Todestag steht bevor - Kind mit zum Grab nehmen?

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von ronja_one 18.05.10 - 11:15 Uhr

Guten Tag,

am Samstag jährt sich zum 6. Mal der Todestag meiner Mutter.

Wir hatten ein sehr enges und gutes Verhältnis und deshalb fehlt sie mir sehr. Sie ist nach einem langen Kampf gegen den Krebs verstorben.

Ihre so sehr gewünschten Enkelkinder konnte sie nicht mehr erleben.

Mein Mann und ich versuchen immer, den beiden von ihr zu erzählen.
Da sie noch sehr jung sind (4 und bald 2 Jahre), ist das natürlich nicht so einfach. Aber sie wissen ganz genau, dass es auch noch eine Oma Heidi gibt, die im Himmel ist. Vom Großen werden ich auch öfter nach ihr gefragt.

Nun meine Frage an Euch:

Würdet Ihr Euren 4-jährigen Sohn am Todestag mit zu dem Grab nehmen?

Bin ich vielleicht zu egoistisch, wenn ich ihn gerne mitnehmen möchte?
Ich weiß gar nicht genau warum, da ich gar nicht weiß wie ich ihm das alles erklären soll, dass da das Grab ist und Oma eigentlich im Himmel, dass es mir aber trotzdem wichtig ist, an diesem Tag am Grab zu sein, dass... Oh Himmel, ich bin völlig durcheinander. Ich glaube, es würde mich trösten, wenn er auch mit dabei ist, andererseits überfordern mich dann wahrscheinlich seine vielen Fragen dazu. Ich weiß auch nicht, ob ich ruhig bleiben kann oder viel weinen werde...

Irgendwie ist es mir aber wichtig und auch ein Bedürfnis, ihm diese "andere Seite" zu zeigen...

Danke für Eure Meinung.

Ronja

Beitrag von mona98 18.05.10 - 11:52 Uhr

Hallo!!
Ganz klar.....JA!!
Es ist und bleibt seine Oma und da ist ein Ort,der ihr gehört ,der an sie erinnert und an dem man ihr Blumen bringen kann ,ein letztes Zeichen der Liebe ,mit der man sich an den Menschen erinnert.
Als ihre Schwester starb war Lina zwei monate alt ,Sie ist von klein an immer mit zum Grab gegangen ,das ist vollkommen normal für sie ,nichts unangenehmes.Sie weiß von ihrer Schwester ,wir erzählen oft von ihr und Lina soll sie so kennenlernen.Und wenn geweint wird.....sie ist doch jede TRäne wert ,oder??
Kinder gehen viel natürlicher mit dem Thema um als wir Erwachsenen.Du wirst Deinen KIndern irgendwann eine solche ERfahrung leider nicht ersparen können und ja offener sie damit umgehen lernen ,desto besser.
Als unsere Tochter vor fünf Jahren beim Bestatter lag ,hat dieser mir geraten ,dass alle KInder sich am offenen SArg verabschieden sollten.Das hört sich brutal an ,aber das war soo wichtig und Du glaubst nicht wie normal das war!!
Du hast es schön beschrieben...zeig ihm "die andere Seite",denn sie ist ein Teil unseres Lebens!!
Liebe Grüße Mona

Beitrag von ronja_one 18.05.10 - 12:05 Uhr

Hallo Mona,

danke für Deine Worte.

Ich bin nicht so oft am Grab meiner Mutter, da wir 130 km weit entfernt wohnen, daher ist es auch für mich nicht "normal" am Grab zu stehen und damit für meine Kinder ebenfalls nicht.

Ich erlebe oft, dass mein Großer meist dann, wenn ich selber viel an meine Mutter denke und traurig bin, genau dann fragt er mich irgendetwas über sie. Ich muss dann oft über diese "Antenne" schmunzeln. Und vielleicht will ich ihn gerade deshalb mitnehmen.
Natürlich auch, um die Erinnerungen wach zu halten oder einfach noch eine Möglichkeit zu haben, um ihm von ihr zu erzählen.

Ich denke, ich werde auf mein Bauchgefühl hören und ihn mitnehmen.
Es ist nur irgendwie blöd, weil an diesem Tag meine Schwiegereltern aus dem Urlaub zurückkommen und fröhlich davon erzählen möchten und ich mache gerade an diesem Tag sehr viel mit und fülle meinen Sohn auch noch mit diesen Gedanken. Er wird dann sicher noch viel dazu fragen und meine Schwiegereltern möchten den Gedanken an meine Mutter lieber verdrängen...

Vielen Dank, dass Du mir von Euren Erlebnissen berichten konntest!

Ronja

Beitrag von glucke68 18.05.10 - 12:13 Uhr

Hallo Ronja

Ja- nimm sie mit


Meine Kinder durften ihre Oma auch nie kennenlernen,wir haben sie auch immer mit zum Grab genommen.Sie wussten sie haben eine Oma die vom Himmel aus auf sie aufpasst

Meine Mutter gehört nach wie vor zu unserer Familie und die Kinder reden auch heute noch von ihr oder fragen etwas,genau wie bei meinem Vater,er ist auch schon bald 6 Jahrei nicht mehr bei uns und durfte sein Urenkelchen nicht kennenlernen,aber Lilly weiss genau wer der Ur-Opa ist,wir werden es bei ihr genauso machen wie wir es bei unseren Kindern gemacht haben mit der Oma

Alles Gute
Daniela

Beitrag von brianna123 18.05.10 - 18:27 Uhr

Hallo!

Mein Sohn kommt immer mit zum Grab von meinem Vater. Schon von GEburt an. Leider hat er ja seinen Opa nie kennengelernt und gar keinen Bezug zum Grab. Für mich ist es immer ein Trost, wenn er dabei ist. Er ist auch so herzig, dass er auch die anderen Trauernden ein Lächeln abringt!

LG

Sabrina

Beitrag von ronja_one 19.05.10 - 08:11 Uhr

Hallo Sabrina,

wahrscheinlich hoffe ich genau darauf - dass er mich wieder zum Lächeln bringt...

Danke,

Ronja

Beitrag von conina22 18.05.10 - 19:11 Uhr

Hallo!

Natürlich würde ich auch die Kinder mitnehmen. Meine Große ist auch 4 und war immer schon mit, leider durfte sie meine Mama nicht kennenlernen, da sie vor fast 11 Jahren schon gestorben ist.
Ich hab ihr immer gesagt, dass die Oma im Himmel ist und hier ihren Blumenplatz hat. Nun bringt sie auch manchmal Blumen mit oder auch ein Herz aus Hama-Perlen liegt dort von ihr.
Meine Kleine ist erst 2, sie kann das noch nicht richtig erfassen, aber auch sie wird so aufwachsen.

Keine Sorge, die Kleinen können damit sehr gut umgehen und spenden oft auch Trost.

Liebe Grüße!

Beitrag von chaosotto0807 18.05.10 - 19:39 Uhr

hallo,

die antwort lautet ganz klar: JA. meine mama ist gestorben als ich 3 jahre alt war und ich war - auch als kleines kind - sehr oft bei ihr auf dem friedhof.

ich finde es eine sehr schöne idee #liebdrueck...und ich frage mich gerade, wie du darauf kommst, dass es egoistisch wäre, wenn du ihn MITNIMMST #gruebel! nimm ihn mit, denn der kleine hat genauso ein recht auf den friedhof zu gehen, wie wir erwachsenen auch!!!

lg und alles gute

mareike

Beitrag von ronja_one 19.05.10 - 08:06 Uhr

Hallo Mareike,

mit egoistisch meine ich wohl, dass ich ihm das "antue".
Ihn meiner Trauer aussetze und ihn einfach als Tröster bei mir haben möchte.

Und irgendwie habe ich gerade total Angst davor, ihm all seine Fragen nicht beantworten zu können...
Aber da hat mein Mann mir Unterstützung versprochen und so hoffe ich, dass ich das auch hinbekomme.

Danke für Deine Rückmeldung.

Ronja

Beitrag von chaosotto0807 19.05.10 - 19:38 Uhr

hallo ronja,

ich denke du machst dir zuviele gedanken #schmoll....kinder gehen mit dem tod noch ganz anders um,als wir erwachsenen #liebdrueck....wenn du weinen musst, dann solltest du es auch tun....sage dem kleinen einfach, dass du sehr traurig bist....er wird es verstehen #herzlich !!!

und wie du schreibst, hast du ja noch deinen mann im rücken, der dich unterstützt #liebdrueck!!

du schaffst das!

#liebdrueck mareike

Beitrag von anyca 18.05.10 - 20:06 Uhr

Warum fragst Du ihn nicht selber, ob er mitkommen will?

Beitrag von ronja_one 19.05.10 - 08:07 Uhr

Auf die einfachste Sache kommt man manchmal einfach nicht :-[

Danke!

Ronja

Beitrag von lisboeta 18.05.10 - 21:59 Uhr

Hi Ronja,

mein Vater ist vor 7 Jahren gestorben, meine Kinder sind drei und vier. Ich nehme sie immer mit zum Grab, wenn wir in meiner Heimatstadt sind.

Ich finde es auch ok, wenn sie mitbekommen dass ich weine. Ich sage, dann dass ich weine weil ich traurig bin, dass mein Papa schon im Himmel ist.

Die Kinder gehen gut damit aus und winken dann oft in den Himmel.

Lg
Lisboeta

Beitrag von claudi2712 19.05.10 - 11:57 Uhr

Liebe Ronja,

ich möchte Dir dazu auch noch etwas schreiben.

Der Opa meiner Tochter (väterlicherseits) ist ebenfalls schon tot gewesen, als meine Kleene zur Welt kam.

Dennoch habe ich sie immer mit zum Friedhof genommen. Und sie hat sich einen ganz süssen Namen für den toten Opa ausgedacht "Opa Blumenwiese" - weil wir immer an einer schönen Wiese vorbei mussten um an sein Grab zu kommen.

Er lebt für sie weiter. Sie erzählt immer "ich habe zwei Opas: Opa Kratzbart und Opa Blumenwiese". (Opa Kratzbart ist mein Paps und Vollbartträger:-))

Lieben Gruss
Claudia

Beitrag von ronja_one 19.05.10 - 12:22 Uhr

Süß!!! :-)

Vielen Dank auch für Deine Worte.

Bei uns singen die Kinder immer "Heidi, Heidi" von der Zeichentrickserie und ich muss immer mit einem Grinsen und einer Träne in den Augen zuhören...

Ich werde eine Decke mitnehmen und dann können wir in Ruhe vor dem Grab sitzen, weinen, reden und hoffentlich auch lachen.

Danke an alle, die mir ihre Meinung mitgeteilt und mich in meinem Vorhaben bestärkt haben!

Ronja

Beitrag von nala22 20.05.10 - 17:39 Uhr

Der Tod gehört zum Leben und man braucht auch vor den Kindern nichts zu verbergen.
Auch diese brauchen einen Ort wo sie Oma besuchen oder trauern dürfen.
Meine Kinder kommen jedesmal mit und bringen Blumen ans Grab.

LG

Beitrag von sweetdevil83 25.05.10 - 13:04 Uhr

Hallo,

das ist schwer zu beurteilen! Du hast ja geschrieben, dass ihr euren beiden Mäusen sagt, dass die Oma im Himmel ist. Es könnte sein, dass das dann sehr verwirrend ist, wenn sie dann am Grab stehen...sie werden sicher fragen, was das ist usw. ihr müsst aber natürlich als Eltern selbst beurteilen, ob eure Kinder die "Reife" haben, zu verstehen. Manche Kinder sind sehr verstört, wenn sie auf einem Friedhof waren. Habe da durch meine Arbeit als Ergotherapeutin schon einiges mitbekommen. Wichtig ist, vorher alles genau erklären und auch alle Fragen der Mäuse zu beantworten und natürlich, sie selbst entscheiden lassen, wenn sie wieder weg möchten!

LG