Strafe - logische Konsequenz! Ich brauche mal Hilfe! (Lang)

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von snoopfi 01.05.10 - 16:40 Uhr

Hallo zusammen,

wir hatten bei uns in der Stadt letzte Woche Dr. Albert Wunsch - dipl. Sozialpädagoge - zu Besuch. Er hielt einen Vortrag zum Thema "Strenge oder laufen lassen".

Ein Fazit des ganzen Vortrages war, um es ganz kurz zu fassen, man solle die Kinder die logischen Konsequenzen (!!!) ihres Verhaltens aufzeigen und im Endeffekt spüren lassen. Strafen führt zu nichts.

Nach dem Vortrag fühlte ich mich darin gestärkt, auch in Zukunft möglichst fehlerfrei die Erziehung meines großen Sohnes lenken zu können.

Falsch gedacht. Denn gleich zwei Tage später habe ich kläglich versagt :-(. Ich schildere euch kurz die Situation:

Gestern wollte ich meinen Sohn Finn, 4,5 Jahre alt, im Kindergarten abholen. Dort traf ich eine gute Bekannte, deren Sohn Nils ebenfalls den gleichen Kindergarten wie unser Finn besucht. Finn und Nils kennen sich seit ihrer Geburt und eine Zeit lang verstanden sich die beiden wirklich gut. Je älter sie werden bzw. je älter mein Finn wird, desto deutlicher wird, dass die Beziehung zwischen den beiden ständig am brodeln ist und passiert nur eine klitzekleine Kleinigkeit die einen der beiden stört eskaliert die Situation fast in 100% der Fälle. Es wird dann geheult, gepetzt, getreten, gehauen. Und der in der Situation Stärkere nutzt seinen scheinbaren Vorteil kräftig aus.

Gut, nun zur akuten Situation. Finn und Nils spielten noch eine Weile zusammen im Kindergarten, während sich meine Bekannte und ich noch etwas unterhielten. Plötzlich stieg Nils auf einen Traktor, den Finn auch haben wollte. Finn ging zu Nils, sagte er solle runtergehen vom Traktor und Nils fing an zu weinen und rief mir zu "Finn will dass ich vom Traktor runtergehe". Ich sagte dann zu Nils, dass er Finn bitte selbst sagen soll, dass er nicht runter möchte und sich einfach nicht wegschicken lassen soll. Daraufhin rüttelte mein Finn am Traktor, Nils fühlte sich provoziert, petze daraufhin Finn und Finn schlug danach auf Nils ein. => lautes Geschrei und Nils rannte weg. Finn setzte sich auf den Traktor.

Nachdem ich ein paar Minuten versucht hatte auf meinen Sohn einzureden, er solle doch bitte den Traktor Nils lassen, er saß zuerst drauf....stellte mein Sohn weiterhin auf stur. Ich fühlte mich wirklich hilflos in dieser Situation und nahm ihn daraufhin wütend vom Traktor runter. Wir haben den Kindergarten dann gleich darauf verlassen. Finn rief noch weinend und wütend "Scheiß Nils" hinterher. Im Auto habe ich im nochmal ziemlich wütend gesagt, dass ich sein Verhalten eben nicht toll fand. Am abend sprachen wir nochmal in aller Ruhe darüber und Finn war einsichtig.

So und jetzt zu euch. Wie hättet ihr euch verhalten? Und was wäre hier die logische Konsequenz? Wie hätte ich es besser machen können? Ich wäre wirklich dankbar, wenn viele Meinungen hören würde!

Liebe Grüße
Snoopfi

Beitrag von dodo0405 01.05.10 - 18:44 Uhr

Generell ist es immer gut, Kinder Konflikte selbst austragen zu lassen.

Ich persönlich wäre sofort gegangen, als dein Sohn das erste Mal zu schlagen begonnen hat.

Denn er hatte danach deine ungeteilte Aufmerksamkeit - die er ohnehin schon vorher wollte. Sprich: Mama quatscht mit ner anderen .... :-) das weiß ich zu ändern :-)

Ich hätte gar nicht auf ihn eingeredet sondern wäre sofort gegangen, als er auf Nils eingeschlagen hat.

lg

Beitrag von snoopfi 01.05.10 - 20:42 Uhr

hi,

generell bin ich auch eher der überzeugung, den konflikt selbst austragen zu lassen. nur so kann gelernt werden, wie man das problem löst.

die situation war allerdings schon so emotional und voller wut geladen, dass die kinder nicht in der lage gewesen wären ohne einschreiten eines erwachsenen das problem zu lösen.

ausserdem wollte ich finn, wie es eine weitere urbianerin weiter unten erwähnt hat, zumindest die chance geben, sein handeln zu überdenken.

liebe grüße
snoopfi

Beitrag von olle-deern 01.05.10 - 18:56 Uhr

Hallo,
also ich denke du hast es richtig gemacht.
Du hast erst versucht mit ihm zu reden bzw. an sein Verständnis appelliert, das finde ich fair, das gibt ihm die Möglichkeit sein Verhalten zu überdenken bzw. gleich wieder alles in Ordnung zu bringen.
Dies war nicht möglich, er wollte/konnte in dem Moment wohl einfach nicht. Daraus hast du die Konsequenz gezogen und bist sofort mit ihm nach Hause.
Als er wieder für eine Ansprache bereit war habt ihr drüber gesprochen, und er war ja einsichtig.

Es gibt meiner Meinung nach Momente, da sind Kinder mit Worten einfach nicht erreichbar. Das ist ok, das muss doch alles mühsam gelernt werden. Bei uns Erwachsenen gibt es doch auch Momente in denen man so traurig/ wütend ist, dass man mal 10min nix hören und sehen möchte. Bei mir es jedenfalls gelegentlich so.

Ich persönlich kann mir keine bessere Lösung vorstellen, aber ich beurteile diese Situation nach Gefühl, weniger nach Ratgebern.

Gruß
o-d

Beitrag von snoopfi 01.05.10 - 20:47 Uhr

hi o-d,

beim abendessen heute erfuhren mein mann und ich unbewusst etwas mehr über die beziehung zwischen finn und nils.

finn erwähnte nebenbei, dass es oft zu solchen streitereien kommt. dass nils sich oft größeren kindern im kiga anschließt und sie dann gemeinsam finn hänseln.

das rechtfertig nicht finns schlagerei, aber es erklärt etwas seine wut, die er in diesem moment wohl empfunden hat.

generell möchte ich meinen kind auch die chance geben, über sein verhalten nachzudenken und es bestenfalls überdenken. aber im kiga war das diesmal glaube ich die falsche entscheidung. ich weiß auch nicht #kratz :-(

ich hatte letztendlich auch das gefühl, meinem kind in den rücken gefallen zu sein, während nils übertrieben leidend am bein seiner mama hing....vorallem nachdem ich jetzt noch mehr hintergründe kenne.

liebe grüße und danke :-)
snoopfi

Beitrag von marion2 01.05.10 - 19:30 Uhr

Hallo,

Wie hätten die Kinder das Problem gelöst, wenn ihr nicht daneben gestanden hättet?

Das Verhalten erinnert ein wenig an 2jährige. Bisschen überbehütet vielleicht?

Gruß Marion

Beitrag von snoopfi 01.05.10 - 20:40 Uhr

hi marion,

naja, überbehütet kommt auf die definition an, im ersten moment würde ich sagen "nein".

vielleicht bin ich aber manchmal zu schnell im einschreiten, weil mich das verhalten meine kindes in den fokus rückt und ich daher denke ich müsse ihn "zurechtrücken" und ihn anpassen.

absolut schwachsinnig, ich weiß! ich bin bereits im umdenkungsprozess!

grüße
snoopfi

Beitrag von lisasimpson 01.05.10 - 20:05 Uhr

Hallo!

zum thema strafen und konsequenzen habe ich hier folgendes versucht zu sagen:
http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=21&tid=2599855

Ich sehe das vielleicht ein bißchen anders als andere...
zum einen denke ich
daß Kinder anders regagieren je nachdem wer anwesend ist 8nicht nur Kinder übrigens:)
daher ist es nicht unüblich, daß ein konflikt, wie du ihn schilders anders verläuft, wenn du nicht dabie bist und vielleicht viel freidlicher gelöst wird vo nden beiden kinder

zum andern denke ich, daß viele erwachsen (zumindest hier fällt mir das auf) Kindern zu oft zuschreiben, sie könnten Konlfikte alleine und ohne hilfe lösen und sollten dies uch immer tun.
Wenn ich mir die welt so anschaue, glaub ich daß auch die allermeisten erwachsenen sich wirklich sehr schwer tun, konlfkite sozial verträglich zu lösen. Kinder müssen dies erst lernen. ds ist ein laaanger prozess, der in jede ihrer entwicklungsohasen wieder neu eingeordent werden muß.,
was als kleinkind galt gilt in der grundschule schon nicht mehr, in der jugendclique wird was anderes erwartet als in der sutdentenverbindung... und abhängig davon WO man sich gerade befindet und WER die regeln dort definiert..

Daher denke ich, daß Kinder in dem alter, wenn sie darum bitten, daß ihnen bei der konfliktbewältigung geholfen wird (was meiner deutung nach der fall war) ein recht auf diese hilfe haben.
ich wäre also hingegangen und hätte die beiden gefragt, wie sie denn denken, daß sie diesen konflikt am besten lösen können.
wir hätten auf dei regeln des kindergartns verweisen können (vielleicht. wer zuerst drauf ist, hat ihn?), man hätte überlegen können, wann sie es schon mal gut geschafft haben, so einen konflkit zu lösen und wie ds aussah,...
nun ja- in viele fällen können Kinder das unter anleitung sehr gut und haben viele Ideen, solche Konflikte friedliche zu lösen und eine "win.win" Situation daraus entstehen zu lassen.

Konsequenz bedeutet in diesem fall: wenn zwei Kleinkinder etwas noch nicht alleine KÖNNEN, dann sind Erwachsene dafür verantwortlich, daß beide zu ihrem recht kommen, daß regeln eingehalten werden und nicht "das recht des stärkeren" waltet- das ist in diesem fall (und in allen andern fällen, in denen Kinder etwas noch nicht slebst können!

ALle kidner, die mir in meinem leben begegent sind wollten selsbtändig werden (manche brauchten dafür auch eine phase der regression) ich kenne kein kind, daß ewig möchte, daß Mama die konflkite löst, daß mama das ähneputzen kontrolliert oder ob die unterhose frisch ist.
jedes kind möchte seinen fähigkeiten nach selbständig entscheiden und agieren.
daher wird eine einmischung durch erwachsene normalerweise auch nur so lange geduldet wie nötig - daher ist es für kinder, die einen konflikt selsbt lösen KÖNNTEN eine unangenheme konsequenz, wenn Erwachsene eingreifen müssen- sie werden in zukunft vermeiden, daß es dazu kommt.
für kinder, die es noch nicht können, ist es eine angenehme konsequenz und sie haben die chance was zu lernen. sie werden in zukunft versuchen, das gelernte anzuwenden!

Alles Liebe
lisasimpson

Beitrag von snoopfi 01.05.10 - 20:51 Uhr

hi lisasimpson,

vielen dank für deine große mühe.

dein lösungsansatz hört sich gut an. aber ich habe bedenken, dass mein finn - und nils ebenso - auf meine frage "wie könntet ihr den konflikt alleine lösen" hätte eingehen können, denn beide waren in diesem moment überflutet von allen möglichen gefühlen.

ich finde es eine sehr schwierige situation, die durch umherstehende eltern und erzieher meist nicht einfacher wird. aber das ist wohl auch eher ein problem meines egos :-[.

danke dir nochmal!

ganz liebe grüße
snoopfi

Beitrag von lisasimpson 01.05.10 - 20:56 Uhr

nun ja- ich denke, wenn das eh schon klar ist und wenn es öfter vorkommt bei den beiden, fände ich ds schon wichtig, daß mit den beiden daran gearbeitet wird, daß sie slebt in die lage versetzt werden, solche Konflikte in zukunft zu lösen.

Daher ist es wichtig SCHNELL dort zu sein, wenn die emotionen noch nicht hochkochen und/ oder danach nochmal zu schauen, wie man das lösen könnte, welche idee sie haben, welche ziele, welche erfahrungen und was sie so machen könnten...

aber klar- sit halt ne blöde situation und iwe du schon schreibst- mit dem ganzen volk außenrum ist das nicht so einfach..

lisasimpson

Beitrag von similia.similibus 02.05.10 - 13:54 Uhr

#pro

Beitrag von mysterya 01.05.10 - 21:26 Uhr

*lol* Ist es dir nicht aufgefallen? Das war die logische Konsequenz! Wenn er den anderen Jungen gewaltsam vom Traktor holt und sich nicht an die Regeln hält, muss er selbst runter davon und bekommt ihn eben nicht mehr. Dass du ihn runter geholt hast, er nicht mehr rauf durfte und du ihm anschließend erklärt hast, wie der Hase läuft, war schlicht genau richtig.

Wenn du ein Kind wärst, mit etwas spielst und jemand anderes luchst es Dir ab...dann würdest du wollen, dass er damit nicht spielen darf. Logisch. Genauso wie du mit etwas nicht spielen dürftest, was du jemand anderem ohne dessen einwilligung genommen hast. Was man sich ungefragt und unerbeten nimmt, muss man eben wieder hergeben.

Das ist super logisch.

Allerdings würde ich Kinder nicht alles alleine auskämpfen lassen. Man muss den Konflikt beobachten. Sobald Gewalt ins Spiel kommt, finde ich sind Erwachsene gefragt den Konflikt zumindest zu lenken. Es kann nicht Sinn einer Sache sein, dass zwei Kinder heulend und blutend am Boden liegen.

Ich hätte also wenn dann eher eingegriffen und meine Konsequnz wäre gewesen, dass dein Sohn nicht mit dem Traktor spielen düfte bis das andere Kind ihn frei gibt. Hätte man nicht sagen können, wer mit dem Spielzeug wirklich zuerst gespielt hat und sie wären sich nicht einig geworden, hätte ich es für beide verboten. Wenn zwei sich streiten...Pech gehabt.


LG Mysty

Beitrag von sunflower.1976 01.05.10 - 22:49 Uhr

Hallo!

Ich habe jetzt absichtlich nicht die anderen Beiträge gelesen, damit ich das schreibe, was mir jetzt spontan einfällt.

In der Regel denke ich, dass Kinder ihre Konflikte selber austragen müssen. Ist es aber ein dauerhaftes oder stärkeres Problem, schreite ich schon ein. Denn auch ein 4,5 Jahre altes Kind ist noch ein kleines Kind, dass noch nicht sicher im Sozialverhalten ist und ggf. Unterstütung braucht.

Ich hätte meinen Sohn sofort weggeholt, sobald er angefangen hätte zu schlagen. Ohne viele Erklärungen sondern nur mit ein, zwei kurzen Sätzen. So nach dem Motto, "Nils war zuerst auf dem Traktor. Du hast ihm wehgetan, darum gehen wir jetzt sofort." In der akuten Situation sind Kinder meistens wenig aufnahmefähig (wie viele Erwachsene auch, wenn sie wütend sind ;-)). Daher hätte ich später noch mal in Ruhe mit ihm gesprochen.

LG Silvia

Beitrag von anna_lucas 01.05.10 - 23:02 Uhr

Hi,

klare Sache: Du hast gesehen das Nils den Traktor zuerst hatte, also hätte ich an Deiner Stelle mein Kind (also Finn) vom Traktor weggenommen (evtl. kurz auf den Arm genommen um das Gespräch noch schnell zu beenden) und wäre dann unverzüglich gegangen.

LG

Anna

Beitrag von anira 02.05.10 - 10:06 Uhr

wenn mein oshn das andere kind erfolgreich mit gewalt vertrieben hätte wäre für mich die logische strafe gewesen ihn davon runter zu hohlen und ihm ins auto gebracht nach dem motto du bekommst das auto aber auch nicht

Beitrag von similia.similibus 02.05.10 - 13:51 Uhr

Schon beim Rütteln am Traktor wäre ich hingegangen und hätte mein Kind aus der Situation geholt, hätte dem anderen Kind noch gesagt, dass er jetzt ungestört Traktor fahren könne und hätte mein Kind bei mir behalten. Wenn er Theater gemacht hätte, hätte ich sofort den Kiga verlassen.

Beitrag von snoopfi 02.05.10 - 20:04 Uhr

ich stand ca. 15 meter von den beiden entfernt.
die situation dauerte insgesamt vielleicht 10 sekunden. alles ging sehr schnell ab dem zeitpunkt an dem Nils nach mir rief.