Nachweispflicht, dass eine Rechnung versendet wurde - kennt sich jemand aus?

    • (1) 05.08.16 - 08:11

      Hallo zusammen,

      ich hatte gestern eine nette Überraschung im Briefkasten: Eine zweite Mahnung über eine Untersuchung meiner Tochter nach der Entbindung über 500 Euro. Datiert war die angebliche Rechnung auf den 25.7.2015.

      Ich habe aber weder eine Rechnung noch eine erste Mahnung bekommen. Nach der Entbindung kamen mehrere Rechnungen, die ich auch alle beglichen habe. Teilweise wurden da auch Beträge storniert, weil falsch berechnet wurde usw. ... also ein ziemliches Chaos damals, das zeigt, dass die Klinik ihr Abrechnungswesen nicht vernünftig im Griff hat.

      Und mein Problem ist: Ich bin zu 70% beihilfeberechtigt, und ich kann Rechnungen bei der Beihilfe nur innerhalb einen Jahres einreichen (und darauf besteht die Beihilfestelle auch, hab gestern angerufen)! Das heißt, ich würde auf ca. 300 Euro Kosten sitzen bleiben! :-[

      Gestern habe ich mit meiner Anwältin telefoniert. Diese riet mir, einen Nachweis zu fordern, dass die Rechnung tatsächlich rausgegangen ist. Sie meinte auch gleich (und dieser Meinung bin ich auch), das späte Versendedatum der zweiten Mahnung würde danach "stinken", dass in der Buchhaltung der Klinik etwas verschlampt wurde. Eine zweite Mahnung nach über einem Jahr, das sei sehr ungewöhnlich.

      Ich habe dann bei der Klinik einen solchen Nachweis gefordert und darum gebeten dass, falls der Nachweis nicht möglich ist, das Rechnungsdatum korrigiert wird.

      Hier weigert sich die Klinik aber.

      Ich werde gleich nochmal mit meiner Anwältin telefonieren. Da diese aber gestern schon etwas ratlos wirkte, wollte ich in die Runde fragen:

      Weiß hier jemand, wer im Zweifelsfall in der Nachweispflicht ist, dass die Rechnung tatsächlich rausging?

      Vielen Dank im Voraus!

      LG

      • Hallo,

        soweit ich weiß, liegt das Krankenhaus tatsächlich in der Nachweispflicht und muss nachweisen, dass die Rechnung verschickt wurde. Das Risiko trägt immer der Versender.

        Vom Zeitraum her könnte es mit dem Poststreik im letzten Jahr übereinstimmen und vielleicht war es ja wirklich so, dass die Rechnung passend versendet wurde und nur nicht bei dir angekommen ist.

        Viele Grüße,
        lilavogel

        Nachweispflicht, dass die Rechnung an Dich abgeschickt wurde und dass Du sie auch empfangen hast trägt tatsächlich das KKH.

        Du machst also jetzt Folgendes: Du formulierst schriftlich einen Widerspruch gegen die zweite Mahnung und versicherst, dass Du nie eine Rechnung oder erste Mahnung erhalten hast. Du forderst dann, dass man Dir nachweist, beide Schriftstücke abgesendet zu haben und auch einen Nachweis darüber, dass die Briefe bei Dir eingegangen sind. Wie man das am Besten formuliert kann Dir wohl die Anwältin sagen.

        Wichtig ist jetzt natürlich, dass Du wiederum einen gerichtsverwertbaren Nachweis behältst, diesen Widerspruch abgesendet zu haben. Zweckdienlich ist hier die schriftliche Bestätigung des Empfängers, also nicht nur aus Kostengründen ein Einwurfeinschreiben oder Einschreiben mit Rückschein benutzen, sonst drehen die nämlich einfach den Spiess um. ;-)

        • Warum soll ein Schreiben Einschreiben mit Rückschein nicht gerichtsfest sein? Man hat doch den Nachweis, dass das Schreiben erhalten wurde und auch das Datum der Zustellung, das ja auch zeigt, um welches Schreiben es sich handelt. Ich verstehe nicht, wie die Klinik da den Spiess umdrehen könnte.

          Gruß Bernd

          • "Selbst das Einwurfeinschreiben und das Einschreiben mit Rückschein garantieren keinen sicheren Zugangsnachweis. Zwar können sich diese beiden – kostenintensiveren – Versandarten bei der Beweisführung durchaus als vorteilhaft erweisen, dennoch haften selbst diesen spezifische Probleme/Risiken (Einwurf nicht ordnungsgemäß dokumentiert, Annahmeverweigerung, etc.) an, die deren Vorteile wieder relativieren."

            https://www.anwalt.de/rechtstipps/bestreiten-des-zugangs-mehrerer-mit-gewoehnlicher-post-versandter-mahnungenschreiben-beweisfuehrung-und-argumentation_066055.html

            • "Nach wie vor bietet sich daher bei entscheidenden Schrift-/Poststücken an, sich den Zugang vom Empfänger ausdrücklich bestätigen zu lassen bzw. einen Boten einzusetzen bzw. – als sicherster Weg – die Zustellung über den Gerichtsvollzieher zu wählen."

              Danke, für Deine schnelle Nachricht.

              Allerdings halte ich es schon weit hergeholt bei einem möglichen Schaden von 300.-Euro, einen Boten oder gar den Gerichtsvollzieher mit einem Schreiben zu schicken. zumal es selbst da ja die Annahmeverweigerung geben kann. Da möchte ich nicht wissen, was das kostet. Bei Annahmeverweigerung bekomme ich ja auch mit dem Rückschein Nachricht.
              Schreiben per Boten zu schicken halte ich in normalen Auseinandersetzungen für mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

              Gruß Bernd

    Hallo,

    bist du den sicherheitshalber alle Rechnungen und Überweisungen von damals durch gegangen? Und hast geschaut ob du nicht doch eine Rechnung nicht beglichen hast?

    Ja die Klinik ist in der Nachweispflicht und muss beweisen das die Rechung und die erste Mahnung an dich raus ging.

    Aber geh sicherheitshalber doch noch mal deine Dokumente durch. Sicher ist sicher!

    Was hat den die Beihilfe gesagt ob nicht doch was durch die lappen ging?

    • Hallo,

      danke für deinen Hinweis.

      Klar bin ich alles nochmal durchgegangen. #schwitz Dabei fiel mir auch auf, wo die Klinik den Fehler gemacht hat. Da sind nämlich damals einige Rechnungen storniert und neu ausgestellt worden und dabei ist der Fehler passiert.

      Ich schreibe unten im Thread jetzt mal, wie es ausgegangen ist.

      LG

(13) 05.08.16 - 11:34

Hallo zusammen,

soeben habe ich mit der Klinik telefoniert und sie nimmt die Verantwortung für die verspätete Rechnung auf sich. #pro

Folgendes führte dazu:

- Erneutes Telefonat mit der Anwältin ergab: Die Klinik ist in der Nachweispflicht und ich habe einen Schadensersatzanspruch, wenn mir durch einen verspäteten Eingang der Rechnung Kosten entstehen. Diesen hätte ich geltend machen können.

- Ich habe zusätzlich bei meiner privaten KV angerufen, die ja die anderen 30% der Kosten trägt. Denn, Glück für mich: Die Klinik wollte damals mit der PKV direkt abrechnen. Und siehe da, TOTAL REIN ZUFÄLLIG hat die PKV auch bis heute keine Rechnung über den Krankenhausaufenthalt meiner Tochter bekommen.

Mit diesen Tatsachen konfrontiert, hat die Klinik nun zurückgerudert und wir haben eine Lösung gefunden, damit ich nicht auf den Kosten sitzenbleibe.

Also, alles wird gut! #rofl

Und dafür habe ich heute Morgen zwei Stunden Kontoauszüge, Rechnungen und Beihilfeunterlagen gewälzt. Weil man ja nach Schwangerschaft und Entbindung so unglaublich wenige Arztrechnungen hat, die man dann kontrollieren muss. Bäh! #schwitz

Euch vielen Dank für die hilfreichen Tipps! #pro

LG

  • (14) 05.08.16 - 12:40

    "Und siehe da, TOTAL REIN ZUFÄLLIG hat die PKV auch bis heute keine Rechnung über den Krankenhausaufenthalt meiner Tochter bekommen."

    Oops.. #schein

    Ansonsten: Glückwunsch ;-)

    • (15) 05.08.16 - 14:14

      Danke!

      Was ich echt frech finde: Dass sie wahrscheinlich drauf spekuliert haben, dass ich mir unsicher bin, ob ich die Rechnung nicht doch verschlampt habe.

      Und NATÜRLICH habe ich an mir gezweifelt, ob ich nicht doch selbst schuld bin. Wer lernt schon auswendig, was innerhalb einen Jahres an Rechnungen ins Haus geflattert ist? #augen

      Aber spätestens nach dem Anruf bei der PKV war ich mir dann sicher.

      Arschkekse. :-p

      LG

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