Verhütung

Verhütung – Ein Thema, das Frauen und Männer betrifft

Wir genießen heute die Freiheit, selbst zu bestimmen, ob und wann wir Eltern werden wollen. Voraussetzung dafür ist die richtige Verhütung. Und die erfordert, dass man sich sowohl mit dem  weiblichen Zyklus als auch den verschiedenen Verhütungsmethoden auskennt.

Verhütungsmittel
Foto: © Sven Hoppe - Fotolia.com
Verhütung sollte in jeder Partnerschaft eine Rolle spielen – und zwar für beide Partner. Welche Verhütungsmethode für ein Paar die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Jede Methode bringt ihre Vor- und Nachteile mit sich und eine perfekte Lösung gibt es nicht. Es ist eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. So legen zum Beispiel viele Frauen Wert auf eine Verhütung ohne Hormone, weil sie einen zu starken Eingriff in ihren Körper befürchten, und ziehen eine natürliche Verhütung vor. Anderen Frauen hingegen sind die Methoden der natürlichen Verhütung zu unsicher. Außerdem fühlen sie sich durch sie in ihrer Spontanität beim Sex eingeschränkt. Es geht bei der Wahl der richtigen Verhütung also immer darum, die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen und für sich ein  Verhütungsmittel zu finden, das zur jeweiligen Lebenssituation und zu den eigenen Prioritäten passt.

Was sollte man bei der Wahl der Verhütung beachten?

Wenn es darum geht, sich für eine passende Verhütungsmethode zu entscheiden, spielen folgende Kriterien eine Rolle:

  • Wie wichtig ist der Empfängnisschutz (Ist ein Kind derzeit vorstellbar oder eher nicht)?
  • Wie wichtig ist der Schutz vor Geschlechtskrankheiten und HIV?
  • Alter und persönliche Lebenslage (feste Beziehung oder wechselnde Partner?)
  • Vorlieben beim Sex (Wie wichtig ist zum Beispiel Spontanität?)
  • Körperliche Verträglichkeit von Verhütungsmitteln (Liegen körperliche Beeinträchtigungen vor, durch die bestimmte Methoden ausgeschlossen sind?)
  • Wie wichtig ist die Kontrolle über die Verhütung bzw. wie viel Verlass ist auf den Partner?
  • Welche Verhütungsmittel kann ich mir leisten?

Hat man sich für eine bestimmte Art der Verhütung entschieden, erfordert deren Anwendung immer eine gewisse Übung sowie Eingewöhnungszeit. Erst durch die ausführliche Auseinandersetzung mit der Anwendung und Wirkungsweise des Verhütungsmittels kann ein maximaler Schutz erreicht werden. Frauen sollten sich bei der Wahl des richtigen Verhütungsmittels von ihrem Gynäkologen beraten lassen, zumal viele Verhütungsmittel ohnehin von diesem verschrieben werden müssen. Steht ein Wechsel der Verhütungsmethode an, ist Vorsicht angebracht: Die mangelnde Erfahrung mit der neuen Methode ist eine häufige Ursache für ungeplante Schwangerschaften.

Welche Methoden der Verhütung gibt es?

Bei den einzelnen  Verhütungsmethoden unterscheidet man grob zwischen hormonellen Verhütungsmitteln, Barrieremethoden, chemischen Verhütungsmitteln und der natürlichen Verhütung. Während hormonelle Verhütungsmethoden wie die  Pille oder die  Dreimonatsspritze sehr zuverlässig wirken, jedoch stark in den Körper der Frau eingreifen, haben Barrieremethoden wie das Kondom oder Diaphragma den Vorteil, dass sie eine Verhütung ohne Hormone gewährleisten und nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie auch wirklich benötigt werden. Außerdem ist diese Art der Verhütung die einzige, die auch der Mann kontrollieren kann. Bei den chemischen Verhütungsmitteln handelt es sich um sogenannte Spermizide – Wirkstoffe, die die Spermien in der Scheide abtöten. Aufgrund ihrer geringen Wirksamkeit eigenen sie sich jedoch eher zur Ergänzung von Barrieremethoden als zum alleinigen Gebrauch. Auch die natürliche Verhütungsmethode ist sehr riskant. Bei ihr steht die genaue Beobachtung des weiblichen Zyklus im Vordergrund. Mit den Methoden der natürlichen Familienplanung, wie der Temperatur- oder Billings-Methode oder mit einem Zykluscomputer, werden die fruchtbaren Tage der Frau errechnet. So lässt sich herausfinden, wann eine Verhütung notwendig ist und wann nicht.

Generell sollte bedacht werden, dass keine Methode zu 100 Prozent sicher ist. Lediglich ein operativer Eingriff – also eine Sterilisation von Mann oder Frau – senkt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft auf nahezu 0 Prozent. Bei allen anderen Verhütungsmethoden besteht immer die Möglichkeit einer Verhütungspanne.

Wenn die Verhütung versagt – wie ist mit Verhütungspannen umzugehen?

Eine Verhütungspanne kommt schneller zustande als man denkt. Nicht immer muss es ein geplatztes Kondom sein. Die meisten Pannen sind auf Anwendungsfehler zurückzuführen, die die Wirksamkeit des Verhütungsmittels beeinträchtigen. Folgende Fehler und Missgeschicke kommen besonders häufig vor:

  • Die Einnahme der Pille erfolgte mehr als 12 Stunden zu spät oder die Pille wurde durch Erbrechen oder Durchfall frühzeitig ausgeschieden.
  • Die hormonelle Verhütung wurde durch die Einnahme von Medikamenten beeinträchtigt.
  • Bei einer Verhütung mit Spirale kann diese in sehr seltenen Fällen verrutschen.
  • Das Verhütungspflaster hat sich gelöst und klebt nicht mehr richtig.
  • Das Haltbarkeitsdatum des Kondoms ist abgelaufen, es hat die falsche Größe oder wird falsch aufgesetzt.
  • Das Diaphragma hat nicht die richtige Größe, sitzt falsch oder es wurde nicht zusammen mit einem spermienabtötenden Gel benutzt.

Diese Fälle verdeutlichen, wie wichtig es für eine zuverlässige Verhütung ist, sich mit der korrekten Anwendung des gewählten Verhütungsmittels auseinanderzusetzen. Fällt einem der Patzer frühzeitig auf, kann die  Pille danach allerdings noch eine Möglichkeit der Verhütung sein. Sie zögert den Eisprung heraus und verhindert so, dass die Spermien lange genug überleben, um die Eizelle zu befruchten. Ob sie wirkt oder nicht, hängt sowohl von der rechtzeitigen Einnahme als auch vom gegenwärtigen Stadium des weiblichen Zyklus ab. Wichtig: Die Pille danach kann man seit März 2015 rezeptfrei in Apotheken kaufen, das in der Vergangenheit dafür nötige Rezept vom Arzt oder einer Beratungsstelle ist seither nicht mehr nötig.

Auch die „Spirale danach” kann nach einer Verhütungspanne ein Ausweg sein. Sie verhindert die Einnistung der befruchteten Eizelle. Allerdings ist sie nur sinnvoll, wenn im Anschluss eine Verhütung mit der Spirale erwünscht ist. Beide Notfalllösungen erfordern eine Absprache mit dem Frauenarzt.

Bleibt die Periode nach der Verhütungspanne aus, ist das meist das erste Anzeichen dafür, dass sie Konsequenzen hatte. Ein Schwangerschaftstest bringt Klarheit. Ist es tatsächlich zu einer  unerwünschten Schwangerschaft gekommen, steht eine schwierige Entscheidung an. Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen zeigen die Möglichkeiten für ein Leben mit Kind auf, beraten aber auch zum Thema Schwangerschaftsabbruch.


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