Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt

Wohin zur Entbindung?

Wo möchtest du entbinden? Hier bekommst du einen Überblick über die drei möglichen Geburtsorte Klinik, Geburtshaus und Hausgeburt. So kannst du planen, wo du diesen intimen Moment erleben willst.

Autor: Andrea Knipp-Selke und Monika Maruschka
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Welcher Ort ist der richtige für meine Entbindung?

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Foto: © Colourbox

Die Geburt deines Kindes ist ein einmaliges Erlebnis, das du nach deinen eigenen Vorstellungen gestalten solltest. Nimm dir deshalb die Zeit, den idealen Ort dafür zu finden.

Verläuft deine Schwangerschaft unproblematisch, hast du in Deutschland die Wahl zwischen einer Hausgeburt, einer Geburt im Geburtshaus und der Geburt in einem Krankenhaus. Auch wenn du noch am Anfang deiner Schwangerschaft stehst und dir die Geburt deines Kindes unwirklich und weit weg scheint, ist es schon jetzt sinnvoll, dich damit auseinanderzusetzen, was dir für diesen besonderen Moment wichtig ist. So sind z.B. Beleghebammen, die dich ins Kranken- oder Geburtshaus begleiten, sehr begehrt und oft früh ausgebuch.

Eine Frage kann dir bei der Wahl des Geburtsortes behilflich sein: Was brauche ich, um mich sicher und geborgen zu fühlen?

Klinik: Beste medizinische Versorgung bei Komplikationen

In Deutschland werden die meisten Kinder im Krankenhaus geboren. Zu den Vorteilen gehört die medizinische Betreuung von Mutter und Kind, die vielen Eltern wichtig ist. Sollte es während der Geburt zu Komplikationen kommen, kann jeder Zeit eingegriffen werden. Nach der Geburt genießen viele Frauen die medizinische Betreuung auf der Station, ruhen sich dort aus und werden verpflegt, bevor es mit dem Nachwuchs nach Hause geht. Es gibt aber auch hier die Möglichkeit ambulant zu entbinden, d.h. einige Stunden nach der Geburt wieder nach Hause zu gehen.

Viele Krankenhäuser haben inzwischen gut ausgestattete und liebevoll gestaltete Kreißsäle. Trotzdem gibt es zwischen den einzelnen Geburtskliniken große Unterschiede. Das zeigte auch eine Analyse der Krankenkassen AOK und BARMER sowie der „Weissen Liste", einem Projekt der Bertelsmann Stiftung (2017). Grundlage ist die größte Patientenbefragung in Europa, in deren Rahmen über 300.000 Mütter angeschrieben wurden. 

Im Bundesschnitt erreichen die Geburtskliniken eine Weiterempfehlungsrate von 83 Prozent. Mit 89 Prozent wurde der Umgang mit den Neugeborenen am besten bewertet. Die zweithöchste Zustimmung (86 Prozent) erfährt die Betreuung durch die Hebammen. Mit der ärztlichen Versorgung waren 85 Prozent zufrieden und mit der pflegerischen Betreuung 82 Prozent. Etwas geringer ist die Zufriedenheit mit Organisation und Service (79 Prozent).

Der genaue Blick auf einzelne Kliniken zeigt aber auch klare Unterschiede: Während zwei von drei Kliniken Zufriedenheitswerte von über 80 Prozent erreichen, fällt rund jede zehnte Klinik unter 75 Prozent. Einzelne Kliniken schneiden besonders schlecht ab und erreichen nur eine Weiterempfehlungsrate von etwa 60 Prozent. Ein wichtiges Kriterium für die Klinikentscheidung ist zum Beispiel die Anzahl der Geburten, die du beim Vorgespräch erfragen kannst. 

Wir haben hier ein Fragengerüst zusammengestellt, das dir helfen kann, ein Gefühl für die Qualität einer Geburtsklinik zu bekommen:

  • Steht jeder Frau eine einzige Hebamme während der Geburt zur Seite? Oder muss eine Hebamme immer gleich mehrere Frauen betreuen?
  • Gibt es Beleghebammen, die dich während der Geburt begleiten können?
  • Kannst du den Geburtsverlauf und die Position selbst bestimmen (und zwar wirklich und nicht so, dass du letztlich doch entgegen anderslautender Aussagen auf dem Entbindungsbett landest)?
  • Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung (z.B. breite Betten, Pezzi-Ball, große Badewannen, Seile, Hocker usw.)?
  • Welche Schmerzmittel werden gegeben, verfügt das Krankenhaus über die Möglichkeit eine PDA vorzunehmen, bei der die Frau noch stehen und laufen kann ( mobile PDA)?
  • Wie wird die Geburt überwacht?
  • Welche Routineeingriffe werden vorgenommen (Dammschnitt, Wehentropf)?
  • Wann wird eine Geburt routinemäßig eingeleitet?
  • Was geschieht mit dem Kind unmittelbar nach der Geburt?
  • Kannst du dein Kind unmittelbar nach der Geburt stillen?
  • Wie sehr unterstützt die Klinik das Stillen? (Qualitätsmerkmal für Kliniken ist die Auszeichnung mit der WHO-Plakette "Babyfreundliches Krankenhaus".)
  • Ist Rooming-In möglich und wenn ja, in welchem Umfang?
  • Ist eine Kinderklinik oder -station angeschlossen oder steht ein Kinderarzt rund um die Uhr zur Verfügung?
  • Wann wird routinemäßig ein Kaiserschnitt gemacht?
  • Kann der Partner bei einem Kaiserschnitt mit in den Operationssaal?
  • In welche Kinderklinik wird der Säugling im Notfall verlegt und besteht die Möglichkeit, dass du dort mit aufgenommen wirst? Wie hoch ist die Verlegungsrate der Kinder?
  • Wie oft nimmt die Klinik operative Entbindungen (Saugglocken- und Zangengeburten, Kaiserschnitte) oder Eingriffe (z.B. Dammschnitte) vor? Lasse dir dazu verlässliche Statistiken, z.B. die Zahlen aus der jüngsten Perinatalerhebung zeigen!

Jede Klinik, die nicht bereit ist, dir zumindest auf die meisten dieser Fragen zu antworten, solltest du vielleicht besser meiden. 

Eine gute erste Orientierung, um zum Beispiel die Weiterempfehlungen und die Zahl der Geburten in einem Krankenhaus zu erfahren, bietet übrigens der jeweilige Online-Krankenhausnavigator der „Weissen Liste" oder der Krankenkassen AOK und BARMER.

Rechtzeitig anmelden

Zwischen 1990 und 2015 wurden in Deutschland 477 Geburtshilfeeinrchtungen geschlossen, meldete das Statistische Bundesamt. Ihre Zahl ist also in diesem Zeitraum von 1.186 auf 709 gesunken. Um so wichtiger ist es geworden, sich rechtzeitig in der Geburtsklinik seiner Wahl anzumelden. Während es noch vor wenigen Jahren reichte, sich ein paar Wochen vor der Geburt anzumelden, müssen es in vielen Krankhäusern heute mehrere Monate sein. 2916 meldeten zudem manche Städte - wie Berlin und Dresden - einen Geburtenboom und damit bisweilen Engpässe in den Kreißsäälen. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um in die Klinik zu fahren?

Hausgeburt: Vertraute Umgebung schafft Geborgenheit

In Deutschland werden nur knapp ein Prozent aller Kinder zu Hause geboren. Eine Hausgeburt gilt häufig als "unsicher" und "gefährlich". Dass das nicht unbedingt der Fall ist, zeigen unsere holländischen Nachbarn. In den Niederlanden kommen rund ein Drittel aller Kinder zu Hause zur Welt, die Säuglingssterblichkeit ist vergleichbar.

Eine geplante Hausgeburt eignet sich für völlig gesunde Schwangere, die eine komplikationslose Geburt erwarten können.

  • Erste unabdingbare Voraussetzung für eine Hausgeburt: Die Frau muss sich in ihrer Entscheidung sicher sein und sich dabei wohl fühlen. Frauen sollten sich nicht zu einer Hausgeburt "überreden" lassen.
  • Zweite Voraussetzung: eine in der Hausgeburtshilfe besonders erfahrene Hebamme, die die Grenzen ihres eigenen Könnens gut abstecken kann. Dabei sollte es sich um eine Hebamme handeln, die sich nicht direkt nach ihrer Ausbildung selbständig gemacht, sondern danach noch mindestens zwei Jahre Erfahrungen an einem geburtenstarken Krankenhaus gesammelt hat. Frage die Hebamme, wie viele Hausgeburten sie schon selbständig und eigenverantwortlich betreut hat!
  • Außerdem brauchst du bei einer Hausgeburt Hilfe im Haushalt, jemanden, der dich und deine Kinder in den ersten Tagen nach der Geburt betreut (kochen, einkaufen, putzen usw.) Die Krankenkassen übernehmen bei einer Hausgeburt die Kosten für eine Haushaltshilfe, wenn niemand sonst im Haushalt die Arbeit übernehmen kann.
  • Eine gute Vorbereitung auf die Geburt ist bei einer geplanten Hausgeburt besonders wichtig. Darüber hinaus sollte gewährleistet sein, dass im Notfall der Transport ins nächste Krankenhaus nicht länger als eine Viertelstunde dauert.

Geburtshaus: Räume ohne Krankenhausflair

Im Geburtshaus zu entbinden ist eine schöne Alternative, wenn du dir eine Geburt in den eigenen vier Wänden nicht vorstellen kannst, du dich aber auch im medizinischen Umfeld eines Krankenhauses nicht wohlfühlst. Vielleicht hättest du auch gerne zu Hause entbunden, möchtest aber auf Hilfen wie eine große Badewanne oder Gebärschaukeln nicht verzichten.

Ziel der Geburtshäuser ist es, den Frauen und Eltern eine selbstbestimmte Geburt zu ermöglichen, der natürliche Prozess steht im Vordergrund. Die Geburtshaus-Hebamme betreut die Eltern schon während der Schwangerschaft und übernimmt auch die Nachsorge zu Hause. Die Geburten sind in den meisten Fällen ambulant.

Mehr über die Grundidee der Geburtshäuser und den Ablauf von Entbindungen dort findest du in unserem Artikel:  Geburtshäuser - Gebären in Geborgenheit

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