Kind mit Downsyndrom

    • (1) 04.02.16 - 13:28

      http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.deutschland-kind-mit-down-syndrom-gericht-verhandelt-ueber-klage-gegen-aerzte.b56087ff-db60-4944-9be6-570a956af737.html

      In den Nachrichten wird heute schon den ganzen Tag darüber berichtet dass eine Familie Ärzte verklagt, welche nicht erkannt haben, dass das Ungeborene ein Kind mit Down-Syndrom ist.

      Ich finde das jetzt schon krass.
      Diese ganze Verklagerei nimmt schon Ausmaße wie in Amerkia an.

      Ärzte sind keine Hellseher >.<
      Irgenwdann gibt es keine Ärzte mehr da sie Angst haben, bei einer Behandlung was falsch zu machen und verklagt zu werden.

      Wie seht ihr das?

      • Naja, rein sachlich geht es den Eltern um einen Arztfehler. Ob nun falsche Diagnose, das linke statt das rechte Bein amputiert oder eben etwas Übersehen wurde, generell kann man damit eben vor Gericht, wenn jemand einen Schaden davon getragen hat.

        Ob die Ärzte hätten erkennen können, dass das Baby Trisomie 21 hat, wird sich dann ja herausstellen. Das hat mit Hellseherei wenig zu tun. :-)

        Ich denk das ist ein zweischneidiges Schwert.

        Wenn ich mich da reinversetzten würde....Ich wünsche mir schon Ewigkeiten ein Kind (wahrscheinlichkeit <5%) Angenommen ich würde Schwanger werden, würde ich natürlich auch wissen wollen ob der Krümel gesund ist. Und wenn nein, was hat es.

        Für jeden liegt die 'Schmerzgrenze' bei einem 'Behinderten' Kind woanders, einige sagen, egal, her mit allem, anderen wäre schon das DS zuviel....Ich verstehe zum Teil die Enttäuschung / Angst / Wut(?) wenn man mit einem gesunden Kind gerechnet hat, aber auf der anderen Seite denke ich sollen die Eltern glücklich sein, das es keine schimmere Behinderung ist. (Einen Herzfehler zu behandeln ist heutzutage ja schon fast 'Pförtnerarbeit')

        Ob ich die Erkrankung meines Kindes wie in dem Fall mit (entschuldigung) lächerlichen 10tsd€ entschädigen lassen würde, wo ich (lt Artikel) es hätte Abtreiben lassen wenn die Erkrankung bekannt gewesen wäre......Wie weit kommt man bei einem Pflegebedürftigen Kind mit 10tsd €?

        Wenn Die das Baby nicht haben wollen weil es nicht Perfekt ist, sollen sie es zur Adoption frei geben, es gibt unzählige Menschen die sich aus tiefstem Herzen ein Kind wünschen & dem armen kleinen Krümel ein liebevolles Zuhause geben würden ohne den Versuch es sich versilbern zu lassen.

        Aaaaber, ich gebe Dir bei der Aussage Recht, das es ausmaße annimmt wie in den USA....die Spinnen die Leute ;-)

        LG

        • (4) 05.02.16 - 22:31

          Es gibt unzählige Menschen, die das Kind gerne zuhause aufnehmen würden?
          Wo bitte sind die denn??

          Es gibt unzählige behinderte Kinder, die sich sehr über Pflegeeltern freuen würden, was leicht zu einer Adoption führen kann.

          Dein Text ist schön geschrieben, aber dieser Satz stimmt leider überhaupt nicht.

          • (5) 06.02.16 - 13:25

            Gerade in Bezug auf die Adoption von Kindern mit DS tut sich in den letzten Jahren viel in Deutschland und die Bereitschaft, ja der regelrechte Wunsch danach wächst zunehmend. In der USA ist die Bereitschaft schon länger groß.

            http://www.brigitte.de/liebe/familie/adoption-down-syndrom-1012802/
            Ich bekomme immer mal wieder Aufrufe mit, in der Eltern für ein Neugebrenes mit DS gesucht werden, bisher ist keines elternlos geblieben.

            Dass DS auch hier eine Sonderstellung gegenüber anderen Behinderungen einnimmt, ist mir aber durchaus bewusst.

            Im Moment zittere ich mit einer befreundeten Mama mit, die ein Pflegekind mit DS hat (seit Geburt, heute 7) und die leibliche Mutter jetzt verstärkt Kontakt sucht und sich, aus welchen Gründen auch immer, zB plötzlich über das fortgeschrittene Alter der Pflegemutter beschwert.

            Mein Mann möchte auch noch ein Kind mit DS adoptieren.

        (6) 06.02.16 - 12:58

        "(Einen Herzfehler zu behandeln ist heutzutage ja schon fast 'Pförtnerarbeit')"

        Nee, nicht pauschal. Der Sohn einer Kollegin von mir ist daran 19 Tage nach der Geburt gestorben. Er ist, weil der Herzfehler vorab bekannt war, in einer speziellen Klinik geboren und kurz danach operiert worden...man konnte sein Leben trotz allem nicht retten.

    Ich kann beide Seiten verstehen.
    Auf der einen Seite sind Ärzte auch nur Menschen die auch mal Fehler machen aber das Problem ist das Fehler die Ärzte machen sehr gravierende Folgen haben können.
    In dem Artikel steht aber meiner Meinung nach zu wenig um beurteilen zu können ob die Ärzte etwas falsch gemacht haben oder übersehen haben (welche Untersuchungen wurden gemacht,..).
    Gerade bei Herzfehlern ist es natürlich sehr vorteilhaft schon während der Schwangerschaft möglichst viel darüber heraus zu finden um nach der Geburt die bestmöglichste Versorgung zu gewährleisten.
    Über die Aussage der Eltern sollte man nicht urteilen, wir kennen sie nicht, wir wissen nichts über ihr Umfeld und und und.

    Wenn ihr bisschen googelt findet ihr mehr Informationen darüber.

    Mir geht es jetzt nicht direkt darum ob die Eltern abgetrieben hätten / abtreiben hätten sollen, das ist die Sache der beiden.

    Aber versetz dich mal in die Lage des Kindes.

    Auch wenn es das Down Syndrom hat ist es nicht dämlich.
    Und irgendwann stolpert es über einen Artikel darüber.
    Was ist das für ein Gefühl zu wissen "ich hätte nicht leben sollen".

    Für solche Fälle gibt es die Möglichkeit der Adoption, wenn man damit nicht umgehen kann / will. Wie auch immer.

    Und das zweite Thema daraus.
    Aber ich finde es krass, dass halt sofort geklagt wird..
    Ein Arzt ist quasi nichts anderes als ein Mechaniker. Und auch da kann es mal passieren dass er einen Fehler macht.
    Es SOLLTE nicht geschehen, tut's aber. Weil das eben Menschen sind.

    Wenn ich mich in Behandlung gebe sollte ich wissen, dass das keine Götter in weiß sind sondern eben auch was schief laufen kann...

    Buchhaltungsabteilung in einer Firma wird auch nicht gleich verklagt weil sie eine Rechnung vergessen haben zu bezahlen.
    Dämliches Beispiel, aber vom Prinzip her das Selbe..

    • Das kann man aber nicht vergleichen.
      Wenn wegen einem Fehler (im aller schlimmsten Fall) ein Mensch stirbt kann man nichts mehr machen, auf eine vergessene Rechnung folgt erst mal eine Zahlungserinnerung und eine Mahnung und die Rechnung (und zusätzliche Gebühren) können dann "einfach so" gezahlt werden.
      In jedem Beruf trägt man Verantwortung, in jedem Beruf kann (und darf) man Fehler machen. ABER auch in jedem Beruf kann es Konsequenzen auf Fehler geben was auch richtig so ist.

Hallo!

Diesen Artikel finde ich recht oberflächlich, hier habe ich aber noch ein paar Hintergrundinformationen gefunden:
http://www.welt.de/regionales/bayern/article151767357/Eltern-fordern-Schadenersatz-fuer-behindertes-Kind.html
Und nach dem Lesen dieses Artikels sehe ich erst einmal keinen Fehler der Ärzte. Bei einer 28jährigen Patientin würde ich nicht standartmäßig eine Fruchtwasseruntersuchung machen, da das Risiko einer Trisomie geringer ist als das Risiko durch eine Schädigung bei der Untersuchung. Die MS-Medikamente haben mit der Trisomie auch nichts zu tun.

Und ich stimme dir vollkommen zu: Die Klagebereitschaft der Bevölkerung steigt immer mehr an, ich bin selbst schon einmal wegen einer Lapalie verklagt worden, bei der der Kläger nie auch nur einen Funken Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Dem gegnerische Anwalt war das anscheinend egal, der hat die Erfolgsaussichten nicht einmal im Vorfeld überprüft - erst nach der gescheiterten Güteverhandlung hat er den Mandanten zur Begutachtung geschickt, um dann festzustellen, dass ich im Recht war #klatsch. Tja, Pech für den Kläger, Glück für mich, und profitiert hat nur der gegnerische Anwalt. Der Streitwert betrug übrigens 500€ - zahlen musste der Patient vermutlich deutlich mehr, allein mein Anwalt hat 263€ bekommen, der gegnerische Anwalt wird nicht weniger verlangt haben, und das Gericht arbeitet auch nicht umsonst.

Was den von dir bezeichneten Fall angeht, hoffe ich, dass auch in 2. Instanz die Ärzte nicht verurteilt werden - meiner Meinung nach müssten sie eigentlich einen Orden bekommen, weil sie ein Menschenleben gerettet haben ;-).

LG

  • Ich "moralisiere" auch schon den ganzen Tag vor mich hin, was ich von DIESEM Fall halten soll...

    Was mich aber tatsächlich am meisten beschäftigt, ist die Tatsache, dass die MS-Erkrankung der Mutter scheinbar als "Mit-Grund" herbeizieht, dass man nicht in der Lage ist, sich um ein behindertes Kind zu kümmern.

    Mag sein, aber die MS-Diagnose war bekannt, BEVOR die Dame mit dem nächsten Kind schwanger wurde. Bei dieser Argumentation bin ich ja fast der Meinung, sie hätte das Kind - ob krank oder gesund - abtreiben oder eben zur Adoption freigeben sollen.

    Irgendwie ist das alles sehr doppelmoralisch... #kratz

    • ich erkenne die Doppelmoral nicht.

      ich denke nämlich, dass das sehr persönliche Entscheidungen sind und es immer müßig ist, sich über die Entscheidungen fremder Personen Gedanken zu machen.

      ***Ich "moralisiere" auch schon den ganzen Tag vor mich hin, was ich von DIESEM Fall halten soll...***

      Ich war kurz entsetzt, bin aber schnell zu der Meinung gekommen, dass es sich bei der Klage lediglich um einen Versuch handelt an zusätzliches Geld zu kommen ohne dass ich der Familie unterstelle ihr Kind nicht oder weniger zu lieben. Ob sie tatsächlich abgetrieben hätten kann ja auch keiner sagen.

      Mag sein, dass ich falsch liege, aber anders kann ich mir den Widerspruch zwischen "das Kind lieben" (was ich ihnen absolut abnehme) und es als "Schadensfall" zu deklarieren nicht erklären.

      Der "Mehrbedarf" im Unterhalt wird mE im Übrigen schon durch das Pflegegeld und Steuererleichterungen abgegolten. Für pflegerische Engpässe durch zB einen Krankheitsschub der Mutter ist die Krankenkasse zuständig und diese hilft in Form von Haushaltshilfen, und zwar völlig unabhängig davon ob die Mutter hätte abtreiben können / garnicht erst schwanger werden sollen oder sonstigen Modalitäten.

Ich finde es einfach nur traurig, dass jemand versucht deswegen zu klagen.

Wo soll denn jetzt der Fehler der Ärzte gewesen sein?

Es gibt doch keine Garantie für ein gesundes Kind

Den Eltern muss doch klar gewesen sein, dass sie 2010 ohne Fruchtwasseruntersuchung (heute gäbe es ja die NIPT-Tests) kein sicheres Ergebnis für Down bekommen können. Dass die Ärzte einer Frau in dem Alter keine FWU empfehlen halte ich für verantwortungsvoll, da ihr Risiko für eine Fehlgeburt, ausgelöst durch die FWU, etwa 5 mal höher gewesen als dass ihr Kind Down-Syndrom hat. Wenn den Eltern ein Abbruch bei Down so wichtig war, hätten sie die FWU halt trotzdem machen müssen.

Dass die Eltern gern Geld zugesprochen bekämen kann ich mir schon vorstellen, sie haben sicher auch besondere Ausgaben und müssen sicher um vieles kämpfen und haben es durch die Krankheit der Mutter nochmal zusätzlich schwer. Aber wenn sie Recht bekommen finde ich das insofern bedenklich, dass Ärzte dann allen Schwangeren Diese Untersuchungen eindringlich empfehlen müssen und die sind einfach nicht für alle Schwangeren das Richtige (klar, niemand MUSS, aber viele hören halt auch gern auf die Empfehlung des Arztes...).

Irgendwie fehlt mir das Verständnis für die Eltern.
Dass man mit diagnostizierter MS noch ein viertes Kind bekommen muss halte ich für äusserst grenzwertig, ich hoffe es handelte sich wenigstens um einen Verhütungsfehler und nicht eine geplante Schwangerschaft.
Dass Trisomie 21 ausschliesslich im Rahmen einer invasiven Untersuchung wie die Fruchtwasseruntersuchung mit Sicherheit feststellbar ist, dürfte eigentlich Allgemeinwissen sein, zumindest wer kognitiv halbwegs fit ist und in der Lage ist einen Schwangerschaftsratgeber zu lesen weiss das, dazu benötigt man kein Medizinstudium. Wer dazu nicht in der Lage ist, bei dem müsste man sich immerhin fragen dürfen, ob es sinnvoll ist sich mit derart eingeschränkter Intelligenz mehrfach reproduzieren zu müssen.
Lustigerweise reicht die Intelligenz der Eltern immerhin dazu anderen die Schuld zu geben und zu klagen.
Das arme Kind, kann kein angenehmes Gefühl sein irgendwann zu realisieren, wenn die Eltern gewusst hätten, dass ich so bin wie ich bin, dann hätten sie mich getötet.

Würde es sich um einen "echten" Arztfehler handeln, zb. vertauschte Proben bei der Fruchtwasseruntersuchung usw. dann wäre die Klage nachvollziehbarer.

  • Was ist in deinen Augen so schlimm daran mit diagnostizierter MS noch Kinder zu bekommen?

    • Vielleicht bin ich vorbelastet, weil ich in der Pflege arbeite, aber ich habe zu oft erlebt, was es für die Kinder im Teenager- oder jungen Erwachsenenalter bedeutet, wenn der MS-Kranke Elternteil neurologisch/kognitiv massiv abbaut.

      • Vermutlich.

        Denn auch ohne (frühe) Diagnose kann das ja passieren. Eine Bekannte von mir hat die Diagnose bekommen als die Tochter 5 war. Inzwischen ist sie zwar gut eingestellt, aber man merkt ihr jeden Schub an.
        Meine Oma dagegen hat ihre Diagnose nach dem 2. Kind bekommen und die beiden nachfolgenden Schwangerschaften haben ihren Zustand eher verbessert, als verschlimmert.

        Gerade MS ist ja eine Krankheit bei der niemand sagen kann wie sie verläuft. Bei den einen gehts ganz rasant und bei den anderen schleichend.

        • Und dennoch ist es so, dass die Erkrankung der Mutter in diesem Fall als Mit-Argument geführt wird, warum der Zustand (krankes 4. Kind) nicht tragbar ist und entschädigt werden muss.

          Und da dreht es sich bei mir im Kopf...

          Wenn es wirklich so ist, dann wäre auch ein gesundes Kind ein Problem. Und da steht eben die Frage im Raum: Wieso musste diese Schwangerschaft dann sein?

          • Es ist doch bekannt, dass ein krankes Kind wesentlich intensiver betreut werden muss, als ein gesundes Kind.

            Du wirfst hier eine generell Frage zu Abtreibungen auf. Darf man sich gegen ein krankes Kind entscheiden und abtreiben, das man, wäre es gesund, austragen würde.

            Auch da müsstest du konsequenterweise fragen, ob denn die Schwangerschaft sein müsste.

            • ***Du wirfst hier eine generell Frage zu Abtreibungen auf. Darf man sich gegen ein krankes Kind entscheiden und abtreiben, das man, wäre es gesund, austragen würde.***

              DS ist keine Krankheit.

              • Ich weiss, ich habe auch lange gegrübelt, was ich schreiben soll und ob ich die Posterin daraufhinweisen sollte.

                Ich wollte aber nicht klugscheissend rüber kommen.

                Mir geht es aber bei dem Thema gar nicht so sehr um Down Syndrom, sondern um den komplexen Herzfehler und wie ich gelesen habe, hat das Kind auch pulmonale Hypertonie, eine wirklich schlimme Erkrankung.

                daher fand ich dass "krank" doch sehr gut passt.

(25) 04.02.16 - 20:27

Hallo,

das Kind hat ja nicht nur ein Down Syndrom, sondern auch noch einen Herzfehler. Ist also schon sehr schlimm, wie ich finde.

Die Ärzte zu verklagen, finde ich dennoch nicht richtig. Die sind keine Hellseher.

LG

Carola

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