Schwangerschaft

Vorderwandplazenta: Ursache und Auswirkungen

Hinten oder vorne? Hoch oder tief? Der Sitz der Plazenta ist wichtig. Lautet die Diagnose nach dem Ultraschall Vorderwandplazenta, wissen viele Frauen nicht, was sie genau bedeutet. Wir erklären euch, was es mit dieser anatomischen Besonderheit auf sich hat.

Autor: Sandra Hermes
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Was ist eine Vorderwandplazenta?

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Die Plazenta bildet sich in der  Gebärmutter dort, wo der Embryo sich seinen Platz in der Gebärmutterschleimhaut sucht. In der Regel nistet er sich im hinteren, oberen Bereich des Uterus ein. Dort ist viel Platz und der Mutterkuchen behindert während der Geburt nicht den Weg des Babys hinaus. Es kommt aber durchaus vor, dass der Embryo sich in der Vorderwand – also Richtung Bauchnabel der Mutter – einnistet. Dort entsteht dann auch der Mutterkuchen, der dann als Vorderwandplazenta bezeichnet wird. In Internet-Foren wird sie auch als VW-Plazenta abgekürzt.

In welcher Position deine Plazenta liegt, kann dein Gynäkologe bei einer Ultraschalluntersuchung feststellen. Diese wird meistens routinemäßig in der 29. Schwangerschaftswoche (SSW) durchgeführt.

Führt diese Lage zu Komplikationen?

Die Lage Richtung mütterlicher Bauch ist eine anatomische Besonderheit, aber kein Krankheitsbild. Eine Vorderwandplazenta verursacht normalerweise keine Probleme während der  Schwangerschaft oder der Geburt. Wenn sie genug Platz hat, sich mit dem Wachstum deines Babys auszudehnen, kann sie dein Kind auch in dieser Position problemlos mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Deine Schwangerschaft verläuft dann ganz normal.

Welchen Effekt hat eine Vorderwandplazenta auf die Mutter?

Eine Vorderwandplazenta ist nicht schmerzhaft und verursacht auch keine Blutungen. Dennoch hat sie eine Auswirkung darauf, wie sich die Schwangerschaft für dich anfühlt. Da sie ein bisschen wie ein Stoßdämpfer wirkt, wirst du die ersten Kindsbewegungen wahrscheinlich etwas später als gewöhnlich spüren und sehen. Abgefedert durch das etwa drei cm dicke Organ wirst du die Tritte des Babys auch als weniger stark empfinden. Einige Mütter berichten, dass sie die Kindsbewegungen in der späten Schwangerschaft durch den zusätzlichen Puffer auch weniger schmerzhaft und dadurch angenehmer fanden.

Da die Eltern es oft nicht erwarten können, dass sich der kleine Mensch endlich bemerkbar macht, kann man diesen Umstand als Nachteil in Bezug auch die frühe Kommunikation zwischen Eltern und Kind sehen. Viele Eltern vermissen es, das Leben und die Bewegungen in Mamas Bauch deutlich zu spüren und machen sich immer wieder Sorgen. Das gilt besonders für Paare, die schon einmal schwanger waren und die ihr Baby bei der ersten Schwangerschaft viel früher fühlen und kleine Beulen an der Bauchdecke sehen konnten. Wenn es dagegen die erste Schwangerschaft ist, fehlt da der Vergleich. Andererseits ist die Diagnose ja meistens früh bekannt, und ihr wisst, dass es eurem Kind auch mit dieser Plazentalage rundum gut geht und es problemlos wachsen und gedeihen wird.

Ist das Kind ein sehr kräftiger Strampler, werdet ihr die Tritte und Knuffe auch trotz „Stoßdämpfer" spüren. Je weiter die Schwangerschaft voranschreitet, desto deutlicher.

 

Kann die Plazenta noch anders liegen?

Neben der Lage an der rückwärtigen Gebärmutterwand (Hinterwandplazenta) und dem Sitz Richtung Bauch (Vorderwandplazenta), kann sich der Mutterkuchen auch seitlich bilden. Das wird dein Arzt beim Ultraschall feststellen. Solange sich die Plazenta im oberen Bereich der Gebärmutter platziert, ist die Lage aus medizinischer Sicht unerheblich.

Problematisch kann es jedoch werden, wenn die Plazenta zu tief liegt. Ragt sie in den inneren Muttermund hinein oder bedeckt diesen vollständig, spricht der Mediziner von einer Plazenta praevia. Sie behindert den Geburtskanal. Diese Lage hat zur Folge, dass eine natürliche Geburt in der Regel nicht ohne Probleme möglich ist. Verdeckt die Plazenta den Muttermund komplett, ist die Rede von einer Plazenta praevia totalis. Ragt das Plazenta-Gewebe nur zu einem Teil in Richtung Muttermund, sprechen die Ärzte je nach Ausprägung von einer Plazenta praevia marginalis oder partialis. In diesem Fall entscheidet der Arzt, ob eine natürliche Geburt möglich ist, oder ob das Risiko, dass sich die Plazenta unter der Geburt ablöst und starke, lebensbedrohliche Blutungen verursachen könnte, für Mutter und Kind zu groß ist.

Bei der Diagnose Plazenta praevia totalis ist eine normale Geburt nicht möglich. Das Baby muss durch einen Kaiserschnitt entbunden werden. Die werdende Mutter wird häufig bis zur Geburt in die Klinik überwiesen. Sex und große Anstrengungen sind tabu. Eine strenge Bettruhe soll helfen, die Schwangerschaft möglichst lange zu erhalten.

Eine Vorderwandplazenta ist also nur dann ungefährlich, wenn sie nicht gleichzeitig so tief sitzt, dass sie den Muttermund ganz oder teilweise verdeckt. Eine Vorderwandplazenta in Kombination mit einer Plazenta praevia muss von deinem Gynäkologen überwacht werden. Er wird mit dir über Vorsichtsmaßnahme sprechen und dir erklären, warum vielleicht ein Kaiserschnitt notwendig wird.

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