6-Jahres-Kriese? Leider lang geworden!

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von lilly7686 25.12.09 - 18:52 Uhr

Hallo!

Ich hab ein massives Problem mit meiner Tochter. Leonie wird am Montag 6 Jahre alt, kommt also nächsten Herbst in die Schule.
Seit etwa 3 oder 4 Wochen benimmt sie sich, als hätte sie niemals eine Erziehung genossen! Sie brüllt wenn etwas nicht klappt, sie schreit wenn sie etwas nicht will, sie krabbelt unter den Tisch und schreit, wenn sie sich die Haare nicht frisieren lassen will, sie schmeißt Türen zu wenn sie ihr Zimmer nicht aufräumen will usw.
Ich habe versucht, ruhig mit ihr zu sprechen, ihr zu erkären, warum ich das nicht in Ordnung finde.
Ich bin konsequent, wenn ich sage sie darf nicht naschen, wenn sie nichts zu Mittag isst, dann darf sie auch nichts naschen (nur um ein Beispiel zu nennen). Und dann kann sie betteln und schreien so viel sie mag, ich bleibe dabei.
Ich glaube somit nicht, dass ich mir fehlende Konsequenz vorwerfen kann.

Tja, aber heute ist sie zu weit gegangen.
Gestern Abend war ja Heilig Abend. Nachdem sie gesehen hat, dass sie "nur" 5 Geschenke (Zusammengehörendes, aber in 5 Geschenke verpackt, weil sie so gern auspackt) bekommen hat, war ihre Reaktion: "Nur so wenig?"

Dann waren wir heute bei meiner Mutter. Dort hat sie auch noch einiges bekommen bzw. sogar gleich ihre Geburtstagsgeschenke dazu weil ihre Oma zu ihrem Geburtstag keine Zeit hat. Somit hat sie quasi doppelt Geschenke bekommen. Auch das war ihr offenbar nicht genug. Sie hat mehrmals gesagt, sie wäre traurig, dass sie "nur so wenig" bekommen hat. Weil sie hat sich eine Kamera gewünscht, die leider noch nicht dabei war (bekommt sie morgen von meinem Vater, aber das muss sie ja nicht wissen).
Wir haben ihr dann erklärt, dass das Christkind ja auch beim Opa war. Und vielleicht ist die Kamera dort dabei. Und wenn nicht, dann kann sie sich diese ja nächstes Jahr nochmal wünschen.
Die Erklärung hat ihr zwar als erstes gereicht, aber sie hat immer wieder damit angefangen.
Ich hab kurzzeitig schon überlegt, ob wir das morgen nicht absagen und wir daheim bleiben. Aber das will ich nicht nur Leonie, sondern auch meinen Eltern nicht antun. Zumal die Familie meiner Stiefmutter auch hinkommt und alle sich auch Leonie freuen.

Wir haben versucht, Leonie zu sagen, dass es Kinder gibt, die nichts oder nur wenig bekommen. Und sie solle dankbar sein, dass sie überhaupt was bekommen hat! Aber das scheint sie nicht einzusehen. Sie sagt zwar, sie ist dankbar, aber fängt dann immer wieder damit an, dass sie mehr haben will. Und sie sagt, sie teilt ja auch alles, was sie hat. Und sie wird auch mit dem Baby (das bei uns im Juni kommt) teilen.
Ich sagte ihr natürlich, dass ich das toll finde, dass sie so gerne teilt und dass das super ist. Aber dass es darum nicht ginge! Es geht darum, dass sie sich auch über Kleinigkeiten freuen sollte! Immerhin hätten mein Freund und ich auch nur je ein Geschenk bekommen. Und wir sind trotzdem dankbar dafür. Auch wenn es nur eines war.


War es vielleicht falsch, dass ich ihr zwischendurch manchmal eine Kleinigkeit kaufe? Mal ein Buch oder ein kleines Spiel. Oder auch mal eine neue DVD.
War das falsch? Sollte sie wirklich NUR zu Anlässen was bekommen?

Ich kann mich nicht erinnern, ihr solche Undankbarkeit beigebracht zu haben! Und es tut mir weh, zu sehen, wie sie sich verhält! Was ich ihr auch gesagt habe. Aber sie schein im Moment nur auf "Durchzug" zu schalten. Sie hört auf nichts, was man ihr sagt! Egal ob man mit ihr ruhig redet, oder schreit! Ich hab das Gefühl, gegen eine Wand zu reden.

Sie war doch immer so ein wunderbares Kind! Sie sagt "Bitte" und "Danke", ich lege viel Wert auf Höflichkeit!
Sie ist nach dem Essen immer brav bei Tisch sitzen geblieben, bis alle fertig waren. Sie hat immer brav ihr Zimmer aufgeräumt, wenn man es von ihr verlangt hat. Sie hat den Fernseher ohne Probleme ausgemacht, wenn ich ihr gesagt hab, sie soll ausmachen. Sie ist duschen gegangen wenn man ihr gesagt hat, sie solle Duschen und Pyjama anziehen...
Was ist aus diesem braven Kind geworden? Dieses fröhliche, lernfreudige Kind, das immer gut drauf war und so gern mit mir gekuschelt hat?

Ich bin wirklich langsam am Verzweifeln...
Kann es daran liegen, dass ich schwanger bin? Aber ich binde sie doch jetzt schon mit ein! Sie darf zu jedem Arzt termin mitkommen und liebt es, das Baby anzusehen! Und außer, dass ich jetzt im BV bin und nicht mehr arbeite, hat sich nichts geändert! Ich hab noch keine Babysachen in der Wohnung, ich hab noch kein Gitterbett aufgebaut (wär ja noch etwas früh). Kann sie denn schon eifersüchtig sein?

Oder ist es tatsächlich diese "6-Jahres-Krise"? Wenn ja, wie sollte ich mich verhalten? Was soll ich tun? Ich habe gelesen, man sollte das Kind miteinbeziehen. Aber das tun wir ja! Sie darf überall mithelfen, wenn sie möchte! Beim Einkaufen, Kochen, Putzen, wir spielen gemeinsam, gehen Spatzieren, besuchen Großeltern, machen Ausflüge... Zudem lernt sie seit September Klavier in der Musikschule und hat sehr viel Freude daran bzw. ist auch ganz Stolz darauf, wenn sie ein ganzes Lied spielen kann. Dann spielt sie es jedem vor, der bei uns zu Besuch ist! Als sie im September den Violinschlüssel gelernt hat zu zeichnen (und das ist wirklich nicht leicht für eine 5jährige), hat sie Tagelang überall diesen Violinschlüssel hingezeichnet, weil sie so stolz darauf war! Und ich hab ihr auch gesagt bzw. sag ihr immer wieder wie stolz ich auf sie bin!

Also was mach ich falsch? Was sollte ich ändern? Was sollte ich machen? Bitte helft mir! Ich bin für jeden Tipp dankbar!

Vielen Dank schon mal im Voraus, und euch allen einen guten "Rutsch" ins Jahr 2010!

Beitrag von bessi 25.12.09 - 19:48 Uhr

Hallo,

ich hatte bisher noch nichts von dieser 6-Jahres-Krise gehört, habe aber gerade mal gegooglelt. Guck mal hier...

http://www.pflegeeltern-neunkirchen.at/dateien/Sechsjahreskrise.doc

So wie Du es beschreibst, befindet sich Deine Maus scheinbar wirklich gerade in einem Umbruch - ähnlich der Pubertät. Bei den einen Kindern ist es ausgeprägter bei den anderen nicht so.

Eben nur eine Phase, bei der Du nicht alles auf die Goldwaage legen solltest, sondern im Gegenteil viel Verständnis haben musst. Es ist eben nicht leicht "erwachsen" zu werden.

Alles Gute Bessi

Beitrag von petra1982 26.12.09 - 08:15 Uhr

Das ihr verhalten euch kränkt ist mir bewusst, aber ich denke völlig normal. meine grosseltern haben uns damals als wir mal so reagiert haben die geschcihte meines onkels erzählt der an weihnachten auch mal gesagt hat, wie nur ein geschenk? da gabs nächstes weihnachten gar keins lach

war eben damals so, aber mit den erklärungen die du machst machst du nichts falsch und sie wird sich heute sicher über die kamera freuen. und wenn nicht ignoriert das gejammer einfach mal.

Beitrag von girland 26.12.09 - 21:02 Uhr

Hallo,

wie meine Vorschreiberin habe ich von einer Sechsjahreskrise auch noch nie gehört.

Allerdings würde es Sinn machen bzw das Verhalten unseres eigenen kleinen Monsters erklären ...

Leider haben wir dieselbe Situation wie ihr, auch wir bekamen Beschwerden, dass er zu wenig Sachen vom Weihnachtsmann bekommen hat.

Was im Zusammenhang mit Geschenken auch immer wieder auftaucht, ist bei uns der Geschwisterneid: aber Robin's Geschenk ist viel cooler/schöner/interessanter/wasauchimmer. Grrrrrr, ich hasse das.

Meine Aussage zu beiden Themen ist Standard und wird immer genauso vorgebracht: Wenn man etwas geschenkt bekommt, egal was und von wem, sagt man immer dankeschön, und dass es ganz toll ist. Das gehört sich so und aus, da lasse ich mich auf keine Diskussionen ein. Er kann vor sich hinmeckern, das wird von mir ignoriert, tut er dann auch #bla und irgendwann ist dann Schluss.

Kinder sind halt doch Egoisten ... und oft denke ich mir, dass heutzutage Kinder wirklich vielleicht einfach zu viel haben. Das hört sich jetzt an, als wäre ich über 60, aber wenn ich darüber nachdenke, was ich an Weihnachten bekommen habe ... ein klassisches Beispiel wäre ein Plastik-Spieltelefon, das man heute um vielleicht 6 Euro in jedem Spielzeugladen kaufen kann. Dies ist, trotz Wirtschaftskrise, die Zeit des Überflusses und für Kinder ist das gar nicht so leicht zu bewältigen.

Umso mehr sind wir gefragt ... gar nicht so einfach, oft. In diesem Sinne, uns beiden und allen anderen viel Erfolg in dieser und allen anderen Aufgaben, die uns das Leben mit Kindern so vor die Füße wirft! :-p

LG,

Regi

Beitrag von luka22 26.12.09 - 22:37 Uhr

Ich glaube dir geht es wie mir. Vor einem Jahr wurde aus meinem lieben Vorzeigepüppi ein Minimonster!!! Ich habe mir ehrlich Sorgen gemacht und auch überlegt ob ich zum Kinderpsychololgen soll. Sie hat plötzlich solche Wutanfälle bekommen und gebockt - ohne Ende. Und dann wurde mir irgendwann bewusst, dass meine Tochter noch nie eine Trotzphase hatte. Sie hat sich NIE im Laden hingeworfen und geschrieen: Ich WILLLLLL!!! Sie war immer absolut "pflegeleicht". Und ich habe erkannt: Das ist ihre Trotzphase. Zwar etwas verspätet, aber umso heftiger und dann habe ich gedacht: Kind, du hast sowas von Recht!!! Denn ich selber war als Kind immer extrem angepasst und lieb. Alle dachten immer mehr geht es super toll, aber in Wirklichkeit war ich sehr schüchtern und hatte schon als Kind Minderwetigkeitskomplexe. Ich dachte immer, ich verdiene es gar nicht etwas einzufordern. Und alle haben mich immer gelobt wie LIEB ich doch bin, so zufrieden und selbstlos.
Ich will NICHT, dass meine Tochter das Vorzeigepüppi ist. Sie soll ihren Willen entwickeln, sie soll ihre Wut zeigen, sie soll zeigen: Hier das bin ich! Das kann ich!
Als ich das erkannt habe, habe ich ihre Anfälle in ganz anderem Licht gesehen. Sie ist heute (ihre heiße Phase war mit 4 und dauerte ca. 6 Monate) eine liebe, kleine, freche, süße Göre über die ich jeden Tag lachen kann und wo ich oft denke: Ja, so habe ich mir immer meine kleine Pippi Langstrumpf gewünscht!

Liebe Grüße
Luka

Beitrag von valada 28.12.09 - 06:56 Uhr

Hallo,

ob es nachweislich eine 6-Jahres-Krise gibt, weiß ich nicht, aber meine Große ist jetzt 7 1/2 Jahre alt und wir hatten mit 6 Jahren eine massive Krise!!!!!

Ich habe mich wie die schlechteste Mutter der ganzen Welt gefühlt und habe mir den Kopf zerbrochen, womit ich denn sooooo schlimme Erziehungsfehler gemacht habe, dass sie so geworden ist....

Von Schrei- und Brüllattacken, dass ich dachte, gleich kommt die Polizei, bis Türenknallen über ein rotzfreches und respektloses Verhalten war alles drin, dazu war sie richtig undankbar und stinkendfaul...

So habe ich meine Tochter vorher NIE erlebt. Wir erziehen eigentlich in dem Stil liebevolle Konsequenz, also wir kuscheln viel und sagen uns oft, dass wir uns lieb haben, loben viel, aber dennoch bestimmen mein Mann und ich ohne Diskussion die Richtung. (Na klar, bei "unwichtigen" Sachen, sind Diskussionen und Ausnahmen schon mal drin, wenn das drumherum passt).

In den Griff bekommen haben wir es mit viiiiel Geduld, eisernen Nerven und noch mehr Konsequenz. Wenn sie ausgeflippt ist, musste sie ins Zimmer, weigerte sie sich, habe ich sie entweder getragen oder ich bin aus dem Raum gegangen (was effektiver war). Wichtig war, in den Situationen sich nicht provozieren zu lassen, das bringt garnichts, außer Tränen auf beiden Seiten!

In Bezug auf das Undankbare: Das ist das richtige Alter mit Taschengeld anzufangen und auch den einen oder anderen Wunsch abzuschlagen und mal nichts zu kaufen, ruhig mit den Worten, dass das Geld kostet und dafür im Moment einfach das Geld nicht da ist! Erst so lernen die Kinder den Zusammenhang zwischen Arbeiten - Geld verdienen - Ausgaben... Wenn in ein paar Wochen das Verhalten wieder anders ist, kannst du ihr ja ab und zu wieder was holen, aber im Moment würde ich Extra-Würste rigeros streichen.

Wir haben in ruhigen Momenten viel darüber geredet und versucht mit ihr über Gefühle zu reden (was bei uns recht schwer war, da sie es nicht benennen kann). Und ihr nochmal Möglichkeiten gezeigt, wie sie Wut rauslassen kann (z.B. ins Kissen schreien oder hauen)

Dazu habe ich gemerkt, dass sie ab der Zeit, mehr Zeit für sich alleine braucht, zum Musik oder Geschichte hören, Träumen... Sie will nicht mehr soviel mit mir zusammen sein..

Dazu hat sich geändert, dass es Fernsehen in der Regel nur noch am Wochenende gibt und auch da stark reduziert, sie vermisst es nicht und es tut ihr gut! Ich merke es direkt an ihrer Art, wenn sie mal zuviel Fernsehen (z.B. wenn sie bei der Oma ist) schaut.

Und ich habe gemerkt, dass ich zuviel rede #hicks und meine Tochter wirklich auf Durchzug geschalten hat... Jetzt rede ich weniger und sie hört wieder besser...

Wenn du allerdings die Konstante in ihrem Leben bleibst und du dich nicht stark veränderst um auf diese Situation einzugehen, wird sie innerhalb einiger Wochen aber wieder die Tochter werden, die du kennst!!!! ;-)

Übrigens:
Unser Kleiner kam auf die Welt, als unsere Große 6 1/2 war ;-) und sie liebt ihn abgöttisch!!!! Sie ist auch überhaupt nicht eifersüchtig, allerdings achten wir auch darauf, dass sie immer auch Zeit mit uns alleine hat ;-)

LG

Valada