Geburtserfahrungen in Schwellenländern

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Beitrag von ticopapa 28.03.10 - 08:54 Uhr

Heute kam mein 2. Sohn gesund und munter in Costa Rica zur Welt. Wieder im selben KH mit den gleichen positiven Erfahrungen.

Hab ein bisschen durchs Forum gespickt und festgestellt, dass doch bei Manchen ein absoluter Geburtshorror herrscht.
Spezialklinik, am besten mit 100 Fachärzten an der Seite und startbereitem Hubschrauber für den Fall der Fälle.
Man bekommt so ein wenig den Eindruck, als ob eine Schangerschaft bzw. Geburt eine Krankheit wäre.

Ich persönlich finde ja die Möglichkeit der Hausgeburt am Allerbesten. Leider ist dies hier in Costa Rica nicht allzu populär. Fast alle Frauen bringen ihre Kinder in der Klinik zur Welt.
Dort ist allerdings nur selten ein Arzt zu sehen, fast die ganze Arbeit übernehmen die HA.
Heute waren 3 Ammen für 6 Patientinnen zuständig. Die Chefhebamme entscheidet was zu tun ist und ist bei den schwierigeren Geburten anwesend.
Ein Arzt wird nur bei wirklichen Problemfällen hinzugeholt, KS o.ä.(und die HA steckt den eh´in die Tasche mit ihrer Erfahrung).
Praktisch entscheidet die HA was zu tun ist.

Der Geburtstrackt der öffentlichen Klinik in Liberia, Costa Rica ist ziemlich neu. Es ist absolut sauber und es gibt Air condition. Die erwartenden Frauen werden in einer Art von Einzelkabinen untergebracht. In jeder Kabine gibt es moderne Gerätschaften, z.B. Sauerstoffgeräte made in Germany.
Alle 10 Minuten kommt die HA, fragt nach dem Befinden und misst den MUMU(Standard).
Die Chef-HA kommt auch ab und an vorbei und vergewissert sich, dass allles OK ist bzw. gibt Instruktionen wie zu verfahren ist.

Man wartet bis zum letzten Moment bis man in den Kreissaal kommt. Auch hier alles 100% sauber und AC. Je nach Schwangerschaft wird die Geburt durch 1 HA abgewickelt oder es kommt noch eine Weitere oder die Chef-HA dazu.
Die HA macht alles bis hin zum "Zusammennähen" nach der Geburt.
Ärzte sieht man selten, aber ich hatte nie das Gefühl, dass die Mädels das nicht im Griff haben.

Nach der Geburt kommt die Mutter in den Post Parto Bereich, dezent beleuchtet und klimatisiert, wo es gleich etwas zu trinken und ein landestypisches Essen gibt. Nach ca. 1/2h werden dann die Babys "verteilt", gewogen, gemessen, gewaschen usw.

Ein paar Stunden später werden Mädels und Kids dann in 8-er Zimmer verlegt. Dort ist es zwar immer noch sauber, aber kein AC. (sind halt die Tropen hier).

Die Mütter bleiben mit den Kids immer über Nacht zur Beobachtung und Nachkontrolle durch Kinderarzt und Gynäkologe. Am nächsten Morgen kommt dann immer Jemand vom Meldeamt und hält die Daten fest. Säumige Väter werden hier sofort dokumentiert.

Wenn ich mir hier so die Stories durchlesen kommt mir die medizinische Versorgung hier gar nicht so schlecht vor, die Kindersterblichkeit ist übrigens auf deutschem Niveau.( Man verzichtet hier auf eine Armee und investiert das Geld in sinnvollere Dinge)

Würd mich aber interessieren, was Ihr für Geburtserfahrungen in anderen Ländern gemacht habt.



Beitrag von becca04 28.03.10 - 10:31 Uhr

Hallo,

hört sich für mich danach an, als sei Costa Rica näher dran an den WHO-Empfehlungen für Geburten als Deutschland.

So empfiehlt die WHO z.B. für Industrieländer eine KS-Quote von unter 10%! Deutschland steuert aktuell ziemlich schnurstracks die 30%-Marke an!!!

Auch in Deutschland sind die Hebammen oft erfahrener, doch muss (!) in der Austreibungsphase ein Arzt automatisch hinzugezogen werden und der steht in der KH-Hierarchie ja weit über der Hebamme und reißt oftmals die Entscheidung über evtl. medizinische, medikamentöse Eingriffe an sich. So ist es mir jedenfalls in meiner 1. Geburt ergangen und ich habe aus dieser Erfahrung auch umgehend meine Konsequenzen gezogen.

Also: Dir einen lieben Glückwunsch zu dieser schönen Geburt und alles Gute in Costa Rica,
Becca.

Beitrag von anyca 28.03.10 - 11:04 Uhr

"doch muss (!) in der Austreibungsphase ein Arzt automatisch hinzugezogen werden "

Das ist Unsinn. Bei der Geburt meiner zweiten Tochter waren nur die Hebi und natürlich mein Mann dabei, als sie "rauskam".

Auch Geburtshaus- und Hausgeburten wären ja gar nicht möglich, wenn das Pflicht wäre.

Es ist vielmehr so, daß der Arzt eine Hebi hinzuziehen muß und die Geburt nicht alleine betreuen darf!

Beitrag von becca04 28.03.10 - 11:54 Uhr

Tja, leider ist das in den meisten KH kein Unsinn - : Sobald der MuMu 10 cm hat, wird der Arzt gerufen und dann übernimmt oftmals der Arzt die Leitung der Geburt. Ich spreche ja auch nur von den Regeln im KH - nicht von HG oder Geburtshausgeburten, die natürlich allein durch die Hebis geleitet werden dürfen.

Manchmal umgehen Hebammen im KH diese Regel, indem sie erst Bescheid sagen, wenn das Kind schon fast geboren ist...

Beitrag von minnie85 28.03.10 - 12:48 Uhr

In wievielen KKH warst du denn schon, dass du das weißt? Ich habe das nicht so erlebt.

Lies dir doch einfach mal das Gesetz durch: da ist verankert, dass Hebammen alleine leiten dürfen, Ärzte haben die Hinzuziehungspflicht!

Beitrag von hebigabi 28.03.10 - 11:42 Uhr

MUSS NICHT - denn in D besteht nur eine Hinzuziehungsflicht einer Hebamme zur Geburt, aber nicht die eines Arztes.

Deswegen müssen bei den Geburten immer Hebammen sein, Ärzte dürfen alleine garnicht :-p.

Allerdings sind sie im Krh immer da, also ruft man sie auch- obwohl ich manche Ärzte am liebsten immer gerufen hab, wenn´s Kind schon (fast) draußen war, weil die immer mehr Stress und Hektik gemacht haben, als nötig!

LG

Gabi

Beitrag von minnie85 28.03.10 - 12:46 Uhr

Das stimmt nicht, die Hebamme darf eine normale Geburt alleine leiten. Im Gegenteil, der Arzt MUSS eine Hebamme hinzuziehen. Und die Hebamme nimmt in der Krankenhaushierarchie eine Sonderstellung ein und ist keineswegs dem Arzt untergeordnet, sondern gleichgestellte Partnerin.

Beitrag von nutschie 28.03.10 - 17:39 Uhr

allerdings trägt der arzt im krankenhaus die verantwortung, wenn was schief geht...!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
zumindest rechtlich

Beitrag von rmwib 28.03.10 - 22:33 Uhr

Hier MUSS kein Arzt da seibei sein.

Beitrag von minnie85 28.03.10 - 12:45 Uhr

Bis auf die 8er Zimmer klingt das ja deutlich besser und evidenzbasierter als in Deutschland!

Denn die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt es ja ziemlich so, wie du beschreibst (bis auf alle 10 min. vaginal untersuchen...das hätte mich ziemlich gestört!).

Beitrag von widowwadman 28.03.10 - 20:57 Uhr

Ich war nach der Geburt auf nem 6 Bett-Zimmer (recht normal in England) hat mich aber nicht sonderlich gestoert, da man sich ja mit Vorhaengen abteilen konnte.

Beitrag von honolulumieze 28.03.10 - 17:22 Uhr

Ich kann dir dazu nur schreiben, dass ich eine extrem schwierige Geburt hatte (nicht vorhersehbar) und dass letztlich nur für mich 2 Hebammen und 3 Ärztinnen im Einsatz waren. Dank Kinderintensivstation hat meine Tochter überlebt. Ich weiß nicht, ob sie einen Transport per Krankenwagen/Hubschrauber überstanden hätte und auch mir ging es so schlecht, dass ich 7 Tage im Krankenhaus liegen musste. Manche Frauen stellen hier immer alles so rosig dar. Diejenigen, die eine leichte Geburt hatten, können meiner Meinung nach froh sein. Ich wünsche niemandem so eine Geburt wie ich sie hatte. Ich habe mich jedoch bewusst FÜR eine große Klinik mit Kinderintensiv und Kinderärzten entschieden, die 24 Stunden anwesend sind. Es war die richtige Entscheidung.

Und du hast heute entbunden? Und bist dann schon direkt bei Urbia? #kratz

Beitrag von tykat 28.03.10 - 20:01 Uhr

"Manche Frauen stellen hier immer alles so rosig dar."

Das finde ich auch.Ich hatte auch eine schwere Geburt und es war die beste Entscheidung in einem KH mit Kinderintensiv zu entbinden, denn dort mußte mein Sohn nach der Geburt sofort hin.
Oft heißt es ja, in einem Geburtshaus oder zu hause würden viele Komplikationen gar nicht auftreten, da die Atmosphäre da so entspannt sei...aber das ist für mich nur Schönrederei, wenn man das Glück hatte eine schöne und gut verlaufende Geburt zu erleben.
Komplikationen kann es überall geben.Und ich bin froh, dass wir für diesen Fall gewappnet waren!

LG

PS:Wenn ich die VK richtig verstehe, ist es ein Papa, der hier postet und nicht die Mama;-)

Beitrag von qrupa 29.03.10 - 07:14 Uhr

Hallo

es gibt bei HG nicht weniger Komplikationen wegen der Atmosphäre, sondern weil es eine 1:1 oft sogar 2:1 betreuung gibt und sehr viele probleme und Komplikationen sich schon sehr früh ankündigen bevor sie tatsächlich zu einem Risiko werden. Das bekommt eine Hebamme, die wirklich nichts anderes zu tun hat als sich um einen einzige Frau zu kümmern einfach eher mit und kann dann eingreifen noch bevor es bedrohlich wird. Außerdem wird auf viele Eingriffe verzichtet die nachweislich! mehr schaden als nutzen bringen.

LG
qrupa

Beitrag von nutschie 28.03.10 - 17:35 Uhr

schön, wenn es bei dir so war, von einer freundin von mir ist das kleine in einem geburtshaus in lima bei der geburt in der 38 ssw gestorben...
#kerze
also bitte nicht verallgemeinern...

Beitrag von donaldine1 31.03.10 - 15:58 Uhr

Aber ein Geburtshaus ist auch noch mal was anderes als ein Krankenhaus.
Das mal zum Thema Verallgemeinern......

Beitrag von jessi273 28.03.10 - 21:37 Uhr

hallo,

ich kann dir ja nur von meinen geburten schreiben. da ich eine beleghebi hatte, hatte ich eine 1zu1 betreuung und wäre ganz schön ausgeflippt, wenn die mir alle 10 minuten den mumu untersucht hätte#kratz ein arzt kam in den letzten 5 minuten der austreibungsphase dazu. 2 minuten später war er wieder weg. anschließend brachte mir meine hebi essen und trinken in den kreisssaal, ich mußte also nirgendwo hin gebracht werden. zum glück konnte ich anschließend heim und mußte nicht mit 8 anderen frauen im zimmer liegen. mein baby war keine sekunde weg von mir, selbst während der u1 stand ich daneben und habe zugesehen, also nix mit "verteilen".
keine ahnung, wo es "armeen" an ärzten gibt, bei uns in berlin sicherlich nicht. ich lese eher immer, dass sich die frauen darüber aufregen, dass sie in der eröffnungsphase stundenlang allein gelassen werden (was ja allerdings durchaus nachvollziehbar ist;-))

*lg*

Beitrag von ticopapa 29.03.10 - 10:35 Uhr

mag schon sein, dass man in Costa Rica weniger Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten, wie alle Nase lang den Mumu zu untersuchen legt(und wenns einen stört, kann mans ja auch sagen) und dass man für 20$ Kassenbeitrag im Monat kein Einzelzimmer und Essen wie im Hotel erwarten kann.
Man kann ja auch 2000$ abdrücken und in der Privatklinik mit allem Schickschnack entbinden.

Aber das sind wie gesagt typisch deutsche Luxusprobleme und haben nichts mit der Qualität der medizinischen Versorgung zu tun, und darauf kommt es für mich an.
Außerdem entbinden in der Provinzklinik wo wir waren jeden Tag ca. 40-70 Frauen, während D ja schon einem riesigen Altersheim gleicht, weil keiner mehr Lust hat Kinder zu bekommen.
Und 1 Nacht im 8er Zimmer ist natürlich fürchterlich#klatsch
Die Mütter und Kinder im Zimmer könnten sich ja untereinander sozialisierenund die Babys sehen andere Babys.#kratz

Und für was braucht man einen Arzt im Kreissaal, womöglich noch einen Frischling, wenn eine erfahrene HA da ist, die schon 1000ende Kinder erfolgreich auf die Welt geholfen hat? Außerdem bin ich der Meinung, dass im Zweifelsfall eine Frau instinktiv besser weiss, was eine andere Frau grad hat.
In D würde ich wohl eher eine Hausgeburt anstreben.

Anyway, rein statistisch gesehen ist nur Kuba(huch- die Kommunisten) und Chile vor CR in Lateinamerika, was die Kindersterblichkeit angeht, und das auch nur, weil CR leider noch sehr stark die medizinische Versogrung der Ureinwohner vernachlässigt, die zum großen Teil noch in abgelegenen Urwaldgebieten leben und eben entbinden müssen wie noch vor 500 Jahren mit dem Unterschied, dass die althergebrachten Heilkünste in Vergessenheit geraten sind und schon vor langer Zeit die Krankheiten der Weissen Einzug gehalten haben.

Für mich als nun 2-facher Papa war es auf jeden Fall wieder eine sehr positive Erfahrung, alle sind gesund und für die Nachsorge ist auch garantiert

Beitrag von jindabyne 29.03.10 - 23:13 Uhr

Ich hab zwar keine Geburtserfahrungen außerhalb Deutschlands gemacht, aber ich war mal in einem Kreißsaal in Tansania. Tansania ist kein Schwellenland, sondern eines der ärmsten Länder der Welt. Und ich muss sagen, NIEMALS hätte ich dort ein Kind gebären wollen (Putz bröckelte von den Wänden, nix mit schicker Air Condition, Kissen waren fleckig, Gerätschaften wurden dort gelagert, die nix in einem Kreißsaal zu suchen haben, usw.).

Wie auch immer, ein 8-Bettzimmer, wie von Dir beschrieben (8 Mütter + 8 Babys #schock ???), wäre nun auch nicht gerade mein Traum gewesen...

Ich habe beide Kinder in einem deutschen Geburtshaus bekommen und das war gut so.

Lg Steffi

Beitrag von jindabyne 29.03.10 - 23:17 Uhr

Und, ähm, ja, ich hätte auch nur eine einzige Nacht im 8-Bettzimmer (oder eher 16-Bettzimmer, wenn man die Babys dazu rechnet) als schlimm empfunden, denn nach der Geburt wollte ich jedes Mal nur eines: RUHE!!! :-pn Und die kriegt man sicherlich nicht, denn eines der neugeborenen Babys ist bestimmt immer wach...

Beitrag von cooky2007 01.04.10 - 10:53 Uhr

Schön, dass es bei euch so gut gelaufen ist.

Mein Sohn hatte allerdings wahrscheinlich dort nicht überlebt. Also bin ich dankbar, in einem Industrieland zu leben mit Kinderintensiv und denkabr guter Versorgung.