Ansteckung vermeiden

Schwanger: Welche Krankheiten jetzt gefährlich sind

Ein Schild an der Kita-Tür verkündet: „Wir haben Scharlach!“, der Kollege klagt über Darmgrippe, und der Sitznachbar im Bus hustet. Ist eine Ansteckung in der Schwangerschaft riskant?

Autor: Gabriele Möller
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Alltags-Infekte – keine Schwangere kann sie ganz vermeiden!

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Foto: © Colourbox

Eine Freundin hat dich zur Begrüßung umarmt, um dir gleich darauf zu erzählen, dass sie Halsschmerzen hat. In dir macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Und damit bist du nicht allein, denn fast jede Schwangere kennt das: Verbreitete Infekte, wie Magen-Darm-Grippe oder Erkältung, aber auch typische Kindergarteninfekte, wie Scharlach oder Ringelröteln lösen schnell Beunruhigung aus. Die gute Nachricht: Der Mutterkuchen schützt dein Kind bereits gegen sehr viele Keime. Denn er wirkt wie eine schützende Membran, was auch als „Plazentaschranke" bezeichnet wird. Nur wenige Erreger sind überhaupt klein genug, um die feinen Kapillaren zu passieren. Was die häufigsten Alltags-Infekte für Schwangere bedeuten, wie du die Ansteckungsgefahr senkst, und am besten reagierst, wenn du dich doch infiziert hast:

Schnupfen, Husten und Halsweh in der Schwangerschaft

Fürs Ungeborene ein Risiko? Eine normale Erkältung wird von Schnupfen-Viren ausgelöst, den sogenannten Rhino-Viren. Diese sind nicht nur verantwortlich für den Schnupfen, sondern auch für die anderen typischen Erkältungssymptome, wie Hals- und Kopfschmerzen, Fieber, Husten oder auch Bronchitis. Für dein ungeborenes Baby sind diese Viren ungefährlich, es steckt sich nicht an!

Wie du vorbeugen kannst: Es senkt das Ansteckungsrisiko, wenn du in der kalten Jahreszeit aufs Händeschütteln verzichtest und auch Umarmungen nur sehr sparsam einsetzt. Auch das regelmäßige Händewaschen kann Schnupfenviren den Garaus machen.

Wenn du dich angesteckt hast: Ist es trotzdem passiert, schlägt die große Stunde der Hausmittel. Denn Ärzte raten in der Schwangerschaft von Fiebersenkern, Schmerzmitteln, den meisten Hustensäften und abschwellenden Nasensprays ab. Du kannst mit Wasserdampf und Kamillenblüten inhalieren. (Ätherische Öle wie Eukalyptus oder Menthol aber nicht vor dem zweiten Schwangerschaftsdrittel verwenden!). Die „verschnupfte" Nase mag es, per Nasendusche mit einer Kochsalzlösung gespült zu werden. Auch ein kochsalzhaltiges Nasenspray mit Dexpanthenol beruhigt die gereizten Schleimhäute. Bei hohem Fieber oder starken Kopfweh bitte mit Deinem Arzt sprechen, manchmal erlaubt er Paracetamol. Wird der Infekt eitrig, hat sich also zusätzlich ein Bazillus auf die lädierten Schleimhäute gesetzt, kann der Hausarzt ein schwangerschaftsverträgliches Antibiotikum verschreiben, um den Organismus zu entlasten. Anzeichen für einen bakteriellen Infekt ist gelblich-grüner oder auch bräunlicher Schleim in Nase, Rachen oder beim Husten.

Darm-Grippe in der Schwangerschaft – meist nicht gefährlich!

Fürs Ungeborene ein Risiko? Magen-Darm-Infekte werden von verschiedenen Keimen ausgelöst. Die meisten davon sind für das Ungeborene ungefährlich. Auch das bekannte Noro-Virus oder das Rota-Virus werden nicht aufs Baby übertragen. Trotzdem gilt bei allen Magen-Darm-Infekten: Muss eine Schwangere sich sehr heftig oder häufig erbrechen, kann dieser Druck unter Umständen vorzeitige Wehen auslösen.

Wie du vorbeugen kannst: Häufiges Händewaschen, vor allem vor den Mahlzeiten, kann das Ansteckungsrisiko senken. Aufgetautes solltest du heiß abspülen, auf dem Heimweg vom Einkauf müssen die Lebensmittel möglichst kühl bleiben. Dass Fleisch und Meeresfrüchte gut durchgegart werden müssen, weißt du sicher längst. Ist ein Familienmitglied erkrankt, kannst du regelmäßig den Toilettensitz desinfizieren, betroffene Kinder solltest du nachdrücklich ans Händewaschen erinnern.

Wenn du dich angesteckt hast: Jetzt ist es wichtig, viel zu trinken! Durchfall verursacht einen Mangel an Flüssigkeit und Mineralien, und gerade Schwangere bekommen davon leicht Kreislaufprobleme. Hast du solche Beschwerden, oder auch hohes Fieber, Schwindel, häufiges Erbrechen, solltest du zu deinem Hausarzt oder Gynäkologen gehen. Denn manchmal ist in der Schwangerschaft ein Medikament gegen übermäßigen Brechreiz nötig, oder auch eine Elektrolyt-Infusion gegen Kreislaufprobleme und Austrocknung.


Ringelröteln – Vorsicht in der Schwangerschaft!

Für Ungeborene ein Risiko? Ja! Ringelröteln werden vom Parvo-Virus B19 ausgelöst, einem winzigen Erreger, der durch Plazenta oder Nabelschnur hindurch zum Baby gelangen und es infizieren dann. Das kommt etwa bei einem Drittel der selbst erkrankten Mütter vor. Die Infektion kann beim Baby eine Blutarmut, Flüssigkeitsansammlungen oder eine Herzschwäche verursachen und ist besonders riskant in der ersten Hälfte der Schwangerschaft. Ringelröteln sind nicht verwandt mit Röteln!

Wie du vorbeugen kannst: Eine Vorbeugung ist schwierig, denn Infizierte sind bereits ansteckend, noch bevor sie selbst Symptome haben. Es schützt daher nicht unbedingt, wenn du dein älteres Kind (und dich selbst) aus der Kita fern hältst, sofern dort Ringelröteln auftreten. Dies kann aber dennoch die richtige Entscheidung sein und das Risiko senken. Ob du gegen Ringelröteln immun bist, wie gut die Hälfte der Bevölkerung, kannst du per Blutabnahme testen lassen. Entweder schon zu Beginn der Schwangerschaft, oder wenn Ringelröteln in deiner Umgebung auftreten. Die Kosten werden von der Krankenkasse jedoch oft nur übernommen, wenn bereits ein anderes Familienmitglied erkrankt ist. Ansonsten musst du den Test, den Hausarzt oder Gynäkologe veranlassen, selbst bezahlen (je nach Labor max. 30 EUR). Bist du immun, gibst du den Erreger auch nicht an dein ungeborenes Baby weiter.

Wenn du dich angesteckt hast: Ringelröteln machen nicht immer Symptome. Sie können Beschwerden auslösen, wie Fieber, Gliederschmerzen, Kopf- und Muskelschmerzen. Später bildet sich oft eine schmetterlingsförmige, symmetrische Rötung auf beiden Wangen oder auch am Körper. Manchmal wirken diese Rötungen girlandenartig (daher der Name Ringelröteln). Geht der Infekt in Kiga oder Schule um und zeigt dein älteres Kind ebenfalls Symptome, wird dein Gynäkologe bei dir den Ringelröteln-Titer bestimmen. Bist du nicht immun oder hast bereits selbst Symptome, wird er dein ungeborenes Kind engmaschig per Ultraschall überwachen. Hat sich das Ungeborene infiziert, ist manchmal eine Behandlung noch im Mutterleib nötig, etwa durch eine Bluttransfusion über die Nabelschnur.

Scharlach und Angina – gut behandelt keine Gefahr für die Schwangerschaft!

Für Ungeborene ein Risiko? Eine eitrige Mandelentzündung („Angina") oder auch Scharlach verursachen zwar gemeine Halsweh, sind aber für ein Baby im Mutterleib keine Gefahr. Die Erreger (verschiedene Streptokokken-Typen) gelangen nicht durch die Plazenta. Wenn sie unbehandelt bleiben, können sie aber als Spätfolge Nieren- oder Herzentzündungen verursachen. Und diese sind in der Schwangerschaft nicht harmlos, sie können zum Beispiel vorzeitige Wehen auslösen.

Wie du vorbeugen kannst: Eine Ansteckung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Es kann das Ansteckungsrisiko senken, Menschenansammlungen im Winter zu meiden. Ist in der Kita oder Schule deines Kindes Scharlach ausgebrochen, musst du dein Kind aber nicht zu Hause lassen und darfst das Gebäude auch selbst betreten.

Wenn du dich angesteckt hast: Eine eitrige Mandelentzündung (starke Halsweh, eitrige Beläge oder Pünktchen) und auch Scharlach (starke Halsschmerzen, erst später eine gerötete Zunge und Hautausschlag) müssen mit einem Antibiotikum behandelt werden, dann stellen sie in der Schwangerschaft keine Gefahr dar.

Wurminfektion in der Kita – für Schwangere meist harmlos!

Fürs Ungeborene ein Risiko? Nein! Ebenso wie Läuse sind Infektionen mit Madenwürmern, wie sie regelmäßig in Kitas und Schulen umgehen, zwar unschön, aber für Schwangere harmlos. Dieser häufige Wurmtyp befällt nur den Darm und wandert nicht in andere Organe ein.

Wie du vorbeugen kannst: Angesteckt wird meist nur, wer bereits ein älteres Kind zwischen fünf und neun Jahren hat. Hygiene kann die Wahrscheinlichkeit senken. Achte darauf, dass dein Kind sich vor dem Essen und nach dem Toilettengang die Hände mit Seife wäscht. Wechsele seine Unter- und Bettwäsche häufig, vor allem wenn bereits eine Infektion in Kiga oder Schule umgeht. Halte seine Fingernägel kurz, denn hier sitzen die Wurm-Eier mit Vorliebe!

Wenn du dich angesteckt hast: Eine Infektion mit Madenwürmern bemerkt man an extremem Juckreiz im Analbereich. Nur bei starkem Befall sind auch kleine, weiße Würmer im Stuhl zu sehen. Du solltest in der Schwangerschaft keine freiverkäuflichen Wurmmittel einnehmen! Der Hausarzt verschreibt dir ein rezeptpflichtiges Präparat, das nur lokal im Darm wirkt und so gut wie nicht vom Organismus aufgenommen wird.

Lippenherpes in der Schwangerschaft – ungeliebt und ungefährlich!

Ein Risiko fürs Ungeborene? Nein, Lippenherpes ist zwar unangenehm, hat aber – im Gegensatz zu einigen anderen Herpestypen – fürs Ungeborene keine Bedeutung!

Wie du vorbeugen kannst: In der Schwangerschaft schwächelt das Immunsystem oft, was Lippenherpes begünstigt. Besonders leicht bricht er jetzt bei direkter Sonneneinstrahlung aus, weshalb du dich nicht in die pralle Sonne legen solltest. Und natürlich werden die Pusteln auch von Mensch zu Mensch übertragen, daher ist etwas Abstand zu Infizierten sinnvoll.

Wenn du dich angesteckt hast: Nach Meinung der meisten Ärzte ist eine örtliche Behandlung mit den üblichen Salben gegen Lippenbläschen (sog. Virustatika) in der Schwangerschaft erlaubt.

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