Down-Syndrom, Kind bekommen oder nicht?

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Forum: Ungeplant schwanger

Was ist, wenn eine Schwangerschaft überraschend und ungeplant kommt? Hier kannst du fragen, wie andere diese Situation bewältigt haben. Grundsatz-Diskussionen um das Thema Schwangerschafts-Abbruch sind allerdings besser im Forum "Allgemeines" aufgehoben.

Beitrag von bin am zweifeln 21.04.10 - 18:07 Uhr

Hallo zusammen,

ich muss mir hier mal den Kummer von meiner Seele reden.

Meine Schwester (23 J) hat vor einigen Tagen die Nachricht erhalten, dass Ihr Kind das Down-Syndrom hat.

Sie ist natürlich mit den Nerven am Ende.
Keiner hat damit gerechnet. Vorallem, weil Sie noch so jung ist.

Nun steht Sie vor der Entscheidung, ob Sie das Kind bekommen soll, oder nicht.

Bitte verurteilt Sie nicht. Sie ist Heilerziehungspflegerin und arbeitet in einer Behinderten-Einrichtung.
Sie weiß, was auf Sie zukommt. Im Umgang mit solchen Menschen hat Sie keine Probleme.
Blos der Gedanke, ein eigenes Baby zu bekommen, was krank ist, der zerreißt sie.

Ich weiß nicht, wie ich ihr helfen kann/soll.
Mehr als ihr Mut zu zusprechen kann ich nicht. Ich kann Ihr die Entscheidung nicht abnehmen.

Sie hat Angst, zu versagen. Mit dem Vater des Kindes ist sie nicht zusammen.
Auf das Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung hat er sich auch noch nicht gemeldet.

Zudem kommt die Frage, was passiert, wenn sie sich gegen das Kind entscheidet???
Was muss sie dann durchmachen??????
Ich mag mir das garnicht ausmalen?

Habe einiges im Internet bereits gelesen .... und mir graults.

Wenn jemand bereits seine Erfahrungen gemacht hat und mir helfen kann, bin ich wirklich dankbar.
Viele geben einen Tips, aber als Außenstehender, sagt man es immer so leicht.

Vielleicht mag sich jemand zurück melden????

Ich würde gern mit jemanden reden können, der mir wirklich helfen kann.



Ich danke Euch #klee

Beitrag von choirqueen 21.04.10 - 18:24 Uhr

Hallo,

die Entscheidung kann ihr keiner abnehmen, aber es gibt nicht nur das Down-Syndrom, sondern die Auswirkungen sind nicht vorhersagbar.

Außerdem denke ich, es kann immer etwas schief gehen.

Ich arbeite an einer Förderschule als Lehrerin und ich lasse keine speziellen Untersuchungen machen, da ich diese Entscheidung nicht treffen möchte.

Alles Liebe,

Cathrin

Beitrag von baldurstar 22.04.10 - 08:52 Uhr

welche auswirkungen meinst du denn ?
meinst du den grad der behinderung oder wie soll ich das mit den auswirkungen verstehen?

ich habe die untersuchungen machen lassen. allerdings nicht um mich dann zu entscheiden sondern um dann einfach vorbereitet zu sein und schon mal gucken wo und welche förderstätten es im nahen umkreis gibt etc pp

Beitrag von Marieluna 21.04.10 - 18:40 Uhr

Hallo,

uns wurde letzten Sommer nach einer Fruchtwasseruntersuchung gesagt, dass unser Kind nicht gesund sein würde. War nicht das Down-Syndrom, aber auch ein Gendefekt, der von leichten bis sehr schweren Ausprägungen reichen kann. Leider kann man das nicht vorhersagen.

Es war eine schreckliche Zeit, ich fühle mit deiner Schwester. Vor allem aus dem Verwandtenkreis kamen immer solche Beispiele wie "ich kenne jemandem mit dem Syndrom, ist eine ganz liebe!" oder "man merkt es gar nicht". Tja, bei den leichten Ausprägungen stimmte das wohl auch. Aber wie würde unser Kind sein?

Ich habe Statistiken im Internet gefunden, dass bei "unserem" Befund sich 70 Prozent gegen das Kind entscheiden. Immerhin also 30 Prozent Mutige. Beim Down-Syndrom waren es glaub ich 95 Prozent, die sich zu einem Abbruch entschließen. Da wäre es mir ehrlich gesagt leichter gefallen. Ich war noch nie der 5-Prozent-Typ. Ich bin nicht mutiger als die Masse. Hier im Forum trifft man allerdings (warum auch immer), nur die 5-Prozent-Leute. Du wirst kaum Hilfe und Zuspruch finden, wenn sich deine Schwester gegen das Kind entscheiden sollte.

Allerdings wird immer so getan, als würden sich viele für ein behindertes Kind entscheiden. Ich war bei einer Beratungsstelle und ehrlich gesagt war ich schon fast sauer über diese unreflektierte Schönfärberei. Als ich ihr dann mal die Zahlen gezeigt habe, war sie still. Naja, aber sie müsste es ja positiv darstellen... Ich wollte aber wissen, ob ich wirklich so allein mit meiner Angst da stand.

Du hast es vielleicht rausgelesen, ich habe mich für einen Abbruch entschieden. Gerade in diesem Forum werden mich viele nicht verstehen. Aber ich habe keine Störung davon getragen und bin nur manchmal traurig, dass ich nicht mutiger war. Aber ich weiß immer, dass ich nun mal bin, wie ich bin. Ich hätte mich immer wieder so entschieden. Und alle, die einem so zureden (hier im Forum, wo auch immer), die sind leider nicht da, wenn es zur Sache geht. Das Kind muss deine Schwester groß ziehen. Sie muss entscheiden, ob sie die Kraft dazu hat.

Den Abbruch fand ich wahnsinnig schwer, weil ich halt auch so traurig war. Aber ich bin gut darüber hinweg gekommen. Es gibt auch die Möglichkeit, sich betreuen zu lassen. Ich kann dazu auch gern mehr erzählen, frag einfach.

Ich finde es schön, dass du für deine Schwester da bist.

Grüße

Beitrag von bin am zweifeln 21.04.10 - 18:56 Uhr

Lieb, dass Du dich zurück meldest.

Es tut mir leid für Euch. Manchmal ist die Welt einfach ungerecht.
Ich frag mich die ganze Zeit, wieso SIE?
Man hört/liest/sieht so viel, aber dass es einen selbst bzw. aus der engsten Familie dann passiert, es ist unglaublich.

Ich denke mal, dass sie sich auch dagegen entscheidet.
Ich habe es so herraus gehört.

Nun ist es auch noch so, dass Ihre Gyn. im Urlaub ist.
Wir wohnen aufm Dorf, dass heißt, es gibt hier nur ein Arzt, der die Vertretung übernimmt.
Zu ihm möchte sie nicht so gern, blos ihre Ärztin ist erst übernächste Woche wieder da.

Was hat Sie denn nun zu tun.
Vielleicht magst du mir da weiterhelfen? Ich mein, sie kann doch nun nicht rumsitzen und abwarten.

Wo kann man sich z.B. beraten lassen?
Was passiert danach?

Und vorallem, wie läuft der Eingriff ab?

Ich mal mir im Kopf so viele Sachen aus.



#klee

Beitrag von Marieluna 21.04.10 - 19:39 Uhr

In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch nach der 14. Woche nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Im Fall deiner Schwester käme wohl eine medizinische Indikation in Frage (google mal danach).

Eine medizinische Indikation liegt nicht deshalb vor, weil das Kind das Down-Syndrom hat. Ich musste ein Gutachten bei einem Psychiater (nicht Psychologen) erstellen lassen, der die Gefährdung MEINER Gesundheit bei Weiterführung der Schwangerschaft attestiert hat. Ich hatte solche Angst, dass ich dort "durchfalle". Am Ende war das aber alles kein Problem. Ich habe meine Verzweiflung geschildert (und ich WAR verzweifelt) und fertig.

Den Termin für den Gutachter sowie den Krankenhaustermin hat mir der Pränataldiagnostiker vermittelt. Ich habe zuerst geglaubt, der Befund der Fruchtwasseruntersuchung würde ausreichen. Dem ist aber nicht so! Bis zur 20. SSW scheint es noch ohne Schwierigkeiten möglich zu sein, passende Ärzte zu finden. Danach begibt sich der Arzt in einen Gewissenskonflikt, weil das Kind ja schon lebensfähig sein könnte.

Ich stand also unter Zeitdruck, weil mir das Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung zu Beginn der 19. SSW mitgeteilt wurde. Ich würde also empfehlen, sich mal bei dem Pränataldiagnostiker bezüglich der weiteren Schritte zu erkundigen. Die haben diese Fälle ja leider öfter. Meine Frauenärztin (10 Jahre im Dienst) sagte mir, ich sei die erste bei ihr mit einer medizinischen Indikation. Wenn man Gutachten und Krankenhaustermin organisiert hat, kann man immer noch absagen! Besinnt man sich aber zu spät, kann es ziemlich kompliziert werden.

Außerdem würde ich zu einem Termin bei einer Schwangerenkonfliktberatungsstelle raten. Findet man leicht im Internet (vielleicht nicht unbedingt zu einer kirchlichen Einrichtung...). Ich habe da eine ganz liebe Psychologin angetroffen, mit der ich zwei Stunden über meine Verzweiflung reden konnte. Sie hat sehr neutrale Fragen gestellt und hat mir sehr geholfen. So ging es z.B. darum, was ich im Hinblick auf "andere" fürchte. Also dass ich Freunde verlieren könnte, nicht "mithalten" kann - halt alles, was mich bewegt hat. Die Psychologin durfte zwar nicht das Gutachten machen (wie gesagt, musste ein Psychiater sein), aber ich war hinterher viel sortierter und klarer. Sie hat mich in keinster Weise beeinflusst, war richtig gut.

Grüße

Beitrag von bin am zweifeln 21.04.10 - 19:52 Uhr

Vielen Lieben Danke für deine Nachrichten.

Ich bin so froh, dass ich Antworten auf meine Fragen finde, die im Kopf rumschwirren.

Magst du mir vielleicht noch schildern, wie der eigentlich Eingriff verläuft?

Dies ist meine größte Sorge. Ich habe so Angst, dass Sie dies alles nicht verkraftet.


#klee

Beitrag von Marieluna 21.04.10 - 19:54 Uhr

Zum "Eingriff":

Es ist hart, aber es wird ab der 14. SSW eine stille Geburt eingeleitet. Das heißt, man bekommt Wehenmittel und muss das Kind gebären. Ich hatte eine ganze Nacht lang Wehen, die Geburt selbst war in einer Minute mit starken Schmerzen vorbei. Ich wollte keine Schmerzmittel, weil ich wenigstens ein bißchen für meine Entscheidung geradestehen wollte. Klingt verquer, aber für mich war es richtig.

Mein Mann war dabei und wir haben uns unsere Tochter auch angesehen. Dazu wird häufig geraten und für uns war es richtig so. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

Anschließend bekam ich noch eine Ausschabung in Vollnarkose, weil die Plazenta sich wohl in der Regel bei einer stillen Geburt nicht löst. Mir war das dann aber auch alles egal, ehrlich gesagt. Dann wollte ich nur noch raus dort und ab da wurde es besser.

Es gibt auch Beerdigungen, wenn man das möchte. Wir wurden zu einer Sammelfeier eingeladen, aber dazu hatten wir dann doch nicht die Kraft. Das Foto meiner Tochter liegt noch in der Klinik, ich kann es jederzeit abholen.

Wenn ich das alles so schreibe, kommt es mir so wahnsinnig vor, dass ich mich über meine gute Verfassung wundere.

Eine Alternative ist wohl Holland, da wird der Eingriff in Vollnarkose durchgeführt. Für den Körper und damit spätere Schwangerschaften ist eine stille Geburt aber wohl besser.

Beitrag von froehlich 21.04.10 - 20:57 Uhr

Ich verstehe Dich. Finde Deinen Beitrag sehr treffend und mutig. Ich habe bei beiden Schwangerschaften eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen lassen. Gott sei Dank waren und sind meine Kinder gesund, aber ich war, zumindest beim ersten, auch sehr fest zur Abtreibung entschlossen, wenn es ein Down-Kind gewesen wäre. Das gebe ich ehrlich zu. Und ich kenne auch viele Frauen und Freundinnen, die das genauso sehen. Mein Mann hatte aus seiner ersten Beziehung eine kleine Down-Tochter, die mit 11 Monaten an einem Herzfehler starb. Frag ihn, wieviel Leid und Tränen damit verbunden waren. Ja, ich weiß: gerade bei Down-Kindern rufen alle: aber das sind doch tolle Kinder, Sonnenscheinkinder! Stimmt sicherlich. Dennoch muß jede Mama und jeder Papa selbst wissen, ob sie oder er die Kraft hat, damit umzugehen, denn wie man es auch dreht und wendet: ein Kind mit einer Behinderung ist eine besondere Herausforderung. 23 Jahre und alleinerziehend mit Down-Kind? Das ist schon wahnsinnig schwer. Ich würde jede Frau verstehen, die sich unter diesen Umständen für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet. Keine Mutter macht sich so eine Entscheidung leicht. Keine. Davon bin ich überzeugt. Ich finde es aber sehr gut, daß Du schreibst, daß Du auch heute noch dazu stehen kannst. Alles Liebe und lass die Leute reden - sind immer die, die noch nie vor so einer schweren Entscheidung standen...oder solche, die einfach missionieren wollen!

Beitrag von lillarosa 21.04.10 - 19:03 Uhr

Hallo,

ich kann dir nur schreiben, was ich in einer solchen Situation gemacht haette:

da ich schon aelter bin, habe ich mich bei beiden Kindern fuer eine Nackentransparenzmessung entschieden. Waere da der Wert erhoeht gewesen, haette ich zudem eine FWU durchgefuehrt. Und im Falle, dass etwas mit dem Kind nicht in Ordnung gewesen waere, haetten wir (mein Mann UND ich gemeinsam) gegen das Kind entschieden. Das haben wir bereits VOR den Untersuchungen festgelegt, sonst haetten wir sie ja auch nicht machen brauchen.

Ich druecke Deiner Schwester ganz fest die Daumen fuer die fuer SIE richtige Entscheidung.

Meine Schwester z.B. ist Ergotherapeuthin und hat viel mit Down-Kindern zusammengearbeitet. Sie sagt: ich haette sehr gern ein Down-Kind, weil die so besonders sind.

So unterschiedlich kann es also sein. Ich denke, jeder muss da seine Entscheidung treffen.

Alles Gute,
liro

Beitrag von binnurich 22.04.10 - 13:25 Uhr

Meine Schwester z.B. ist Ergotherapeuthin und hat viel mit Down-Kindern zusammengearbeitet. Sie sagt: ich haette sehr gern ein Down-Kind, weil die so besonders sind.


bei aller Liebe, aber sowas wird sich wohl niemand wünschen

Beitrag von punkt3 23.04.10 - 11:52 Uhr

Oh doch.... Zum GLück gibt es einige Familien, die Down-Kinder pflegen oder adoptieren, wenn die eigenen Eltern es nicht schaffen....

Beitrag von lillarosa 23.04.10 - 22:24 Uhr

Wie gehst Du denn ab????

Ja, meine Schwester hat es mir so - und nicht anders - gesagt.

ICH koennte es nicht, aber ich bin froh, dass es da auch andersdenkende Menschen gibt. Wie z.B. meine Schwester.

Jeder muss das fuer sich selbst entscheiden.

LG liro

Beitrag von anyca 21.04.10 - 19:23 Uhr

Die Entscheidung kann nur sie treffen, das ist klar. Alleinerziehend mit einem behinderten Kind ist natürlich wirklich sehr hart. Andererseits könnte man sagen, vielleicht ist es Schicksal, daß sie sich mit solchen Menschen schon auskennt? Eine bessere Mutter könnte sich so ein Kind doch gar nicht aussuchen?

Ich habe da den Kommentar eines Cousins im Ohr, der Downsyndrom neulich als "leichte Behinderung" bezeichnete, weil die Kinder ja laufen und sprechen können ... beides kann seine Tochter nicht, die hat einen noch selteneren Gendefekt, nach dem vorgeburtlich gar nicht gesucht wird.

Wenn Deine Schwester sich gegen das Kind entscheidet, würde es im Mutterleib getötet werden (damit es nicht "aus Versehen" die Geburt überlebt wie das Oldenburger Baby) und sie müßte es normal zur Welt bringen.:-(

So oder so keine leichte Situation - ich wünsche Deiner Schwester viel Kraft!#klee

Beitrag von Marieluna 21.04.10 - 19:46 Uhr

Hallo,

diesen Konflikt, dass es ja "noch schlimmer" kommen könnte und ich deshalb vielleicht mein Schicksal annehmen sollte, hatte ich sehr stark. Denn man kennt immer "schlimmere" Fälle. Dennoch habe ich mich dagegen entschieden und bin sehr froh darüber.

Ich möchte noch bemerken, dass die Kinder bis zur 20. SSW nicht im Mutterleib getötet werden. Nach Einleitung der Geburt (Wehenmittel) werden die Kinder ganz normal geboren. In dieser frühen Schwangerschaftswoche überleben die Kinder zu 99 Prozent die Strapazen der Geburt nicht. Falls doch ein Kind überlebt, dann nur für Momente. Ohne ärztliche Hilfe ist in dieser frühen Woche (anders als beim Oldenburger Baby, dort 25. SSW) kein Baby überlebensfähig. Und die Ärzte sind glaube ich nicht zur Hilfe verpflichtet, jedenfalls sagte mir das die Schwester bei meiner stillen Geburt in der 20. SSW.

Grüße

Beitrag von bin am zweifeln 21.04.10 - 19:59 Uhr

Ganz doofe Frage, aber ist ein Kaiserschnitt unter Vollnakose möglich?

Hast du die Bilder noch im Kopf? Ich meine, wie gehst du damit um?
Durftest du das Baby sehen?


#klee

Beitrag von Marieluna 21.04.10 - 20:08 Uhr

Habe es dir oben schon geschrieben.

Ja, ich habe meine Tochter gesehen. Ich vergesse die Bilder mein Leben lang nicht mehr. Aber es fühlt sich nicht schlimm an, nur sehr traurig. Und das war es ja auch.

Im Nachhinein bin ich froh darüber, dass es kein Kaiserschnitt war. So ist die Wunde nur im Kopf, nicht an meinem Bauch. Beides für immer, aber meinen Bauch sehe ich jeden Tag, an meine Tochter denke ich inzwischen nur jeden zweiten Tag. Außerdem war es für meine Psyche sicher besser. Ich habe vorher auch tausend Beiträge im Internet dazu gelesen. Es gibt gute Hilfeseiten, schau auch mal nach "stille Geburt".

Das Krankenhaus hier bei uns hat einen Kaiserschnitt abgelehnt. Entweder stille Geburt oder ich gehe wieder. Ob ein Kaiserschnitt rechtlich möglich ist, weiß ich gar nicht. Das Problem ist, dass kein Arzt zu einem Schwangerschaftsabbruch verpflichtet ist. Du musst also selbst jemanden finden.

Beitrag von anyca 21.04.10 - 20:06 Uhr

Tja, den "Schicksal annehmen" Standpunkt habe ich vielleicht schlichtweg deshalb, weil es in meiner Verwandtschaft insgesamt drei behinderte Kinder gibt, wo keine vorgeburtliche Untersuchung etwas angezeigt hat bzw. konnte. Zwei haben so seltene Gendefekte, daß danach nicht gesucht wird, eines kam kerngesund zur Welt und hatte mit knapp zwei einen sehr folgenschweren Unfall.

Klar ist "es könnte ja noch schlimmer sein" letztlich ein schwaches Argument.

Beitrag von Marieluna 21.04.10 - 20:14 Uhr

"Klar ist "es könnte ja noch schlimmer sein" letztlich ein schwaches Argument. "

Und nun ist es das, was mich umtreibt. Ich traue mir keine neue Schwangerschaft mehr zu, weil es ja nun noch schlimmer kommen könnte. Dann erscheint meine Entscheidung in einem ganz anderen Licht. Genau diese Erkenntnis hatte ich eben. Irgendwie kam mir bisher meine Angst so diffus vor.

Und gerade jetzt bekomme ich die Einsicht, dass ich doch noch Hilfe benötige. Danke.

Beitrag von anyca 21.04.10 - 20:25 Uhr

Angst wollte ich Dir sicher nicht machen. Ein Unfall kann ja genausogut dem Partner oder den Eltern passieren - und nicht jeder Gendefekt ist soooo schlimm. Mein Neffe z.B. wird zwar einige OPs brauchen, aber hoffentlich ein ziemlich normales Leben führen können, da bei ihm "nur" was mit dem Knochenwuchs nicht so ganz stimmt. Nicht schön, "behindernd", aber auch kein Weltuntergang.

Dir alles Gute, ich hoffe, Du findest eines Tages den Mut und bekommst ein gesundes Kind!#klee

Beitrag von bin am zweifeln 21.04.10 - 20:32 Uhr

Ich lese dies hier alles und mir kullern nur so die Tränen.
Ich bewundere deinen Mut und deine Kraft.

Ich wäre nicht in der Lage zu sowas.

Ich wünsche dir sehr viel Kraft und Mut für die Zukunft.

Und vielleicht ist eines Tages der Zeitpunkt gekommen, wo ihr über ein weiteres Kind nachdenkt.

Ich wünsche Euch alles Liebe #klee

Beitrag von baldurstar 22.04.10 - 09:01 Uhr

@ anyca also wir haben ja auch einen behinderten menschen in der familie, meinen bruder.
und ich muss sagen...ich finde das schicksal annehmen eine gute sache.

@ll
meine mutter war auch jung, allein und hatte ein gesundes und ein krankes kind.

ich denke mir immer...wenn man hier selektiert das kind darf nicht leben weil es krank ist...was machen diese menschen wenn das kind erst kerngesund ist aber bei der geburt zu wenig sauerstoff hat und daraufhin schwerst behindert wird?
oder eben ein gendefekt vorliegt der nicht mal getestet wird da er selten ist?
wollen sie dann ihr kind auch nicht mehr weil es vielleicht manchmal schwierig ist?

es ist auch mit gesunden kindern schwierig. und ein gesundeskind kann durch eine vielzahl von geschehnissen zum pflegefall werden und geistige sowie körperliche behinderung erleiden.

nur weil ein kind bei der messung der nackenfalte nicht auffällig ist heisst es weder das das kind absolut geistig und körperlich gesund ist noch das es das bleiben wird.

dies nur als kleiner denkanstoss für die andren.

Beitrag von baldurstar 22.04.10 - 08:49 Uhr

öhm also freie trisonomie hat mit dem alter der mutter nichts zu tun. sollte aber deine freundin auch wissen wenn sie in dem bereich arbeitet.

die freie trisonomie kann jederzeit jeden treffen, egal ob alt oder jung, gesund oder krank. das ist plump gesagt einfach pech wenn s einen trifft.

meine mam war auch erst 26 als sie mit meinem bruder schwanger wurde und sie hatte auch einfach pech und er hat das down syndrom.
anfangs hatte sie auch viele ängste. aber sie hat nie bereut das er da ist.
sie meinte immer er sei ein geschenk, auch wenn man sowas nicht immer gleich sieht.

ahja meine mutter war allein mit mir und meinem bruder und sie hat es geschafft.
also wenn s ist könnt ihr euch gerne bei mir melden.
ich kenne ja sowas quasi von anfang an u nd kann euch vielleicht ein wenig durch gespräche behilflich sein.

lg,
baldurstar

Beitrag von wunki 22.04.10 - 11:23 Uhr

Hat sie das bei einer Fruchtwasseruntersuchung rausbekommen oder bei der FD? Bei der FD ist es auf jeden Fall so, dass es am Ende kann, dass das Baby doch gesund sein kann.

Ich habe die FD auch machen lassen, aber mein Mann und ich waren uns von vornherein einig, dass wir unser Baby nicht abtreiben würden, egal was rauskommt....

Ich denke eine derartige Entscheidung muss man immer selber treffen.

Beitrag von lev30 22.04.10 - 11:53 Uhr

Hallo,

das ist ganz bestimmt eine äußerst schwierige Situation für deine Schwester und ganz egal, was wir alle hier schreiben, letztendlich kann und wird sich deine Schwester auf ihr Bauchgefühl, auf ihr Herz, verlassen müssen.

Ich wünsche ihr Kraft und Zuversicht und möchte ihr auf den Weg geben, dass alles Leben von Gott gegeben ist. Nichts und niemand ist "einfach so" da, sondern alles ist von Gott gewollt und gegeben. Vielleicht findet sie bei diesen Gedanken Trost.

Alles Liebe wünscht

Lev