ADS bei Schulkind neu diagnostiziert und Fragen hab´

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Beitrag von kessi1 13.09.08 - 09:08 Uhr

guten morgen #tasse,

gestern wurde bei meinem sohn (7 jahre) ADS diagnostieziert. vermutet hatte ich es schon lange. aber die lehrer meinten immer, dass er einfach nicht lernbereit ist und gerne stört :-(. ich konnte mir das nicht erklären, denn laut einem IQ-test bei einem schulpsychologen sei er überintelligent und eher unterfordert.

also hab ich mir einen termin beim kinderneurologen geholt und es jetzt genau abklären lassen. leider stimmte die diagnose. mir wäre lieber gewesen, dass ich nur erziehungsfehler mache. das ist sicher leichter zu behandeln.

nun hätte ich gerne mal ein paar antworten auf meine fragen, die so gestern im laufe des tages aufgetaucht sind. freue mich über viele tipps von betroffenen.

- noch wird abgewägt, ob er ritalin bekommt oder nicht. ich habe viel positives aber ebenso negatives darüber gefunden. wie sind eure erfahrungen? man will seinem kind ja solche medis ersparen, aber ist das auch immer so sinnvoll?

- gibt es beratungsstellen oder spezielle psychotherapeuten wo man sich rat, hilfe oder therapien holen kann? bezahlt so was die kk oder muss man das selber zahlen?

- konsequenz wird bei uns in der erziehung groß geschrieben. kann man sonst noch irgend etwas machen, um dem kleinen und uns das leben zu erleichtern?

- gibt es gute bücher oder andere ratgeber für eigenstudien?

- wie verhält es sich mit pc und fernseher? machen diese medien erst recht "verrückt" bei dieser krankheit? sein konsum ist eh sehr gering (max. halbe stunde am tag)

- muss ich sein verhalten mit mehr rücksicht oder mehr konsequenz handhaben?

- in der schule werde ich auf jeden fall bescheid geben. was kann ich von den lehrern erwarten oder verlangen? will denen ja weder vorschriften machen, noch verlangen das sie ihn wie ein rohes ei behandeln.

das waren erst mal so die meisten fragen, die mich noch beschäftigt hatten. beim arzt sitzt man ja erst mal geschockt rum und muss es verarbeiten. in dem moment fielen mir so gut wie keine fragen ein :-(. ich hoffe hier einige hilfen zu bekommen. denke mal die kinder leiden selber unter ihrem "zustand" und ich will es ihm so leicht wie möglich machen. die folgeerkrankungen von denen ich laß sind ja schrecklich #schock.

sorry für das lange #bla#bla#bla aber für mich war das nun mal wichtig.

lg und ein schönes wochenende an alle von kessi

Beitrag von nessi104 13.09.08 - 09:40 Uhr

hallo! mein ist fast 7 und hat auch adhs.
wir wussten es schon lange vor der diagnose.es war nicht zu übersehen.

er bekommt seit 2 j. ergotherapie.das fördert seine wahrnehmung,konzentration,und auch motorikübungen werden dort gemacht.
dafür brauchst die eine überweisung.das müssen wir nicht selbst zahlen.
eine weile bekam er auch frühförderung und konzentrationstraining.hat alles die krankenkasse bezahlt.

mein sohn bekommt,equasym retard und es war für ihn die beste entscheidung.und auch für uns.
es geht ihm endlich gut damit.er ist so,wie er wäre ohne adhs.sein character ist immer noch der gleiche.
aber er ist ausgeglichener,auch ruhiger,konzentrierter,flippt nicht mehr sofort aus.
mit ruhiger meine ich ,er ist so wie andere kinder auch.normal wild eben.

konsequnz ist sehr wichtig.aber das hast du ja selbst bemerkt.und konsequenzen für z.b. schlechtes verhalten müssen sofort erfolgen,später kann er sich nicht mehr gut daran errinnern,was überhaupt los war.
eun straff geregelter tagesablauf ist sehr wichtig.adhs kinder müssen immer wissen,wie der tag abläuft.das gibt ihnen sicherheit.
ein durcheinander der gewohnten abläufe werfen diese kinder schnell aus der bahn.

pc und fernsehen in maßen.wenn es eh nur ne halbe std ist,ist es wohl okay.man kann ihnen ja nicht alles verbieten


also man muss schon sehr geduldig sein,was oft schwerfällt.auf manche dinge nehme ich schon rücksicht,bei denen ich weiß,er kanns nicht besser machen.
aber wenn er mal frech wird,hat das nix mit dem adhs zu tun,und das hat dann auch konsequenzen.

denn er ist trotz adhs ein nettes liebes kind.viele halten adhs kinder ja für bösewichte...#augen

der lehrerin würde ich es auf jeden fall sagen,damit sie weiß,warum manche sachen bei ihm so sind wie sie sind.

dann kann sie darauf vielleicht ein wenig rücksicht nehmen.das hat ja nicht mit vorschriften machen zu tun.

ja die kinder leiden.drum muss man ihnen helfen.
was die medis angeht-niemand gibt seinem kind gerne medis.
aber wenn ein kind schlecht sehen kann,bekommt es eine brille.
wenn einem kind wichtige botenstoffe im gehirn fehlen(adhs),warum soll es dagegen keine medis bekommen?
es muss nicht jedes kind medis haben.bei vielen reichen schon entprechende therapien aus. bei manchen nicht,so wie mein sohn.

lg

Beitrag von kessi1 13.09.08 - 10:02 Uhr

hallo nessi,

danke für deine schnelle antwort. ich werde am montag direkt mal zu unserer kinderärztin gehen und mit ihr darüber reden was ich noch so machen kann. da man ja mit medikamentöser behandlung noch abwarten will, ist es vielleicht sinnvoll schon mal andere therapien anzuwenden. zum glück hat er ja "nur" ads.

konsequent sein ist ja so schon schwer. werden wir uns eben noch mehr bemühen müssen alles umzusetzen und einzuhalten. ist es ja wert, wenn es zu seinem besten ist. #danke nochmal!

lg

Beitrag von manavgat 13.09.08 - 09:44 Uhr

Hallo Kessi,

ich denke, hier ist das falsche Forum für diese Fragen. Warum? Weil sich neben den wirklich betroffenen jede Menge Leute hier befinden, die keine Ahnung haben aber trotzdem ihren Senf dazu geben werden. Letzten Endes bist Du am Ende verwirrter als vorher.

Die behandelten Ärzte wissen am besten Bescheid, auch mit der Frage Ritalin oder etwas anderes (selten geht es ohne Medikament).

Mein Rat ist: wende Dich an eine ADS-Selbsthilfegruppe von betroffenen Eltern. Wenn Du Glück hast gibt es eine regionale vor Ort.

Du meintest "Konsequenz oder Rücksicht". Dazu kann ich Dir nur sagen: ADSler brauchen einen verlässlichen (Tages-)rahmen, Ruhe + Verständnis. Das was allen Kindern gut tut, brauchen diese Kinder noch mehr. Aber kein rund-um-die-Uhr dutzi-dutzi-armes-ADS-Kindlein...

Du kannst Dir das von Therapueten erklären lassen. Es ist schwierig jemanden zu finden, der sich auch mit ADS bei Erwachsenen auskennt. Häufig ist das Problem auch bei einem Elternteil (schlimmstenfalls) bei beiden vorhanden. Verhaltenstherapien zahlt die Krankenkasse, sowohl für das Kind als auch für Erwachsene. Den meisten Eltern mit ADSKindern tut eine eigene Psychotherapie sehr gut, weil sie oft ihre eigenen Bedürfnisse hinten an stellen.

Es gibt zum Thema ADS gute Literatur in jeder halbwegs guten Stadtbibliothek. Empfehlen kann ich "Lernen mit ADS-Kindern" aus dem Kohlhammer Verlag.

Ob Du den Lehrern Bescheid gibst, hängt sehr davon ab, wie deren Einstellung ist. Erwarten kannst Du hier gar nichts. Lehrer sind Pädagogen, die zur Zeit in unserer Schule das Pech haben ca. 30 Kindern dicht gedrängt Stoff beibringen zu sollen. Es ist schlicht unmöglich sich dann - als Lehrer - noch mit Teilstörungen und/oder Krankheiten der Kinder zu befassen. Hochbegabung, Minderbegabung, LRS, AD(H)S, Dyskalkulie, Allergien, Psychosen, Drogensucht - ja was denn noch??????

Mir als Lehrkraft ist es wichtig zu wissen, dass ein Kind Medikamente nimmt. Dann weiß ich nämlich gleich, was los ist wenn das Kind ausflippt: das Medikament wurde vergessen einzunehmen oder die Wirkung lässt (gegen Nachmittag) nach. Aber nicht jeder Lehrer kann vernünftig damit umgehen. Was wenn der Lehrer dann bei jeder Gelegenheit das Kind runtermacht?

Behalte die Nerven, such Dir Ärzte die kompetent sind und mit den Eltern zusammen arbeiten.

Alles Gute

Manavgat

Beitrag von kessi1 13.09.08 - 10:11 Uhr

hallo manavgat,

vielen dank für deine schnelle antwort. werde mich gleich am montag an unsere kinderärztin wenden und um weitere therapiemaßnahmen nachfragen. ich hoffe sie kennt gute therapeuten für ihn/uns.

verhätscheln werde ich ihn ganz bestimmt nicht. hab es mir zumindest vorgenommen. hab nur ein wenig bedenken, dass man jetzt öfter was durchgehen lässt, weil "er ja nichts dafür kann". ich denke mal es braucht einige zeit, um das richtig abschätzen zu können.

nach dem buch werde ich auch mal schauen.

ich hoffe, dass es ihm bei uns (eine kleine dorfschule) besser geht, als in so einer überbesetzen klasse. werde auf jeden fall die lehrerin informieren und sie bitten, sich sofort mit mir in verbindung zu setzen, falls es irgendwelche probleme gibt. denke nur dann kann man gezielt reagieren. sie soll sich ja auch nicht nur auf ihn konzentrieren oder gestört fühlen.

#danke und lg kessi

Beitrag von marion2 13.09.08 - 12:12 Uhr

Hallo,

lies mal dies hier: http://www.tokol.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=149

Gehts jetzt besser?

Zu der Sache mit den Lehrern; Ich habe durchgesetzt, dass mein verträumter Sohn in der ersten Reihe hinter dem Lehrertisch sitzt. Dies wirkt sich positiv aus.

LG Marion

Beitrag von kessi1 13.09.08 - 13:53 Uhr

vielen dank für deine antwort. das ist ja recht interessant. nur leider ist mein sohn nicht verträumt. er gibt vom aufwachen bis zum einschlafen 180 % #schock. immer da, überall dabei, weiß alles, kann alles (glaubt er zumindest) und ist lehrern gegenüber sehr diskussionsfreudig. denke mal die sind eher froh wenn er weit, weit weg sitzt :-(.

ansonsten treffen die dargestellten positiven eigenschaften alle auf ihn zu. *staun #huepf* mal sehen was das gespräch mit der lehrerin bringt. ich will ja wenn, auch nur unterstützend eingreifen und sie nicht bevormunden. denke mal, wenn es gut läuft ist es für sie auch angenehmer.

#danke danke nochmal und lg von kessi

Beitrag von bambolina 13.09.08 - 23:30 Uhr

Dann hat dein Kind aber ADHS.
ADS ist die verträumte Variante, das H steht für Hyperaktiv
lg bambolina

Beitrag von marion2 14.09.08 - 17:28 Uhr

Hallo,

was für einen Träumer gut ist, kann für einen Zappler nicht schlecht sein. ;-)

LG Marion

Beitrag von nrw2008 13.09.08 - 15:22 Uhr

Moin

Hier gibts viel zu lesen und viel Hilfe.Das Forum ist echt spitze.

http://www.adhs-anderswelt.de


LG NRW ;-)


Beitrag von kessi1 13.09.08 - 15:45 Uhr

vielen lieben dank. werde mich da sofort mal umschauen.

#danke und lg von kessi

Beitrag von angi05 13.09.08 - 18:31 Uhr

Hallo!

Der Sohn meiner Freundin hat ADHS.
Sie war schon 2x in einer Kur an der Nordsee. Dort hat es ihr sehr gefallen.
Sie bekam Erziehungs- und Umgangstipps und ihr Sohn hatte auch ein spezielles Programm.
Meine Freundin durfte sogar die Geschwister-Kinder mitnehmen.

Vielleicht ist das auch etwas für euch?

Gruß Angi 05

Beitrag von sternenzauber24 14.09.08 - 11:34 Uhr

Hallo Kessi,

Ich fande die Antwort von Manavgat hier schon sehr treffend, hier ist wirklich das falsche Forum. Schauh Dich hier um: www.adhs- anderswelt.de

Nun zu Deinen Fragen.
Ich habe ebendso eine Tochter mit Diagnose ADHS, also ich denke es ist immer Typabhängig. Meine ist sehr verträumt, vergißt ihren Kopf, ist sehr liebevoll aber auch sehr Emotional, das heißt sie hat auch Wutanfälle die sie selbst kaum steuern kann. ADHS hängt immer vom Typus ab, diese wird bei der Diagnose rausgefunden. Da gibts den Mischtyp, den hochbegabten ADHSler, etc.

Einige Punkte:

Fernseh in jeder Form ist für meine Tochter Gift, die ganze Reizflutung ist leider nicht so gut, das merkt man anschliessend an ihrer Reaktion. Allerdings habe ich einen Sohn mit Verdacht auf ADHS mit HG der auch der Beschreibung deines Sohnes gleicht, und bei ihm ist es umgekehrt, er verträgt TV sehr gut, und wirkt danach ausgeglichener. Ich denke, weil er so viel anregung braucht, HG brauchen Hirnnahrung.

Ritalin...

Meine Große ist auf Medikinet eingestellt, ohne schafft sie die Schule nicht, und leidet unter Tickstörungen-. Mit ist es sehr zurückgegangen. Du beschreibst Deinen Sohn aber als NICHT verträumt und wahrscheinlich eher hibbellig, dann würde ich die Medikation nur im Notfall in Erwägung ziehen. Denn mein Sohn ist nur hyperaktiv, wenn er unterfordert ist ( Geistig), beobachte das mal bei deinem Kind, und entscheide. Mein Sohn hat absolut keine Konzentrationsprobleme, ganz im gegenteil, er hat zuviel, er beschäftigt sich auch gut mal 3 St. intensiv mit einer Sache. Dann ist er sehr ruhig.

Beratungsstellen:

Wende Dich an eine Erziehungsberatung, dann gibt es Selbsthilfegruppen für betroffene Eltern, und natürlich Psychiater und auch spezielle Tageskliniken in einer Kinder u. Jugendpsychiatrie, hier könnte z.B. im Falle des falles eine Medikamenteneinstellung erfolgen ( falls nötig).

Ein fester und durch strukturierter Tagesablauf ist für AD(H)sler sehr wichtig, der Tag gibt somit halt und bringt Struktur in das Kopfchaos, nur eine Sache die mal anders läuft, kann im Desaster enden. Daher sind hier auch feste Aufgabenpläne, Belohnungssysteme etc. ein Super Baustein um den Alltag zu organisieren.

Wichtig noch: ein Mensch mit ADHS ist sehr sehr sensibel, diese Kinder merken JEDE Stimmung, Gefühle, Aura etc. Ruhe ist das A + O im Umgang mit diesen Kindern. Und Liebe brauchen sie doppellt, wegen dem selbstwertgefühl.

Kannst mich jederzeit über die VK kontaktieren, bin nur leider wegen Baby weniger Online, antworte aber immer :-)

LG, Julia

Beitrag von amorvincitomnia 14.09.08 - 22:07 Uhr

Die sinnvollsten Tipps hier waren die, die Dir rieten, Dich anderswo umzuschauen. Ich möchte Dich darüber hinaus auf unseren urbia-Club zum Thema hinweisen:

http://mein.urbia.de/club/ADHS++Eine+andere+Art+die+Welt+zu+sehen

Als Buchtipp möchte ich noch "Hochrisiko AD(H)S - Plädoyer für eine frühe Therapie" los werden, ganz ausgezeichnet und sehr aktuell.

Viele Grüße, Barbara