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Das Video hat es gezeigt: Es stimmt, dass Schwangere über 35 häufiger Zwillinge zur Welt bringen. Und zwar sowohl auf natürlichem Wege, als auch durch Hormonbehandlungen und künstliche Befruchtung (IVF). Bei natürlich gezeugten Zwillingen und bei Zwillingen, die nach einer Hormonbehandlung entstehen, führt meist ein doppelter Eisprung zu doppeltem Kinderglück. Im Falle der künstlichen Befruchtung kommt es so häufig zu Zwillingsschwangerschaften, weil zur Erhöhung der Erfolgsaussichten mehrere Embryonen eingepflanzt werden, von denen sich dann mehrere einnisten. Meist handelt es sich um zweieiige Zwillinge. Bei Hormonbehandlungen und IVF ist aber auch die Wahrscheinlichkeit eineiiger Zwillinge (diesen seltenen Überraschungseiern der Natur) gut doppelt so hoch wie auf natürlichem Weg

Warum reifen mehrere Eier heran?

Normalerweise reift im Körper einer Frau jeden Monat ein einziges befruchtungsfähiges Ei heran. Wie bei jeder Regel gibt es aber auch Ausnahmen: Manchmal reifen eben zwei Eier . Das nennt man auch Polyovulution. Der Hauptgrund für einen solchen doppelten Eisprung ist das Hormon FSH (Follikel Stimulierendes Hormon), das, wie sein Name sagt, die unreifen Eibläschen zum Reifen stimuliert. 

Manchmal kommt es zu einem Überschuss an FSH - und damit zu mehr Eisprüngen, und zwar aus drei Gründen:

1. Alter der Frau  

Wahrscheinlich ist es eine Art Torschlusspanik des Körpers, wenn die fruchtbaren Jahre langsam zu Ende gehen. Bei manchen Frauen schießt die FSH-produzierende Hypophyse über das Ziel hinaus und stellt deutlich mehr FSH zur Verfügung, als für die Reifung einer Eizelle gebraucht wird. Der Körper nutzt das Überangebot und schickt noch eine zweite Zelle ins Rennen. Entwickeln sich beide normal, kommt es auch bei beiden zum Eisprung und beide können befruchtet werden.

2. Fruchtbarkeitsbehandlungen 

Mit steigendem Alter der Frau sinkt aber auch zunehmend ihre Fruchtbarkeit und nicht wenige müssen dann bei einem Kinderwunsch nachhelfen. Ein erster Schritt sind oft  Fruchtbarkeitsbehandlungen (Eisprungstimulation) per Hormonspritzen, in denen grundsätzlich FSH enthalten ist, was wieder zu mehr heranreifenden Eiern führen kann.

Außerdem tragen künstliche Befruchtungen ihren Teil zu mehr Zwillingen ab 35 Jahren bei: Bei einer In-Vitro-Fertilisation (IVF) werden einer Frau mehrere Eizellen entnommen, im Reagenzglas mit Spermien vereint und schließlich die entstandenen Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt, und zwar stets mehrere, um eine Schwangerschaft sicher zu stellen. Damit steigen die Chancen, Mehrlinge zu bekommen.

Warum bekommen Mütter heute immer später Kinder?

Seit den 1970er Jahren ist die Zahl der Geburten in der Altersgruppe 35 bis 40 Jahre kontinuierlich gestiegen. Dass Mütter immer später Kinder bekommen, schreibt man vor allem dem steigenden Bildungsniveau zu: Gerade wer studiert, wartet mit der Familiengründung, bis erste Ziele im Beruf erreicht wurden. So hatten 2003 unter deutschen Akademikerinnen bei den unter 35-Jährigen 68 Prozent und bei den über 40-Jährigen 29 Prozent keine Kinder. Zwischen 35 und 40 passiert also einiges an Kinderplanung.

Gibt es eine Veranlagung, Zwillinge zu bekommen?

Grundsätzlich sollen zu zweieigen Zwillingen verschiedene Faktoren beitragen können. Unter anderem sind das genetische Gründe (die Veranlagung zur Polyovolution in der Familie mütterlicherseits). Aber auch die Ernährung wird diskutiert, da Zwillinge bei manchen Völkern mit spezieller Nahrung besonders oft vorkommen (z.B. Yoruba in Nigeria: Yam-Wurzel).

Berühmte ältere Zwillingsmütter:

  • Julia Roberts bekam 2004 mit 37 Jahren ein Zwillingspärchen.
  • Jennifer Lopez war 39 Jahre alt, als sie 2008 ihre Zwillinge gebar.
  • Als Sarah Jessica Parker ihre Zwillinge 2009 von einer Leihmutter gebären ließ, war sie 44 Jahre alt.
  • 2011 brachte Dänemarks Kronprinzessin Mary mit 38 die Zwillinge Vincent und Josephine zur Welt. (Text: Kathrin Wittwer)