund

Warum lieben Mädchen Pferde so sehr?

Mädchen lieben Pferde, wollen möglichst selbst eins besitzen, am besten so ein wildes wie Ostwind, das nur sie allein reiten dürfen. Viel Romantik umweht die Pferdeliebe von Mädchen. Ist aber nicht schlimm: Vor allem machen Pferde Mädchen selbstbewusst, verantwortungsbewusst und selbstständig.

Autor: Kathrin Wittwer
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Reiten, Pferde, Mädchenherzen

Pferd-Teaser
Foto: © Fotolia / Microstock Asia

„Das sind Bibi und Tina auf Amadeus und Sabrina": Praktisch jede Familie mit Mädchen kennt dieses Lied, das die Hörbücher um Bibi Blocksbergs Abenteuer auf dem Reiterhof ihrer Freundin Tina einleitet. Was früher Billes Zottel, Fury und Black Beauty, Winnetous Iltschi und Old Shatterhands Hatatitla waren, sind heute Ostwind und eben die Pferde von Bibi und Tina: tierisch große Helden, die Mädchenherzen höher schlagen lassen. Ein eigenes Pferd steht regelmäßig auf ihren Wunschlisten zu Weihnachten und an Geburtstagen. Warum nur?

Mein Pferd: mein Kuscheltier und Freund

Maria Schierhölter-Otte hört diese Frage immer wieder, die Antwort kommt routiniert: „Ein Pferd ist das letzte große Kuscheltier, Mädchen verstehen sie als Freunde, als Schmusepartner, denen man etwas anvertrauen kann", erklärt die Leiterin der Abteilung Jugend der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) die innige Begeisterung von Mädchen fürs Pferd. „Das Reiten steht erst mal gar nicht so im Vordergrund, Mädchen sind oft schon glücklich und selig, wenn sie ein Pflegepferd haben, das sie aus der Box führen und dem sie die Hufe auskratzen können. Es geht mehr um Fürsorge, die Übernahme von Verantwortung, das Lernen von Selbstständigkeit."

Wissenschaftlich bestätigte Erfahrungswerte

Das weiß die passionierte Reiterin nicht nur aus eigener Erfahrung: Mitte der 1990-er erforschte der Kasseler Psychologieprofessor Harald Euler erstmals die Faszination von Pferden auf Mädchen, hat seine Ergebnisse später durch weitere Untersuchungen untermauert, die genau das aussagen, was Maria Schierhölter-Otte erklärt – hier geht um Bindung und um Partnerschaft, um Verbundenheit und Verlässlichkeit, um Liebe zu Tieren und zur Natur.


Warum ein Pferd? Warum kein Hund?

Aber muss es dafür denn gleich ein Pferd sein? Würde es nicht auch ein Hund oder ein anderes Haustier tun? Offenbar nicht, hat doch keines von ihnen auch nur annähernd das Stockmaß eines Pferdes oder selbst eines Ponys: „Pferde sind einfach größer und stärker als andere Haustiere", sagt Maria Schierhölter-Otte. „Mit ihnen ein Erfolgserlebnis zu haben, ist etwas ganz anderes als mit einem Hund. Wenn kleine Mädchen merken, boah, ich kann mit diesem großen, starken Tier was bewegen, ich kann hier was, was vielleicht nicht mal Mama sich traut, das macht einfach stolz."

Pferde machen Mädchen stolz und selbstbewusst

Das beobachtet auch Jacqueline: Seit Tochter Pina vor einem halben Jahr auf eigenem Wunsch mit dem Reitunterricht begonnen hat, „ist sie viel offener und selbstbewusster geworden. Sie ist auch die Einzige in ihrem Kindergarten, die schon reitet, und dieses Spiel kleines Mädchen – großes Pferd, das macht sie schon stolz." Schon nächstes Jahr will die Sechsjährige erste Turniere bestreiten, vielleicht mit Sultan, dem großen Pony, auf dem sie gerade trainiert, einem Springpferd. Was Pina an Pferden so mag? „Dass man von ihnen was lernen kann." Und was lernt man von ihnen? „Na reiten."

Testen: Will mein Kind wirklich reiten?

Sultan gehört Pina nicht. Die Familie zahlt im Monat 50 Euro für eine Pferdebeteiligung, einmal pro Woche darf Pina dafür eine Reitstunde auf dem Pony nehmen. Denn natürlich muss es nicht sofort das eigene Pferd sein: „Erst mal muss man ja rausfinden, ist das Reiten wirklich der größte Wunsch des Kindes und hält es auch wirklich durch", rät Maria Schierhölter-Otte. „Am besten geht man dafür man zwei, drei Tage am Stück auf einen Reiterhof mit Ferienbetrieb, möglichst von der FN gekennzeichnet, wo die Kinder den ganzen Ablauf mitmachen. Wo sie merken, dass man auch mal schmutzig werden, schwitzen oder frieren kann und ein Pferd kein Tennisschläger ist, denn man in die Ecke stellt, wenn man keine Lust mehr hat. Wenn es dann immer noch sagt, ich will das, dann kann man sich eine gute Reitschule aussuchen, wo man mit Ponyführen und Voltigieren anfängt."

Was ist mit Jungs und Pferden?

Das gilt natürlich auch für Jungs, die im Pferdestall allerdings deutlich seltener anzutreffen sind als Mädchen – sie bevorzugen eher lautere Pferdestärken. Das ist nicht unbedingt von Natur aus so: Das inzwischen gängige Vorurteil, Reiten sei Weibersache, sowas mache ein Junge nicht, wird den Jungs erst Ende des Grundschulalters bewusst. Wer in seinem Sohn Pferdeliebe säen will, sollte damit also schon im Kindergarten anfangen, rät Maria Schierhölter-Otte, der sehr daran gelegen ist, wieder mehr männlichen Nachwuchs für den Pferdesport zu begeistern: „Im Kindergartenalter geht es erst mal noch um den Spaß am Tier, darum zu erkennen, dass ein Pferd mir mehr beibringen kann als ein Fußball. Ob Jungs beim Reiten bleiben, steht und fällt dann allerdings mit dem Ausbilder, also ob der es schafft, den Unterricht so auf Jungs abzustimmen, dass ihnen nicht langweilig wird. Jungs brauchen Action und Abwechslung, die geben sich nicht mit klassischem Reitunterricht und Striegeln zufrieden wie Mädchen."

Tausche Kuscheltier gegen Freund

Die innige Pferdeliebe der Mädchen, sagen die wissenschaftlichen Untersuchungen, schwindet im Teenageralter mit steigendem Interesse an Jungs. Spätestens mit dem ersten richtigen Freund, meist so, wenn die Mädchen 16 Jahre alt sind, ist für viele Schluss mit der Zeit im Pferdestall.

Im Netz:

Auf der Website der Deutschen Reiterlichen Vereinigung lassen sich viele kostenlose Broschüren downloaden, z.B. „Hilfe, mein Kind ist pferdeverrückt". 

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