Schlechte Noten?

So wird das nächste Zeugnis besser

Neue Chance, neues Glück! Wenn das letzte Zeugnis nicht so erfreulich war, führen oft schon ein paar kleine Änderungen zu neuem schulischen Erfolg. Hier finden Eltern Tipps, wie ihr Kind in ein erfolgreiches neues Schuljahr starten kann.

Autor: Gabriele Möller

Schon Grundschulzeugnisse haben einen hohen Stellenwert

Kind gutes Zeugnis Teaser
Foto: © colourbox

Es ist der letzte Schultag, und Michelle (9) stapft zum Schulbus. Mit ihrem Zeugnis ist sie sehr zufrieden. In Religion hat sie eine Zwei, in Kunst sogar eine Eins. Die Vierer in Deutsch und Mathe sind damit prima ausgeglichen, findet sie. Ihre Eltern sehen das bei der Heimkehr der Drittklässlerin anders, sie sind enttäuscht und beunruhigt. Die meisten Mütter und Väter sind dabei keineswegs übertrieben ehrgeizig. Sie wünschen sich aber, dass ihr Kind sein persönliches Potential ausschöpft - gerade wenn es um die Wahl der weiterführenden Schule geht. Lernunlust, Angst bei Klassenarbeiten oder Konzentrationsprobleme bewirken aber, dass ein Kind weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. urbia zeigt, wie das nächste Zeugnis bei Klein und Groß ein Grund zur Freude wird.

Was für ein Schülertyp ist mein Kind?

Das Gefüge Kind-Schule ist so komplex wie die Elektronik eines modernen Mittelklassewagens – und ebenso störanfällig. Wenn es in der Schule nicht rund läuft, kann die Ursache an unzähligen Stellen stecken. Oft ist es aber keineswegs Zufall, in welchem Bereich es hakt, denn das Temperament des Kindes und seine schulischen Stärken und Schwächen hängen eng zusammen. Mehr Klarheit bringt daher ein Blick auf die häufigsten Schülertypen und wie man sie am besten unterstützt. Dabei kann es sein, dass das eigene Kind ein „Mischling“ aus zwei Grundtypen ist.

Das prüfungsängstliche Kind

Michelle (9) ist laut, fröhlich und kontaktfreudig. Die Hausaufgaben macht sie nicht gern, aber recht ordentlich. Im Unterricht macht sie selbstbewusst mit. Steht aber eine Klassenarbeit an, scheint ihr vor Aufregung förmlich der Verstand stillzustehen: Schon beim Lesen der Aufgaben ist die Angst mit an Bord, Michelle übersieht daher fast immer Details und kommt zu falschen Lösungsansätzen. Ihre Aufsätze sehen aus, als sei eine Horde Hühner übers Papier gerannt, es gibt Ausstreichungen, Überschreibungen, Hinweispfeile, oft fehlen ganze Halbsätze. Beim Rechnen verzettelt sie sich, Rechenschritte oder Zwischenergebnisse stehen bunt durcheinander oder fehlen.

Was passiert bei Klassenarbeiten in Michelles Kopf? Vereinfacht erklären Fachleute das so: Im entspannten, angstfreien Zustand fließen die Gehirnströme ohne Unterbrechung, man kann gut denken und Lösungen finden. Angst blockiert die Gehirnströme, die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen ist gestört. Die Folge ist oft auch ein mentales Problem: Das Kind traut es sich irgendwann von vornherein nicht mehr zu, eine Aufgabe zu verstehen oder während der Prüfung gelassen nachzudenken. Es liest die Aufgabe oft sehr oberflächlich in der Erwartung, eh nicht „dahinter zu steigen“. Der erste, schwammige Lösungseinfall wird dann voreilig und fast panisch in die Tat umgesetzt.

Das hilft gegen die Angst im Bauch

Von Natur aus hat kein Kind Prüfungsangst. Sobald es jedoch zur Schule geht, merkt es bald: Die Eltern haben bestimmte Erwartungen und zeigen sich enttäuscht, wenn diese nicht erfüllt werden. Erwartungen können indirekt vermittelt werden („Eine Drei? Das ist nicht so schlimm. Was hat denn eigentlich die Laura für eine Note?“) oder direkt („Du hast dich zu wenig angestrengt. Kein Wunder, dass du eine Vier hast. Du könntest eine Zwei haben, wenn du nur wolltest!“).

Sichtliche Enttäuschung der Eltern, Ermahnungen, Schimpfen (oder auch das Aussetzen einer Belohnung) erhöhen den Druck. Und der füttert die Angst. Wichtig ist jetzt aber, Michelle ihr angenagtes Selbstvertrauen zurückzugeben. Die Eltern können ihr oft zeigen, dass sie sie lieb haben, schlicht, weil sie da ist. Und nicht vor allem dann, wenn sie etwas geleistet hat. Michelle sollte außerdem die Erfahrung machen, dass ihre Ideen und Gedanken wichtig genommen werden. Ein Kind, mit dem gemeinsam gedacht, gelesen oder nach Lösungen für Alltagsprobleme gesucht wird, traut sich auch in einer Klassenarbeit eher das Nachdenken zu.

Zusätzlich können die Eltern Michelle mental besser für die nächsten Tests rüsten. Indem sie ihr erklären, was in ihrem Kopf eigentlich passiert, wenn sie Angst hat. Dann weiß sie erleichtert, dass das nichts mit Dummheit oder Schuld zu tun hat. Sehr ängstlichen Schülern (vielleicht mit häufigem Kopf- oder Bauchweh) hilft auch ein Kurs in Autogenem Training für Kinder, den viele Krankenkassen preiswert anbieten. Als konkrete Strategie für die nächsten Klassenarbeiten kann Michelle einfache Sätze einüben, die sie sich innerlich vorsagen kann: „Ich mache es einfach genau wie zu Hause. Ich bin prima vorbereitet. Und wenn es dann trotzdem nicht klappt, ist das auch nicht schlimm.“

Das 'flüchtige' Kind

Aileen (9) hat den Durchblick, und zwar immer ruckzuck – das glaubt sie zumindest. Sie findet es reine Zeitverschwendung, bei Hausaufgaben und Klassenarbeiten die Fragen genauer zu lesen oder ihre Arbeit auf Fehler durchzusehen. Durch das oberflächliche Lesen übersieht sie leicht die Feinheiten und kommt zu falschen Ergebnissen. Ihre Texte sind mit Flüchtigkeitsfehlern gewürzt und viele Sätze sind grammatisch falsch, weil der erste Einfall sofort zu Papier gebracht wird, ohne Rücksicht auf Nebensächlichkeiten wie die Satzkonstruktion. In Mathe gibt es Zahlendreher, gern wird auch ein Wechsel von Plus- zu Minusaufgaben übersehen. Aileens Noten bleiben oft nur im Mittelmaß oder darunter.

Aileen helfen zum Einen jetzt Aktivitäten, bei denen es auf Sorgfalt und Ausdauer ankommt. Sie kann ein Instrument lernen, eine Kinder-Malwerkstatt besuchen, Verantwortung für ein Haustier übertragen bekommen, sich ein eigenes Beet, sich mit den Eltern an große Puzzles wagen, eine Sammlung mit Lieblingsmotiven (Pferdebilder?) anlegen, die ausgeschnitten und eingeklebt werden. Auch feste, kleine Aufgaben im Haushalt fordern ihre Ausdauer heraus.

Mehr Gründlichkeit bei schulischen Dingen trainieren die Eltern mit ihr, wenn sie sich bei den Hausarbeiten von ihr immer kurz erklären lassen, was da verlangt wird. Das zwingt sie, genau zu lesen und das Gelesene gedanklich zu verarbeiten. Aileen braucht außerdem noch etwas Hilfe bei der Planung ihres Alltags: Die Hausaufgaben sollten immer etwa um dieselbe Zeit gemacht werden (z.B. nach dem Mittagessen und einer Ruhepause), also bevor gespielt, ferngesehen oder zur Freundin gezogen wird. Für Klassenarbeiten können ihre Eltern mit ihr zwei Kurzsätze einüben: „Ich lese die gestellte Aufgabe immer zweimal“ und „Ich lese mir hinterher alles noch mal kurz durch“ bzw. „Ich prüfe die Rechenergebnisse nach“.

Das lernunlustige Kind

Jacqueline (10) hasst die Schule. Sie stöhnt über alle Hausaufgaben, macht sie oft auf den letzten Drücker oder unvollständig und übt kaum für Klassenarbeiten. Ab und zu rafft sie sich auf Drängen ihrer Mutter zum Lernen auf, kann aber die großen Wissenslücken nicht mehr füllen. Sie leitet daraus ab: „Das bringt eh nichts, ich krieg’ trotz der Anstrengung nur eine Vier.“ Sie ist erstaunt, dass ihre beste Freundin in der Schule längst an ihr vorbeigezogen ist und scheinbar so leicht gute Noten einheimst. Bei Klassenarbeiten arbeitet sie „schluderig“ und gibt sich wenig Mühe, Fragen auf den Grund zu gehen („Ich kapier’ das eh nicht“). Bei Aufsätzen strandet sie früh, schreibt oft nur zwei, drei Sätze, streicht Vieles durch, lässt Satzanfänge unvollendet. Sie glaubt außerdem, dass ihre Lehrerin sie nicht mag, weil sie oft mit ihr unzufrieden ist. Zu Hause erzählt sie aber, die Lehrerin sei ungerecht oder „blöd“.

Ein unmotiviertes Kind pendelt zwischen drei Polen: einem hohen Anspruch an sich selbst (wünscht sich gute Noten), großer Ungeduld und schneller Entmutigung, sobald kleine Lernhindernisse auftreten oder der Erfolg sich nicht schlagartig einstellt. Es sieht bei Klassenkameraden nur den scheinbar leichten Erfolg, erlebt (und glaubt) aber nicht, dass diese zu Hause oft fleißig dafür arbeiten mussten. Das führt dazu, dass sich ein Kind wie Jacqueline im Vergleich mit den anderen als unfähiger einstuft. Weil die lustlose Beteiligung am Unterricht und unvollständige Hausaufgaben von Lehrer oder Lehrerin oft gerügt werden, glaubt es sich zudem persönlich abgelehnt.

Jedes Kind weiß viel

Zwei Dinge helfen Jacqueline jetzt: Zum einen muss ihr falsches Selbstbild („Die anderen sind fähiger als ich“) zurecht gerückt werden. Ihre Eltern können ihr vermitteln, dass sie genügend begabt ist, um alles zu lernen, was in der Schule ansteht. Dabei hilft es, wenn sie Jacqueline oft vor Augen führen, was sie richtig gut kann. Jedes Kind hat, was Fachleute eine sog. „Insel der Kompetenz“ nennen. Einen Bereich, indem es eine besondere Begabung oder Stärke hat (versteht Rechenaufgaben besonders schnell, kann sich tolle Geschichten ausdenken, kann sich unzählige Witze merken, kennt sämtliche Dinosaurier-Arten mit lateinischem Namen, baut mit Lego die komplexesten Dinge etc.). Eltern sollten auf diese Fähigkeit oft zurückkommen, dem Kind dazu interessierte Fragen stellen und anderen im Beisein des Kindes stolz davon erzählen.

Zum anderen müssen entmutigte Kinder Ausdauer üben, denn hier liegt der Kern ihres Problems. Eine Zeitlang müssen ihre Eltern sie hier „coachen“, damit sie durchhalten, bis die ersten Erfolgserlebnisse kommen. Dazu gehört, dass die Hausaufaufgaben kurz gemeinsam angeschaut werden, so dass das Kind weiß, was genau es tun muss. Gibt es schon größere Wissenslücken (Kleines oder Großes Einmaleins, Rechtschreibung) sollte täglich eine kleine Übungseinheit auf dem Plan stehen (10 bis 15 Minuten). Dabei ist es wichtig, zuerst einige Lernschritte zurück zu gehen: Bei Problemen mit dem Großen Einmaleins das Kleine nochmals gründlich zu üben. Oder in Deutsch die Wortarten zu wiederholen und woran man sie erkennt. Bei holprigem Lesen kann anfangs auf einfache Texte zurückgegangen werden, damit Tempo und Routine erreicht werden.

Jacqueline sollte sich nicht durch Ausreden (Müdigkeit), Aktivitäten oder Verabredungen vor Hausarbeiten oder dem Üben drücken dürfen. So lernt sie, dass das tägliche Quantum Regelmäßigkeit gar nicht so schlimm ist – und außerdem bald Früchte trägt. Bei negativen Äußerungen über ihre Lehrerin sollten ihre Eltern Jacqueline nicht aus falscher Solidarität unterstützen. Sucht Jacqueline die Schuld für ihre Lernunlust immer bei der Lehrerin, bleibt sie selbst zu passiv. Ist die Situation sehr verfahren, hilft ein Elterngespräch mit der Lehrerin, bei dem auch Jacqueline anwesend ist. Sie übernimmt dabei die Verantwortung dafür, ihre Hausaufgaben regelmäßig zu machen und sich mehr zu beteiligen. Die Lehrerin zeigt ihr (optimalerweise), dass sie sie mag und ihr gern bei ihrem „Neustart“ hilft.

Das chaotische Kind

Marie (9) hat in den ersten zwei Schuljahren meist passable Noten, ohne sich dafür besonders anstrengen zu müssen. Sie vergisst oft ihre Turnsachen oder gibt Elternpost zu Hause nicht ab, die Mutter muss sie ständig daran erinnern und trägt ihr sogar manchmal die Sachen in die Schule nach. In ihrer Mappe führen die Arbeitsblätter ein anarchisches Eigenleben ohne jede Ordnung. Die Hausaufgaben schreibt sie oft nicht auf. Sie sieht sowieso lieber fern oder geht spielen. Sie vergisst anstehende Tests und sitzt am Prüfungstag unvorbereitet da. Im 3. Schuljahr tauchen die ersten Vierer auf, Marie ist überrascht. Plötzlich reicht ihre gute Auffassungsgabe nicht mehr aus. Das Große Einmaleins und die nun höheren Ansprüche an die richtige Schreibweise verlangen ein wenig außerschulisches Üben. Das aber ist Marie nicht gewöhnt.

Chaotische Kinder sind oft sehr unbekümmert – und staunen ehrlich, wenn ihre Schulnoten zu wünschen übrig lassen. Sie bleiben oft unnötig unter ihren Fähigkeiten. Aus einem chaotisch veranlagten Kind wird natürlich nicht über Nacht ein Ausbund an Sorgfalt, was auch gar nicht nötig ist. Es sind oft fröhliche, motivierte und kreative Kinder, die lediglich ein wenig mehr Stetigkeit und Gründlichkeit einüben müssen. Auch hier ist etwas Schützenhilfe durch die Eltern gefragt.

Klare Linie ins Chaos

Manche Eltern chaotischer Kinder glauben, es sei gut, die Kinder einfach mal „auflaufen“ zu lassen, also öfters ohne Hausaufgaben oder ohne Turnbeutel zur Schule zu schicken. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich diese Methode bei diesem oft sehr sorglosen Kindertyp nicht bewährt. Weil die unangenehmen Folgen ihn nicht wirklich beeindrucken und obendrein schulische Nachteile mit sich bringen. Zumindest in der Grundschule ist es noch keine Schande, wenn die Eltern mit darauf achten, dass das Kopiergeld eingesteckt und der Turnbeutel bereit gestellt ist. Ein dennoch vergessenes Frühstück oder die Schwimmsachen sollte dem Kind aber nicht in die Schule nachgetragen werden.

Weil Marie die Hausaufgaben noch nicht zuverlässig in den Tagesablauf einbauen kann, braucht sie einen festeren Rahmen. Sie darf erst Freunde treffen und ihren Hobbys nachgehen, wenn die Aufgaben erledigt sind. Die Eltern können ihr dabei ab und zu über die Schulter schauen, um zu sehen, ob sie einigermaßen leserlich und übersichtlich arbeitet. Abends wird gemeinsam geguckt, ob der Ranzen für den nächsten Tag alles Notwendige enthält: Sind die Hausaufgabenblätter griffbereit abgeheftet, ist das Mathe-Arbeitsguch dabei, ist die unterschriebene Elternpost eingepackt? Einmal wöchentlich sollte zudem die Heftmappe für die einzelnen Fächer gemeinsam sortiert und im Ranzen Unnötiges „ausgemistet“ werden, bis Marie dies auch selbständig schafft. Der voraussichtliche Termin der nächsten Klassenarbeit kann gemeinsam in einen Kalender eingetragen werden, der an der Küchenpinnwand hängt. Rechtzeitig vorher läuft ein kleiner Übungsplan mit 10 Minuten täglichem Training an, in dem Marie Grundlagenwissen (Einmaleins, bestimmte Merkwörter etc.) wiederholt und danach das übt, was gerade im Unterricht gemacht wird.

Das verträumte Kind

Nils (7) braucht für die Hausaufgaben oft biblische Ewigkeiten, weil er sich leicht ablenken lässt, den Blick wandern lässt, ständig aufsteht, um Dinge zu holen oder sich auf dem Schreibtisch architektonische Experimente mit Stiften ausdenkt. Oft machen seine Gedanken plötzliche Hüpfer, die weit ins Abseits führen („Der Jannick wollte doch mit mir Rad fahren gehen, ich muss ihn jetzt direkt mal anrufen“). Er verliert zehnmal den Faden, bevor er ein paar Sätze ins Schreibheft bekommt. Auch Hürden bei einer Rechenaufgabe lösen schnell eine Flucht in Tagträume aus, statt vermehrter Konzentration. Hinterher findet er nur schwer wieder in die Aufgabe hinein. In der Schule wechselt er zwischen Begeisterung (bei Themen, die ihn interessieren) und gedanklicher Abwesenheit. Bei Klassenarbeiten schafft er oft nicht alle gestellten Aufgaben, weil er zu lange braucht.

Rückfahrkarten aus dem Traumland

Nils sollte bei den Hausaufgaben nicht allein in seinem Zimmer sitzen, sondern z.B. in Küche oder Esszimmer. Vater oder Mutter brauchen sich nicht daneben zu setzen, können aber bei jeder neuen Aufgabe kurz fragen, was da gemacht werden muss. Scheint es lange zu dauern, kann man schauen und fragen, ob es eine Schwierigkeit mit der Aufgabe gibt, und wie Nils hier nun vorgehen könnte. Bevor Nils mit den Hausarbeiten anfängt, kann er sich alles bereit legen, was er brauchen wird. Eine bunte, selbst beklebte „Gedanken-Schachtel“ (Pappschachtel mit Schlitz) hilft, bei der Sache zu bleiben. Griffbereit daneben liegt ein dicker Zettelblock. Wenn Nils während der Aufgaben etwas Wichtiges ("Ich muss noch für Opa ein Bild zum Geburtstag malen“) oder Sorgenvolles ("Der Felix spielt jetzt immer viel öfters mit Paul als mit mir“) einfällt, schreibt er das kurz auf und wirft den Zettel in die Schachtel. Dort ist alles gut aufgehoben, bis die Aufgaben erledigt sind.

Bei der Arbeit in der Schule oder bei Klassenarbeiten hilft Nils eine zu Hause eingeübte Strategie: Die Aufgabe wird zuerst gründlich gelesen, damit er genau versteht, was zu tun ist. Hakt es dennoch, fragt er kurz die Lehrerin und grübelt nicht zu lange nach. Dann schreibt er stichwortartig unter die Aufgaben, wie er die Lösung gestalten will: Wie viele Wörter oder Sätze kann ich dazu schreiben? Welche drei Rechenschritte brauche ich für diese Sachaufgabe? Kommen andere Gedanken, vertröstet Nils diese auf nachher und schaut wieder auf seinen Plan.

Die mündliche Beteiligung am Unterricht wird allmählich stetiger, wenn Nils merkt, dass auch scheinbar langweilige Themen spannend werden, wenn man anfängt, sich dazu Fragen zu stellen. Dabei können ihm die Eltern helfen, indem sie ihn interessiert (nicht kontrollierend) fragen, was denn im Unterricht gerade besprochen wird. Sie können sich dann (z.B. zu gerade laufenden Themen-Werkstätten) laut selbst Fragen stellen und Nils in die Überlegungen mit einbeziehen. „Sag’ mal, weißt Du vielleicht, warum im Herbst die Blätter gelb werden...?“

Vier erfolgreiche Lerntechniken für Grundschüler

  • Mit kleinen Kärtchen zur prima Rechtschreibung
  • Unschlagbar ist für Grundschüler ab dem 2. Schuljahr die Lernbox, die fast ein Garant für eine gute Rechtschreibung ist. Sie besteht aus drei unterteilten Fächern. Ins erste Fach kommen Wörter, die das Kind momentan falsch schreibt. Diese werden alle ein bis zwei Tage kurz geübt. Ins mittlere Fach kommen Wörter, die nach einiger Übungszeit schon gut klappen. Sie werden nur alle ein bis zwei Wochen herausgefischt und geübt. Ins hinterste Fach kommen Wörter, die das Kind nach einiger Übungszeit immer fehlerfrei schreibt. Diese Wörter werden nur selten (alle ein bis zwei Monate) herausgekramt und wiederholt. Die Wörter wandern inh. der drei Fächer öfters hin und her: Ein lange nicht geübtes Wort, das plötzlich wieder falsch geschrieben wird, rutscht aus dem dritten wieder ins erste Fach, schafft es bald ins zweite und darf dann wieder für einige Zeit im hintersten Abteil ruhen.

  • So kommt das Gedicht in den Kopf
  • Das Auswendiglernen von Gedichten fällt vielen Grundschülern schwer wegen der ungewöhnlichen, oft altmodischen Wörter, und des ungewohnten Satzbaus. Am Anfang steht also das schlichte Verstehen. Das Kind kann dazu zu Hause die Zeilen einmal vorlesen und dann mit eigenen Worten erzählen, worum es geht. Eltern sehen dann schnell, wo Erklärungsnot herrscht. Danach werden Versanfänge und Endreime farbig markiert, so dass das Kind sich Zeilenanfänge und Reime besser merken kann. Anschließend kann es sich möglichst bunt vorstellen, wovon das Gedicht erzählt: Wie sehen die beschriebenen Tiere oder Blumen aus, wie mag sich der Junge in dem Gedicht fühlen? Der letzte Schritt ist die Wiederholung: Das Gedicht wird viele Male auf unterschiedliche Weise vorgelesen, langsam, überbetont, sehr leise, sehr laut, beim Gehen. Allmählich wird versucht, zuerst Wörter, dann ganze Verse auswendig zu sprechen. Klappt das Gedicht ein bis zweimal fast ohne Fehler, ist es Zeit zum Spielengehen. Abends vor dem Schlafen sollte das Gedicht nochmals ein- zweimal auswendig gesprochen werden, und beim nächsten Frühstück ein letztes Mal.

  • Keine Angst vor Referaten
  • Bereits ab dem 2. Schuljahr vergeben viele Grundschulpädagogen Themen für kleine Referate. Referat-Anfänger haben oft keine Ahnung, wie sie an diese Aufgabe herangehen sollten. Ein paar einfache Bausteine helfen:

    - Das Ziel des Referats herausfinden: Soll man den anderen erklären, wie etwas funktioniert? Will man eine schöne Gegend oder ein besonderes Bauwerk vorstellen? Soll ein Weg von einem Rohstoff (Mehl) bis zu einem Produkt gezeigt werden (Brot)?

    - Wo bekommt man Texte, Quellen und Bildmaterial zum Thema?

    - Eine „Mindmap“ benutzen: Dafür das Thema in die Mitte eines großen Blattes schreiben und einkreisen. Ideen, was zum Thema dazu gehören könnte, werden in neue Kreise um das Hauptthema herumgeschrieben. Die Reihenfolge dieser Unterpunkte wird festgelegt und diese nummeriert.

    - Ein Grundschulreferat sollte mit der Hand geschrieben werden. Der fertige Vortrag darf höchstens 10 bis 15 Minuten benötigen. Wichtig sind dabei kurze, klare Sätze und ein paar treffende Beispiele.

    - Eventuelle Bilder, Tafelanschriften, Fotokopien, Folien, Modelle einplanen und an den richtigen Stellen im Referat vermerken, wann sie gezeigt werden sollen.

    - „Sprechproben“ zu Hause machen: Referat den Eltern oder Geschwistern vortragen und auch schon an den Blickkontakt zu den Zuhörern denken. Lauter als gewohnt sprechen.

  • Lernen wie im (Tag-)Traum
  • Die Loci-Methode (von lateinisch locus für Ort, Platz) wurde bereits von griechischen und römischen Rednern benutzt. Sie wussten schon, dass sich ein Stoff gut mit Hilfe eines innerlich vorgestellten Weges merken lässt. Und das geht so: Wege mit markanten Plätzen auswählen und aufmalen (Bäckerei, große Kreuzung, Fußballplatz, Bushaltestelle etc.). Bewährt haben sich sieben bis neun Stationen bis zum Ziel. Innerlich die Stationen nacheinander aufsuchen und jeweils eine Lerneinheit ablegen. Mehrfach den Weg in Gedanken abschreiten, Ort und Lernstoff miteinander verknüpfen. Im Test (z.B. Sachkunde) kann das Kind die Inhalte dann beim „inneren Spaziergang“ entlang der Stationen wieder „aufsuchen“.

Telefonischer Expertenrat bei Zeugnisnot:

  • Beratung durch Fachleute, aber auch Austausch mit anderen Eltern ist möglich unter www.bke-elternberatung.de, einem Angebot der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.
  • P.I.B. - Pädagog.-psychol. Info- und Beratungsstelle für SchülerInnen, Eltern und Lehrer, Karlstr. 34 (St. Bonifaz), 80333 München, Tel. 089 / 55171340.
  • Das Elterntelefon, Tel. 0800 / 11 10 550 (Mo, Mi von 9 bis 11 Uhr, Di und Do 17 bis 19 Uhr)