Eure frühesten Erinnerungen

Manche erinnern sich an Erlebnisse als Zweijährige, bei anderen setzt die Erinnerung erst Jahre später ein. Auch Gerüche können eine große Rolle dabei spielen. Hier erzählen urbia-Mitglieder von ihren frühesten Erinnerungen.
Ein Tipp vom urbia Team

    • (1) 27.04.17 - 13:01

      Hallo,
      Heute hab ich mich mit ein paar Leuten über unsere ersten, echten Erinnerungen unterhalten und fand das sehr interessant, deshalb wollte ich auch einfach mal hier nachfragen!

      Meine allererste Erinnerung ist:
      Ich werde von meiner Mutter aus meinem Gitterbett gehoben und sie legt mich neben sich ins Bett. Ich liege auf dem Bauch. Sie legt meinen Arm noch etwas zurecht, so dass er neben meinem Gesicht im Blickfeld liegt.

      Keine Ahnung wie alt ich war, ich nehme aber anhand der Situation ziemlich klein an. Die nächste klare Erinnerung ist erst später, im Kindergarten Alter. Ich hab auch einige andere, bei denen ich nicht weiß, ob die Erinnerung echt ist, oder mir nur oft genug erzählt wurde.

      Und bei euch?

      LG pikebu

      • (2) 27.04.17 - 14:34

        Ich kann mich ans Elternschlafzimmer,wo mein Gitterbett drin stand, erinnern und besonders an die dunkelroten,schweren Samtgardinen,die das Zimmer komplett abdunkelten.....bis auf die Nacht,wo es gegenüber (Hochschulgebäude) hell brannte und alle im Haus aufgeregt rausrannten. Stimmen und Rufe...und dann das blitzende Blaulicht und die Feuerwehrsirenen.Da war ich vll. 4 oder 5...

        Meine erste Erinnerung ist das Röntgen meines gebrochenen Armes im Krankenhaus nach einem Sturz von der Leiter (und zwar auf den Betonboden im Stall, unglücklicherweise direkt auf einen herumliegenden Werkzeugstil - glatter Bruch durch Elle und Speiche...). Ich kann mich an den verdunkelten Raum erinnern und wie der Arzt o.ä. das Bleizeichen mit dem "R" neben den Arm legt. Da war ich ungefähr 2 1/2 Jahre alt.

        Das ich auf dem Küchentisch liege, meine Mutter mich abtrocknet, ich sehe die Punkte auf der Bebe-Creme und die Punkte auf meinem Handtuch. Und gerade wie ich so anfange die Punkte zu vergleichen geht die Tür auf, mein Papa kommt von draußen rein und es weht plötzlich ein ganz kalter Wind. (Ja, ich wurde in der Spüle gebadet und der Küchentisch war auch gelichzeitig der Wickeltisch. Kalter Wind weil die Tür in der Küche eine Außentür war.)

        Ich liege bei meiner Mama auf dem Bauch und inspiziere die Adern auf ihrer Hand, dabei lief ihre Trockenhaube. Also sie saß so halbliegend auf dem Sessel.

        Dann der Geruch einer Babycreme aus der DDR, leider weiß ich den Namen nicht. War so vor 40-41 Jahren. Als Jugendliche nicht mehr dran gedacht und nach der Wende habe ich sie nicht gefunden. Ich selber bin ja im Westen geboren und aufgewachsen, aber die Familien meiner Eltern haben halt noch dort gelebt und wir waren dort oft zu Besuch.

        Der Geruch der Berliner U-Bahn, also den wenn man die Treppe runter gekommen ist.

        Und eine Erinnerung, wo ich jetzt rausgefunden habe, das es so nicht gewesen sein kann. Ich habe richtig recherchiert und platt, wie einem die Erinnerungen so einen Streich spielen können. Es geht um die alte Markthalle in Hamburg (am Bahnhof), ich war mir so sicher das dort auch Wochenmarkt war. Sehe mich, wie ich da rein gehe, die Stände. Das kann zeitlich einfach nicht passen, es hat nicht so stattgefunden. Also gehe ich davon aus, das es eine Erinnerungskombination einer Berliner Markthalle mit den Außenbildern (im Kopf) von der Hamburger Markthalle sein muß.

        • Gerueche finde ich ganz krass bei solchen Erinnerungen. Das Haus, in dem meine Oma und Opa gewohnt haben, hatte einen ganz eigenen Geruch. Manchmal "stolper" ich irgendwo ueber diesen Geruch und fuehle mich sofort zurueck in meine Kindheit versetzt.

          Das Bloede ist nur, dass man die so schlecht beschreiben kann ;)

          • Ohh ja, Gerüche, sie spielen auch bei mir eine ganz große Rolle. Krass finde ich ja, das dann quasi zeitgleich die Erinnerungsfetzen in Bildern im Kopf sind. Und das ist nicht nur bei den Kindheitserinnerungen so.

          • Oh, das kenn ich auch ganz extrem.

            Es gibt einen Geruch, der mir manchmal um die Nase weht, der mich sehr an einen Urlaub als Kind in Portugal erinnert. An die warme Sommernacht, an das Meer, an die Promenade mit den Ständen...ich bin sofort wieder in der Situation und zwar viel umfänglicher als wenn mir jemand von der Situation erzählen würde.

            Und "unser" Familien-Geruch" fällt mir immer ganz doll auf, wenn ich nach zwei/drei Tagen Abwesenheit wieder nach Hause komme. Es riecht so heimelig.

            Schade, dass man Gerüche so schlecht konservieren und als Erinnerung mitnehmen kann.

            Wir brauchen wohl einen neuen Grenouilles, der sich vielleicht in seiner Reinkarnation auf das Einfangen von "Zuhausegerüche" und nicht auf Jungfrauen spezialisiert....

            (8) 04.05.17 - 11:10

            Das mit dem Geruch verbinde ich so intensiv nur mit einer Erinnerung.

            Bei mir ist es eine bestimmte Note Kuhstall. Sobald mir diese Geruchsnote in die Nase weht, überkommt mich total die Erinnerung an frühe kindliche Skiurlaube in der dortigen Pension mit Kuhstall.

            In solchen Momenten überkommen mich wirklich starke Gefühle. Das alles kann ich nicht bewusst auslösen. Es geschieht nur, wenn ich diesen Geruch einatme.

      Hallo,

      bei mir ist es ganz spät. Erst mit etwa 10/11 Jahren habe ich Bruchstücke. Genauer wird es erst mit 13/14. An KiGa und Grundschule habe ich keine nennenswerten Erinnerungen. Einschulung, Kommunion, Schulwechsel..... das hat wohl ohne mich stattgefunden.

      Ich bin in psychologischer Behandlung (leide unter einer Essstörung). Die Therapeutin sagte mir, es sein normal dass die ersten Erinnerungen mit etwa 3 bis 4 Jahren wären. Mit zunehmendem Alter würden die Erinnerungen dichter werden.

      Meine erste Erinnerung, die ich wirklich bewusst habe, ist der Geruch der Mensa im Gymnasium. Also frühestens Klasse 5.

      LG

      • Meine allererste Erinnerung ist immer noch die, als ich meinem Opa an den Haaren gezogen hatte ;) Da muss ich so um die 3 gewesen sein. Leider ist der Opa inzwischen verstorben und ich kann mich vermutlich nur daran erinnern, weil wir (also ich eingeschult wurde) die Fotos durchgegangen sind ;)

    Darüber habe ich auch schon mit Leuten unterhalten und war beeindruckt, wie weit das auseinandergeht: die einen erinnern sich an Dinge aus der Kleinkindzeit, bei anderen fängt das erst in der Grundschule oder später an.
    Und ich frage mich häufig, ob mein Sohn, mittlerweile 5 Jahre alt, seine jetzigen Erinnerungen, die ebenfalls erstaunlich weit zurückreichen, irgendwann vergessen wird.

    Meine frühesten Erinnerungen habe ich an eine Zeit, wo ich lange im Krankenhaus lag. Da war ich drei Jahre alt. Das sind eher so Schlaglichter: die Einrichtung des Kindergartens in der Klinik, der Entchenaufkleber an der Klotür, ich im OP-Kostümchen....
    Dann habe ich einige wenige Erinnerungen an die Kindergartenzeit, etwas mehr Erinnerungen an die Grundschulzeit und etliche Erinnerungen an die spätere Schulzeit. Aber z.B. den Abiball habe ich kaum abgespeichert.

    Ich finde das krass, wie viel von dem, was ich im Alltag als wichtig erlebe, sehr schnell im Nebel des Vergessens versink. Ich habe eine Freundin, die sich sehr viel detailreicher an alles erinnert, was wir z.B. in der Jugend erlebt haben. Während ich nur noch weiß, das wir mit 16 mit dem Fahrrad ans Ijselmeer gefahren sind, kann sie sich an die Details erinnern. Wenn sie dann erzählt, kann ich mir vorstellen, wie sich jemand mit Demenz fühlen muss. Das ist ein sehr seltsames Gefühl, wenn dir jemand erzählt, du hättest dieses und jenes gemacht und bei dir klingelt NICHTS.

    Und ich finde es faszinierend, dass man Zeit auch im Rückblick als etwas kontinuierlich Verlaufenes empfindet, obwohl zumindest ich, eben nur diese Spotlight-Erinnerung habe und das man sich selbst als das gleiche Wesen begreift, das man als Kleinkind war, halt nur älter, ohne das man sich an den Prozess des Älterwerdens im Detail erinnert.

    Und ich frage mich manchmal, wenn ich etwas erlebe, ob das nun eine Spotlighterinnerung wird oder ob es irgendwann auch im See des Vergessens abtaucht und ob ich darauf einen Einfluss habe, was damit passiert.

    Spannendes Thema!!

    #winke Die Alltagsprinzessin

    • "... und das man sich selbst als das gleiche Wesen begreift, das man als Kleinkind war, halt nur älter."

      Das finde ich auch immer faszinierend. Wenn ich mir alte Schüler- und insb. Abizeitungen anschaue, dann kommen mir die Schüler, die in den Jahrgängen über mir waren, auf diesen Photos irgendwie "älter" vor als ich, dabei müsste ich sie aus meiner heutigen Perspektive als die Kinder sehen, die sie seinerzeit waren, nur ein Bruchteil so alt wie ich heute bin. Aber weil ich mich immer noch irgendwie als den Mittelstufenschüler von damals sehe, erscheinen mir die Abiturienten von damals noch heute als "die Großen".

(13) 27.04.17 - 19:08

Hallo mit zwei Jahren nutzte ich den Dampf in der Waschküche und lief meiner Mutter davon.Sie fand mich gut einen Kilometer entfernt auf der Straße, die zu meiner Oma führte.
Man reagierte oft erstaunt über mein Erinnerungsvermögen, insbesondere an Vorkommnisse aus meiner Kleinkind und Vorschulzeit.
Alte Mitschülerinnen habe ich schon damit verblüfft ,dass ich wusste, was sie bei unserer ersten Nachtwanderung ( 5. Klasse )an hatten.#rofl
Natürlich sind diese Erinnerungen völlig willkürlich und oft ohne Bedeutung.
An die Vorkommnisse vor dem TV als JFK starb erinnere ich mich z.B. sehr genau.Wer was sagte, wer weinte, welche Nachbarn kamen und klingelten.Die Bestürzung und Aufregung der Erwachsenen führten wohl dazu.Oft handelt es sich aber um völlig belanglose Sachen.

Da früher selten Fotos gemacht wurden und einiges vor uns Kindern geheimgehalten wurde, wurden meine Erinnerungen ( zumindest von meinen Eltern und Verwandten ) als "echt" eingestuft.

L.G.

  • "Da früher selten Fotos gemacht wurden und einiges vor uns Kindern geheimgehalten wurde, wurden meine Erinnerungen ( zumindest von meinen Eltern und Verwandten ) als "echt" eingestuft."

    Wohingegen meine Tochter mich gerade gestern mit Erinnerungen überzeugen wollte, von die sie hat, weil es davon ja auch Photos gibt - und vermutlich musste meine Tochter keine vier Wochen alt werden, um so oft photographiert zu werden, wie ich in meinem ganzen Leben...

    • <<<und vermutlich musste meine Tochter keine vier Wochen alt werden, um so oft photographiert zu werden, wie ich in meinem ganzen Leben...
      <<<

      So ist das heutzutage.:-)
      Manchmal finde ich es auch schade, so wenig Kinderbilder oder Jugendfotos von mir zu haben.

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