Wie mit der Trauer umgehen?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von jona1 06.04.10 - 01:15 Uhr

Hallo Ihr LIeben,

mein Papa ist vor genau vier Wochen nach langer Krankheit im Alter von 55 Jahren gestorben....

so nun kommt wohl langsam so die Phase wo mir klar wird das er NIE wieder kommt... ich kann damit nicht umgehen. Ich verschliesse mich will nicht reden aber ich hab selbst vor mir Angst das ich daran kaputt gehe...

wie geht ihr mit er Trauer um ?

Danke Euch und alles LIebe
JOna

Beitrag von arkti 06.04.10 - 01:52 Uhr

Hallo!
mein Beileid.
Bei mir ist es jetzt fast ein Jahr her......
Anfangs wollte ich nicht reden, dann wollte ich und es wollte keiner mehr zuhören.
Dann hatte ich die Gelegenheit aber es ging wieder nicht, reden klappt halt nicht per Knopfdruck.
Nun warte ich auf die nächste Gelegenheit, für mich kommt dafür nur noch eine Person in Frage.....vom rest bin ich zu enttäuscht.

Warte nicht solange wie ich, man geht kaputt.....

Beitrag von 444444444444444 06.04.10 - 07:01 Uhr

Hallo
Als mein Vater als ich 18 war innerhalb von 14 Tagen an Lungenkrebs gestorben ist und ich mich nicht "verabschieden" konnte war das sehr schlimm für mich.
Ich habe lange Zeit ein kleines Ritual gemacht was mir persönlich sehr geholfen hat.

Ich habe meinen Vater jeden Monat einen Brief geschrieben mit allem was mir noch so einfiel was ich ihm gerne sagen wollte und ihn an dem Tag im Monat als er starb verbrannt.

Beitrag von glucke68 06.04.10 - 08:46 Uhr

Hallo Jona

mein Beileid.

Mein Papa ist im Alter von 59 Jahren an Speiseröhrenkrens gestorben,wir waren bis zum Schluss bei ihm.

Die ersten Tagen,war ich ganz ruhig mir ging es gut,er hat wirklich sehr gelitten und ich dachte mir,ich brauch jetzt nie mehr Angst um ihn zu haben,er hat keine Schmerzen mehr,keine Atemnot,ihm geht es jetzt auch gut da wo er ist.

Nach ein paar Monaten ging es mir verdammt schlecht,es tat so weh an ihn zu denken und wenn ich an ihn dachte,sah ich ihn immer gesund nie so wie er zum Schluss aussah,wir hatten Fotos von ihm und uns gemacht , so schlecht wie er auf den Bildern aussah,so habe ich ihn während der Zeit nie gesehen :-(

Ich habe mir Fotos angeschaut,seine Lieder von der Beerdigung gehört,mir ging es richtig schlecht war nur am weinen,meine Töchter fragten mich schon warum ich mich so quäle aber irgendwie gehörte es zu meiner Trauer dazu und wir haben sehr viel über ihn geredet und auch gelacht,weil mein Papa war ein Unikat ;-)

Jetzt ist er nächsten Monat schon 6 Jahre nicht mehr bei uns und ich weiss nicht wo die Zeit geblieben ist,mir kommt es vor als sei es letzten Monat gewesen, wir reden nach wie vor viel von ihm,meine Kinder erzählen viel vom Opa ,er hätte jetzt ein Urenkelchen,sie durfte er leider nicht kennenlernen . Ich habe ein Bild von ihm hier stehen und Lilly nimmt es in den Arm küsst das Bild,sagt Papa,weil ich ihr sage,dass es mein Papa ist und ihr Ur-Opa aber das versteht sie noch nicht und läuft mit dem Bild rum.Er wäre bestimmt mächtig stolz.

Ich habe während seinder Krankheit sehr viel von Elisabeth Kübler Ross gelesen,sie hat mir geholfen meinen Papa loszulassen und nach seinem Tod habe ich sehr viele Bücher über das Sterben und das Leben danach gelesen,ich glaube sehr fest daran das es was danach gibt,ich glaube sonst wäre ich nicht so gut damit klar gekommen.

Lass dir Zeit mit deiner Trauer,bei dir ist es noch ganz frisch und ich empfand das 1. Jahre als das schlimmste,alles passiert das 1. mal ohne ihn Geburtstage,Weihnachten usw.

Ich vermisse ihn nach wie vor aber man lernt damit zu leben und er ist immer noch bei uns,halt nicht körperlich ;-)


Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit und viele gute Freunde um dich rum,die dir auch zuhören


LG
Daniela

Beitrag von kruemlschen 06.04.10 - 14:07 Uhr

Hallo Daniela,

habe gerade Deine tolle Homepage angeschaut und meine Augen blieben natürlich nicht trocken.

Mein Papa hat auch Speiseröhrenkrebs (allerdings Adenocarcinom) T4 mit Metas in der Leber, bei ihm wurder der Primärtumor nur durch die Metas gefunden.

Mir graut es so vor dem Tag X, alle wissen er kommt und doch ist man so hilflos.

Ich finde Ihr habt das ganz toll gemeistert, ich hoffe wir werden auch so stark sein und meinen Papa bis zum Schluss so liebevoll begleiten können.

LG Steffi

Beitrag von glucke68 06.04.10 - 15:20 Uhr

Hallo Steffi,

es freut mich,dass Dir unsere HP gefällt auch wenn sie aus keinem schönen Grund entstanden ist.

Meine Schwester und ich machten sie damals um mit der Trauer besser klar zu kommen.

Unser Papa kam am 26.03 zum sterben nach Hause und obwohl es jetzt schon soviele Jahre her ist,durchlebt man alles nochmal bis zum 24.5.

Es war eine traurige aber auch eine wunderschöne Zeit,weil vorher ist alles so normal,er war halt immer da und die letzten 8 Wochen waren die intensivsten als die ganzen Jahre davor

Ich wünsche Dir noch eine schöne gemeinsame Zeit mit deinem Papa,genieße sie auch wenn es schwer fällt und das allerschwerste ist das loslassen aber lieben heißt auch loslassen.

Ist dein Papa zu Hause?


Du kannst dich gerne jederzeit bei mir melden.

LG
Daniela

Beitrag von schullek 06.04.10 - 09:06 Uhr

hallo,

erwarte nicht zu viel von dir und den anderen. zum einen geht jeder anders mit trauer um. oft ganz anders, als man es vorher erwartet hat. oft ist man auch über sich selber erstaunt.
schau einfach, wie du dich fühlst, nimm die gefühle an. das kann jeden tag anders sein. versteck sie auch nicht vor deiner familie aus angst den anderen zu schaden etc. wenn du kinder hast, auch nicht vor ihnen!

der schmerz wird dich dein leben lang begleiten. aber er wird sich verändern, dich nicht mehr ganz erfassen. du wirst lernen damit zu leben, ihn in dein leben integrieren. und wirst auch wieder glücklich sein. die zeit ist schwer, aber dein freund.

lg

Beitrag von coki01 06.04.10 - 10:38 Uhr

tut mir leid..

bei uns ist es nun 10 jahre he..einen tag vor unserer hochzeit ist er gestorben plötzlich..!!..

verkraftet naja wir reden offen darüber....und es gibt immer wieder augenblicke wo ich aus heiterem himmel anfange zu weinen......

zb.. wenn ich meine kinder angucke....er hat sie nicht erlebt...das finde ich am schwersten..er hätte sie so gemocht...

oder beim autofahren wenn ein bestimmtes lied kommt...oder wnn ich meine mama besuche..es ist so leer das haus......

er fehlt überall....!!! und doch lernen wir damit um zu gehen.....

es ist nicht einfach..weil wir immer das gefühl haben gleich kommt er um die ecke.....

trauer das darfst du...#liebdrueck

Beitrag von asimbonanga 06.04.10 - 16:53 Uhr

Hallo Jona,
heute vor 2 Wochen wurde mein Vater beerdigt.Ich war heute wieder auf dem Friedhof-ich bin oft dort.Das hätte ich mir nie vorstellen können.

Nun bin ich soviel älter als du-man sollte meinen , da empfindet man es als "normaler" das die Eltern sterben.

Dem ist nicht so.

Jeder trauert anders--- höre auf deine innere Stimme und verdränge Nichts.
Dein Vater ist gestorben-du hast allen Grund der Welt zu trauern.

Allerdings glaube ich auch , das man ein Stück weit ,auch um sich selbst weint-das Kind das man mal war und das Gefühl einen Beschützer zu verlieren-------

Ich lese Bücher über den Tod,schaue mir immer wieder sein Bild an-höre die Lieder von der Beerdigung ( wir haben sie gemeinsam ausgesucht ).
Da ist soviel Dankbarkeit und Liebe für meinen Vater.

Es wird immer kommen-wie eine Welle--------lass es zu.Alles andere schadet dir bestimmt.

Alles Gute für dich #sonne


Asbo

Beitrag von damnrats1 09.04.10 - 22:17 Uhr

Hallo Jona,

jeder geht mit Trauer anders um.
Den einen hilft es,mit Freunden/Familienmitgliedern viel zu reden,die anderen trauern für sich,ohne viel mit anderen darüber zu reden.

Die Trauer ist aber keine Phase,nicht begrenzt auf einen Zeitraum von...bis.
Sie ist immer da,hört nie auf.Nicht dein Leben lang.
Sie kommt und geht.
Trauer verändert dich,aber du veränderst dich ja auch.
Daran kaputt gehen wirst du nicht,auch wenn ich verstehen kann,dass du im Moment dieses Gefühl hast.Du wirst lernen,damit umzugehen.Du darfst dich nicht vor diesen Gedanken verschließen.

Alles Liebe.
Lucy

P.S.Du kannst mir jederzeit über meine VK schreiben.