Taschengeld?

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von 2froesche 28.01.10 - 18:29 Uhr

Hallo,

mein Sohn, 8 Jahre alt, bekommt 1 Euro pro Woche Taschengeld. Meistens spart er es einige Wochen, um sich dann irgendein Spielzeug (meist etwas von Lego) zu kaufen. Normalerweise sage ich nicht viel dazu, aber heute hat er sich für 20 Euro den (meiner Meinung nach) totalen Blödsinn gekauft. Ich weiß, dass sein Interesse daran schneller verfliegen wird, als es gedauert hat, diese 20 Euro zu sparen.
Was tut Ihr in so einem Fall? Intervenieren? Ihn trotzdem das Geld ausgeben lassen? Eigentlich muss er ja den Umgang mit Geld lernen, und eigentlich lernt er es nur aus eigener Erfahrung, aber bei so Schrott für 20 Euro tut's mir schon ein bisschen weh...
Was sagt Ihr dazu?

Gruß,
Danielle

Beitrag von jazzbassist 28.01.10 - 19:02 Uhr

Ihn das Geld ausgeben lassen. Es ist sein Taschengeld und was er damit anstellt, bleibt ihrem Sohn überlassen. Sonst verfehlen Sie das Konzept von Taschengeld. Die Aufgabe davon ist nun einmal, dass Kinder langsam den Umgang mit Geld erlernt. Und es sind unter anderem eben auch solche Erfahrungen (schlechte Kaufentscheidungen), die ihm dabei helfen werden.

Ich kann nach vollziehen, dass ihnen das schon ein bisschen leid tut. Aber ich denke, ihr Sohn wird da schon drüber hinwegkommen. Ansonsten können Sie ihm ja dabei helfen.

Wenn sie mir den kleinen Hinweis erlauben: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend empfiehlt auf ihrer Internetpräsens für einen 8-9-Jähriges Kind 2,00-2,50 Euro/ Woche Taschengeld. (http://www.bmfsfj.de/wegweiser/stichwortverzeichnis,did=38294.html). 1 Euro / Woche finde ich wirklich extrem wenig, um das gewünschte Ziel von Taschengeld zu erreichen :-p

Beitrag von silkes. 28.01.10 - 21:40 Uhr

Hallihallöle...

warum sollte sie sich an irgendwelche Richtlinien halten, wenn sowohl der Sohn als auch sie zufrieden ist?

Ich finde, solange man merkt, dass das Kind nicht mehr Geld braucht, sollte man nicht aufstocken, "nur" weil es das Bundesministerium für Famile, Senioren, Frauen und Jugend empfiehlt.

Ansonsten und @TE: Kinder sollten das Geld dafür ausgeben, auf was sie gespart haben- egal für wie sinnlos es die Eltern halten.

Grüssle Silke

Beitrag von jazzbassist 29.01.10 - 00:31 Uhr

Eventuell liegt es daran, dass solche Richtwerte nicht erwürfelt werden, sondern das Resultat ganz vieler ganz spannender Überlegungen sind …

Der einzige Grund, warum wir Kindern Taschengeld geben, ist der, damit unsere Sprösslinge lernen, mit Geld zu wirtschaften. Gebe ich meinem Sohn meine Kreditkarte (und ja, dank iTunes ist der ganz scharf darauf :-p), werden Sie mir sicherlich zustimmen, dass er so nicht lernen kann, mit Geld umzugehen. Denn wenn ein Kind zu viel Taschengeld bekommt, kann es sich alles kaufen, was es möchte und braucht auf Geld keine Rücksicht nehmen.

Um Ihre Frage zu beantworten (warum ihm mehr geben, solange er nicht flemmend in der Küche steht, da er gerade erfahren hat, dass der kleine, sechsjährige Bruder seines besten Freundes 50 Cent mehr Taschengeld in der Woche bekommt und das möglicherweise schon seine Gefühle verletzt hat) muss man gucken, wie Kinder lernen können, mit Geld zu wirtschaften. Volkswirtschaftswissenschaftlich ausgedrückt konsumieren wir Güter zur Bedürfnisbefriedigung. Geld ist also da, um Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Kind muss dementsprechend Bedürfnisse haben, um den Umgang mit Geld erlernen zu können; denn ohne diesem subjektivem Mangelempfinden (Bedürfnis) könnte ein Kind mit Geld nichts anfangen; da der einzige nutzen von Geld ist, Bedürfnisse zu befriedigen. Wirtschaften heißt somit, mit den gegeben Mitteln die bestmögliche Bedürfnisbefriedigung zu erreichen.

Die Bedürfnisse des 8-Jährigen Paul sind mit 2 Euro in der Woche Taschengeld optimal gedeckt. Denn es gibt Menschen, die sich ziemlich lange den Kopf darüber zerbrochen haben, wie Paul mit seinen 8 Jahren den optimalen Umgang mit Geld erlernen kann. Dazu muss man Marktpreise ebenso berücksichtigen wie potenzielle Bedürfnisse eines 8-Jährigen. Ein 8-Jähriger sollte nämlich seine täglichen Bedürfnisse befriedigen können (z.b. 15 Cent am Tag für einen großen Lutscher) aber auch größere Anschaffungen wollen, für die es sich lohnt, zu sparen. Diese dürfen nicht zu teuer sein, denn, Paul würde nicht 10 Jahre lang sparen, um ein einziges Bedürfnis zu befriedigen. Ein Bedürfnis in Pauls Altersgruppe könnte aber ein lustiges Taschenbuch für 5 Euro sein. Da Paul in der Woche sein halbes Taschengeld für Lutscher ausgibt, muss er genau fünf Wochen sparen, um sich das lustige Taschenbuch kaufen zu können. Und jetzt kann Paul anfangen, zu wirtschaften. Wirtschaften heißt nicht, auf das erste Bedürfnis (der tägliche Lutscher) zu verzichten. Wirtschaften könnte aber heißen, nur den kleinen Lutscher für 10 Cent am Tag zu kaufen - so kommt Paul unweigerlich eher an sein lustiges Taschenbuch. Vielleicht bei dem großen Lutscher bleiben, aber ihn nur noch alle zwei Tage kaufen? Oder ihn auch nur noch Werktags zu kaufen, da er am Wochenende immer bei Oma und Opa ist und dort sowieso einen Lutscher bekommt. So lernt Paul den Umgang mit Geld. Er macht sich nämlich Gedanken darüber, wie er mit seinen gegebenen Mitteln alle Bedürfnisse optimal befriedigen kann.

Ein 8-Jähriger, der hingegen nur einen Euro Taschengeld bekommt, kann dies nicht lernen. Denn selbst die Bedürfnisbefriedigung mit dem kleinen Lutscher verzerrt sein Taschengeld dermaßen, dass der Rest nicht reicht, um in realistischer Zeit das lustige Taschenbuch für 5 Euro kaufen zu können. Er hat somit keine Möglichkeit, das wirtschaften mit Geld zu lernen. Er kann lediglich sein Lutscher-Bedürfnis komplett einstellen. Das hat aber nichts mit wirtschaften zu tun, da dieses Kind keine Entscheidung mehr über Geld treffen muss sondern einfach nur wartet, bis fünf Wochen vergangen sind. Das Geld spielt also keine Rolle mehr, Sie bräuchten diesem Kind folglich kein Taschengeld zu geben, sondern könnten ihm auch einfach alle 5 Wochen ein lustiges Taschenbuch kaufen.

Lernen, mit Geld umzugehen, heißt nämlich nicht, das Taschengeld einfach in ein Sparschwein zu stecken und zu warten, bis 5 Wochen vergangen sind. Denn wirtschaften heißt auch nicht, genau das Haus zu kaufen, dessen Hypotheken das komplette Gehalt verschlingen um dann nach 10 Tagen verhungert zu sein, sondern, genau das Haus zu kaufen, dass mit den gegebenen Mitteln alle Bedürfnisse, die in einer Familie existieren, langfristig befriedigt werden können. Die Aufgabe von Taschengeld ist, Kinder langsam daran heranzuführen. Das funktioniert aber nicht, wenn ein Kind nicht die benötigte Menge an Taschengeld besitzt, um altersgerechte Konsumentscheidungen selbstständig treffen zu können.

Beitrag von dominiksmami 29.01.10 - 13:41 Uhr

Huhu,

soweit muß ich da zustimmen...wenns nicht wie überall ein ABER geben würde *g*

Ja ich weiß...blöd, dafür haben mich die Lehrer in der Schule noch nicht besonders gemocht, weil ich immer ein "Ja aber..." hintendran gehängt habe.

Das Aber hier....umfasst für mich mal wieder die Tatsache, das ich in diesen Ausführungen viel zu viel Uniformdenken wieder finde.

Was sind denn DIE Bedürfnisse eines 8 Jährigen? Gibts die überhaupt? Sehen die nicht bei jedem 8 jährigen anders aus?
Wozu diese Verallgemeinerungen und wie zum Geier...kommt man auf Summen die für alle Kinder gelten können?

Ich nehme mal meinen, sehr aus der Rolle fallenden, 8 jährigen und einige seiner ähnlich alten Freunde als Beispiele.

Mein Sohn...käme gar nicht auf die Verquere Idee sich einen Lutscher zu kaufen. Der einzige Lutscher den er mag, gibts beim Bäcker zu den "Minibrötchen", aber käuflich sind die dort nicht.
Ebenso mag er praktisch nichts anderes Süßes, das eine Stück Schokolade das er in der Woche mal isst...findet er selbstverständlich bei uns im Schrank, ich käme nämlich gar nicht auf die Idee für meinen Mann und mich einzukaufen und für einen 8 jährigen nicht.

Ebenso liest er ein einziges Heft das einmal im Monat raus kommt und das er immer schon von seiner Oma bekommt.

Hmm mal sehen, nein...andere Kleinausgaben hat er auch nicht, er sammelt nix, er mag keinen Krimskrams...nada.

So, nun liebt er aber seine DS Spiele. Und dafür spart er alles Taschengeld, Geburtstagsgeld und und und....wenn er dann die 40,- Euro zusammen hat, geht er los und kauft sich ein Spiel seiner Wahl, oder wie letztens....eben zwei reduzierte Spiele, weil er es besser fand ein Spiel mehr zu haben. Auf das Spiel das er eigentlich wollte, spart er jetzt wieder.

Der beste Freund meines Sohnes hingegen, investiert sein Taschengeld wöchtenlich in verschiedenste Hefte, Süßigkeite, Sammelkarten etc. er muß dafür immer bis zum Geburtstag oder bis Sinterklaas warten bis er ein neues Spiel bekommt...er spielt nämlich ebenso leidenschaftlich DS.

Ein weiter Freund, ok der ist erst 7, investiert sein ganzes Taschengeld in Süßkram...weil er zu Hause nichts bekommt. Er bekommt von allen dreien das meiste Taschengeld ( 2,50 Euro pro Woche, statt 2 Euro wie die anderen beiden) und schafft es nie sich ein Heft oder ähnliches zu kaufen, da bettelt er dann immer bei den anderen Kindern bis er es lesen darf.

Ich weiß nicht wer von den dreien "am besten" mit seinem Geld umgeht...ich sehe nur das mein Sohn sehr zufrieden mit dem ist wie es läuft, wogegen die anderen beiden oft etwas zu nörgeln finden oder um Taschengeld erhöhung betteln.

Neben, den vielleicht wirklich nicht schlechten Richtlinien, kommt es meiner Meinung nach aber viel mehr auf das einzelne Kind, die einzelne Situation an um zu beurteilen was gut und richtig ist.

Richtlinien können bestenfalls einzelne Anhaltspunkte sein, aber niemals die individuelle Entscheidung ersetzen.

lg

Andrea

Beitrag von jazzbassist 30.01.10 - 03:46 Uhr

Die Lehrer haben mich wegen meiner Art auch immer gehasst - ich kann das nachvollziehen :-p

Das mit dem "Uniformdenken" tut mir leid; ich bin eben nicht nur Vater, sondern auch ein Mensch, der beruflich zum wissenschaftlich arbeiten gezwungen ist. Ich lasse mir aber gerne vorwerfen, manchmal auch im Elternleben die Sachen sehr wissenschaftlich zu betrachten. Aber, nicht nur Urbia muss darunter leiden, sondern auch mein eigener Sohn :-p. In der Erziehung eines 10-Jährigen zeigt sich das dahingehend, dass mein Sohn, wenn’s schnell gehen muss und er einfach nur die Antwort wissen will, lieber seine Mutter fragt. Aber - wenn man ihn so dabei beobachtet, wie er seine Schulaufgaben löst oder mit gleichaltrigen diskutiert, merke ich schon, dass da einiges von seinem Vater hängengeblieben ist :-p

Und irgendwie kann der das auch ganz prächtig als Waffe gegen die Erziehung seiner Eltern einsetzen #kratz

>Was sind denn DIE Bedürfnisse eines 8 Jährigen?
>Gibts die überhaupt? Sehen die nicht bei jedem
>8 jährigen anders aus?

Da mein Sohn in dem Alter eine Xbox bekommen hat, waren die bei ihm seit dem primär Xbox Spiele. Vorher eher Lego. In ein paar Tagen ist er 11 und mittlerweile sind auch „Klamotten“ ein Thema bei ihm. Bedürfnisse sind aber in der Tat von Kind zu Kind völligst unterschiedlich und doch gruppiert auf Altersgruppen ziemlich gleich.

>Wozu diese Verallgemeinerungen und wie zum
>Geier...kommt man auf Summen die für alle
>Kinder gelten können?

Man beobachtet (ich weiß, jetzt werde ich wieder wissenschaftlich) das Konsumverhalten einer Gruppe von 8-Jährigen Probanden und analysiert es darauf, wie ein Kind am besten den Umgang mit Geld erlernen kann. Dies kann es, wenn es sich beim Konsum möglichst viele Gedanken über sein Geld machen muss. Es gibt sehr viele Konsumentscheidungen, die für diese Gruppe völlig irrelevant sind, weil sie erst mit dem Alter an Bedeutung gewinnen. Kleidung bsw. ist für die meisten 8-Jährigen Jungs etwas, dass die Mami kauft und das Kind im nachhinein nur entscheidet: "Das ist hässlich, dass ziehe ich nicht an." Also muss man bei der Höhe des Taschengeld für einen 8-Jährigen nicht berücksichtigen, dass ein Kind auch Entscheidungen über den Konsum von Kleidung treffen möchte. Bei Teenagern kommen z.b. üblicherweise Konsumentscheidungen über das private Vergnügen hinzu. Sei es z.b. die Jugenddisko. Das ist auch der Grund dafür, warum das Taschengeld mit dem Alter stetig steigen sollte, da immer mehr Konsumentscheidungen anfallen, die Kinder/Jugendliche selbstständig treffen möchten. Bei 8-Jährigen bleibt also eigentlich nur eine ganz kleine Schnittmenge von Konsumentscheidungen übrig.

Natürlich will ein 8-Jähriger auch die WII für 300 Euro haben; aber das ist keine Konsumentscheidung, die er mit seinem Taschengeld alleine treffen kann. Ein 8-Jähriger hat noch keine Vorstellung davon, was 300 Euro sind. Selbst wenn er die von Omi bekommt und für eine Woche in sein Sparschwein steckt. Es bleiben wirklich nur Kioskwaren (Süßigkeiten, Comichefte, Taschenbücher etc.) und Spielzeug (DS Spiel oder Lego etc.) respektive alles, was im Budget von 2 bis 7 Er Euro liegt, übrig, die für einen 8-Jährigen interessant ist. Diese bewegen sich in einem Preissegment, die ein 8-Jähriges Kind planen kann.

>Mein Sohn…käme gar nicht auf die Verquere
>Idee sich einen Lutscher zu kaufen. Der einzige
>Lutscher den er mag, gibts beim Bäcker zu den
>“Minibrötchen“, aber käuflich sind die dort
>nicht.

Mein Spatz hat zu Hause freien Zugang zu Süßigkeiten. Auch der würde so schnell nicht auf die Idee kommen, sich am Kiosk Süßes zu kaufen. Der Lutscher war halt nur ein theoretisches Beispiel.

>So, nun liebt er aber seine DS Spiele. Und
>dafür spart er alles Taschengeld,
>Geburtstagsgeld und und und....wenn er dann die
>40,- Euro zusammen hat, geht er los und kauft
>sich ein Spiel seiner Wahl, oder wie
>letztens....eben zwei reduzierte Spiele, weil
>er es besser fand ein Spiel mehr zu haben. Auf
>das Spiel das er eigentlich wollte, spart er
>jetzt wieder.

Das zeigt, dass ihr Sohn den Umgang mit Geld lernt. Es gehören sehr viele Überlegungen dazu, auf das neue Spiel erst einmal zu verzichten, dafür aber 2 etwas ältere zu bekommen, die man ebenfalls noch nicht hat. Das Kind überlegt aktiv: Wie kann ich mein Geld optimal nutzen; und darum geht es beim Taschengeld. Er könnte das nicht machen, wenn er so wenig Taschengeld bekäme, dass nicht einmal das günstige Spiel reichen würde, um es mit dem gegebenen Taschengeld zu erreichen. Dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als einfach so lange darauf zu warten, bis genügend Geld da ist. Das Geld übernimmt also nicht mehr die Rolle der Konsumentscheidung, sondern nur noch die der Zeitachse.

Eine Mutter hat hier sehr schön geschrieben, dass ihr 8-Jähriges Kind 50 Cent Taschengeld in der Woche bekommt. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, da sich mit 50 Cent eine These noch besser beweisen lässt, als mit 1 Euro. Der Grund dafür, warum ein 8-Jähriges Kind das Taschengeld i.d.R. wöchentlich bekommt, ist der, dass das durchschnittliche Kind erst im Alter von 10 Jahren in der Lage ist, einen ganzen Monat finanziell planen zu können. Das hießt nicht, dass es nicht auch Kinder gibt, die das schon mit 8 oder erst mit 12 können. So ein 8-Jähriger sieht also eigentlich nur 50 Cent Taschengeld; damit muss er nun seinen Konsum planen. Das kann er nicht, da selbst die kleine Kugel Eis für 60 Cent seinen ganzen Planungshorizont überschreitet; sein Planungshorizont sind eben nur 50 Cent. Selbst, wenn wir unterstellen, dass sein Planungshorizont zwei Wochen beträgt, kann er sich noch immer keine typischen Kiosksachen (Comicheft, Sammelkarten) oder Spielzeuge (Lego o.ä.) kaufen, die für seine Altersgruppe üblich sind. Und daher auch nicht lernen, mit Geld zu experimentieren. Das Geld die nächsten 6 Wochen in ein Sparschein verschwinden zu lassen, bis man eine alterstypische Konsumentscheidung treffen kann, bedeutet, 5x weniger Konsumentscheidungen treffen zu können und somit auch 5x schlechter den Umgang mit Geld erlernen zu können.

>Der beste Freund meines Sohnes hingegen,
>investiert sein Taschengeld wöchentlich in
>verschiedenste Hefte, Süßigkeite, Sammelkarten
>etc. er muß dafür immer bis zum Geburtstag oder
>bis Sinterklaas warten bis er ein neues Spiel
>bekommt...er spielt nämlich ebenso
>leidenschaftlich DS.

Auch das sind altersgerechte Konsumentscheidungen. Er muss aktiv überlegen, wie er sein Geld aufteilt.

>Ein weiter Freund, ok der ist erst 7,
>investiert sein ganzes Taschengeld in
>Süßkram…weil er zu Hause nichts bekommt. Er
>bekommt von allen dreien das meiste Taschengeld
>( 2,50 Euro pro Woche, statt 2 Euro wie die
>anderen beiden) und schafft es nie sich ein
>Heft oder ähnliches zu kaufen, da bettelt er
>dann immer bei den anderen Kindern bis er es
>lesen darf.

Ich liebe dieses Bild - hoffentlich lesen es alle Eltern dieser Welt :-p Aber, so seltsam es klingen mag, er kann trotzdem altersgerechte Konsumentscheidungen treffen. Denn er hat am Kiosk die Wahl zwischen Süßigkeiten oder dem Mickey-Mouse Heft. Unser 8-Jähriger mit 50 Cent Taschengeld hat die nicht, da sein Planungshorizont (50 Cent) alle möglichen Konsumentscheidungen ausschließt. Ist natürlich - zugegeben - ein sehr extremes Beispiel :-p

>Ich weiß nicht wer von den dreien "am besten"
>mit seinem Geld umgeht...ich sehe nur das mein
>Sohn sehr zufrieden mit dem ist wie es läuft,
>wogegen die anderen beiden oft etwas zu nörgeln
>finden oder um Taschengeld Erhöhung betteln.

Ich denke, alle 3 Kinder gehen „am besten“ mit ihrem Taschengeld um. Es gibt dabei nämlich kein richtig oder falsch. Es ist völlig egal, ob es das DS Spiel ist, die Süßigkeiten oder das Comic-Heft. Es geht darum, ein Kind langsam daran heranzuführen, dass Geld für das spätere Leben eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Das geht nur, wenn ein Kind selbst mit dem Geld rumspielt und experimentieren kann und dabei langsam feststellt, dass unterschiedliche Dinge einen unterschiedlichen Wert (aber auch einen unterschiedlichen Nutzen) haben. Das funktioniert am besten, wenn das Kind eine passende Menge an Geld zur Verfügung hat, um damit experimentieren zu können. Zu viel oder zu wenig Geld behindern ihn bei diesen Experimenten.

>Neben, den vielleicht wirklich nicht schlechten
>Richtlinien, kommt es meiner Meinung nach aber
>viel mehr auf das einzelne Kind, die einzelne
>Situation an um zu beurteilen was gut und
>richtig ist.

Ich denke, alle Kinder müssen auf die gleiche Gesellschaft vorbereitet werden. Unsere Kids starten zwar unterschiedlich, aber das Ziel ist das Gleiche. Sie müssen, spätestens wenn sie im Berufsleben angekommen sind und auf eigenen Beinen stehen, gelernt haben, mit Geld umzugehen. Einem Kind, dass „verschwenderisch“ mit Taschengeld umgeht, ist nicht geholfen, dass es von den Eltern deshalb mehr Taschengeld bekommt. So funktioniert das wahre Leben nicht. Einem 8-Jährigen, der sich (scheinbar) mit 50 Cent zufrieden gibt, ist auch nicht damit geholfen, ihm auch weiterhin diese 50 Cent zu geben, nur weil er sich nicht beklagt. Er zeigt damit einfach nur, dass sein Bezug zu Geld weniger gut ist, als dies bei einem durchschnittlichen 8-Jährigen Jungen der Fall sein sollte. Denn in 10 Jahren würde ich dieses Kind sofort einstellen, weil er gelernt hat, die gleiche Arbeit für 1/4 des Geldes zu erledigen.

>Richtlinien können bestenfalls einzelne Anhaltspunkte
>sein, aber niemals die individuelle Entscheidung
>ersetzen.

Dem kann ich mich auch eigentlich nur anschließen. Aber ich finde, gerade Foren wie Urbia zeigen, dass es sehr viele Eltern gibt, die in sehr vielen Bereichen bezüglich Erziehung sehr unsicher sind und leider auch individuelle Entscheidungen treffen (können), die vielleicht für die kindliche Entwicklung eher kontraproduktiv sind. Ich finde es daher nicht unwichtig, Eltern solche Orientierungswerte mit auf dem Weg zu geben, denn, dann kann man sich zumindest schon mal darauf verlassen, es nicht ganz so falsch zu machen.

Beitrag von frotteemonster 28.01.10 - 19:02 Uhr

Ich persönlich finde 1 Euro zu wenig...

würde auf 1,50 bzw. 2 Euro/Woche erhöhen (wenn möglich)

Ansonsten, ich weiss was du meinst. Ich rede mit meinen Kindern darüber und frage nach ob sie es WIRKLICH wollen/brauchen manchmal denken sie wirklich nochmal darüber nach und entscheiden sich dann um.

Aber wenn sie umbedingt wollen *schulterzuck*
ja mei...


Da macht mir mein Mann mehr Probleme - was er sieht u. gefällt muss er haben #schwitz
...wenn nicht ich währe#cool

Beitrag von stemirie 28.01.10 - 20:16 Uhr

Hallo,

also meine Große (10) bekommt von uns wöchentlich 2€ und vom Opa ebenfalls......also insg. 4€.
Wenn ich sehe wofür sie so ihr Geld ausgibt, könnt ich manchmal heulen. Aber ich lass sie trotzdem...........!

Neulich waren wir mal unterwegs und da wollte sie sich auch für über 10€ einen absoluten Mist kaufen. Da sie ihr Geld nicht dabei hatte, fragte sie mich ob ich ihr das solange vorstrecken würde. Leider, leider hatte ich selber nicht mehr genug Geld dabei ;-) ;-)...somit konnte diese "Müll" Investition von mir vermieden werden #schein

LG

Beitrag von xenotaph 28.01.10 - 20:39 Uhr

hmmm, meiner ist 8 und bekommt 50 ct in der woche und hat sich noch nie beschwert ( er kauft davon immer süßkram - kaugummis für 5 ct, jeden schultag 2 stück)

ich wollte eigentlich erst nächstes schuljahr erhöhen ...

Beitrag von yasemin27 29.01.10 - 00:42 Uhr

also meine kinder bekommen monatlich taschengeld und sie sparen echt eifrig für größere sachen

... wenn sie sich mal mist holen wollen dann rede ich mit ihnen und sage dass ds zu teuer ist usw. meisten sind sie aber auch zu geizig ;-)

1 euro find ich abe r auch zu wenig

mein sohn 9 bekommt 12 euro
tochter 8 bekommt 10 euro
tochter 6 bekommt 8 euro.

ich denke in der heutige zeit wo schon ein mickymausbuch um die 4 euro kostet muss auch das taschengeld passen.

Beitrag von kirsten007 29.01.10 - 12:56 Uhr

Hallo,

ich finde grundsätzlich, dass die Kinder mit ihrem Taschengeld machen können, was sie wollen, dafür bekommen sie es ja. Ich nehme mir aber schon das Recht raus, ihn danach zu fragen, ob es ihm das WIRKLICh wert ist und zeige ihm dann durchaus auch, wieviel Geld dann aus seinem Spartopf weg ist, das hat schon ein paar Mal geholfen.

Ich würde ihn das Geld ausgeben lassen.

Lieben Gruß
Kirsten

Beitrag von giselah82 29.01.10 - 15:26 Uhr

Oh das ist wirklich ein bissche, was kann man sich heutzutage denn schon von 1 Euro kaufen? Ein Kaugummi kostest inzwischen ja chon 70 cent......
Ich fände 4-5 Euro angemessen! Die 1 Euro kann man isch ja fat spare..... da muss er ja einen monat warten, bis er sich mal ne micky maus kaufen kann.. :-)

Beitrag von 2froesche 29.01.10 - 19:19 Uhr

Hallo,
vielen Dank für Eure Antworten.
Tatsächlich hatte ich mich noch nie mit anderen Eltern über die Höhe des Taschengeldes unterhalten. Da mein Sohn noch nie gejammert hat, dass es zu wenig sei, wurde es also nie erhöht. Wird dann jetzt vielleicht mal Zeit.
Ansonsten war die Aussage bei allen ja dann doch ähnlich: Kinder sollen von ihrem Geld das kaufen dürfen, was sie wollen.
Danke und lieben Gruß,
Danielle

Beitrag von hedda3 30.01.10 - 01:55 Uhr

Hochachtung an deinen Sohn, dass er so eisern gespart hat!!

LG sabine