Wann zum Arzt, wie schützen?

Wichtige Fakten über Kinderaugen

Smartphones machen kurzsichtig, Babys dürfen noch schielen, Weitsichtigkeit wächst sich oft heraus – was die Forschung heute über Kinderaugen weiß und wann du wegen einer Brille mit deinem Kind zum Augenarzt gehen solltest.

Autor: Gabriele Möller
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Smartphones verderben die Augen

Kinderaugen
Foto: © Colourbox

Unsere Großmütter warnten: „Lesen bei schlechtem Licht verdirbt die Augen!" Natürlich Unsinn – oder nicht? Tatsächlich zeigte eine große Studie der Universitäts-Augenklinik Mainz: Viel Lesen macht kurzsichtig. Aber nicht wegen zu wenig Licht (das macht nichts) – sondern wegen des zu kleinen Abstands zum Buch: Das Auge passt sich an die häufige Nahsicht an, und das löst einen starken Reiz auf das Längenwachstum des Augapfels aus. Und das führt zu Kurzsichtigkeit. Während der Grundschulzeit, wenn Kinder also mit dem Lesen beginnen, steigt die Zahl der Kurzsichtigen nicht umsonst stark an.

Aber weil Bücher wichtig und gut sind für Kinder, darfst du dein Kind trotzdem zum Lesen animieren – jedoch sollte der Abstand zum Buch nach Empfehlung von Augenärzten mindestens 30 Zentimeter betragen. Gewöhne dein Kind daran, auf diesen Abstand zu achten, bis es ihn automatisch einhält.

Wer glaubt, Büchermuffel seien jetzt auf der sicheren Seite, irrt aber. Denn Wissenschaftler fanden heraus: Wir haben längst ein neues Problem. Nun ist es der häufige Konsum von Smartphone, iPad oder Gameboy, der schon unseren Kindern und Jugendlichen die Augen verdirbt und zu Kurzsichtigkeit führt. Mehr als die Hälfte der jungen Erwachsenen leidet laut Mainzer Studie bereits an Kurzsichtigkeit. Und Anselm Jünemann, Direktor der Augenklinik der Unimedizin Rostock, warnte laut "Ärzteblatt": "Das wird noch zunehmen." In Ländern mit hoher Bildschirmnutzung wie zum Beispiel im asiatischen Raum wird bereits von einem Anstieg der Kurzsichtigen auf bis zu 80 Prozent berichtet.

Daher solltest du die Zeit begrenzen, die deine Tochter oder dein Sohn täglich am Tablet, PC oder Smartphone verbringt. Der Abstand zu jedem Bildschirm, ob groß oder klein, sollte nach Rat von Augenärzten mindestens 50 Zentimeter betragen.

Zu viel Kunstlicht lockt die Brille an

Vor allem Smartphone und Tablets stehen noch aus einem weiteren Grund in Verdacht, Kurzsichtigkeit bei Kindern zu fördern: Sie strahlen einen unnatürlich hohen, kurzwelligen Blau-Anteil aus. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass dieses Licht sogar die Netzhaut schädigen kann. Und zwar vor allem bei Kindern, denn ihre Augen sind noch besonders durchlässig für die kurzwelligen Strahlen. Eltern sollten auch deshalb den Handy- und Tabletkonsum ihrer Kinder begrenzen. Es gibt außerdem Apps, die das kurzwellige Licht dämpfen, sie sind in den Stores unter dem Stichwort „Blaulichtfilter" zu finden.

Tageslicht beugt Kurzsichtigkeit bei Kindern vor

Echtes Tageslicht ist dagegen besonders wertvoll für die Augen deines Kindes: Es regt die Netzhaut an, vermehrt den Botenstoff Dopamin freizusetzen. Und der verhindert, dass der Augapfel deines Kindes zu sehr in die Länge wächst und kann so der Entwicklung von Kurzsichtigkeit entgegenwirken. Ärzte sagen: Schon 45 Minuten draußen Spielen haben diesen guten Effekt – sofern das Smartphone ausgeschaltet bleibt.


Leichte Weitsichtigkeit wächst sich heraus

Die meisten Kinder sind bis zum Vorschulalter leicht weitsichtig, bemerken es aber nicht, denn die große Elastizität ihrer Augenlinse kann das ausgleichen. Eine Brille ist bei dieser entwicklungsbedingten Weitsichtigkeit unnötig, sie normalisiert sich während des Augenwachstums von selbst. Bei stärkerer Weitsichtigkeit braucht dein Kind jedoch tatsächlich eine Brille. Denn zwar können seine Augen auch die oft noch ausgleichen. Das ist jedoch so anstrengend für die Augenmuskulatur, dass es Kopfschmerzen, müde Augen, schlechte Konzentrationsfähigkeit oder sogar Doppelbild-Sehen oder Schielen verursachen kann.

UV-Licht – bei bewölktem Himmel fast so stark wie bei Sonne!

Hättest du es gewusst? Bei nur leichter, durchbrochener Bewölkung ist die UV-Strahlung fast genauso hoch wie bei blauem Himmel. Die Pupillen deines Kindes aber sind größer und seine Linsen lichtdurchlässiger als bei Erwachsenen, so dass 90 Prozent des UV-Lichts hinein gelangen. Deshalb raten Augenärzte: Wenn du mit deinem Kind längere Zeit draußen bist, oder ihr einen schönen Urlaubstag am Strand oder Badesee verbringt, sollte es bei Sonne ebenso wie bei leichter Bewölkung eine gute Sonnenbrille tragen. Sie ist am besten etwas halbmondförmig gebogen, so dass sie die Augen auch seitlich schützt.

Babys dürfen schielen

Vielleicht hat auch dein Neugeborenes einen leichten „Silberblick", schielt also ein bisschen? In den ersten Lebensmonaten darf das sein. Spätestens ab dem sechsten Lebensmonat muss das Schielen aber verschwunden sein, sonst müsst ihr zum Augenarzt gehen. Denn das Gehirn unterdrückt das Sehbild des „schlechten" Auges, was dazu führt, dass sich seine Sehschärfe nicht gut entwickelt. Der Augenarzt kann das durch Maßnahmen wie eine Brille und ein Abkleben des stärkeren Auges verhindern.

Übrigens: Falls dein Kind schon größer ist und absichtlich schielen kann, weil das so schön gruselig aussieht: Das ist völlig ungefährlich. Dass durch dieses künstliche Schielen die „Augen schief bleiben", ist ein Märchen!

Es stimmt: Möhren sind gut für Kinderaugen!

Karotten enthalten Beta-Carotin, und das ist eine Vorstufe von Vitamin A. Dieses Vitamin ist vor allem für das Sehen im Dunkeln wichtig. Dein Kind mag keine Möhren? Macht nichts, denn auch andere Obst- und Gemüsesorten enthalten Beta-Carotin, zum Beispiel Aprikosen, Honigmelonen, Mangos, Broccoli, Tomaten und Spinat.

Wann dein Kind zum Augenarzt muss

Nicht alle Fehlsichtigkeiten werden bei den U-Untersuchungen aufgespürt. Fachleute empfehlen zusätzliche Kontrollen beim Augenarzt: Das Kind sollte ein Mal zwischen der U5 und der U8 (6 Monate bis vier Jahre) zum Augencheck gehen, und zwischen der U8 und der U10 (vier bis acht Jahre) sogar alle zwei Jahre – unter anderem kurz vor der Einschulung. Gibt es Augenerkrankungen in der Familie, solltest du schon zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat mit deinem Kind zum Facharzt gehen.

Zum Augenarzt muss ein Kind auch dann, wenn es Symptome zeigt, wie: Kopfschmerzen, Augenbrennen, vermehrtes Zwinkern, erhöhte Blend-Empfindlichkeit, häufiges Augenreiben, Stirnrunzeln, schnelles Ermüden beim Malen, Lesen oder Schreiben, langsames, zu flüchtiges oder fehlerhaftes Lesen, häufiges Verrutschen in der Buchzeile, auffallend geringer Abstand zum Buch oder TV, häufiges Stolpern oder Balanceprobleme, Schwierigkeiten beim Bällefangen, häufiges Anstoßen an Möbel, Sehprobleme bei Dunkelheit, plötzliche Verschlechterung der Schulnoten.

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