Baby zur Adoption freigeben....

Archiv des urbia-Forums Ungeplant schwanger.

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Forum: Ungeplant schwanger

Was ist, wenn eine Schwangerschaft überraschend und ungeplant kommt? Hier kannst du fragen, wie andere diese Situation bewältigt haben. Grundsatz-Diskussionen um das Thema Schwangerschafts-Abbruch sind allerdings besser im Forum "Allgemeines" aufgehoben.

Beitrag von sandri25 08.10.10 - 10:03 Uhr

Hallo

Eigentlich passe ich ich hier garnicht ins Forum, da ich nicht Schwanger werden Kann.
Aber mein Größter Wunsch wäre ein Baby.
Mich würde es interessieren wie ihr mit dem Gedanken denkt das Baby was ungeplant ist zur Adoption frei zu geben, als "einfach" abzutreiben.
Ich weiß das eine Abtreibung für jeden nicht leicht wäre das will ich nicht sagen damit, aber wäre es nicht schön euren Baby eine Chance auf das Leben zu geben und eine andere Frau damit glücklich zu machen?

LG
Sandra

Beitrag von nightwitch 08.10.10 - 10:19 Uhr

Hallo,

ich bin sehr zwiegespalten. Für mich war früher immer klar: Abtreibung gäbe es nur, wenn mein Leben ernsthaft in Gefahr wäre oder das Kind aufgrund unabhängigen Untersuchungen als nicht lebensfähig oder - ja zu meiner Schande muss ich es gestehen - mit schweren Behinderungen zur Welt gekommen wäre.

ABER das war alles bevor ich meine Töchter bekommen habe. Ob ich jetzt abtreiben könnte, ich weiss es nicht. Zum Glück muss ich mir auch darüber keine Gedanken machen, weil ich momentan nicht in der Situation bin.


Aber eins weiß ich mit Sicherheit: ich könnte keines meiner Kinder, die ich geboren habe zur Adoption frei geben. Wenn ich es selbst nicht schaffen würde (oder haben wollen würde), dann würde ich es eher versuchen im Familienkreis oder in eine Pflegefamilie unterzubringen. Nicht zu wissen, was mit meinem Kind ist, wie es ihm geht oder es höchstwahrscheinlich nie wieder sehen zu können - nein das könnte ich ehrlich gesagt nicht.

Auch wenn ich weiß, dass du eine Adoption vielen Familien, die selbst keine Kinder bekommen können geholfen werden könnte.

Gruß
Sandra

Beitrag von niemals 08.10.10 - 10:56 Uhr

Hallo

Nie könnte ich ein Baby zur Adoption freigeben.

Man baut in der ss eine Bindung zu dem Kind auf. Man fühlt sich anders man spürt das Baby man sieht es auf dem Ultraschall man erlebt die Geburt und es ist ein Teil von einem selber.

Dann spielen da noch andere Dinge eine Rolle wie die Umwelt das umgehn mit den Mitmenschen,
- wann kommt das Baby
- habt ihr schon einen Namen usw.

Und dann sagen wir suchen keinen Namen es wird zur Adoption freigegeben denn wir wollen es nicht. Ich selber hätte die stärke nicht.

Was ich aber schlimm finde: Alle wollen ein Baby adoptieren aber andere Kinder fristen ihr leben im Heim weill sie keiner mehr will.

Ich wünsche mir von adoptivwilligen Leuten eher das sie sagen das Alter ist nicht so wichtig das Kind kann ruhig 3,4,5 sein.

Ich habe 3 Kinder (alle gewollt) aber ich denke das ich selber eher abgetrieben hätte da ich in den ersten ss Wochen noch gar nicht die Bindung hatte ist schwer zu erklären denn man wußte das mann ss war und da ein Baby wächst.

Beitrag von goldengirl2009 08.10.10 - 11:28 Uhr

Hallo Sandra,


mal kurz und knapp,nein es wäre absolut keine Option.
Sollte es zu einer Verhütungspanne und damit Schwangerschaft kommen würden wir eine Entscheidung treffen müssen,aber diese würde mt Sicherheit nicht Freigabe zur Adoption sein.
Ich bin kein "Babylieferant".


Gruß

Beitrag von mardani 08.10.10 - 11:34 Uhr

...Babylieferant würde ja voraussetzen, dass du das einen Auftrag bekommen hättest.....;-). Würde eher Leihmütter als Babylieferanten bezeichnen.

Die Formulierung finde ich da wirklich etwas unzutreffend. Denn Frauen die ein ungewolltes Kind zur Adoption frei geben, um den Kind ein Leben zu ermöglichen und einem Paar eine eigene Familie, sind sicherlich kein "Lieferant".

Ich freue mich über jede Frau, die ihr Kind zur Adoption freigibt und nicht abtreibt.

Wäre ich jemals in diese Lage gekommen, ich hätte das Kind nie töten können und es "lieber ertragen" es auszutragen und dann abzugeben. Jedoch hätte ich auf eine offene Adoption bestanden.

VLG

Beitrag von cherry19.. 08.10.10 - 11:55 Uhr

Hallo Sandra,

mein Sohn (3 Jahre) war geplant. Meine Tochter (1 Jahr) war ungeplant. Zur Erklärung: Meine Regel kam fast auf die Stunde genau und ich habe daher nicht mit Hormonen verhütet, sondern mit Rechnen. Das ging auch sehr lange gut, bis ich mich mal um eine Woche verrechnet hatte #klatsch. Einige, die hier regelmäßig im Forum "ungeplant Schwanger" lesen, werden evtl. noch meinen verzweifelten Beitrag kennen. Ich habe echt den ersten Tag hin- und herüberlegt, da ich es mir einfach nicht zugetraut habe, ein zweites Kind großzuziehen, da mich mein erster ja schon genug "stresste". Klar kam da auch die Überlegung Adoption. Jedoch würde ich das NIEMALS packen. Eher dann noch einen Abbruch. Deine Gedankengänge versteh ich natürlich. Aber ich in meiner Situation damals hätte das nicht gepackt. Die ganze SS über diese emotionale Bindung zum Baby und es dann weggeben. Ich persönlich finde das für MICH viel schlimmer, als mich gleich am Anfang der SS für einen Abbruch zu entscheiden.

Ich hab damals übrigens abends nen ruhigen gemacht, bin beizeiten ins Bett und den nächsten Tag sah die Welt schon ganz anders aus.

Und jetzt bin ich im Übrigen auch sooooooo froh, dass ich meine Prinzessin habe. Und ich dachte damals, ich schaff das nie.. klar, war es schwer. Aber wir habens geschafft :-)

Alles Gute für dich.

Janine + Keanu (3 Jahre) und Nayla (1 Jahr) - Bilder in VK :-)

Beitrag von ippilala 08.10.10 - 13:20 Uhr

Ich denke das Hauptproblem beim Austragen und Weggeben ist, dass man sich vor anderen rechtfertigen muss.
Man kann nicht monatelang einen Kullerbauch haben und danach kein Baby ohne sich zu rechtfertigen.
Abtreiben kann man heimlich, bekommt zur Not keiner mit abgesehen von den Beratungstanten, Schwestern und Ärzten. Die kennen sich aber mit dem Thema aus und verurteilen nicht, ist ja ihr täglich Brot.
Trägt man ein Kind aus bekommen es eine menge Leute mit, die fragen stellen werden. Sicher auch schon in der Schwangerschaft. Und stell dir vor, wie die meisten Leute reagieren würden, wenn man sagt:" Darüber mache ich mir keine Gedanken, ich trage das Kind nur aus und gebe es dann zur Adoption frei, ich möchte keine dauerhafte Verantwortung übernehmen."

Liest du hier oft, dass Frauen dadrüber klagen, dass ihre Männer oder Eltern ihnen raten, das Kind auszutragen und wegzugeben? Nein? Gut, ich auch nicht. Denn dann müssten sie sich wohl gegenüber anderen rechtfertigen. Eine Abtreibung kann man unter den Teppich kehren, eine Schwangerschaft nicht.

Desweiteren denke ich, das viele Frauen (und ihre Männer oder Eltern...) Angst davor haben, dass die Bindung zwischen Mutter und Kind doch zu groß wird und das Kind nicht mehr zur Adoption freigegeben wird. Also hat man es 18 Jahre an der Backe. Treibt man es ab (oder rät dazu) kann man diese Entscheidung nicht mehr rückgängig machen.
Die Entscheidung das Kind zur Adoption freizugeben, kann man die ganze Zeit der Schwangerschaft rückgängig machen und auch einige Tage nach Weggabe. Eine Abtreibung ist endgültig Der sicherste Weg also keine Verantwortung für ein Kind zu übernehmen und sich damit sein Leben zu versauen.

Ich finde es auch gut, wenn sich eine Frau für Austragung und Adoption entscheidet, satt für eine Abtreibung und ich finde es traurig, dass man hier so oft liest: " Also du hast jetzt 2 Möglichkiten: 1. Abtreibung und 2. Kind behalten und damit klarkommen." Eine dritte Möglichkeit wird so gut wie nie aufgezeigt.

Beitrag von ippilala 08.10.10 - 15:05 Uhr

Und da haben wir auch schon eine, die meine Vermutungen unterstützt:

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&tid=2841998&pid=17984001&bid=30

Totschweigen ist wirklich viel einfacher als Rechtfertigung.

Beitrag von jungeblume 10.10.10 - 10:44 Uhr

Das mit dem Totschweigen stimmt nun auch wieder nicht. Man muss doch das Kind nicht austragen, nur um dann darüber sprechen zu können, dass man es nicht will??? Komisch Einstellung! Wenn ich kein Kind will setzte ich auch keins in die Welt, denn dann würde ich es ja behalten. Das sich jemand anders dann darum kümmert würde dem Kind aus meiner Perspektive als biol. Mutter ja nur noch unsicherer eine gute Zukunft bieten. Immerhin weiß man ja nicht was passiert! Adoption hat übrigens meist auch psychisch schlimmere Folgen! Eine Abtreibung, da es kein Kind, sondern ein Embryo in der Anfangsphase ist und ein Kind werden könnte, sonst wäre es ja Verboten (Kindstötung!!!), ist für die Zukunft einfacher zu verkraften bzw. es ist einfacher damit umzugehen. Verdrängen muss man es nicht und sollte es auch nicht, aber eine Schwangerschaft und GEburt und dann Abgabe des Kindes???

Beitrag von mardani 10.10.10 - 10:48 Uhr

...nee ist klar....das Herz schlägt....aber es ist ja noch "kein Kind"...

Ich krieg nen Anfall wenn ich so einen Käse lese.
Wenn man abtreibt, dann soll man gefälligst auch dazu stehen das man weiß, dass das Herz schlägt und es nicht einfach nur ein Klumpen Zellen ist.

Feige ist sowas, schön reden höchster Güte.

Soll abtreiben wer mag, bitte schön...aber diese Aussagen finde ich einfach zum übergeben.

Beitrag von jungeblume 10.10.10 - 11:16 Uhr

Klar schlägt ein Herz. Nichtmal mit beiden Kammern am anfang, aber es schlägt! Das leugne ich nicht. Aber bei einer Eintagsfliege schlägt es auch. Diese ist aber sogar überlegensfähig. Das kleine Etwas in einem nicht ansatzweise. Das ist eine Ansammlung sich bildender Organe und klar kann es zu etwas gewaltigem werden, nämlich einem Wunder! Einem Kind! Per Definition ist das aber noch keins! Sonst wäre es verboten! Wenn du dich dadurch dann gebunden fühlst, ist es ja ok, aber gibt doch anderen das recht es nicht so zu empfinden, wenn es ungewollt ist, dass man schwanger ist.

Beitrag von ippilala 10.10.10 - 19:25 Uhr

Ab wann ist es denn deiner Meinung nach ein Kind und keine Ansammlung sich bildender Organe?

Beitrag von jungeblume 10.10.10 - 19:53 Uhr

Ich nenn jetzt bestimmt keine genauen daten! Das überlass ich lieber der Forschung! Ich denke ein richtiges Kind das den Namen KIND haben kann ist es wenn es überlebensfähig ist und frühestens, wenn die Schwangerschaft nach dem 12 Wochen so gut wie sicher ist! Aber darauf will ich mich auch nicht festnageln lassen! Es gibt keine Linien bei soetwas. Es gibt Gesetzte und Forschungsergebnisse, aber keine Glaubensregeln!!!!!!

Beitrag von ippilala 11.10.10 - 16:25 Uhr

Forschungsergebnisse kann man sehr unterschiedlich auslegen.

Wusstest du, dass man vor 150 Jahren noch dachte (auch laut Forschung so bewiesen war), dass Babys keinen Schmerz empfinden und so gänzlich ohne Beteubung operiert wurden?

Wieso ist es ein Kind, wenn es überlebensfähig ist? Inwiefern denn ? Ein geborenens Baby ist auch nicht allein lebensfähig. Ein Mensch der beatmet wird auch nicht. Darf man sowas dann auch wegmachen, weil es nicht allein lebensfähig ist?

Laut heutiger Forschung ist eine befruchtete Eizelle genauso ein Mensch, wie ein Baby oder eben jemand, der nicht alleine atmen kann. Da es sich von unbelebter Materie unterscheidet, einer Art (Gattung,Familie etc.) genetisch zuzuordnen ist, sich vom chromosemsatz eines jeden anderen Menschen abhebt und eigenständig fortpflanzungsfähig ist (Zellteilung).
Der einzige Unterschied ist nur, dass dieser Mensch sich im Körper eines anderen Menschen befindet.

Natürlich ist es eine Sache des Glaubens. In jedem Land gibt es unterschiedliche Gesetze (und das obwohl jedweiige Forschung über diese Thema bekannt ist, es wird nur von jedem Staat völlig unterschiedlich interpretiert)und du richtest deine Meinung also nur nach den Gesetzten des Landes in dem du dich grad befindest?
Das heißt, wenn du in einem Land wärst, in dem Abtreibung grundsätzlich verboten ist, da dort ein Kind ab Befruchtung ein Kind ist, siehst du das genauso?

Hast du keine eigene Meinung?

Beitrag von mardani 11.10.10 - 11:09 Uhr

...eine "Ansammlung sich bildender Organe".....

Da fehlen mir die Worte, echt.

Wer sich das so schön redet, der braucht das wahrscheinlich auch, um bei dem Gedanken das eigene Kind abzutreiben noch in den Spiegel gucken zu können.

...aber jeder so wie er mag.....stimmts?!

Wer schon abtreibt, der sollte sich wenigstens auch damit auseinander setzen WAS er da abgetrieben hat und sich nicht so einen Käse einreden....als wäre das alles nur ein Tumor der entfernt werden müsste.


Beitrag von jungeblume 11.10.10 - 12:18 Uhr

Das rede ich mir nicht ein. Ich habe das kleine etwas mit Herzschlag sogar 2 mal auf dem Ultraschall gesehen! Ich brauche kein schlechtes Gewissen haben oder mich als phychisch krank erweisen, nur weil ich abgetrieben habe. Jeder hat seine Gründe dafür. Eineige sind einfacher zu verstehn, andere wohl eher nicht.

Beitrag von mardani 11.10.10 - 14:08 Uhr

Frage mich grade wo ich geschrieben habe, dass du psychisch krank sein sollst...?!

Na, wie dem auch sei. Jeder wie er es mag.

Beitrag von ippilala 10.10.10 - 19:31 Uhr

Wenn man ein Kind austrägt bekommen das aber Menschen mit und wenn danach kein baby da ist, wirft das Fragen auf. Also muss man irgendetwas sagen oder schweigen. Aber man kann es nicht einfach so verheimlichen wie eine Abtreibung. Man muss sich mehr damit auseinandersetzen.

Als Mutter eine zur Adoption freigegebenen Kindes kann man natürlich nicht genau die Zukunft bestimmen. Aber wenn man es abtreibt nimmt man jede Chance gleich von Vornherein weg.

Beitrag von jungeblume 10.10.10 - 19:58 Uhr

Klar kann man es nicht unbedingt verschweigen, aber ich tue das auch nicht. Von mir kannst du sogar ein Bild sehen im gegensatz zu dir. Ich schäme mich nicht, aber ich muss nicht jedem den ich auch nur ein bisschen kenne sagen: du ich war schwanger und habe abgetrieben!
Das ist sehr intim. Das ist nichts öffentliches, genau wie eine Addoption, nur dass leider zu sehen ist und menschen sehr schnell Urteilen. Sie als nichtliebende herzlose Mutter, Drogensüchtige, zu jung etc. abstempeln und bei Abbreibung sogar als Mörderin! also bitte. Dreht doch hier nicht alles so, als müsste man darüber reden, wo es einem in dieser Gesellschaft nicht ansatzweise leicht gemacht wird!!! Und lies mal die Beiträge von den Adoptivmüttern!

Beitrag von ippilala 11.10.10 - 16:31 Uhr

Hey genau daraum geht es. Du kannst selbst entscheiden, wem du von der Abtreibung erzählst. Eine Frau die ein Kind austrägt und es weggbibt, kann das nicht.

Theoretisch hättest du auch ganz heimlich abtreiben können und es ganz heimlich für dich behalten können ohne das igrendwer (außer Arzt,Schwester) davon etwas mitbekommen hätte.

Dieses Privileg hat eine Schwangere aber nunmal nicht.

Beitrag von jungeblume 11.10.10 - 22:33 Uhr

Worte wie Privileg klingen hierbei komisch.
Ist doch die eigene Entscheidung und wenn man sich gegen das Kind entscheidet, ist eine Austragung und Adoption nunmal nicht eine Entscheidung dagegen, finde ich! Es ist eine entscheidung für das Austragen eines Kindes, deiner Gene, welches in dir gewachsen ist. Da ist ein riesiger Unterschied, nicht nur, dass man nichts erzählen muss. Wenn man hätte sehen können, dass ich schwanger bin in den ersten wochen hätte ich mich trotzdem dagegen entschieden. Lieber, dass alle Leute urteilen, als dass ich mich gegen mich selbst entscheide nur aufgrund äußeren drucks!

Beitrag von neomadra 09.10.10 - 15:54 Uhr

ich finde deinen beitrag klasse - und würde dir uneingeschränkt zustimmen.
ich glaube auch, dass es im fall einer adoption oft darum geht, sich nach außen rechtfertigen zu müssen. einen abbruch kann man, wie du schon selbst sagt, sehr gut "unter den tisch kehren".
die "dritte möglichkeit" wird wirklich viel zu oft einfach nicht genannt - auch mir ist schon aufgefallen, dass es im forum manchmal gesagt wird: abtreiben oder austragen. und ich habe mich auch manchmal gefragt: und was ist mit adoption?

ich habe noch nicht vor der entscheidung gestanden und kann das alles natürlich völlig unemotional und aus der distanz beurteilen - ich kenne den emotionalen druck und die angst nicht, die man in einer solchen situation empfindet.

aber ich habe ein pärchen im bekanntenkreis, die sehr dankbar dafür sind, dass es zumindest eine frau gegeben hat, die sich gegen abtreibung und für adoption entschieden hat - aus liebe zu ihrem kind.

dass ist nämlich auch ein aspekt, der mir (wie gesagt: alles aus der distanz!) manchmal komisch vorkommt:
ist es nicht auch liebe zu seinem kind, sich gegen eine abtreibung zu entscheiden sondern für eine adoption?

oft heisst es: ich könnte es nicht weggeben, das ist grausam.
aber das bedeutet ja auch: ich kann es "wegmachen". das ist weniger grausam...

ich drücke es mal bewusst überspitzt aus:
ich mache es weg, bevor eine bindung entsteht damit es leichter ist. denn nur so kann ich mich dagegen entscheiden.

oder wie ippilala geschrieben hat: "Eine Abtreibung ist endgültig Der sicherste Weg also keine Verantwortung für ein Kind zu übernehmen und sich damit sein Leben zu versauen."

wäre es nicht in manchen situationen ein zeichen der liebe, sich für eine austragung zu entscheiden und dem kind, das man neun monate in sich getragen hat die chance auf ein schönes leben bei adoptiveltern zu ermöglichen?
als es "wegzumachen" solange man noch die distanz hat und alles gleich auszulöschen, bevor es chancen gibt?

versteht mich nicht falsch - das thema ist heikel und emotionsgeladen. ich bin weder gegen noch für abtreibung.
genauso wenig bin ich für oder gegen adoption.
ich finde nicht, dass man dieses thema pauschalisieren darf - sondern dass man es von fall zu fall einzeln beleuchten muss.

ich tu mich nur extrem schwer mit der aussage, eine adoption sei grausam und lieblos und eine abtreibung dagegen "besser".

es gibt viele kinderlose paare, die sehnsüchtig auf ein kind warten und ihm eine sichere und liebevolle zukunft bieten könnten.
warum soll man das den kindern nehmen, indem man sagt: abgeben ist grausam, das könnte ich nicht, ich mach es lieber weg ...
ist das nicht manchmal egoistisch gedacht? "ICH könnte es nicht, also entscheide ICH, dass es "wegmuss" " - und was ist mit dem kind, das entsteht?

diese "dritte möglichkeit", das kind wegzugeben und ihm ein schönes leben zu ermöglichen, die sollte zumindest in betracht gezogen werden finde ich.







Beitrag von anyca 09.10.10 - 16:55 Uhr

Niemand hat gesagt, eine Adoption sei grausam, nur daß man eben, WENN man sich für das Austragen der Schwangerschaft entscheidet, in der Regel auch das Kind behält!

Eine Frau in meinem Umfeld hat ein Kind zur Adoption freigegeben, da kamen aber zwei Faktoren zusammen - 1. hat sie die Schwangerschaft erst bemerkt, als es zum Abtreiben schon zu spät war, 2. war sie zwischen Abi und Studium und konnte für die letzen Monate mit dickem Bauch quasi unbemerkt in die nächste Großstadt verschwinden, so daß eben nicht Hinz und Kunz im Heimatort die nächsten 50 Jahre erzählt, "die X, das ist doch die, die ihr Kind weggegeben hat". Aber das können ja die wenigsten, mal drei, vier Monate "untertauchen"!

Ist es wirklich sooooooooo schwer zu verstehen, daß in Lebenslagen, die das Aufziehen eines Kindes nicht zulassen, auch das Austragen eines Kindes evtl. nicht geht?

Beitrag von ippilala 09.10.10 - 18:15 Uhr

Was heißt denn hier "es geht nicht". Natürlich geht das, man muss sich dann einfach nur rechtfertigen - Verantwortung für sein Handdeln übernehmen.

Die Frau von der du schreibst hätte ja dann auch das Kind abgetrieben, wenn sie sich nicht hätte verstecken können. Das ist doch traurig sowas.
Sie hätte genausogut das Kind austragen können und wäre danach umgezogen. Aber das ist ja viel zu kompliziert, stattdessen lässt man es sich wegmachen.

Oder sie hätte einfach dazu stehen können.

Aber zur Adoption freigeben ist ja nur richtig, wenn es keiner erfährt.

Desweiteren hat sich doch das Kind weggegebn, was ist falsch daran, wenn jemand anderes das benennt?

Beitrag von anyca 09.10.10 - 20:25 Uhr

"Sie hätte genausogut das Kind austragen können und wäre danach umgezogen. Aber das ist ja viel zu kompliziert, stattdessen lässt man es sich wegmachen. "

Ob sie abgetrieben hätte, weiß ja keiner, die Frage stellte sich schlicht nicht mehr, da die Schwangerschaft schon weit fortgeschritten war, als sie es merkte.
Und "danach umziehen" ... sie hat Familie am Heimatort, ist dort mittlerweile verheiratet, hat mit ihrem Mann zwei Kinder und die Oma hütet oft die Enkel. Das hätte sie an einem anderen Ort nicht! Als sie damals ungeplant schwanger war, war die Oma aber noch selber in einer persönlich schwierigen Situation und nicht in der Lage, die Tochter zu unterstützen.

Sie hätte also mit "Adoption und später Umzug" nicht nur das erste Kind verloren sondern auch das soziale Netzwerk für die späteren Kinder!!!

"Was ist falsch daran, wenn jemand das benennt?"

Das mußt Du schon ihr überlassen. Fakt ist, es ist meines Wissens nach kein Gesprächsthema in der Familie. Ich weiß z.B. nicht, was ihre Kinder darüber wissen ...

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