Darf man auf etwas stolz sein, was man nicht selbst geleistet hat?

    • (1) 25.05.11 - 23:38

      Hallo!

      Angeregt von diesem Forum, frage ich euch, auf was man stolz sein kann und was nicht.

      Mir ist aufgefallen, dass viele Stolz mit eigener Leistung verbinden.
      Aber wenn man sich schämt, schämt man sich ja auch oft für Sachen, an denen man nicht Schuld ist.

      Ist Fremdschämen eurer Meinung nach richtig?
      Und auf etwas stolz sein, was man nicht selbst geleistet hat? Also auf sein eigenes Land, seine Stadt, sein Lieblingsfussbalteam, seine Oma usw?

      Ist es richtig sich wegen einem Politiker zu schämen, den man nicht gewählt hat? Oder auf die eigene Mutter stolz zu sein, die man logischerweise nicht selbst erschaffen hat?

      Für mich gehört Stolz für nicht erbrachte Leistungen genauso zum Leben, wie Fremdschämen. Wie seht ihr das?

      • Deine Frage ist interessant, aber schade, dass du das Thema "Stolz" und "Fremdschämen" vermischst.

        Ich unterscheide für mich inneren und äußeren Stolz.

        Beispiel:
        Ich bin sehr stolz auf meine Töchter und was sie bisher erreicht haben. Das haben aber SIE erreicht und damit kann ich mich nicht schmücken oder brüsten. Das ist mein innerer Stolz.

        Meinen äußeren Stolz würde ich zeigen, wenn ich selber etwas Tolles geleistet habe.

        Stolz auf Deutschland bin ich nicht, das ist eher ein Gefühl von Frohsein, hier zu leben, oder wenn ich im Radio höre, dass aus Deutschland irgendeine neue Technologie in der Raumfahrt einzieht z.B.

        Ds gleiche gälte für mich, wenn ich Fußball-Fan wäre und mein Verein Deutscher Meister würde. Viel Freude... aber Stolz eher nicht.

        Vielleicht kommen noch Beiträge zum Fremdschämen... :-)

        • Hallo!

          "Das haben aber SIE erreicht und damit kann ich mich nicht schmücken oder brüsten. Das ist mein innerer Stolz."

          99% der Eltern äussern das aber, und ich finde es irgendwie ok!:-)

          Ja, vielleicht ist es auch eher Freude als Stolz wenn das eigene Land irgendwo hervorragt.

          Wenn ich jemandem allerdings meine Lieblingssehenswürdigkeiten zeige, müsste man manchmal denken, ich habe sie selbst erbaut!;-)

          • >>>Wenn ich jemandem allerdings meine Lieblingssehenswürdigkeiten zeige, müsste man manchmal denken, ich habe sie selbst erbaut!<<<

            Das hat mich jetzt zum Schmunzeln gebracht.

            ----------------------------

            Ich glaube, mit dem Thema "Stolz" haben wir Deutschen immer noch ein Problem.

            • "Ich glaube, mit dem Thema "Stolz" haben wir Deutschen immer noch ein Problem."

              Genau deshalb, habe ich Stolz und Fremdschämen auch in einen Beitrag gepackt!;-)

              Wenn man sich (zu Recht) schämen kann, sollte man auch (zu Recht) stolz sein dürfen.

        "Ich bin sehr stolz auf meine Töchter und was sie bisher erreicht haben. Das haben aber SIE erreicht und damit kann ich mich nicht schmücken oder brüsten. Das ist mein innerer Stolz. "

        Ach, ich denke schon, dass man als Mutter da ein bisschen mit "angeben" darf. ;-)
        Immerhin hast du Ihnen ja alles mit auf den Weg gegeben, dass sie etwas erreichen konnten. Also darfst du dir deren Erfolg ruhig mit auf deine Fahne schreiben, wenn es nach mir geht jedenfalls. :-)

    Ich habe mich bis heute nicht an das Wort "fremdschämen" gewöhnen können und ich finde es wird auch meistens deplatziert verwendet.
    Sich für andere Menschen zu schämen, mit denen man nichts zu tun hat, wirkt auf mich immer irgendwie überheblich, anmassend und auch ein bisschen beleidigend.
    Manchmal bin ich "peinlich berührt" durch das Verhalten Fremder und ich empfinde diesen Ausdruck viel treffender als "Fremdscham". Sich für jemanden/etwas zu schämen, ist meiner Empfindung nach für Menschen/Situationen vorbehalten, auf die man einen Einfluss hat/hatte.

    Auch beim Thema "Stolz" sehe ich das ganz ähnlich. Natürlich sage ich meinem Mann auch immer wieder mal, ich sei stolz auf ihn, wenn er eine Leistung erbracht hat. Und der Ausdruck Stolz ist m.M. nach dann auch gerechtfertigt, da ich einen Einfluss auf ihn ausübe. Vor Leistungen anderer z.Bsp. meiner Vorfahren, auf die ich keinen Einfluss hatte, habe ich Achtung.
    Ich kann aber wiederum ohne Probleme sagen, ich sei stolz auf mein Land, weil ich da ja wiederum Einfluss habe.

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert;-)


    • ""Manchmal bin ich "peinlich berührt" durch das Verhalten Fremder und ich empfinde diesen Ausdruck viel treffender als "Fremdscham". "

      Hallo!

      Interessant! Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass "peinlich berührt sein" und "Fremdscham" vielleicht überhaupt keine Synonime sind#kratz.

      • Ich finde, "Scham" ist eine tiefergreifende Empfindung, die direkt mit einem selbst in Verbindung steht und aus einem selbst herrührt. Wohingegen eine "peinliche Berührung" (wie das Wort "Berührung" schon suggeriert) etwas ist, das von ausserhalb auf mich zu kommt.

        Naja, das ist nur meine Definition, vermutlich sehen das viele anders.

        • So gesehen ja.
          Und das Wort "Verantwortung" spielt auch noch eine Rolle. Manchmal ist es eben schwer zu sagen, in wie weit man in ein freudiges oder peinliches Ereignis selbst involviert ist

Ich bin stolz auf meinen Sohn.
Das trage ich auch nach außen hin, da halte ich nicht hinterm Berg! Denn: Er hat nach langer Krankheit wieder sein Lachen zurück erobert und meistert seinen (Schul-)alltag super, soweit er eben kann.

Ich bin aber auch stolz auf meinen Mann. Was er täglich auf Arbeit macht... Gut, das trage ich nicht nach außen. Ist dann wohl der angesprochenen innere Stolz.

Ich bin auch stolz auf mich selbst. Wie ich das schaffe. Kind mit Pflegestufe 3 (wer sich auskennt, weiß was das heißt) und arbeiten gehen. Nebenbei noch Haushalt etc. Das trage ich aber widerrum auch nicht nach außen.

Allerdings schäme ich mich auch fremd. Auch innerhalb der eigenen Familie. Aber das zeige ich nach außen...

  • "Allerdings schäme ich mich auch fremd. Auch innerhalb der eigenen Familie. Aber das zeige ich nach außen..."

    Hallo!

    Ich finde, in deinem Fall, kann man beides nach außen tragen! Natürlich in Maßen.
    Ständige Äußerungen wie "Mein Super-Mann, mein Super-Sohn ich Super-Frau" wären natürlich nervig und angeberisch, aber ab und zu ein "Ach, das hat er toll gemacht!" ist doch schön!

(14) 26.05.11 - 08:39

Also meiner Ansicht nach sind Stolz und auch Scham eher Gefühle, die man als solche nicht unbedingt rational begründen muss. Dazu kommt, dass man Gefühle nur begrenzt steuern kann.

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