Familienleben im Osten ??

    • (1) 09.06.06 - 12:46

      Hallo,

      mich würde mal intresieren wie Familienleben in der ehemaligen DDR war.

      Jeder hatte ja Arbeit. Aber wie war es dann, wenn ein Kind krank war ??

      Oder in den Schulferien, waren die Kinder dann in der Kita ??
      Oder paßten auch die Großeltern auf die Kinder auf ??

      War es nicht stressig, Famillienleben und Ganztagsbeschäftigung unter einen Hut zu bringen ??

      Erzählt mal !!

      Grüßle :-)

      • (2) 09.06.06 - 12:53

        Hallo,

        also bei meinem Bruder (zwei Jahre älter als ich) gab es für die Eltern keinerlei Geld, wenn sie wegen Krankheiten ausgefallen sind, bei mir gab es ganz normal gehalt.

        In den Schulferien war der Hort bzw. die Kita durchgehend geöffnet. Es gab allerdings auch massenweise Kinderferienlager, so dass die meisten Kinder sowieso in den Ferien mindestens zwei Wochen weg fahren.

        Familienleben und Ganztagsbeschäftigung unter einen Hut bringen zu müssen, hat nichts mit der ehemaligen DDR zu tun. Auch heute gibt es haufenweise Leute, die vollzeit beschäftigt sind und trotzdem Kinder haben...

        LG Anja

        Hallo,

        ich, Jahrgang 62, kann Dir davon berichten. Es war stressig!

        Klar, jeder hatte Arbeit, um Kosten für Gesundheit etc. brauchte man sich keine Sorgen machen, dafür lag vieles andere im Argen.

        Mein Sohn wurde im Dezember 1984 geboren. Ab Mitte Mai 1985 musste ich dann wieder arbeiten gehen. Das Babyjahr für das erste Kind war damals noch nicht eingeführt. Die Arbeitszeit hat 45 Stunden die Woche betragen. Ich habe mit dem Kind das Haus um 5.30 Uhr verlassen, damit er um 6.00 Uhr in der Krippe, später dann Kindergarten war. Gegen 16.30 Uhr habe ich ihn dann wieder abgeholt. Mein Ex-Mann hat damals zum Glück in der "rollenden Woche" gearbeitet. So konnte er das Kind auch mal unter der Woche zuhause behalten, wenn er frei hatte.
        Ein arbeitsfreies Babyjahr gab es damals erst ab dem 2. Kind. Ich glaube, für das erste Kind wurde es 1986 eingeführt, so genau weiß ich das nicht mehr, auf jeden Fall habe ich es knapp verpasst.

        Wenn das Kind krank war, gab es eine Krankschreibung vom Arzt. Geld hat es in dieser Zeit aber nicht gegeben. Man musste halt sehen, wie man hinkam. Wie das bei Alleinerziehenden war, weiß ich nicht.

        Da die Gehälter in der DDR nicht hoch waren, hatten wir gerade in den ersten drei Jahren ziemlich zu knabbern finanziell, da ein Kind in der Krippe natürlich öfter mal krank wird.

        Die Krippen/Kindergärten hatten das ganze Jahr über geöffnet. Für Schulkinder gab es die Horte, in denen die Kinder am Nachmittag betreut wurden und auch in den Ferien. Außerdem gab es Ferienspiele, wo die Kinder angemeldet werden konnten. Für einen kleinen Obolus wurde dann mit den Kindern allerhand unternommen. Z.B. Besuch im Schwimmbad, Museum, etc.

        Kindergeld gab es damals auch: 20 Mark pro Kind.

        Mehr fällt mir jetzt nicht ein, wenn Du noch Fragen hast, dann melde Dich noch mal.

        LG

        Pusteblume

        • Hast im Wesentlichen schon alles erzählt ;-)

          Übrigens, in der DDR gab es auch Sozialhilfe. U.a. auch sowas wie den heutigen Unterhaltsvorschuss (nannte sich Unterhaltssicherung)

          LG, Jana

      (5) 09.06.06 - 13:08

      Hallo moonerl,

      ich kann mich nicht daran erinnern, dass unsere Eltern mit Kinderbetreuungszeiten etc. jonglieren mussten.

      Waren wir krank, ist ein Elternteil (oder die Oma wenn sie da war) mit uns zuhause geblieben. In den Ferien hatten wir keine Probleme, da meine Mum Lehrerin ist. Es wurden aber immer Ferienspiele angeboten. Jeder Lehrer war eine Woche verantwortlich (bzw. immer mehrere) und dann gab es Arbeitsgemeinschaften oder Sportaktionen (Schwimmbad etc.). Meine Mum hat mich dann einfach immer mitgenommen. Schließzeiten im Kindergarten in den Ferien gab es nicht. Die Kindergartenerzieherinnen waren bei uns flexibler - wenn die Eltern abends länger arbeiten mussten, haben sie einen schon mal mit nach Hause genommen oder selbst nach Hause gebracht (war natürlich abgesprochen). Ansonsten lief natürlich soweit möglich auch einiges über die Großeltern (bei mir nur Oma). Ich denke, dass unsere Eltern bzgl. der Arbeit manchmal weniger unter Druck standen, da keine Arbeitslosigkeit in dem Umfang wie heute drohte. Ansonsten war es in unserer Familie selbstverständlich, dass wir Kinder mithalfen.

      Katrin, die heute in Bayern lebt - ein zweijähriges Kind hat, einen Mann, der 80 bis 100 Stunden pro Woche arbeitet, selbst Vollzeit arbeitet, keine Unterstützung im Haushalt hat und trotzdem ihr Leben schön findet - man darf einfach auch alles nicht so perfektionistisch sehen ;-)

      (6) 09.06.06 - 13:12

      Hallo,

      ich bin Jahrgang ´79 und hab daher auch noch ein wenig mitbekommen.

      Als kleines Kind bin ich in die Kinderkrippe und den Kindergarten gegangen - meistens bis 15 Uhr, dann hatte meine Mutter Feierabend. Tierisch gefreut habe ich mich immer, wenn ich "Mittagskind" war und dort keinen Mittagsschlaf machen musste.

      Als ich in die Schule kam, bin ich nach dem Unterricht immer im "Hort" gewesen.
      Dort hat man seine Hausaufgaben gemacht, mit Freunden gespielt, etc.

      Jetzt, im nachhinein, finde ich, dass dies eine super Lösung war, die man heute ruhig wieder aufleben lassen kann (aber dazu fehlen ja die finanziellen Mittel).

      Ich kann nicht sagen, dass ich mich von meinen Eltern vernachlässigt gefühlt habe, weil sie den ganzen Tag arbeiten waren. Wir haben auch viel zusammen unternommen, besonders am Wochenende. Und nachmittags um 15 Uhr sein Kind aus der KITA abzuholen - dann blieb immer noch Zeit, sich miteinander zu beschäftigen.
      In den Einrichtungen sind die Kids gut beschäftigt worden - mir hat es nicht geschadet.

      Wenn ich, oder meine Brüder, krank war/en, war unsere Mutter immer zu Hause und hat uns gesund gepflegt.

      In den Schulferien war ich teilweise bei meinen Großeltern (die 200 km weiter weg wohnten) - Urlaub an der Ostsee oder so konnten wir uns gar nicht leisten - und in den "Ferienspielen". Das ist von der Schule organisiert worden. Dort ist man u. a. zusammen ins Schwimmbad gegangen, hat Wanderungen gemacht.

      Ich war auch einmal im Ferienlager, im Erzgebirge. Das fand ich schrecklich - hatte tierisch Heimweh.

      Alles in allem kann ich nicht sagen, dass mir irgendetwas gefehlt hat (was man nicht kennt, vermisst man nicht).
      Wir hatten/haben nie viel Geld und waren/sind trotzdem glücklich. Hauptsache die Family ist gesund.

      Wenn ich jetzt ein Kind hätte, würde ich das sicher nicht so hinbekommen, wie meine Mom früher. Wenn ich schon allein an meine Arbeitszeiten denke ...

      LG
      wildcat_k

    • (7) 09.06.06 - 18:56

      Hallo,

      ich kann es Dir nur ein bisschen aus meiner Sicht als "DDR-Kind", Jahrgang 78, berichten.

      Also unser Familienleben lief toll, ich hatte eine schöne Kindheit.

      Ab dem 1. Lebensjahr war ich in der Kinderkrippe und ab dem 3. Lebensjahr im Kindergarten. Ich fand das super, denn dort hatte ich immer viele andere Kinder um mich herum mit denen ich spielen und herumtoben konnte.

      Wenn ich krank war ist meist meine Mama mit mir daheim geblieben. Da gab es wohl nie Probleme mit der Arbeitsstelle - jedenfalls keine von denen ich was mitbekommen hätte.

      Soweit ich es noch weiß, waren die DDR-Kitas auch während der Schulferien geöffnet. Jedenfalls waren sie nicht die vollen Ferien geschlossen. Die Sommerferien dauerten zu DDR-Zeiten schließlich sogar 8 Wochen.

      Während der Ferien konnte man in den Hort oder in die Ferienspiele gehen. Da ist dann oft ein tolles Programm von der Schule aus angeboten worden, wie z.B. Ausflüge in den Zoo, Schwimmen gehen und so was. Eine andere Möglichkeit waren eben noch die Ferienlager, in die ich auch gerne gefahren bin. Und natürlich war ich auch oft und gerne bei meinen Großeltern.

      Aus der Sicht meiner Mutter ist es es jetzt eigentlich stressiger das Familienleben mit einer Ganztagsbeschäftigung unter einen Hut zu bringen. Eben grade weil die Betreuung nicht so ausgebaut ist wie früher. Jedenfalls gilt das für meine jetzige Wohngegend (Baden-Württemberg).

      LG
      Gabi

      (8) 09.06.06 - 19:53

      krippen und kindergarten und hort. in der krippe war ich nicht, mein mutti war 3 jahre zuhaus (unbezahlt). im kinderga. schon, der hat auch nicht im sommer 3 wochen zu gemacht und hatte länge öffnungszeiten. ich war zwar mittagskind wurde vom opa oder der oma nach dem mittagessen abgeholt, in der schulzeit gab es den hort der hatte auch in den schulf. offen. man ist in den ferien ins kino, wandern, oder so gegangen wenn man in der zeit im hort war. also alles familien freundlicher als jetzt, eltern konnten arbeiten gehen und mussten sich keine gedanken machen was mit ihren kindern ist. wenn ich krank war ist meine mütti zuhaus geblieben. war einen sehr schöne zeit.

      (9) 09.06.06 - 21:36

      Hallo -schöne Frage!
      Also ich bin Jahrgang `74. Meine Mutter war alleinerziehend. Da ich in der ersten Zeit viel krank war, kam ich in eine Privatpflege. Schließlich mußte meine Mom irgendwie Geld verdienen.
      Später bin ich auch in den Kiga gegangen, meist von 6-18 Uhr.
      In der Schule gabs den Hort. Die Ferien habe ich bei Familienangehörigen auf dem Dorf(Ach war das schööön!), im Ferienlager und z.T. natürlich mit meiner Mom verbracht.
      Sicher verlangte das System schon eine große Menge an Organisation, aber die Leute haben sich untereinander auch mehr unterstützt.
      Rückblickend fand ich meine Kinheit toll - unbeschwert.
      Erst als es meiner Mom durch die Wende (Verlust der Arbeit ec.) nicht mehr so gut ging, hatte auch ich kein unbeschwertes Leben mehr, was aber natürlich dann auch mit meinem Alter zusammenhing.
      LG Ostschnitte giggl;-)

      (10) 10.06.06 - 08:54

      Hallo .

      Wir waren jedes Jahr in den Sommerferien für 2 Wochen im Ferienlager. Dann machten wir Urlaub mit unseren Eltern (meist Zelten an der Ostsee).
      Und unsere Großeltern passten dann auch noch auf.
      Es gab auch organisierte Ferienspiele. Man hatte so einen Pass, in dem alle Aktivitäten in der Stadt verzeichnet waren.

      Nach der Schule gab es einen Hort. Da musst ich nicht so oft hin, weil ich auch zum Sporttraining etc. gegangen bin.

      Als wir ca. 9-10 Jahre alt waren, haben wir den Nachmittag allein gestaltet.

      Ich kann mich nicht erinnern, dass ich, als ich krank war, bei meinen Großeltern war. Vermutlich passte ein Elternteil auf.

      Ich glaube, dass es stressig war. Aber wenn es jedem so geht, braucht man über Alternativen nicht nachdenken.

      Mir gefiel es (als Kind). Ich versuche nun auch, so zu leben. Allerdings arbeite ich vorerst nur 30 Stunden mit Baby.

      (11) 12.06.06 - 12:52

      Ich war von Anfang an in der Krippe, später im Kindergarten - meine Eltern haben gearbeitet. Kindergarten war schon fast sowas wie Vorschule. Die Kinder wurden nicht einfach nur aufbewahrt, sondern mußten richtig was lernen. Es wurde auch viel unternommen.
      Die ersten zwei Jahre bin ich nach der Schule im Hort geblieben. Ab der 3.Klasse konnte ich nach dem Mittagessen nach Hause gehen - meine Freunde auch. Wir haben uns dann nach der Schule bei einem getroffen und gespielt bzw. Hausaufgaben gemacht, bzw. sind zum Sport oder anderen schulischen Veranstaltungen gegangen. Nicht vergessen: Jeden Mittwoch nachmittag war Pioniernachmittag!
      Krank war ich sehr selten, Wir sind den ganzen Sommer barfuß gelaufen (natürlich nicht in der Schule) und haben im Dreck gespielt. Allergien und Heuschnupfen kannten wir nicht.
      Der Kindergarten war immer offen - sogar am Heiligabend und an Silvester. Wir mußten auch Sonnabends in die Schule gehen - da war nix mit schön ausschlafen und mit Mutti einkaufen fahren.
      Einkaufen war sowieso eine total andere Sache als heute. Wir haben nie gehungert - auch wenn viele von Euch das gern glauben. Es gab immer genug Milch (leider nur in Flaschen, die nach 2Tagen sauer war) und Brot, Fleisch und Wurst. Gemüse immer das, was gerade Saison bei uns hatte. Es gab sehr selten Bananen oder Apfelsinen. Aber es gab immer Äpfel und anderes einheimisches Obst und Gemüse.
      Einkaufen gefahren wurde nicht mit dem Auto (falls man ein hatte), sondern mit dem Fahrrad bzw. zu Fuß gegangen.
      Im Sommer gab es leider nie genug Getränke - wir sind trotzdem nicht auf die Idee gekommen, Wasser aus der Leitung zu trinken. Das tat man nicht! Dafür gab es dann kalten Tee oder eingerührten Sirup. Es gab zwar Brausepulver aber das war "bäh"
      Süßigkeiten gab es natürlich auch aber nicht in den Mengen wie heute. Es hat auch nicht so gut gescheckt, wie die Schokolade aus dem Westpaket das man einmal im Jahr bekommen hat.
      Ich hatte ein schöne Kindheit mit tollen Freunden! Wir haben ständig beieinander gehockt und wurden in den anderen Familien automatisch mitversorgt, wenn wir zur Essenszeit da waren. Wir haben viel draußen im Wald und auf dem Feld gespielt - aber auch zu Hause, wenn das Wetter schlecht war. Unsere Eltern haben gearbeitet und wir Kinder haben gemeinsam viel unternommen. Mit der Familie selbst wurde nicht sooo viel unternommen, denn bei langen Arbeitszeiten und nur 18 Urlaubstagen im Jahr war dafür nicht viel Zeit. Aber ich habe das als Kind nicht vermißt. Ich hatte doch Freunde! Wir kannten keine Markenprodukte, sondern hatten einfach praktische Kleidung. Ob die neu gekauft oder von anderen Kindern "geerbt" war, interessierte niemanden - wenn wir dreckig waren, sahen wir ja doch alle gleich aus! ;-)



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