Kindliche Neugier

Wie Eltern richtig auf Doktorspiele reagieren

Schon Kleinkinder entdecken mit Lust ihren Körper und damit ihre Sexualität. Das stellt Eltern vor ungeahnte Fragen: Wie viel Forscherdrang sollen wir zulassen? Wann uns einmischen und Grenzen setzen?

Autor: Heike Byn
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Was sind eigentlich Doktorspiele?

Doktorspiele
Foto: © Colourbox

Schon mit zwei oder drei Jahren erforschen kleine Mädchen und Jungen nicht nur den eigenen Körper, sondern beziehen auch andere in ihre Entdeckungstouren ein. Ab dem vierten Lebensjahr sind typische Doktorspiele dann Rollenspiele – so wie das beliebte „Vater-Mutter-Kind-Spiel" auch. Die Kinder untersuchen ihre Körper und auch ihre Geschlechtsorgane mit großer Neugier.

Sind Doktorspiele wichtig für die Entwicklung?

Kinder finden es spannend, ihre Körper zu untersuchen und sich auch an Penis und Scheide zu berühren. Die Kinder spüren dabei, dass sich das schön anfühlen kann. Auch derjenige, der die Arzt-Rolle übernimmt, lernt etwas: Ein Doktor übernimmt Verantwortung und muss sich um seine Patienten kümmern. Solche Erfahrungen mit sich und anderen sind wichtige Erlebnisse, die Eltern mit gutem Gewissen zulassen dürfen. Denn sie bedeuten auch, dass Mädchen und Jungen von klein auf ein positives Gefühl zum eigenen Körper und zur eigenen Sexualität entwickeln können.

Spielen Geschwister häufiger Doktorspiele als Freunde untereinander?

Zwar haben Kinder grundsätzlich ein großes Interesse am Körper vor allem gegengeschlechtlicher Geschwister. Dennoch finden Doktorspiele eher unter Freundinnen und Freunden, als unter Brüdern und Schwestern statt. Für sie bergen Doktorspiele jedoch eine ganz besondere Chance, im späteren Leben unverkrampfter als andere mit Nacktheit beim anderen Geschlecht umzugehen. Schließlich haben sie ja jahrelang eng mit dem Geschwister gelebt und erlebt, wie sich der Körper beim Heranwachsen verändert.


Ist es okay, wenn Kinder sich beim Doktorspielen ausziehen?

Kleine Kinder gehen mit Nacktheit viel unbefangener um als wir Erwachsenen, und diese Lockerheit sollten wir ihnen auch zugestehen. Im Planschbecken zu Hause ziehen sich die meisten Kleinen aus und hüpfen hinein. Würden ihre Eltern dasselbe tun, wäre das ein Verstoß gegen die Konventionen. Etwa ab dem Kindergartenalter entwickeln Kinder erste Schamgefühle. Das Doktorspiel gibt ihnen dann aber eine Art Erlaubnis, sich auszuziehen und zu untersuchen, weil man das ja beim Arzt nun einmal so macht.

Stehen beim Doktorspielen immer die Geschlechtsteile im Mittelpunkt?

Nicht immer, aber es kommt vor. Die meisten Kinder spielen Doktor jedoch so, wie sie die Situation beim Kinderarzt schon einmal erlebt haben: Mit Plastikspritzen, Fieberthermometer und Verbänden werden Arme oder Beine verbunden. Sie schauen sich gegenseitig in den Mund und ins Ohr. Es werden Pflaster verklebt und Cremes aufgetragen. Manchmal betrachten und untersuchen Kinder ihre Körper aber auch, ohne vorher ein Doktorspiel vereinbart zu haben.

Wie soll ich reagieren, wenn ich mein Kind bei Doktorspielen beobachte?

Viele Mütter und Väter, aber auch Erzieher reagieren verunsichert auf Doktorspiele, denn sie setzen unsere erwachsene, triebgesteuerte Sexualität mit der von Kindern gleich – und das macht Angst. Dabei geht es den Kindern beim Doktorspiel vor allem um ihr Körperempfinden. Und wenn kleine Jungen merken, dass ihr Penis steif wird, ist das für sie ein harmloser Spaß, und nicht wie bei Erwachsenen ein Teil der Befriedigung ihres Sexualtriebs.

Wie sehen Regeln für Doktorspiele aus, die auch kleine Kinder verstehen?

Manchen Eltern sind Doktorspiele peinlich und sie sehen weg. Andere haben Angst, darauf zu positiv reagieren: Sie befürchten, die Mädchen und Jungen würden dadurch ein zu starkes Interesse an Sexualität entwickeln. Wiederum andere wollen möglichst lässig und offen damit umgehen und finden es nicht nötig, mit den Kindern über klare Regeln von Doktorspielen zu reden. Dabei brauchen die kleinen Töchter und Söhne gerade jetzt eindeutige Regeln, um eigene Grenzen vertreten und die Grenzen der anderen Kinder respektieren zu können. Eltern können auch kleinen Kindern schon klarmachen, dass Regeln wichtig sind, damit es ihnen und den Spielkameraden gut geht. Diese Inhalte verstehen schon die Kleinen:

  • Jedes Kind darf selbst bestimmen, mit wem es Doktor spielen will
  • Die Kinder streicheln und untersuchen einander nur so viel, wie es für sie selbst und die anderen Kinder okay ist
  • Kein Kind tut einem anderen weh
  • Niemand steckt einem anderen Kind etwas in den Po, in die Scheide, in den Penis oder Mund, Nase und Ohr – denn das tut weh
  • Größere Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben bei Doktorspielen nichts zu suchen!

Gibt es Signale beim Doktorspiel, bei denen ich eingreifen muss?

Gewinnen Eltern den Eindruck, dass es einem Kind beim Doktorspielen nicht gut geht, sollten sie behutsam eingreifen und das Spiel mit einer Erklärung beenden. Sind Mütter und Väter nicht sicher, können sie ihre Kinder auch erst einmal danach fragen, wie es ihnen geht und ob alles in Ordnung ist.

Eltern sollten aber einschreiten und das Doktorspiel stoppen, wenn ein Kind

  • eine viel stärkere sexistische Sprache hat als die anderen
  • in Doktorspiele mit deutlich älteren oder jüngeren Kindern verwickelt ist
  • versucht, andere zu Doktorspielen zu überreden
  • sich oder andere verletzt
  • anderen Kindern verbietet, über die Doktorspiele zu sprechen
  • andere Kinder zu Sex-Praktiken von Erwachsenen auffordert
  • Handlungen nachspielt, die der Erwachsenensexualität entsprechen, oder darüber redet

Tipps und Links

Die Tipps in diesem Artikel haben wir größtnteils in Ratgebern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefunden.

  • Für Kinder:
    Musik-CD: Nase, Bauch und Po. 22 Lieder zum Spüren und Berühren für Kinder ab 4 Jahren. Bestell-Nr. 13 702 001, Schutzgebühr 6 €, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung/BzgA
  • Für Eltern:
    Liebevoll begleiten. Körperwahrnehmung und körperliche Neugier kleiner Kinder. Ein Ratgeber für Eltern zur kindlichen Entwicklung vom 1. bis zum 6. Lebensjahr. Kostenlos bei der BzgA erhältlich – auch zum Downloaden, Bestell-Nummer 136 605 00.
  • Dem Leben auf der Spur. Wissenswertes für Mädchen (und Jungen). Ein Paket mit Leporello zur Schwangerschaft und zwei kleinen Büchern für jüngere Kinder. Kostenlos zu bestellen bei der BZgA, Bestellnummer 131 600 00.
  • Wer weitere Fragen hat, kann sich bei einer der vielen pro familia-Anlaufstellen in ganz Deutschland in einem persönlichen Gespräch beraten lassen oder dort eine Elternveranstaltung zum Thema besuchen.
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