Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung

    • (1) 10.01.19 - 09:28

      Hallo,
      ich würde gerne ein paar Meinungen hören.

      Mein Mann wurde vom Auto angefahren. Er war auf dem Fahrradweg mit dem Fahrrad unterwegs und eine Autofahrerin hat ihm die Vorfahrt genommen.

      Hat ihn gar nicht gesehen und ihn komplett umgefahren. Zum Glück war sie nicht so schnell.

      Mein Mann hat neben diversen Prellungen die Nase gebrochen, er hatte einen Riss in der Nase, der genäht wurde und er hat einen Verdacht auf Schädelbasisbruch (besser Riss). Er liegt seit einer Woche hier zu Hause im Bett.

      Er hatte schon mal unverschuldet ienen Unfall, da hatte ihm damals (er war 18) sein vater einen Anwalt besorgt wegen Schmerzensgeld (da ging es um Zähne, das kann ja sehr teuer sein).

      Ich war da erst skeptisch. Aber gut ja, angesichts seines zustandes ist es sicher gerechtfertigt.

      Zumal ich mich am meisten frage, wie die Frau ihn an dieser Stelle komplett übersehen konnte (Handy??). Es war auch nicht das typische in gleicher Richtung unterwegs und toter Winkel. Nein, sie kam ihm entgegen (der Fahrradweg wird an der Stelle links geführt).

      Nun kommt huete Post von der Polizie mit der Bitte, dass er (zusätzlich zu der Polizei, die eh eine Strafermittlung eingeleitet hat) Strafanzeige stellt.

      Ich bin hin und hergerissen.

      Einerseits denke ich, die Arme Frau ist genug bestraft. Naja und ihre Haftpflicht wird das Schmerzensgeld zahlen (da sie ihre Schuld komplett eingeräumt hat).

      Andereseits denke ich: Oh Gott, Autofahrer, die müssen auch mal Becsheid getickt bekommen.

      Wir fahren nur Rad und wie oft mir die Vorfahrt genommen wird....

      Wir fahren mit Warnweste, Mein mann aber ohne Helm.

      Er hat einen Bestellt, die Nasen und Zahnverletzungen, die werden dadurch ja aber gar nicht geschützt.

      Helm wird ja auch sehr kontrovers diskutiert. Eine Studie zeigt zum Beispiel, dass Autofahrer weniger vorsichtig fahren, wenn der radfahrer einen helm aufhat. Daher fährt eine befreundetet Familie (die auch nur Rad fährt) ohne Helm.

      Es soll aber gar nicht um den Helm gehen.
      Es geht um die Frage: Würdet Ihr Strafantrag stellen?

      Ich tendiere dazu, es zu lassen (wie gesagt, bestraft ist sie genug, sie hatte wohl voll den Schock) und abzuwarten, ob die Polizei es von sich aus weiter verfolgt oder nicht. was sie ja auch oft tut.
      Andererseits hab ich grad gelsen, strafmildernd wirkt sich das tatnachverhalten aus: Eine Entschuldigung, Blumen,... Sowas haben wir auch nicht bekommen.

      Danke für ein paar Meinungen von Euch


      LG H.

      • Hallo!

        Ihr seid jetzt erst durch den Brief der Polizei überhaupt auf die Idee gekommen Strafanzeige zu erstatten. Richtig?

        Ich glaube, ich bin da zu sehr Gutmensch und unterstelle meinem Gegenüber in der Regel die beste Absicht. Diese Autofahrerin hat deinen Mann mit Sicherheit nicht absichtlich vom Rad geholt. Sie stand ja offenbar selbst unter Schock.

        Ich habe im April auch beinahe einen Radfahrer umgefahren. Die Polizei hat das gesehen, dem Radfahrer ist zum Glück nichts passiert, ich bekam eine ordentliche Geldstrafe. Ich kann dir sagen, dass ich das gerechtfertigt fand und hinterher einfach nur froh war, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Ich kann dir nicht sagen, warum ich den nicht wahrgenommen habe. Ich habe geguckt und ich war vorsichtig, dennoch habe ich ihn übersehen und dennoch war es meine Schuld. So was passiert.

        Wenn dein Mann durch den Unfall finanzielle Ausfälle hat, dann hättet ihr einen Grund für eine Anzeige. Wenn diese Frau nun alle Schuld von sich weisen und sie deinem Mann zuschieben wollte, dann hättet ihr einen Grund.

        Am Ende machst du es daran fest, dass sie sich nicht entschuldigt und keine Blumen geschickt hat? Das finde ich jetzt etwas kleinkariert. Ich hatte die Kontaktdaten des Radfahrers nicht, weil der wütend weitergefahren ist. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich mich anschließend noch bei ihm gemeldet hätte. Ich hätte mich vor Ort tausend Mal entschuldigt, wenn das möglich gewesen wäre, aber hinterher? Ich wüsste gar nicht, ob ich das angemessen finden würde. Auch andersherum nicht.

        Sie sollte auch nicht dafür müssen, dass du schon öfter mal rücksichtslos von Autofahrern behandelt wurdest. Ich nutze beides, Rad und Auto. Je nachdem mit welchen Verkehrmittel ich unterwegs bin, ärgere ich mich über die, die ein anderes nutzen. Dann schimpfe ich über Autofahrer ebenso wie über Radfahrer. Rücksichstlose gibt es immer, aber die meisten benehmen sich ja dann doch so, dass der Großteiil gesund nach Hause kommt.

        Ich würde also sagen: Horcht in euch hinein! Habt ihr Folgeschäden, braucht ihr dafür finanzielle Unterstützung? Geht es euch darum, dieser euch unbekannten Frau eine Lektion zu erteilen? Worum geht es?

        LG

        • Liebe Golm,

          danke für Deine Denkanstöße und Deine Meinung.

          Letzlich muss es eh mein Mann entscheiden.

          Ich wusste so gar nicht, wie ich es fnden soll.

          Im Brief steht, "wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren wegen KF eröffnet.
          Für den weiteren Verlauf ist wichtig, ob Sie auch Strafanzeige erstatten."

          Ich fahre ab und zu auch Auto (geliehen von meiner Mutter), ich achte ehrlich gesagt extrem auf Radfahrer. Sie haben einfach soviel weniger Knautschzone, nämlich keine.

          Hier im Dorf und zwischen den Dörfern ist es eher die Regel, dass man zu schnell zu nah überholt wird, daher hast Du recht, ich habe schon einen leichten allgemeinen Groll auf Autofahrer..

          Wie gesagt danke für Deine Anstöße


          LG
          H.

          • "Ich fahre ab und zu auch Auto (geliehen von meiner Mutter), ich achte ehrlich gesagt extrem auf Radfahrer. Sie haben einfach soviel weniger Knautschzone, nämlich keine."

            Wir wohnen mitten in Berlin. Ich achte nicht nur extrem auf Radfahrer, das kann ich dir sagen. Trotzdem passieren Fehler, trotzdem übersieht man mal was. Die Unfallverursacherin wird in Zukunft sehr extrem auf alles achten. Wenn sie sich überhaupt so schnell ans Steuer traut.

            In keinem Land, das ich kenne, fährt man so aggressiv wie in Deutschland. Wir benehmen uns mit unseren Autos wie die Amerikaner mit ihren Waffen. Dafür jetzt eine einzige Autofahrerin büßen zu lassen, von der ihr gar nicht wisst, was sie gerade denkt und macht, halte ich für überzogen. Sie wird ja eine Strafe erhalten. Ich weiß nur nicht, was ihr davon habt, wenn sie eben noch mehr bestraft wird. Geht es also um Rache oder geht es darum, dass ihr wirklich Ausfälle habt, die ersetzt werden müssen?

            • Liebe Golm,

              Du hast recht, es passieren natürlich Unfälle, obwohl man es nicht will und aufpasst, das ist ja schon fast die definition von Unfall;-)

              Irgendwie gut noch mal zu hören (hab ich mir nie Gedanken dürber gemacht), dass Du D als ein Land der aggressiven Autofahrer einschätzt. Vermutlich gibt es da ja auch allgemeine Aussagen drüber.

              Mein Mann ist krankenversichert und krankgeschrieben, diese Ausfälle meinst du doch wohl?

              Unser Schaden ist hier mehr im menschlichen Bereich: Sehr starke Schmerzen und zwischenzeitlich absolute Angst wegen der fraglichen Schädelverletzung. Er hat vor Angst nicht mehr schlafen können. Und als Vater fällt er natürlich auch komplett aus und ist absolut unleidlich zu den Kindern. Da es ihm einfach ziemlich schlecht geht.
              Auch nach einer Woche hat er noch Schmerzen.

              Aber eine Freundin von mir hat gerade die Diagnose Pankreas Ca schon metastasiert bekommen. Da relativiert sich das natürlich schnell.

              Die potentielle Geldstrafe bei Anzeige (die ja auch die Polizei alleine gestellt hat), die käme ja gar nicht meinem Mann zu.

              Das wiederum tut das Schmerzensgeld, was wieder die Versicherung zahlt und nicht die Beschuldigte.

              Wenn ich grad so schreibe, merke ich wirklich wie unwichtig es im Vergleich zum Schicksal meiner Freudnin mit den noch kleinen Kindern ist....

              Trotzdem danke für Deine Anregungen.

              LG H.

              • Hallo!

                "Trotzdem danke für Deine Anregungen."

                Wieso trotzdem? Ich habe das Gefühl, du hast verstanden, was ich meine. Du hast doch schnell gemerkt, was wirklich wichtig ist. Womit ich sagen will, dass das meine Meinung ist und ich mich freue, dass du sie teilst. Das müsstest du nicht, es gibt sicher andere Standpunkte zu dem Thema.

                Wenn dein Mann nun länger Ängste hat, eingeschränkt ist und möglicherweise eine Therapie machen will, dann wäre das für mich ein Grund vielleicht mehr Schmerzengeld zu bekommen. So was meine ich.
                Ich meine nicht "Das steht uns eben zu" und basta, aber das hast du ja verstanden.

                Doch, Deutsche fahren voll aggressiv. Auf den Autobahnen ist ja fast Krieg, ey.
                In Frankreich fahren sie alle unter Tempolimit (was mich dann wieder auf die Palme gebracht hat), in Groß-Britannien fahren alle defensiv, in Schweden und Dänemark fahren alle langsam und alle kommen an. Kein Gehupe, kein Geschimpfe.
                In GB hatten wir mal einen kleinen Unfall. Hier wäre das ganze Paket mit Schimpferei und Polizei dabei gewesen. Dort war es eine Lappalie, die wir mal eben mündlich geregelt haben.
                Und es war dann geregelt. Wir waren nett zueinander, freuten uns, dass eigentlihc ni passiert war, wünschten einander einen schönen Tag und haben nie wieder voneinander gehört. Den Rest regelten die Versicherungen. Geht auch! Autos sind nur Gegenstände, aber in Detuschland sind es eher Familienmitglieder! Schlimm!

                LG

      Hallo,
      ich habe jetzt nicht richtig verstanden ob ihr für die Schadenregulierung einen Anwalt eingeschaltet habt? Wenn nein würde ich das tun (es wird alles reguliert, das kaputte Fahrrad, beschädigte Kleidung, Brille, Fahrten zum Arzt, Zuzahlungen Physiotherapie etc.).
      Wenn ja würde ich diesen zum Thema Strafanzeige befragen. Sofern die gegnerische Versicherung noch nicht die 100 %-ige Regulierung zugesagt hat könnte es evtl. gegen deinen Mann verwendet werden wenn er keine Anzeige erstellt.
      Also auch diesen Aspekt beachten.
      LG und alles gute für deinen Mann

      (9) 10.01.19 - 16:37

      Stellt die Strafanzeige, damit ihr überhaupt ein Schmerzensgeld bekommt.

      Wie auch immer die Frau deinen Mann hat übersehen können, gehört einfach gesagt bestraft, damit sie etwas daraus lernt und sich nicht ins Fäustchen lacht.

      Hallo,
      erst einmal deinem Mann gute Besserung!

      Mein Mann ist auch mal mit dem Fahrrad umgefahren worden. Das ist schon einige Jahre her, aber ich kann mich daran erinnern dass er alles an einen Anwalt abgegeben hat (wegen Regelung Schmerzensgeld etc). Strafanzeige hat er nicht gestellt, was sich hinterher aber als dumm erwiesen hat. Ich weiß leider nicht mehr aus welchem Grund, aber ich habe im Hinterkopf dass die Lehre war "hätte ich den Unfallverursacher doch angezeigt".

      Schmerzensgeld wurde übrigens ohne Anzeige gezahlt, ebenso das kaputte Fahrrad, Bekleidung etc.

      LG
      masinik

      Nur eine Meinung zum Fahrradhelm ! Keine Mythen erzählen.

      https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-07/fahrradhelm-sicherheit-radfahren

      • Allein das beim Mann nun Verdacht auf Schädelbasisbruch besteht sollte doch dazu beitragen, dass es nun " Klick macht" und man nicht mehr ohne aufs Rad steigt. Die Erfahrung sollte doch nun jede Diskussion erübrigen.
        Hoffentlich bleibt es dann nicht bei der Bestellung und das Ding wird auch getragen.

        Hatte selbst grad einen Unfall mit Helm und hab den Asphalt mit dem Kopf berührt.
        Somit gabs in dem Bereich nur ne Schürfwunde am Kinn, das hätte sonst schlimmer ausgesehen. Und da ich erst auf die seitliche Helmkante geprallt bin ist auch dem Kiefer/ Zähnen nix passiert , da hats nämlich abgefedert und das was ich am Kiefer an Aufprallenergie noch gemerkt hab hat nur kurz weh getan.

        Sehr spannend, vielen Dank fürs Raussuchen!
        Die Erklärung „mehr Unfälle durch weniger Radfahrer nach Einführung der Helmpflicht und somit weniger Vorsicht/Gewohntheit durch die Autofahrer“ ergibt auch Sinn.
        Dass Autofahrer denken „ah, der hat einen Helm auf, da passiert ihm nichts wenn ich ihn umfahre, da kann ich jetzt ganz knapp und riskant fahren“ ist ja auch absurd...

        • Ich bin begeistert. Du hast den Artikel verstanden:). (Wirklich positiv gemeint) . Ich habe berufsbedingt auch mal mit dem ein oder anderen Radfahrer zu tun. Meistens kommt dann ein Hubschrauber für die Neurochirurgie. Ein Helm tut mir nicht weh. Und mitlerweile sehen die ja sogar schick aus. Ansonsten dem verunfallten alles gute

          • Helm ist da, wird getragen. Meiner auch wieder konsequent. Hab da ja geschludert. Kinder immer mit Helm. War ein Warnschuss klar.

            Da es das Feld "möchte mich innerhalb von drei Monaten entscheiden zur Anzeige" gibt (so ä.), wird erst mal das angekreuzt. Der Anwaltsgehilfe meinet, die meisten zeigen nicht an.

            Danke für alle Antworten

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