Patchworkfamily - unsere Tochter spielt uns aus, wie reagieren?

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von blueeyes75 20.02.06 - 09:58 Uhr

Hallo zusammen!

Möchte euch erst kurz unsere Familiensituation schildern: Wir, das sind meine Tochter, 6 und ich, mein Mann und seine Tochter, 5 und unser gemeinsamer Sohn, 8 Monate. Wir leben seit 1 1/2 Jahren zusammen, kennen uns aber schon länger. Es geht um die 5jährige Tochter meines Mannes. Ihre Mutter kümmert sich sehr wenig um sie, d. h. sie hat die Familie von einem Tag auf den anderen verlassen, als sie 1 1/2 Jahre alt war und hat sich dann über 6 Monate lang gar nicht mehr gemeldet. Sie holt sie normalerweise mittlerweile jedes 2. Wochenende ab, was mal einige Zeit klappt, dann wieder nicht. Seit Oktober hat sie sie jetzt 3 x abgeholt. Sie ruft dann immer Freitag mittag an und sagt, sie könne sie nicht holen. Was für die Kleine natürlich sehr frustrierend ist, da sie natürlich erwartet, abgeholt zu werden. Wenn sie dann das Wocheende dort verbringt, ist sie immer total durch den Wind, hält sich an keine Regeln mehr, isst nicht mehr mit Messer und Gabel zum Beispiel. Seit längerem haben wir das Problem, das sie zu lügen anfängt. Nicht nur in Bezug auf ihre Mutter sondern bei allem möglichen. Ihre Mutter bedeutet ihr trotz allem sehr viel und sie würde alles für sie tun. Kann ich zwar nicht verstehen, weil sie sich nicht mal um das Kind kümmert, wenn es am Wochenende da ist (sie sitzt nur vorm Fernseher oder wird zur Mutter ihres Lebensgefährten abgeschoben). Wir reden allerdings nicht schlecht über sie, ich finde, das darf man nicht, das wird eh nur ein Rückläufer. Dieses Wochende kam sie zurück und hat vor meinem Mann und ihrer Mutter gesagt, dass sie den Nagellack bei Oma schon weggemacht hätten, weil er ihn ja sonst sofort wieder "runterkratzen" würde (haben wir noch nie gemacht - wir haben nicht mal ´nen Nagellackentferner) und dass sie bei ihrer Mama alles darf und bei ihm nie was, sie dürfe zum Beispiel nie fernsehen (jeden Abend sehen die beiden eine Geschichte von Lauras Stern) oder im Cabrio fahren (wir haben gar keines??). Sie redet ihrer Mutter immer direkt nach dem Mund und sagt nur, was sie hören will. Bei uns beschwert sie sich dann immer, dass sie nichts mit ihr unternimmt oder immer raucht, wenn sie dabei ist. Ich bin mir aber sicher, dass sie nie zu ihr selbst was sagen würde. Jetzt fängt sie an, uns schlecht zu machen und Lügen zu erzählen. Niemand kann mir sagen, das ist nur ein Kind und sie weiss nicht, was sie tut. Ich glaube schon, es waren einfach schon zu viele Dinge, dass sie sehr berechnend handelt. Vielleicht will sie sich die Liebe ihrer Mutter dadurch erkaufen? Ich will auchl nicht ausschließen, dass sie von ihr beeinflusst wird. Ich habe halt Angst, dass sie öfter solche Dinge erzählt, vor allem, wenn niemand von uns dabei ist und man uns das irgendwann vorwirft. Ihrer Mutter ist auch zuzutrauen, aus Langweile mal wieder vors Gericht zu gehen. Wenn die Kleine vom Richter befragt werden würde, würde sie sicher auch sagen, was ihre Mutter hören will und nicht die Wahrheit. Aber bei ihr hätte sie keine Zukunft (hat keinen Schulabschluss, hat keine Lust zu arbeiten - sagt sie wirklich sie so, hat sie auch noch nie getan, hat keine Ahnung, wie man mit Kindern umgeht. Die Gerichtspsychologin hat damals gesagt, dass sie im Umgang mit dem Kinder angelernt werden muss, weil sie nicht weiss, wie man mit Kindern umgeht - deshalb kam sie ja auch zu ihrem Vater).

Hat jemand von euch eine ähnliche Situation oder einen Tipp, wie man auf die Lügen reagieren soll/kann?
Ich hab auch das Gefühl, dass an ihr alles abprallt. Egal ob man mit ihr im Guten oder im Bösen redet, versucht zu erklären etc. - es geht links rein und rechts wieder raus. Ich hab auch noch nie erlebt, dass ihr irgendwas wirklich leid tut. Es ist ihr, zumindest nach außen hin, alles egal.

Sorry, ist etwas lang geworden.

Freue mich über jede Anregung!

Beitrag von donravello 20.02.06 - 10:22 Uhr

hi petra,
zitat:
"Ihre Mutter bedeutet ihr trotz allem sehr viel und sie würde alles für sie tun. Kann ich zwar nicht verstehen, weil sie sich nicht mal um das Kind kümmert, wenn es am Wochenende da ist (sie sitzt nur vorm Fernseher oder wird zur Mutter ihres Lebensgefährten abgeschoben). "
schon einmal überlegt, daß dieses kind um die liebe ihrer mutter kämpfen muss?

besteht die möglichkeit, daß ihr euch alle du, der vater, die mutter, das kind, an einen tisch setzen könnt?

ein sinnvolles gespräch führen und zwar ohne jegliche vorwürfe in dem sinne:
"du hast...."
ich kenne sehr gut diese situation, dem kind fehlt die aufmerksamkeit die es braucht, daher unternimmt es diese schritte.
kann es auch sein, daß du in diesem kind eher die mutter als den vater siehst?
du schreibst schon negativ über die mutter, zwar specht ihr nicht schlecht über sie, doch kinder haben ohren und feine antennen.

grüßle
wolf

Beitrag von blueeyes75 20.02.06 - 10:56 Uhr

Mir ist schon klar, dass sie um die Liebe ihrer Mutter kämpfen muss und doch jedesmal enttäuscht wird...
Ein Gespräch mit ihr zu führen ist nicht möglich, weil sie auch früher schon jede Zusammenarbeit verweigert hat, d. h. sie hält zum Beispiel keine Gesprächstermine ein und sagt auch direkt, dass sie daran kein Interesse hat.
Die Kleine ist auch in psychologischer Behandlung, dafür musste ihre Mutter die Zustimmung geben, hat dem Psychologen aber wörtlich gesagt, dass sie "keinen Bock hätte, sich damit auseinanderzusetzen" und sie somit auch nicht zu einem Gespräch mit ihm bereit sei.
Ich meine nicht, dass ich in ihr ihre Mutter sehe und sie deshalb anders behandle wie meine anderen Kinder. Ich war ihrer Mutter gegenüber am Anfang auch sehr neutral, aber mittlerweile hab ich selber schon so viel mitbekommen, dass ich vor dieser Frau und wie sie mit dem Leben anderer und vor allem ihres Kindes umgeht, keinerlei Respekt mehr habe. Kinder haben feine Antennen, das ist mir durchaus bewusst, aber es wurde noch nie gesagt, dass sie nicht über ihre Mutter reden darf, dass sie sie nicht gern haben darf oder sonst irgendwas. Im Gegenteil, das das völlig in Ordnung ist, wenn sie dahin geht und auch wenn sie gerne dorthin geht. Auch ohne Unterton.

Trotzdem wissen wir immer noch nicht, wie wir reagieren sollen.

Beitrag von donravello 20.02.06 - 11:16 Uhr

hi petra,
ist eine verdammt schwere situation, ich kenne das.
habe damals vieles ignoriert was der große so vom stapel gelassen hat.
wenn die mutter nicht will, wie sieht es bei euch aus?
wäre da eine familienhelferin nicht angebracht?


grüßle
wolf

Beitrag von blueeyes75 20.02.06 - 11:25 Uhr

Wir hätten damit kein Problem, sie wird aber nicht mitarbeiten. Nur mit uns allein wird das wenig sinnvoll sein. Wir würden es auch sehr begrüßen, wenn sie im Umgang mit dem Kind angeleitet werden würde, wie es ja damals bei der Trennung gefordert wurde. Wir wollen den Kontakt ja nicht unterbinden, schaden sollte er aber auch nicht. Das Jugendamt zeigt allerdings auch 0 Interesse und hat den Fall erst einmal 1 1/2 Jahre lang gar nicht bearbeitet, bis eine Dienstaufsichtsbeschwerde geschrieben wurde. Ich hab jetzt einen Termin morgen bei der Erziehungsberatungsstelle und heute Nachmittag mit der Gruppenleiterin vom Kindergarten. Vielleicht können die ja weiterhelfen.
Was hast du denn bei deinem großen ignoriert? Lebt ihr in einer ähnlichen Situation?

Beitrag von donravello 20.02.06 - 11:46 Uhr

ja,
und das schon seit 12 jahren.
der große ist zwischenzeitlich ausgezogen, lebt sein eignes leben, doch damals hatte er nach der trennung massive problem mit dem verhalten seiner mutter.
auch heute noch haben die anderen zwei so ihre problem mit der mutter, doch sie sind zwischenzeitlich in dem alter wo sie genau wissen was sache ist und wo es lang geht.
das mit der erziehungsberatung finde ich persönlich klasse, hatte da auch und nur positive erfahrung gemacht.
ich denke, daß das kind hat schon seine psychischen probleme:-(


grüßle
wolf
grüßle
wolf

Beitrag von colinchen 20.02.06 - 16:59 Uhr

Hallo!

tut mir leid, dass ihr so viele Probleme habt. Mir tut die Kleine sehr leid, denn alles (naja, ein großer Anteil an den Problemen wie du sie beschreibst) was sie ist und wie sie sich verhält, ist Folge dieser Streitigkeiten und der schlechten Behandlung durch ihre Mutter. Die Kleine kann nichts dafür, sie weiß sich nicht anders zu helfen und versucht letztenendes nur sich zu schützen, damit die Erwachsenen nicht noch mehr in der kleinen Kinderseele kratzen. Und ehe man überall nur enttäuscht wird, macht man eben alle Schotten dicht und ist nach außen so kalt man eben sein kann. Und die Bindung zur Mutter ist nunmal enorm wichtig, dafür tut man als kleines Kind so einiges (sie steht eben mit dem Rücken zur Wand). Ich hoffe, ihr könnt dafür Verständnis aufbringen und den eigentlichen Charakter der Kleinen von den negativen äußeren Umständen die sie so sein lassen abgrenzen.
Ich finde es auch sehr gut, dass du dir Unterstützung bei einer Erziehungsberatungsstelle holen willst!!!
Dass das Jugendamt sich nicht kümmert, finde ich ziemlich schlimm. Da müsst ihr immer drann bleiben und um eure Rechte kämpfen (das ist zwar zermürbend, aber vielleicht könnt ihr doch was erreichen - vielleicht zusammen mit der Erziehungsberatung).

Ich kann dir leider keine konkreten Tipps geben, wie du auf einzelne Aussagen der Kleinen reagieren kannst (der Termin bei der Erziehungsberatungsstelle wird da sicher hilfreicher sein). Aber ich wünsche euch alles Gute!

Beitrag von danni64 20.02.06 - 20:21 Uhr

Hallo Blue,

ich kenne das Problem auch,denn ich habe auch eine Stieftochter,die ist inzwischen 24 jahre jung.
Sie zeigte die gleichen Verhaltensmerkmale,wie deine Stieftochter.

Die Caritas-Erziehungsberatungsstellen sind wirklich gut.

Leider wird das alleine nicht viel bringen,hat es bei uns auch nicht.Diese Kinder kämpfen um die Liebe der Mutter und das kann auch keine Stiefmutter ersetzen.
Ich verstehe solche Mütter nicht,wie kann man ein Kind in die Welt setzen und sich dann nicht drum kümmern.
Es ist okay,wenn die Kinder beim Vater leben,aber die Mütter sollten wenigstens ihre Besuchsregelungen einhalten. Da liegt nämlich das Problem bei den Kindern.Sie lassen sich im Stich gelassen.

Manchmal denke ich,Kinder können besser ohne Vater,als ohne Mutter leben.
Einen Tipp habe ich leider auch nicht,weil auch bei uns damals nichts geholfen hat.
Es würde dem Kind nur besser gehen,wenn sich die Mutter endlich um sie kümmern würde,das habe ich in all den Jahren begriffen.

Ich weiss aber,wie hilflos ihr seid,denn uns ging es damals nicht anders.
Ich möchte meine Geschichte hier aber nicht so ausbreiten.

Wenn du reden magst,dann kannst du mich gerne über meine VK anschreiben,denn das ist persönlicher.

Liebe Grüsse von Danni !!!!

Beitrag von chichilove 21.02.06 - 00:31 Uhr

Hallo...
wir sind auch eine Patchworkfamilie....
Also wir haben ähnliche Probleme mit dem Großen von meinem Lebensgefährtin. Er ist 9 wird im April 10 und lebt mit seiner Schwester jetzt seit 7 Jahren mit uns zusammen. Er lügt, er ist agressiv, ach es gibt soviel was ich über ihn erzählen könnte. Es ist nicht einfach.

Bei uns kümmert sich die leibliche Mutter seit 4 1/2 Jahren nicht mehr um die beiden Kinder. Vorher war es eher sporadisch...ähnlich wie bei euch. Das ist schade. Die kleine war ein Jahr als ich sie bekam...und der Große war 3. Das war schon anstrengend..so mit 20 Jahren auf einmal zwei Kinder zu betreuen. Naja bis jetzt schaffen wir es ganz gut...wenn da nicht die Probleme mit dem Großen wären. Ich glaube schon das er seine Mutter vermißt...aber wir wissen noch nicht einmal wo sie ist. Sie ist nicht auffindbar.

Er macht jetzt mittlerweile die 3 Therapie...und wir hoffen einfach das er es jetzt packt...und unser Familienleben wieder normal wird. Er ist hochbegabt....ist mit 9 Jahren schon in der 5. Klasse auf dem Gymnasium...aber durch seine Art verbaut er sich fiel. Er hat auch kaum Freunde. Leider.

Also wenn du Lust hast können wir ja Kontakt halten....auch falls du noch Fragen hast. Ich wünsche dir starke Nerven....denn die braucht man in einer Patch Family am meisten.

Gruß Yvonne

Wir haben auch viele Jahre mit dem Jugendamt und Gericht gekämpft....er hat das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen....das war auch eine harte Zeit für die Kinder....manchmal vergißt man sowas.....geht zu schnell zum normalen über....und denkt nicht dran was diese Kinder eigentlich durchmachen....nicht gewollt zu sein von der eigenen Mutter. Naja mittlerweile bin ich 28 Jahre und wir haben auch noch ein gemeinsames Kind bekommen....der jetzt 4 Jahre ist. Ich muß auch sagen ...so schade wie es ist....es ist besser das die Mutter nicht da ist....man hat zwar auch Probleme, aber es werden mehr wenn eine zweite Person immer gegen dich spielt......

Halt die Ohren steif....#pro