Aus Superwehen wurde ein Kaiserschnitt! Mein Horrorerlebnis!

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von lovley 23.08.07 - 17:04 Uhr

Hallo liebe Urbianer!

Nachdem ich mir dachte bereits das Schlimmste mit der eingeleiteten Geburt meines Sohnes hinter mich gebracht zu haben, war ich absolut begeistert endlich mein Mädchen auf die Welt bringen zu dürfen.

In der Nacht auf den 15 August hatte ich regelmäßige Kontraktionen, die mir den Schlaf bis kurz nach Mitternacht durch meine Vorfreude raubten.
In der Früh fühlte ich mich absolut gerädert und hatte einen schlechten Kreislauf.
Vormittags wurde mir schlecht und über Mittags hatte ich einen kompletten Sehausfall meines linken Auges.... ich bekam es mit der Angst zu tun. Zu Guterletzt verlohr ich kurzzeitig den Tastsinn an den linken Fingerkuppen.
Auf das hinauf sind wir ins Krankenhaus gefahren... um nachzusehen ob mein Kreislauf dem Baby nicht schadet.
Dort angekommen, behielten sie mich. Es wurden Wehen aufgezeichnet und ich freute mich total darüber.
In der Nacht begann es auf einmal weh zu tun.... ich dachte ich zerspringe vor Freude in der Luft.... Ich rief meinen Mann und meine beste Freundin an und freute mich auf ein unvergessliches warmes Erlebniss. Auf eine Zweisamkeit mit meinem Mann um unser Töchterchen gemeinsam ins Leben zu holen.
Es ging so schnell..... die Schmerzen wurden unerträglich! Es zerriss mich!
Und da hatten wir das Problem.... mein Körper merkte das etwas nicht stimmte und intensivierte die Wehen unaufhörlich. Der Kopf des Babys drückte gegen den Muttermund..... er ging nicht auf. Meine Befürchtungen wurden wahr.... der letzte cm ging durch das Narbengewebe nicht auf (Konisation + Revision).
Die Wehenhemmer schlugen nicht mehr an, Ärzte sammelten sich um mich... mein Mann der nun bei mir war hielt nur mehr meine Hand und redete auf mich ein.
Kaiserschnitt.
Ich wurde auf den Gynstuhl im Op gehoben und versank nach nicht enden wollenden Schmerzen im Dunklen.

Der Spitalsaufenthalt zerrte an meinen Nerven. Ich hatte zuviel erlebt. Der Schock hielt an.
Den Kaiserschnitt.. den ich unter allen Umständen abgeblockt hätte... hätte ich nur die Wahl gehabt. Ich wollte nieeee im Leben einen Kaiserschnitt. Aufgeschlitzt und beraubt zu werden... Nein!
Nicht zu wissen wie das Kind aussieht, den ersten Moment für immer verlohren zu haben....
Die spätere Annäherung zum Kind. Die ständige Erinnerung durch die Schmerzen, was an mir gemacht wurde.
Und die Einsamkeit........ Meine Familie besuchte mich und ging... und ich war mit meinem Schmerz alleine.
Keiner merkte wie schlecht es mir psychisch ging, alle gingen in der Freude über das Kind auf und wurden blind.

Die Tage wurden heller für mich. Mein kleines Mädchen und ich suchten die Nähe und Liebe zueinander... sie war so brav und unkompliziert. Ich versuchte die Zeit zu nutzen. Mein Mädchen war mein Mädchen. Ich umsorgte und umhegte sie von Beginn an, wollte nicht, das sich das Personal um meine Tochter kümmerte. Ich hatte richtige Verlustängste.

Und gestern konnte ich endlich heim.
Die Ruhe macht sich nun in meiner Brust breit und ich darf wieder zu leben beginnen.

Zu Hause empfing mich ein liebevoller Mann... ein Söhnchen auf das ich so unendlich stolz bin und ein Hundemädchen, das erst wieder in ihrem Herzen zur Ruhe kam, als ihr Frauli wieder den Platz im Haus einnahm.

Irgendwann werde ich mir die Zeit nehmen dürfen und einmal richtig heulen können. Alles aus meiner Seele rausschreien.
Damit ich diese "Vergewaltigung" verarbeiten kann und endlich wieder frei im Herzen bin.

Ich bin so überrascht wie normal es bei uns zu Hause weitergeht. Ich habe gute Arbeit geleistet und meine Familie gut in das Neue geführt.

Ich danke dem lieben Gott, das er mir eine gesunde Tochter geschenkt hat.
Ich danke dem lieben Gott, das ich so eine tolle Familie haben darf!


Ich wünsche euch viel Gesundheit und eine ordentliche Portion Lebensfreude.
Elisabeth, Natalie 1 Woche alt, Tobias 5 Jahre

Beitrag von cookie79 23.08.07 - 18:07 Uhr

Hallo Elisabeth,

lass dich erstmal #liebdrueck. Ich weiss genau was du durchgemacht hast. Bei meinem 1. Sohn haben sie mich auch nach 21 Stunden Wehen #schock in den OP gezerrt und mir alle Lichter ausgeschossen. Ich war fast vollständig eröffnet, noch eine Stunde maximal und er wäre normal gekommen. Ich könnte heute noch alle Ärzte in einen Sack stecken und reintreten wenn ich dran denke. #heul Mein 2. Sohn wurde dann leider wieder mit KS geboren, aber bei ihm war es notwendig, da er die Nabelschnur mehrfach um den Hals hatte, er wäre bei einer normalen Geburt gestorben. Ausserdem hatte ich da eine Spinalanästhesie und konnte alles miterleben. Diese Tatsachen haben mich dann doch relativ schnell mit der 2. Geburt versöhnt. Aber an der 1. hab ich immer noch zu knabbern, da der KS unnötig war und nur von ärztlichem Sicherheitsstreben getrieben war. :-[ Schön ist was anderes. Und dieser scheißlange Krankenhausaufenthalt danach, während dem man bei so vielen Dingen auf das Personal angewiesen ist. Das war mein persönlicher Horror. Ich glaube das einzige was uns wirklich nicht bitter werden lässt ist der Gedanke, dass wir gesunde Kinder haben, für die es Wert war so viele Schmerzen zu ertragen.

Liebe Grüße #herzlich

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Beitrag von akire76 24.08.07 - 21:19 Uhr

Hallo Lovely,

ich habe gerade Deinen Bericht gelesen und musste weinen.
Mein Sohn ist inzwischen 16 Monate alt und gesund, aber ich habe seine "Geburt" noch nicht richtig verarbeitet. Geburt in Anführungsstrichen weil ich den Kaiserschnitt nicht als Geburt akzeptieren kann.
Ich empfand den Kaiserschnitt KALT und unnatürlich und mir fehlt der "richtige" Abschluss der Geburt.
Die ersten Wochen und Monate ging es mir sehr schlecht. Ich bin froh, dass ich meinen Mann und liebe Freunde die Verständnis für mich hatten bei mir hatte.
Ich hoffe, dass Du deinen Kaiserschnitt besser verarbeiten kannst als ich. Aber scheu Dich nicht professionelle Hilfe anzunehmen, wenn es Dir nicht besser geht oder noch schlechter. Erst nachdem ich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Kaiserschnittmüttern war, ging es mir nach und nach besser. Lass Dir von niemanden (meistens Verwandte und Bekannte die es gut meinen) einreden, Du müsstest doch froh sein dass es Deiner Kleinen gut geht. Natürlich ist man froh, wenn das Baby gesund und munter ist. Es ändert aber nichts an den Gefühlen, die man gegenüber der Geburt hat. Rede so viel wie möglich über deine Gefühle und heul so viel du willst. Es ist dein Recht und es ist völlig ok!!!!

Viele Liebe Grüße und eine wunderschöne Zeit mit Deiner Familie.

Beitrag von tiffels 25.08.07 - 00:36 Uhr

Hallo liebe Elisabeth,

du hast wunderschön geschrieben:-)

LG
Susi

Beitrag von cinna1980 25.08.07 - 09:41 Uhr

Hallo Elisabeth,

vielleicht magst Du mir schreiben?
Wir sind gleich alt, hatten beide beim ersten Kind eine Spontangeburt und beim zweiten einen ungewollten Kaiserschnitt und einen Hund haben wir auch :-)

Liebe Grüße
Anne + Reni (3J.) + Mika (9Mon.)