Hörerlebnis im Mutterbauch

Musik während der Schwangerschaft

Nehmen Babys im Mutterleib bereits Musik wahr? Und falls sie es tun, welche Art von Musik mögen sie, was tut ihnen gut und wie laut darf Musik sein, damit Babys sie noch mögen? Diese Fragen beschäftigen sogar zahlreiche Wissenschaftler. urbia hat das Hör-Erlebnis deshalb untersucht.

Autor: Petra Fleckenstein
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Baby: Musik tut ihm gut

Schwangerenbauch Kopfhoerer
Foto: © iStockphoto.com/ zhudifeng

Welche werdende Mutter kennt das nicht? Sie lauscht entspannt und genussvoll einem Konzert und ihr Baby im Bauch scheint zu tanzen. Oder sie besucht ein Rockkonzert und das Baby tobt – manchmal so wild, dass es der Schwangeren sogar unangenehm wird. Nehmen Babys im Mutterleib bereits Musik wahr? Und falls sie es tun, welche Musik mögen sie, was tut ihnen gut, wie laut darf sie sein? Fragen, die zahlreiche Wissenschaftler umtreiben und die uns zurück führen an die Anfänge unseres Seins.

Das Ohr – Tor zur Welt

Ab der 23. Schwangerschaftswoche kann das Ohr des Babys nicht nur Schwingungen, sondern auch Geräusche wahrnehmen. Die erste Sinfonie, die ein Baby zu hören bekommt, ist die Mutterleibsmusik: Der Herzschlag der Mutter, die Geräusche ihrer Eingeweide und natürlich ihre Stimme. Wie die mütterliche Stimme dringen auch andere Töne von außen in die intrauterine Welt und werden gehört: Das Ohr stellt für das Baby die erste Brücke in die Außenwelt dar. Dabei sorgen die Bauchdecke, Fruchtwasser und Gebärmutter für einen natürlichen Schallschutz. Geräusche von außen kommen beim Baby um 20 bis 30 Dezibel leiser an - das entspricht immerhin dem Ticken einer Uhr oder dem Flüstern. Der Arbeitsschutz für Schwangere sieht übrigens vor, dass am Arbeitsplatz nicht mehr als 80 Dezibel herrschen sollten. 

Hör-Nahrung

Die Mutter zu hören und in ihrer Mutterleibsmusik gewiegt zu werden, ist für das Baby mehr als nur Genuss. Das zeigt sich besonders bei Versuchen mit Frühgeborenen. Im Brutkasten fehlt die akustische Nahrung, und es hat sich gezeigt, dass sich Babys besser entwickeln, wenn sie auch weiterhin regelmäßig die mütterliche und väterliche Stimme hören. In manchen Kliniken werden dazu bei Abwesenheit der Mutter auch Aufnahmen ihrer Stimme in den Brutkasten geleitet.

Es ist völlig gleichgültig, was die Mutter ihrem Kind erzählt, summt oder singt. Die Klangfarbe, nicht der Inhalt ihrer Worte, ist es, die das ungeborene Kind quasi umarmt. Dieser intensive Eindruck bleibt das ganze Leben lang. Der französische Mediziner Alfred Tomatis sagt in seinem berühmten Buch "Der Klang des Lebens": Den unverwechselbaren Sprachrhythmus und Klang der Mutter "erkennt das Kind nach der Geburt wieder, findet ihn unter allen anderen heraus und sucht ihn sein Leben lang."

Der Ton macht die Musik

"Musik bewegt uns," schreibt der Hamburger Musiktherapeut Professor Hans-Helmut Decker-Voigt in seinem Buch "Mit Musik ins Leben". Und jeder kennt die unwillkürlichen Reaktionen auf Musik, das unbewusste Mitwippen des Fußes, das Wiegen des Kopfes oder die warmen und lustvollen Gefühle, die Klänge und Rhythmen in uns auslösen können. Wie der Klang einer Stimme unmissverständlich den emotionalen Gehalt verrät, auch wenn wir inhaltlich vielleicht etwas ganz anderes sagen, so haben auch Klänge in der Musik bestimmte Wirkungen auf unsere Gefühle, die sich sogar häufig gleichen. So wirken konsonante Klänge, Molltonarten und schwebende Rhythmen auf die meisten Menschen beruhigend, während Dur-Tonarten, Dissonanzen und stark akzentuierte Rhythmen eher belebend bis aufregend wirken.

Muss es immer Mozart sein?

Die zu Recht vielgerühmte Musik Mozarts weist in vielen Stücken die genannten Merkmale beruhigender Musik auf und wirkt so auf zahlreiche Menschen besänftigend und harmonisierend. Aber diese Wirkung ist keineswegs so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn vor den spontanen körperlichen Antworten auf Musik rangiert "die individuelle Sozialisation", sagt Decker-Voigt im urbia-Gespräch. So kann eigentlich aufregende Musik eine durchaus einschläfernde Wirkung haben, falls es in einer Familie früher üblich war, diese Musik täglich vor dem Schlafengehen zu hören. Oder ein ruhiges klassisches Stück kann aufregen, wenn vielleicht diese Musik öfters im Hintergrund lief, während die Eltern sich übel zankten.

Musik fürs Baby

Sandra Wildner hat während ihrer Schwangerschaft sehr häufig Musik der Gruppe "Depeche Mode" gehört. Ihre Tochter Saphira (10 Monate) bezeichnet sie als "jüngsten Depeche-Mode-Fan". "Wie gebannt" reagiere das Kleinkind auf den Sound dieser Band, erkenne die Stimme der Gruppe auch bei neuen Liedern eindeutig wieder. "Was die Mutter oft und gerne hört und spricht und singt, erkennt das Kind später als ,Bestandteil der Mutter’ wieder", schreibt Prof. Decker-Voigt. Wichtigster Maßstab fürs Baby: Das, was der Mutter gefällt und gut tut, ist auch gut fürs Kind.

Ausnahmen stellen zu laute und synthetisch hergestellt Klänge dar. Die in der Natur nicht vorkommende gleichförmige Art der Schwingung elektronischer Musik löst beim Fötus Abwehr aus. Aber wie laut ist zu laut? Ist das Rock-Konzert noch vertretbar oder schon der Action-Film im Kino ein Tabu? Grundsätzlich gilt: Je lauter, desto stärker die Reaktion des Babys. Dabei rufen hohe Frequenzen eine höhere Herzfrequenz hervor. Das heißt nicht, dass für die gesamte Schwangerschaft Konzerte und Discobesuche verboten sind. Sie sollten aber dosiert stattfinden.

Und: Bei der Frage, ob Musik im Mutterleib nun mein Kind fördert oder nicht, sollte man nicht die Relation aus den Augen verlieren. Denn Ernährung und Stress der Mutter bekommt das Baby über die Nabelschnur ganz ungefiltert ab. Sie haben letztlich eine größere Auswirkung auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes.   

Klang der Liebe

In unserer auf das Auge fixierten Welt kann es heilsam sein, sich die Kraft des Hörens und der Klänge bewusst zu machen. "Unser Fühlen, Denken und Handeln ist ein Leben lang eng verbunden mit unserem Hören und Wahrnehmen vor der Geburt", schreibt Decker-Voigt. Eine Stimme, Klang, Melodien, Rhythmen schlagen unser ganzes Leben lang eine Brücke zu jener Zeit, da wir geborgen in der mütterlichen Höhle hausten.

 

Literatur zum Thema:

Hans-Helmut Decker-Voigt: "Mit Musik ins Leben", Ariston

Alfred Tomatis: "Klangwelt Mutterleib", dtv

Alfred Tomatis: "Der Klang des Lebens", rororo


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